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WMNMMUM

Erschtint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 30. September 1903.

54. Jahrgang.

Einladung zum Abonnement

aus die Kcüüicüternee Leitung

mit amtlichem Kreisblatt

Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.

UnterLokales und Provinzielles" berichtet die Schlnchterner Zeitung über alle neue und be- merkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.

Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.

finden in der über alle Ort- schaften des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schlüchterner Zeitung wirk­same Verbreitung.

Mit Beginn des neuen Quartals erhalten sämt- liche Abonnenten derSchlücbternec Zeitung" den neuen Eisenfahrplan in Plakatform gratis beigelegt.

Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt

1 Mark.

Um gefl. Neubestellung bittet höflichst

Expedition der Schlüchterner Zeitung.

Deutsches Reich.

Oberlank stallmeister Graf Lehndorff hat in Danzig einen längeren Vortrag gehalten beim Kaiser über die Hebung der Pferdezucht; er bildete den Anfang einer Konferenz, deren Bedeutung man wohl am besten dadurch ermessen kann, daß außer dem Remonte Inspekteur Generalmajor von Damnitz und dem Land­stallmeister Dr. Grabensee, auch der Reichskanzler, die Minister für Landwirtschaft, der Finanzen und des Krieges, die Herren von Podbielski, Freiherr von Rheinbaben und Generalleutnant von Einem, teil- nahmen. Die Grundlage dieser Konferenz bildete der Bericht des Landstallmeister Dr. Grabensee über die Hebung der Pferdezucht, gewonnen auf einer eingehen­den Studienreise in Südfrankreich.

Neuerdings verbreitete Gerüchte über ein an­gebliches schlimmeres Befinden des Königs Otto von Bayern sind, wie derT. R." von zuständiger Stelle versichert wird, aus der Luft gegriffen. Im Gegenteil hat der Eintritt der kühleren Jahreszeit, wie alljährlich so auch Heuer wieder dem unglücklichen Kranken nur wohlgetan. Tritt nicht ein unvorhergesehener Rückfall

(jaröenfelMniJstlÄ

Roman von O. König Liebthal.

(Fortsetzung.)

Da ward die Tür von außen aufgerissen und herein traten die Herren vom Gericht, die Raven schon ganz früh in Waldenburg empfangen hatte, um ihnen den in der Nacht ergriffenen Verbrecher, der, ehe er noch den geplanten Mord ausführen konnte, durch Lofchwitz daran verhindert und festgenommen wurde, auszuliefern.

Bleiben Sie, bitte, Herr Graf," sagte einer der Herren, der Gerichtsrat Steiner, als er merkte, daß dieser gehen wollte,Ihre Anwesenheit wird jetzt hier nötig sein "

Der Gerichtsrat näherte sich nun einige Schritte dem Freiherrn und teilte diesem kurz mit, daß er sein Gefangener sei.

Der Freiherr begann zu Wanken; sein Antlitz wurde leichenblaß und der Blick seiner weit hervorquellenden Augen starr wie d-r eines vom Wahnsinn Befallenen.

In seiner Brust begann ein fürchterlicher Sturm; seine Hände ballten sich und Trotz und Haß und schnaubende Wut schoß aus seinen willdrollenden Augen.

Doch nur einen Augenblick; dann richtete sich der Freiherr mit aller ihm noch zu Gebote stehenden Krasi auf und fast mit einem liebenswürdigen Lächeln fragte er verwundert:Wessen beschuldigt man mich?",

«.Des versuchten Mordes!" antwortete der Gerichts­

tu dem fast behobenen Nierenleiden des Königs ein, dürfte er noch viele Jahre zu leben haben.

Mach einer amtlichen Bekanntmachung über die Rückgabe von Orden und Ehrenzeichen wird hilfs­bedürftigen Witwen und Kindern verstorbener Inhaber des Militär-Ehrenzeichens erster Klaffe und des Kreuzes des Allgemeinen Ehrenzeichens bei der Zurück­gabe von der General-Ordenskommission in Berlin eine Entschädigung von 25 Mk. gewährt. Für die Zurück­gabe des Militär-Ehrenzeichens zweiter Klasse wird eine Entschädigung von 9 Mk. gewährt, desgleichen bei der Rückgabe des Allgemeinen Ehrenzeichens. Eine Verpflichtung für die Rückgabe dieser Ehrenzeichen be­steht nicht.

