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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch, den 23. September 1903.

54. Jahrgang.

Einladung zum Abonnement

auf die Acütücüternee Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt.

Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlüchtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Borgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.

UnterLokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und be­merkenswerte Vorkommnisse aus bem Kreise und der Provinz.

Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.

^"^n in der über alle Ort- llidvl schaften des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schlüchterner Zeitung wirk­same Verbreitung.

Mit Beginn des neuen Quartals erhalten sämt­liche Abonnenten derSchlüchterner Zeitung" den neuen Eisenfahrplan in Plakatform gratis beigelegt. Neu hinziltrclcude Abollnciiteu erhalten dieSchlüchterner Zeitung" bis 1. Oktober gratis zugestellt

Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt

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E-kpedition der Schlüchterner Zeitung.

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Deutsches Deich.

Se. Majestät Kaiser Wilhelm ist ani 18. Septbr. vormittags Vi1^ Uhr aus Mohacs in Wien einge­troffen. Auf dem Wiener Südbahnhof angekommen, schritt Kaiser Wilhelm, der österreichische Generals - uniform trug, auf den Kaiser Franz Joseph zu, den er mit Abnahme des Generalshutes grüßte, worauf sich die beiden Monarchen dreimal herzlich küßten. Der Empfang auf dem Bahnhöfe dauerte nahezu eine halbe Stunde, da Kaiser Wilhelm mit allen Persön­lichkeiten sich angelegentlichst unterhielt. Kaiser Franz Joseph sprach auffallend lange mit dem Reichskanzler Grasen Bülow worauf sich Graf Bülow mit dem Bot­schafter Grasen Czögenyi und dem Grafen Wedel in eine Ecke zurückzog Beide Monarchen fuhren unter stürmischem Jubel einer vieltausendköpfigen Menschen­menge durch die prächtig dekorierten Straßen, in denen Militär Spalier bildete, in die Hofburg, wo die Hof­

^aröenleisinBafocnburfl.

Roman von O. König Liebthal.

(Fortsetzung.)

Wer soll es sein, Euer Gnaden? Der Herr? Die Tochter?"

Der, nein, die Tochter, seine Tochter, hören Sie^ Mit j^m werde ich klein Aabrechnung halten. Ja, seine Tochter! Mein Schn kann ihr das Grab- geleite geben, dagegen habe ick nichts."

.Aber das kostet mehr, Suer Gnaden, das kostet dreißigtausend."

Ich werde sie aber liessen, ich hab schon mehr ins Jenseits befördert."

Schaudernd wandle sich der Freiherr ab, seine Kniee zitterten und zögern? sprach er:Ich will sie zahlen."

So kann ich gehen?"

Ja." /

Schon näherte sich bei nächtliche Gast dem Fenster, um sich hinauszuschwinoen, als er noch einmal mitten ins Zimmer trat und wr dem Freiherrn stehen blieb.

Nun, fragte dieser verwundert.

; Sicher ist sicher, Gier Gnaden. Geben Sie mirs schriftlich mit Ihrer Unerschrift, daß ich dreißigtausend Mark für die Arbei bekomme. Es ist so Brauch unter uns."

Lange zögerte der Freiherr, das Verlangen seines Mordgesellen zu erülle». Endlich gab er nach, er

würdenträger und die Minister ihre Aufwartung machten.

Kaiser Wilhelm fuhr um 12 Uhr mittags zur Kapuzinergruft, wo er auf den Särgen der Kaiserin Elisabeth und des Kronprinzen Rudolf prachtvolle Kränze niederlegte. Abends fand in der Hofburg Galatafel statt. Kaiser Franz Joseph brächte folgen­den Trinkspruch aus:

Herzlich willkommen heiße ich Ew. Majestät u. gebe der aufrichten Freude Ausdruck, den treuen Freund und Bundesgenossen heute in unserer Mitte zu empfangen. Ew. Majestät sind durch ihre Hier- herkunft dem von mir gehegten Wunsche des Wieder­sehens mit einer Bereitwilligkeit entgegengekommen, die in mir das Gefühl warmer Erkenntlichkeit wach­ruft und die das schon so feste Gefüge unserer gegenseitigen Beziehungen gewiß mit neu erhöhter Kraft ausstatten wird. Von dieser Zuversicht durch­drungen, bitte ich Ew. Majestät zu gestatten, daß ich dies Glas auf Ihr Wohl sowie auf unsere unerschütterliche Freundschaft erhebe und dabei aus- rufe: Se. Majestät Kaiser Wilhelm lebe hoch!"

