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Erschtint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 70.

Mittwoch, den 2. September 1903.

54. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 2337 K.-A. Die in der Schweiz ange­kauften Simmentaler Originalbullen, Kalbinnen und Rinder werden am

Donnerstag, den 3. September er.

vormittags 11 Uhr in Schlächtern vor der Konrad Freund'schen Wirtschaft versteigert, wozu die Besteller, die Vertreter der Ge­meinden, welche Bullen erbeten haben und alle Lieb­haber edlen Viehes eingeladen werden.

Schlächtern, den 31. August 1903.

Der Königliche Landrat: Roth.

Sedan $05.

Und wenn auch nicht mit festlichem Gepränge, Wie's ehedem geschah, und mit Trompetenschall Wir Sedan feiern, und Kanonendonner Heut' nicht mehr kündet unsrer Feinde Fall, Wenn auch bescheiden und in engen Grenzen Die Sedanfeier ab sich spielen mag, Hub wir nicht mehr in lauten Jubeltönen Begrüßen jenen sieggekrönten Tag, Ennn'rung wollen wir trotzdem bewahren Der großen Tat vor dreiunddreißig Jahren.

Wir wollen jene Stunden nie vergessen,

Da uns auf blutgetränktem Feindesland Aus tausend Schmerzen und aus Todeswunden Ein einig deutsches Kaiserreich erstand.

Und jener braven deutschen Heldensöhne, Die für das Vaterland ihr teures Blut Geopfert, wollen liebend wir gedenken, Und rühmend ehren ihren Heldenmut, Die für das Vaterland das Höchste hingegeben, - Die ihren Sieg bezahlt mit ihrem Leben.

Auch heute hält am Sedansschlachtentage Germania die Wacht am deutschen Rhein, Und wenn sie ruft, das Vaterland zu schirmen, Dann wird ein Volk in Waffen Schützer sein, Dann wird ein neu' Geschlecht, das seiner großen Ahnen Sich würdig zeigt, den W:g zum Siege bahnen. Wenn uni den Kaiser sich die Deutschen scharen, Dann droht dem Reiche nimmermehr Gefahr Und frei und hehr wird immer sich erheben Des deutschen Reiches kaiserlicher Aar. So wird ein einig deutsches Volk zu allen Zeiten Der Feinde Schar ihr Sedan auch bereiten.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hielt bei der am 28. August in Cassel stattgefundenen Tasel für 'die Provinz Hessen folgende Rede: Indem ich mein Glas auf das Wohl der Provinz erhebe, spreche ich meine Freude aus, so viele Kurhessen und Nassauer um mich versammelt zu

flaröcnfels u. Urnfo^

Roman von O. König Licbthal.

(Fortsetzung.)'

Da das Zimmer nach der Parkseite zu lag, so konnte weder sie, noch Tante Ottilie, die ihr Gesell­schaft leistete, das Kommen des jungen Freiherr» bemerken. Herzlich wurde er von Herrn Raven em­pfangen. Ein Diener brächte Wein und Zigarren und verließ schnell das Zimmer.

Herr Raven", sagte Kurt als sie allein waren, ich komme heute zu Ihnen als ein Bittender. Wollen Sie mich anhören?

Sie wissen, Herr Freiherr wie sehr ich in Ihrer Schuld stehe," antwortete Raven freundlich.Vertrauen Sie sich mir, ich bin mit Freuden bereit, Ihnen zu helfen."

Herr Raven," begegnete Kurt von Hardenfels ohne Zögern,Sie werden vielleicht ahnen, weshalb ich heute gekommen bin zu Ihnen. Sie sind im Besitze eines Schatzes, den zu erlangen mein heißester Wunsch ist. Ich liebe Ihre Tochter, wie ein Mann nur lieben kann. Sie kennen mich, Herr Raven, und werden mich nicht abweisen. Ich bitte um die Hand Ihrer Tochter."

Kurt war aufgestanden und schaute voll Hoffnung und Bangen auf Herrn Raven, der sich gleichfalls er­hoben hatte.

Freundlich reichte er Kurt von Hardenfels die Hand tznd sagte:Herr Freiherr, Sie haben mir meine