Durch die nahe bevorstehenden Eröffnung der neuen katholisch - theologischen Fakultät der Universität Straßburg wächst die Zahl der katholisch-theologischen Fakultäten an den deutschen Universitäten auf neun au; bisher bestehen katholische Abteilungen neben den evangelischen an den theologischen Fakultäten in Breslau, Bonn und Tübingen, während die Universitäten Freiburg, München, Münster und Würzburg und das Lyceum Hopanum in Braunsberg ausschließlich katholisch- theologische Fakultäten haben.

Nach dein Reichskaffenausweis per Ende August betrug die Einnahme an Zöllen und Ver­brauchssteuern seit 1. April d. I. 827,3 Mill. Mk. ( 12 Mill. Mk.). Von dem Minus entfallen 3,647,375 Mk. auf die Zuckersteuer, 8,215,113 Mk. auf die Maischbottichsteuer und 1,024,173 Mk. auf die Schaumweinsteuer, die im Vorjahre infolge der 9lad)- steuer einen starken Ertrag ergeben hatte.' Die Börsen- steuer ergab im August für Schlußscheine 717,173 Mark (i. V. 838,561 Mk.) und total 4,876,944 Mk. ( 392,341 Mk.), ferner für Effektenstempel 675,281 Mark (i. V. 965,404 Mk.) bezw. 5,476,234 Mark (- 6,669,930 Mark).

Ausland.

Zur Lage in Marokko wird aus Tanger ge­meldet: Nach Briefen, die am 20. September von Fez abgeschickt sind, sind dort Gerüchte verbreitet, denen zufolge der Tsulstamm, nachdem der Kriegsminister zum Sultan abgegangen war, die kaiserlichen Truppen angegriffen und sie geschlagen habe. Auch sollen die Verbindungen zwischen dem Lager des Sultans und Tazza unterbrochen sein. Die Briefe besagen weiter, eine starke Streitmacht gehe sofort zur Bestrafung des Tsulstammes und zum Entsalze ab.

Aus Sofia wird vom 26. September gemeldet: Die momentane Spannung scheint nachgelassen zu haben, doch greifen die Abendblätter Rußland wegen des letzten Kommuniques an und die Mazedonier bereiten einen Gottesdienst für die kämpfenden Brüder mit darauffolgenden Trauerumzug vor als Protest

rat kurz.Ihr Leugnen wird Ihnen nichts helfen, wie haben Beweise; denn der, welcher in Ihrem Auftrage den Mord begehen sollte, ist noch vor Aus­übung der Tat erwischt und verhaftet worden. Er hat Ihre Mitleidenschaft schon angegeben."

Und wenn ich nun sage, mein Herr, daß ich mit dieser Angelegenheit nicht im geringsten zu tun habe, so werden Sie meinen Worten glauben schenken müssen," erwiderte der Freiherr stolz.

Müssen?" fragte der Gerichtsrat.Wir haben keine Ursache, die Aussagen Ihres Mordgesellen zu zu bezweifeln. Er hat die Wahrheit bekannt und Sie lügen. Das ist meine Meinung."

Mein Herr!' brauste der Freiherr auf.Sie befinden sich in meinem Zimmer, vergessen Sie das nicht."

Der Gerichtsrat lachte laut auf.Sie fallen aus Ihrer Rolle, Herr Freiherr," sagte dieser sarkastisch. Denken Sie daran, daß Sie mein Gefangener sind; wir stehen also zu einander in einem Verhältnis, in welchem solche Ehrbegriffe nicht mehr gelten, wie sie sonst unter Männern unseres Standes üblich sind."

Mit einem kaum bemerkbaren spöttischen Lächeln zog nun der Gerichtsrat seine Brieftasche hervor und entnahm dieser ein kleines Blatt Papier und faltete es auseinander.

Geben Sie sich keine weitere Mühe," sagte er und hielt' bem Freiherrn das Papier vor die Augen,uns

gegen die gewissenlose westliche und östliche Diplomatie. Zahlreiche Häuser haben bereits Trauerfahnen aus­gesteckt. Vom Aufstandsgebiet kommen spärliche Nachrichten, speziell befremdend ist das Schweigen des im Melnicker Kreise mit 800 Mann Kerntruppen stehenden Generals Zontschew, doch behaupten maze­donische Kreise, der Aufstand werde mit dem heran- nahenden Winter neuerdings und weit stärker losbrechen und müsse zum Kriege führeu.

