—* Für die hrenßisch - hessischen Staatsbahnen ist das laufende Rechnungsjahr sehr günstig. Die Einnahmen betragen bisher 632 3/4 Millionen Mark oder als im Vorjahr. Der Monat
32 Millionen mehr August ergab mit Ueberschuß.
— Die Beiträge in diesem Jahre von
6,8 Millionen den größten
zur Landwirtschaftskammer sind 'A auf 7i Prozent des Grund
steuerreinertrages erhöht worden. Beitragspflichtig sind alle Landwirte, deren Besitzungen einen Grundsteuerreinertrag von 40 Talern und mehr haben.
—* Bauernregeln für Oktober. Hält der Baum seine Blätter lange, ist mir um späten Winter bange. Ist im Herbst das Wetter hell, bringt es Wind und Winter schnell. Scharrn die Mäuse tief sich ein, so wirds ein harter Winter sein. Auf Sankt Gall (16. Oktober) bleibt die Kuh im Stall. Wenn Sankt Gallus
den Butten trägt, ists ein schlecht Zeichen für den Wein. An Ursula (21. Oktober) muß das Kraut herein, sonst schneien Judas und Simeon (28, Okt) drein. Wenn Simeon und Judas vorbei, dann rückt der Winter herbei. Sankt Simon der Jüd' bringt den Winter unter d' Lüt! Halten die Krähen Konvivium, sieh nach Feuerholz dich um. Ist recht rauh der Hase, so frierst du bald an der Nase. Trägts Häschen lang sein Sommerkleid, so ist der Winter auch noch weit. Wenn im Moor viel Irrlicht stehen, bleibt der Winter lange schön. Im Oktober Frost und Schnee, bringt im Winter vieles Weh. Wenn der Zugvogel zeitig geht, harter Winter vor der Türe steht. S' ist auch ein schlimmes Winterzeichen, wills Laub nicht von den Bäumen weichen. Oktober-Himmel viel Sterne, hat man warmen Ofen gerne. Regnets im Oktober viel, treibt im Dezember der Wind sein Spiel. Oktober viel Nebel in der Höh, im Dezember großer Schnee.
—* Schadensersatzpflicht des Hausbesitzers. Als eine Frau M. in dem Hause des Bäckermeisters L. in Berlin zu ihrer Kellerwohnung die Treppe hinabging. fiel sie auf den etwas abgetretenen Steinsrufen und brach sich den Arm. Ihr Ehemann verklagte den Bäckermeister auf Zahlung der Heilungskosten und einer dauernden Rente. Nach gründlicher Beweiserhebung verurteilte, wie das „Grundeigentum" jetzt mitteilt, das Landgericht den Hausbesitzer zum Schadensersatz mit folgender Begründung: »Der Beklagte haftet für den durch den schadhaften Zustand der Kellertreppe verursachten Schaden als Eigentümer des von ihm selbst bewohnten und verwalteten Hauses gemäß §§ 823 ff des Bürgerlichen Gesetzbuches. Es kommt dabei nicht darauf an, ob ihm der schadhafte Zustand mitgeteilt oder sonst zu seiner Kenntnis gelangt war. Denn der Beklagte war als Hauseigentümer und zugleich Verwalter des Hauses verantwortlich, da es seine Verpflichtung war, für den ordnungsmäßigen Zustand des Hauses, insbesondere der darin befindlichen Treppen aus eigenem Antriebe auf Grund seiner darauf zu richtenden Aufmerksamkeit zu sorgen, und er verletzte diese Pflicht in einer ihn haftbar machenden Weise, wenn er den schlechten Zustand der Kellertreppe längere Zeit hindurch bestehen ließ." Hierauf einigten sich die Parteien außergerichtlich auf eine einmalige Entschädigung von 1650 Mark.
* Bei einer am Sonntag abend im Saalbau in _____„„ ________ 0.^. .......—..
Hanau abgehaltenen Festlichkeit wurde auf der Bühne j Wernswig zu der empfindlichen Strafe von 150 Mk.
Wohl nahmen die Einwohner des Dorfes an dem großen Schmerz der Freiin und ihres Sohnes innigen Anteil, doch freuten sie sich der besseren Tage, die jetzt unter der Herrschaft des neuen Herren für sie anbrachen, und bald wurde von dem alten Herren nicht mehr gesprochen, er war vergessen worden.