Die Musik intonierte die deutsche Hymne.

Kaiser Wilhelm erwiderte:

Von tiefer Dankbarkeit erfüllt, bitte ich Ew. Majestät, in Gnaden den Ausdruck meines innigen Dankes entgegennehmen zu wollen für die freund­lichen Worte, mit welchen Ew. Majestät mich soeben bewillkommnet haben, sowie für den herzlichen und glänzenden Empfang, den mir die stets gastfreie u. ewig schöne Kaiserstadt an der Donau, Ew. Majestät Residenz, bereitet hat. Nichts konnte mir willkom- mener sein, als dem Wunsche Eurer Majestät ent­sprechend hierher zu eilen, um in Ehrfurcht den geliebten und erhabenen Freund und Bundesgenossen zu begrüßen. Der Anblick Eurer Majestät stolzer Regimenter war mir eine Herzensfreude; denn den Bund unserer Länder tragen und festigen unsere bei­den Heere zum Wohle des Friedens in Europa. Wenn ich mein Glas nunmehr aus das Wohl Ew. Maje­stät erhebe, bitte ich zugleich der Dolmetsch der Ge­fühle aller Deutschen im Reich sein zu dürfen, wenn ich dem Wunsch Ausdruck gebe: Gott segne und erhalte Ew. Majestät und Ihr erlauchtes Haus. Der Kaiser Franz Josef hurra!"

Während die Musik die österreichische Volkshymne intonierte, umarmten und fügten sich beide Kaiser zweimal.

Ani 20. September fand im Schlosse Schönbrunn bei Wien eine Festvorstellung statt; nach derselben verabschiedete sich Se. Majestät der Kaiser Wilhelm in der Hofloge von den Erzherzögen und Erz­herzoginnen. In offener Hosequipage fuhren beide Kaiser zum Bahnhof Penzing. Die deutsche Suite, der österreichische Ehrendienst und Bot

staub aus, schrieb einige Zeilen schnell auf ein Blatt Papier, welches oben das Wappen des Freiherrn zeigte, setzte seinen Namen darunter und überreichte es ihm. Dieser las es durch, nickte befriedigt und steckte es ein und der Freiherr von Hardensels war allein.

IX.

Die Freiin von Hardensels war durch Kurt von allem unterrichtet, was in Waldenburg geschehen war. Sie freute sich herzlich über das Glück ihres Sohnes und nie vergaß sie, wenn diesernachWaldenburg ritt,Grüße an Lucie zu bestellen. Als Kurt ihr erzählte daß Raden ihm Waldenburg geschenkt hatte, war ihre Ueberraschung größer, als die Freude, die ihr Kurt durch diese SKit» teilung zu machen hoffte. Doch, als sie vernahm, daß er es bereits wieder an Loschwitz abgetreten habe, umarmte sie ihn und sagte zufrieden zu ihm:

Kurt, ich danke Dir, Du hast meisten innersten Wunsch erfüllt, da Loschwitz Waldenburg nun wieder hat."

So war endlich die Bedenkzeit für Kurt zu Ende.

Papa will Dich sprechen", sagte die Freiin bedrückt zu Kurt, als sie diesen im Parke traf.

Nun, Du weist ja, Mama, warum ich zu ihm kommen soll", erwiderte Kurt mit unheimlicher Ruhe. Von Lucie laß ich nicht, mag kommen, was da will. Vielleicht bin ich heute zum letzten Male in Harden- fels. Aber weine nicht, Mama, Gott wird uns wieder zusammenführen, wenn auch nicht in Hardensels.^

schafter Wedel mit den Herren der Botschaft folgten. Fünf Minium vor der Abfahrt kamen die Kaiser an. Sie küßten sich zweinial. Kaiser Wilhelm dankte für den herzlichen Empfang und die Fürsorge, und Kaiser Franz Josef gab herzliche Grüße für die Kaiserin. Vor dein offenen Fenster folgte nochmaliger Gruß und dann Abfahrt nach Danzig. Kaiser Franz Josef begab sich nach Schönbrunn.

Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz nahm am 20, Sept. in Vertretung Se. Majestät des Kaisers an dem Festgottesdienst anläßlich des zwei hundertjährigen Bestehens der Parchialkirche zu Berlin teil. Mittags wohnte der Kronprinz einer Sitzung des Reichskomitees zu gunsten der durch Hochwasser Geschädigten, die im Stadtverordnetensaale des Rathauses abgehalten wurde, bei. Oberbürgermeister Kirchner sprach dem Kron­prinzen seinen Dank aus für die Uebernahme des Protektorats, und gedachte dankbar der Teilnahme des Kaisers und der Hilfe und trostbringenden Reise der Kaiserin in die lleberschwemmungsgebiete. Der Schrift­führer, Regierungsrat Leidig, erstattete Bericht über die bisherige Tätigkeit des Komitees und hob hervor, daß die Schäden sich als größer herausgestellt hatten, als man angenommen hatte, namentlich sei Schlesien hart betroffen worden; er betont, daß 200 deutsche Städte, mehrere Bundesfürsten, Präsident Loubet und das Rote Kreuz Gaben spendeten. Regierungsrat Leidig schlug vor, von den heute zur Verfügung stehenden 225 000 Mark 150 000 Mark an Schlesien, 20 000 Mark an Posen, 15 000 Mark an Branden­burg, je 5000 an Westpreußen und Pommern und den Rest an den Vaterländischen Frauenverein zu überweisen. Der Vorschlag wurde einstimmig ange­nommen. Oberpräsidialrat Michaelis bat im Auf­träge des Oberpräsidenten von Schlesien um zahlreiche Unterstützung dieser Provinz. Minister von Hammer­stein berichtete, der Gesamtschaden betrage 29 7s Mill. Mk, davon entfallen auf Schlesien 20 Mill., auf Posen 3 Mill., auf Brandenburg 4y, Mill. auf Westpreußen 50000» und auf Pommern 600000. Der Kronprinz .sprach dem Komitee seinen herzlichen Dank aus für die große Mühewaltung und sagte, das Komitee werde seine größte Genugtuung darin finden, daß es an dem großen Werke der Menschenliebe mitgearbeitet habe.

Der Großherzog von Hessen richtete anläßlich des Stapellaufs des LinienschiffesL" folgendes Telegramm an den Kaiser:Eurer Majestät melde ich, daß die Taufe des Linienschiffes L auf den Namen Hessen" heute von mir vollzogen ist und der Stapel­lauf glücklich von stritten ging. Indem ich Ew. Majestät nochmals für den mir übertragenen ehren­vollen Auftrag meinen wärmsten Dank ausspreche, hege ich zugleich die Hoffnung, daß das stolze Schiff im Dienste Eurer Majestät und des deutschen Vater-

So gehe, mein Sohn, schluchzte die Freiin und preßte beide Hände in das blasse Antlitz.

Der Freiherr schien auf seinen Sohn schon gewar­tet zu haben, den unablässig schaute er nach der Tür. Jetzt hörte er Schritte und bald trat auch Kurt ein.

Nun Kurt", sagte der Freiherr nach flüchtiger Begrüßung, im Zimmer auf und abgehend,die Be­denkzeit ist um."

Jetzt blieb er vor ihm stehen und sah forschend in die Augen seinen Sohnes.Willst Du Hildegard Burgdorf heiraten?"

Ich kann nicht, Papa!"

Warum nicht?" fragte der Freiherr kurz.

Ich habe es Dir schon gesagt. Ich mag Hilde­gard von Burgdorf nicht heiraten, Weil ich sie nicht liebe, nicht lieben mag. Mag sie einen Mann mit ihrer Hand beglücken, ich suche mein Glück bei einer anderen."

Das Gesicht des Freiherrn verfinsterte sich und uu- heimlich rollten feine Augen.

Ha", sagte er mit höhnischem Lachen,sage nicht, ich kann nicht, sondern ich will nicht. Doch halt was ist das? Warum errötest Du? Ha? Du hast ein Geheimnis, das Du vor mir verbergen willst. Ich ahne es, Du hast eine Torheit begangen; ein Mas­chen mag Dich gefesselt haben, das unwürdig der Liebe eines Freiherrn von Hardensels ist."

Der Zorn des Freiherrn hat sich gelegt, und fast bittend sprach er weiter:Laß die Torheit, Kurt, wir