Die Pforte versicherte neuerdings, daß sie mit der Mobilisierung der zwei kleinasiatischeu Redifdivisioneu keine Kriegsvorbereitungen beabsichtige. Diese sollen als Reserve dienen, daß die im Grenzgebiet von Küstendil Versammelten Mazedonier eine größere Ein­bruchsaktion unternehmen sollten. Konsulardepeschen aus Uesküb besagen, daß im Bezirk Mouastir, im Defile Kalain, ein größerer Bandenkampf stattgefunden habe, wobei 76 Komitadschis getötet und 8 gefangen sein, ferner 14 Manlicher - Gewehre, 4 Bomben, 2 Tragtierladungen mit Dynamit und elektrische Apparate erbeutet sein sollen. Auf Seiten der Truppen sollen 4 Mann getötet, 1 Offizier und 10 Mann verwundet sein. Nach türkischen Berichten aus Monastir sind in Presbei 2 Führer mit 20 Komitadschis getötet und 8 Komitadschis verwundet, in Nikolar, Distrikt Perlepe, sind 8 Komitadschis gefangen, in Granisch, Distrikt Kastoria, 3 Kvmidatschis getötet nnd 4 ver­wundet, in Resen 13 Komitadschis verhaftet. . Im Kreise Florina ergaben sich 42 Komitadschis.

Males und Provinzielles.

Schlächtern, 29. September 1903.

* Herrn Superintendent und Kreisschulinspektor Orth ist, wie der Reichsanzeiger meldet, der Rote Adlerorden IV. Kl. verliehen worden.

* Vom 1. Oktober ab werden die Postschalter morgens 8 Uhr geöffnet.

Wie aus einer Bekanntmachung im letzten Kreisblatt zu ersehen ist, werden vom 1. Oktober ci. ab die Fleischbeschauer alle Vierteljahr mit ihren Revieren wechseln und zwar wird vom 1. Oktober er. ab Fleischbeschauer Heinrich Drusche! den Bezirk I und Fleischbeschauer Philipp Schäfer den Bezirk II übernehmen. Am 1. Januar 1904 tritt dann wieder der nächste Wechsel ein.

Diese Maßnahme soll eine möglichst unparteiische und gründliche Fleischschau sichern auch Ungleichmäßig- keiten in der Zahl der in jedem Bezirk zu beschauenden Tiere ausgleichen.

* Auf die Seitens des Magistrates veranlaßte Umfrage haben sich an 90 Häuser zum Anschluß an eine städtische Gasanstalt angemeldet und da außerdem die Straßenbeleuchtung ebenfalls durch Gasglühlicht ersetzt werden soll, so würde eine genügende Rentabilität für eine Gasanstalt in Aussicht stehen.

von Ihrer Unschuld zu überzeugen. Wollen Sie auch leugnen, dieses geschrieben zu haben?"

V edammt!" knirschte der Freiherr unt ließ die Hände sirnken, nachdem er vergeblich versucht hatte, dem Gerichtsrat das ihn belastende Schriftstück zu entre-fien, und dumpf brach er zusammen. Er selbst gab sich nun verloren und nichts konnte ihn mehr retten vor der entehrenden Zuchchausstrafe.

So bitte ich Sie, uns zu folgen, sagte der Ge­richtsrat endlich.Ich denke, Sie werden das freiwillig tun, während ich sonst gezwungen sein werde, Sie zu fesseln.

Ja, ja," hauchte es tonlos von den Lippen des am ganzen Körper zitternden Freiherrn, ohne seine Augen zu erheben.Aber zuvor gestatten Sie mir wohl, daß ich mich von meiner Familie verabschieden kann. Setzen Sie sich, meine Herren, in einigen Minuten bin ich wieder hier und folge Ihnen willig.*

Er machte Miene, das Zimmer zu verlassen, aber die au der Türe stehenden Herren verwehrten ihm den Ausgang.

Nein," sagte der Gerichtsrat.Sie müssen uns sofort folgen. Dort steht Ihr Schreibtisch; bitte, schreiben Sie, was Sie Ihrer Familie noch mitzu- teilen für nötig halten."

Die Augen des Freiherrn flammten wild auf. Verloren," murmelte er unverständlich und setzte sich an den Schreibtisch nieder. Er öffnete ein Fach, um aus dem Papier zu entnehmen da fiel sein Auge