Kurt wußte, was er zu tun hatte. Er konnte das Elend der Hardenfelser nicht mehr länger ansehen und noch war nicht ein Jahr vergangen, da hatte das Dorf ein anderes Aussehen erhalten. Wohl an zwanzig alte Häuser waren niedergerissen, und an ihrer Stelle standen neue, in denen jetzt zufriedene Leute wohnten, die nun ebenso willig und freudig ihr Tagewerk verrichteten, als die Waldenburger.
So oft Kurt irgend konnte, ritt er nach Walden- burg zu seiner geliebten Braut und nicht geringe Freude herrschte dann unter ihnen, wenn die Freiin auch plötzlich erschien, unverhofft und unerwarter. Natürlich aber kannte Kurt schon länst den wahren Namen und Stand seiner Braut und ihres Vaters, und oft genug sagte Lucie scherzend zu ihm, daß er doch noch eine Komtesse abbekommen habe, obwohl er eine solche nicht heiraten wollte.
Herr von Loschwitz konnte natürlich seltener nach Waldenburg kommen; doch empfing Tante Ottilie fast täglich einen Brief von ihm. Glücklich lächelnd suchte sie sich dann einen stillen Winkel im großen Schlöffe auf, um gänzlich ihn lesen zu können. Freilich war dann Lucie bald weder bei ihrer Tante; und wenn Lucie scherzend fragte, was ihr Bräutigam geschrieben habe, so antwortete sie stets mit einer Gegenfrage:
„Was hat denn Deiner Dir erzählt?"
So verging eine Woche nach der andern, bis endlich der Tag gekommen war, an welchem die Trauung der beiden Paare in der von Loschwitz erbauten Kirche sta.ttstnden sollte. Als die Waldenburger kurz vorher
bei einem Theaterstück ein Revolver gebraucht. Ein Friseurlehrling wollte die Entladung des scharf geladenen Revolvers vornehmen, wobei die Waffe sich entlud und das Geschoß dem Friseur H. in die Wade drang. Das 9 mm-Geschoß wurde Montag abend aus der Wunde entfernt.
* In Frankfurt a. M. wurden die Feinniechaniker Herkert und Blum wegen Herstellung falscher Zweimarkstücke verhaftet.
* In der fürstlichen Steingutfabrik in Schlierbach haben am Samstag gegen 300 Arbeiter gekündigt. Die Verhältnisse zwischen der Direktion und der Arbeiterschaft waren schon seit längerer Zeit gespannt.
* 11 Millionen Mark in nenen Hundertmarkscheinen trafen am Mittwoch Nachmittag in sechs Koffern verpackt und unter sicherer Bedeckung von München in Frankfurt ein. Die wertvolle Sendung wurde am Hauptbahnhof von Reichsbankbeamten in Empfang genommen und zur Reichsbank gebracht.
* Die Königin - Witwe Margherita von Italien, welche Chef des Jägerbataillons Nr. 11 ist, traf am 28. September nachmittags in Marburg ein. Nach Besichtigung des Bataillons besuchte die Königin das Offizierskasino, abends 9 Uhr reiste die Königin wieder ab.
* Dem Fabrikanten Karl Rübsam zu Fulda und dem Hof- und Domgoldschmied Wilhelm Rauscher ebendaselbst ist die Erlaubnis zur Anlegung des Päpstlichen Kreuzes Pro eccleSia et pontifice erteilt worden ist.
* Samstag abend stießen zwei Radfahrer, von denen der eine ohne Licht fuhr, auf der Straße von Hilders nach Batten heftig gegeneinander. Der eine kam mit dem Schrecken uub dem zertrümmerten Rade davon, während der andere ein Bein brach und auch noch innere Verletzungen davontrug.
-* Von einem furchtbaren Unglüct ist am 30 Sept. das Psarrdorf Poppenhausen heimgesucht worden. Gegen 2 Uhr nachmittags erscholl der Ruf: Feuer. Die Scheuer des Spenglers Brinkmann stand in Flammen. Wegen der schon längere Zeit andauernden Trockenheit mußte man zumal bei den gefüllten Scheunen und wegen des heftig wehenden Windes Schlimmes befürchten. Doch niemand hatte wohl geahnt, daß das verheerende Element so viele Opfer fordern würde. In kurzer Zeit sind 17 Wohnhäuser mit allen vorhandenen Scheuern und Nebengebäuden niedergebrannt. Die Kirche und die Schule waren in größter Gefahr. Sie wäre unrettbar verloren ge Wesen, wenn der heftige stets schwankende Wind die für die Kirche verhängnisvolle Richtung angenommen hätte. Die abgebrannten Gebäude waren wohl sämtlich versichert, aber zum großen Teile ungenügend. Von dem Mobiliar, das wohl noch weniger versichert ist, konnte in den meisten Häusern nur weniges gerettet werden, da das Feuer sich mit rasender Schnelligkeit ausbreitete. Namentlich bei den ärmeren Abgebrannten ist der christlichen Mildtätigkeit Gelegenheit geboten, Barmherzigkeit zu üben. Das Unglück ist um so größer, da der Winter vor der Türe ist, und so viele Familien zum Teile mit großer Kinderschar kein Heim mehr haben.
—* Wegen Betrugs wurden zwei Einwohner von
von Maven vernommen '.hatten, das Herrn vonstLosch- witz Waldenburg wieder gehörte, war auf allen Gesichtern die größte Freude zu lesen und sie konnten kaum den Augenblick erwarten, wo sie ihn wieder als ihren Herrn begrüßen dürften.
Schon längst war das Gotteshaus dicht gefüllt und noch immer strömten neue Scharen aus Walden. bürg und Hardenfels herbei, um an der Hochzeitsfeier ihrer Herren teilzunehmen. Die kleine Kirche konnte sie nicht alle fassen, und so standen viele draußen vor der Tür und warteten mit Ungeduld auf den Brautzug. Jetzt nahte er, und alle reckten die Köpfe in die Höhe, um soviel als möglich von denen zu sehen, die heute den Schwur der Treue und Liebe vor Gottes Angesicht ablegen wollten.
Ehrerbietig und geräuschlos trat die Menge zur Seite, die ersten Töne der Orgel wurden hörbar und die erwartungsvolle Unruhe und Neugierde der in der Kirche Harrenden war befriedigt.
Es war keine zahlreiche und glänzende Versammlung, die sich um den Altar gruppierte. Nur die nächsten Verwandten waren hierzu eingeladen worden und standen nun ernst und würdevoll zu beiden Seiten des mit Blumen geschmückten Altars, an der Spitze Graf Ravenstein in glänzender Uniform, die er heute angelegt hatte, geschmückt mit zahlreichen Orden. In unmittelbarer Nähe von ihm hatte die Freiin von Hardenfels Platz genommen und schaute voll inniger Freude auf ihren Sohn, der heute nach bangen Tagen die geliebte Braut endlich heimführen konnte.
Wie immer, bei solchen Gelegenheiten, waren auch hier die Augen der Zuschauer auf die beiden Bräute gerichtet, deren kostbare Gewänder in einer fast blendenden Pracht rauschten und in deren Falten das Licht der Altarkerzen spielte.
Die Orgeltöne verstummten und mit würdevollen
verurteilt. Dieselben hatten gelegentlich der im Just d. J. stattgefundenen landwirtschaftlichen Ausstellung mit Viehprämierung in Homberg zwei kurz vorher gekaufte Rinder vorgeführt, die zur Preisbewerbung nicht zulässig waren. Beide erhielten auch Prämien, wurden aber verraten und mußten die Preise wieder herausgeben. Gleichzeitig erhob die Staatsanwaltschaft Klage wegen Betrug. Der Herr Amtsanwalt beantragte, weil die Angeklagten noch unbestraft waren, mildernde Umstände, die auch zubewilligt wurden, da sonst Ge fängnisstrafe eingetreten wäre.
* Eine verhängnisvolle Wette gingen in Eschersheim bei Frankfurt drei vierzehnjährige Knaben miteinander ein, bei der es sich um das Verschlucken-Können von je 8'Zwetschenkernen handelte. Der Sohn des Metzgers Seifert, der das „Heldenstück" fertiggebracht hat, ist nach zehntägigem entsetzlichen Leiden gestorben. Einer der Kerne hatte ihm den Blinddarm verletzt.
* Dieser Tage wurde 10—30 Meter kvom Aus gange des Bahnhofes Bettenhausen entfernt die ver stümmelte Leiche eines mit Drillichanzug und Schürze bekleideten Soldaten aufgefunden. Der Kopf war völlig vom Rumpfe getrennt und lag zwischen den Schienen, der Rumpf auf der Erde senkrecht zum Geleise, die Hände krampfhaft geballt. Es scheint, daß der Unglückliche selbst den Tod gesucht und sich von den letzten diese Strecke passierenden Züge am Sonnabend abend 9 Uhr hat überfahren lassen. Der Betreffende heißt Stamberger nnd stand in der zweiten Kompagnie des Trainbataillons Nr. 11.
Vermischtes.
— Der durch seine Wetterprognosen bekannte Prof. Rudolf Falb ist am Dienstag abend in Schöneberg bei Berlin gestorben.
— In Rodenkirchen sind, wie die „Köln. Ztg." berichtet, zwei Personen, die sich in einer sogenannten Schwingschaukel vergnnügten, infolge Lockerwerdens einer Befestigungsschraube mit der Schaukelgondel herabgestürzt, wobei die eine sofort tot blieb und die andere lebensgefährlich verletzt wurde. Auch von dem zuschauenden Publikum wurden einige Personen verletzt.
— Einem'schlauen Kniff ist die Postverwaltung in Breslau aus die Spur gekommen. Drucksachen werden bekanntlich nur dann befördert, wenn sie vollständig frankiert sind, andernfalls an den Absender zurückgeleitet, soweit sich dieses durch Ausdruck rc. durchführen läßt, ohne daß der Absender Strafporto zu zahlen hätte. Mag das Porto auch noch so geringfügig sein, es giebt Leute, die selbst auf das Ersparen einer Zweipfennigmarke Gewicht legen, da die Ersparnis z. B. bei 50 solcher Sendungen 1 Mark beträgt. Hub es ist gar nicht so schwer, nach dieser Richtung hin das Postgesetz zu umgehen. Man schreibt nämlich seinen eigenen Namen als Adresse auf die Druckjache und den Namen, für den die Sendung bestimmt ist, als Absender auf die Rückseite. Da nun unfrankierte Drucksachen, wie erst kürzlich den Postanstalten vom Reichspostamt in Erinnerung gebracht worden ist, nicht befördert werden dürfen, so gehen die Sendungen „postwendend" an den „Absender" zurück, d. h. sie gelangen portofrei in die Hände dessen, für den sie bestimmt sind! Dieser schlaue Kniff läßt sich nur im Ortsverkehr anbringen, aber trotzdem wird er von
Schritten betrat der Pfarrer, den Loschwitz einst zum Hirten der Gemeinde Waldenburg berufen hatte, die Stufen des Altars und hielt nun mit bewegter Stimme die Traurede, die in den Worten ausklang: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden "
Gewaltig war der Eindruck dieser Rede; manches Auge wurde feucht und manches Herz gerührt. Ein kurzes, einfaches „ja" hallte jetzt nacheinander viermal durch die Kirche, als der Pfarrer gefragt hatte, ob sie sich als Gatten angehören wollten und zwei Paare waren nun miteinander für Leben verbunden.
Das letzte Wort des Segens war gesprochen; noch einmal rauschten die vollen Akkorde der Orgel durch das Gotteshaus und unter den Glück- und Segenswünschen der Freiin von Hardenfels und des Grafen Ravenstein verließen die Neuvermählten die Kirche. Ungeduldig stampften die Rosse vor den Equipagen, der letzte Gast war eingestiegen und nun ging es durch das mit Laubgeschwinden geschmückte Dorf nach dew Schlosse. Noch immer flogen die Mütze und Hüte der Zuschauer in die Höhe und das Rufen und Jubeln wollte kein Ende nehmen.
„Auf nach dem Schlosse!" rief eine Stimme und in wenigen Minuten war der Kirchplatz lee". Die Hardenfelser und Waldenburger schienen einen Wettlaus mit einander zu machen, jeder wollte der erste fein und noch war keine Viertelstunde vergangen, so wogte es vor dem Schlosse und im Parke von Waldenburg auf und ab.
Bald öffnete sich das Portal und heraus traten mit strahlenden Gesichtern die Neuvermählten uuo Ravenstein mit der Frenu, und stürmisch drang ih»^ der fast tausendstimmige Ruf entgegen: Hoch gnädigen Herrschaften von Hardenfels und Waldenburg.
Ende.