sehen, und heiße die Herren alle herzlich willkommen. Es ist mir stets eine Freude, wenn ich mich eine Weile in dem für mich zur zweiten Heimat gewordenen Cassel aufhalten und daran freuen kann, daß die alten Beziehungen der Casselaner zu mir in der herzlichen und innigen Begrüßung wieder zum Ausdruck kommen, wie auch am heutigen Tage durch den besonders schönen Schmuck der Stadt. Ich bitte Ew. Exzellenz, den Casfelanern, in meinem Namen anszusprechen, wie gerührt die Kaiserin und ich durch die spontane freudige Begrüßung ber Bevölkerung und die Aus­schmückung der Straßen sind, und unseren warmen, herzlichen Dank zu sagen. Ich freue mich, auf dem Boden zu sein, auf dem ich gelernt habe, von kundiger Hand geleitet, daß die Arbeit nicht nur um sich selber willen da ist, sondern daß man in der Arbeit seine ganze Freude finden soll. Die ernsthaften und unab­lässigen Vorbereitungen, die ich in meinen Studien auf dem Gymnasium und unter der Leitung des G-- heimrats Hinzpeter hier vornehmen konnte, haben mich befähigt, die Arbeitskraft auf meine Schultern zu nehmen, die von Tag zu Tag in wachsender Bürde zunimmt. Wenn schon damals meine Lehrer, überzeugt von der hohen Aufgabe, die ihnen übergeben war, alles dransetzten, jede Stunde und jede Minute aus- zunutzen, um mich für meinen kommenden Beruf vor- zuberciten. so glaube ich doch, daß niemand von ihnen sich darüber klar sein konnte, welche ungeheuere Ar­beitslast, welche niederdrückende Verantwortlichkeit dem­jenigen aufgebürdet ist, der für 58 Millionen Deutsche verantwortlich 'ist. Jedenfalls bereue ich keinen Augen- bl'ck die mir damals schwer vorgekommenen Zeiten. Ich kann wohl sagen, daß die Arbeit und das Leben in der Arbeit mir zur zweiten Natur geworden sind, und das danke ich dem Casselaner Boden. Schmerzlich bewegt mich, daß ich am heutigen Tage, ehe ich das Wohl der Provinz ausbringe, zugleich das Scheideglas für Eure Exzellenz trinken muß. Wenn etwas meinen tiefen Schmerz noch erhöht, so ist es das, daß ich mit Rührung sehe, wie sich aus allen Teilen der Provinz uneingeschränkte Trauer kundgibt über Euer Exzellenz Scheiden. Wenn auch dieProvinz Vollinhaltlich begreift, daß, wo die Not am höchsten ist, der Fürst zu dem Manne greifen muß, der ihm der rechte an Ort und Stelle zu sein scheint, da empfindet sie doch tief, daß ihr Oberhaupt genommen wird. Das beweist, daß Ew. Exzellenz die Aufgaben hier noch in weit höherem Maße zu erfüllen imstande waren, mie ich bei Ihrer Berufung gehofft hatte. Es ist Ihnen gelungen, in der Provinz Vertrauen zu gewinnen, diese verschieden­artige Bevölkerung au ihre Persönlichkeit zu fesseln und sie mit Vertrauen und Zuversicht zu erfüllen, daß sie freudig an ihre schwere Arbeit ging. Ver­schieden sind die Gaben von der Natur und Vorsehung in diesem Lande ausgebreitet. Sehen wir einen Teil

Tochter vom Tode errettet, damals, als die Pferde durchgingen. O, ich weiß jetzt alles. Ich habe Sie kennen und schätzen gelernt. Einen besseren Schwieger sohn kann ich mir nicht wünschen und würde ich Ihnen mit tausend Freuden meine Tochter geben, aber ich möchte in dieser Angelegenheit doch nicht das letzte Wort sprechen."

Das heißt," fiel Kurt erfreut ein,wenn Fräulein Lucie meine Liebe erwidert, so darf ich sie als meine Braut betrachten.

Sie haben recht gefolgert, mein lieber Freund, und nun gehen Sie zu ihr und fragen Sie sie selbst--"

Nein, nein, Herr Raven noch nicht; erst muß ich Ihnen noch eine Mitteilung machen. Meine Mutter ist von meinem Vorhaben unterrichtet und einverstanden; mein Vater aber wird eine Verbindung zwischen Fräu­lein Lucie und mir niemals zugeben."

Raven war durch diese Mitteilung nicht im ge­ringsten überrascht; er kannte ja den stolzen Freiherr«, der eine Heirat seines Sohnes mit einer Bürgerlichen als Schmach bezeichnen und alles aufbieten würde, eine solche zu hintertreiben. Kurt von Hardenfels wunderte sich, daß Herr Raven diese Mitteilung gleichgiltig an« gehört hatte und konnte keine Erklärung darüber finden.

Was würde denn ihr Vater tun, wenn sie sich trotzdem mit meiner Tochter verheiraten würden?" fragte Raven, dessen Augen mit Wohlgefallen auf

desselben in hartem Ringen um den Ertrag des Bodens erstarken, so können wir auf der anderen Seite die Industrie, zumal im südlichen Teile, sich entwickeln sehen. Auch Kunstdenkmäler und historische Erinnerungen, schöne Kirchen wie Erinnerungen an noch ältere Zeiten, so die Burg auf dem Taunus, wo der eherne Schritt der römischen Legionäre einst auf das Geheiß des Cäsaren römische Kultur den unbändigen Germanen einprägte, alles das vereinigt sich in der Provinz. Das erfordert von dem Oberpräsidenten ein solches Maß verschiedener Kenntnisse, daß es eingehender, tiefeingreifender Selbstarbeit bedarf, um allen diesen Gebieten einigermaßen gewachsen zu sein. Wo ich hingehört habe, in jedem Stand, jeder Beschäftigung ertönt Euer Exzellenz Lob. Deshalb beglückwünsche ich die Provinz zu diesem Ausgang und darf wohl im Namen der Provinz Ihnen Dank aussprechen für die aufopfernde Arbeit, der Sie sich zu ihrem Wohle unterzogen haben. Die Provinz möge daraus ersehen, wie es mir am Herzen liegt, und wie ich bestrebt bin, soweit es in meiner Macht steht, Männer einzusetzen, von denen ich glaube, daß sie den Ausgaben gewachsen sind. Sie möge auch in Zukunft Vertrauen zu mir haben, daß ich bestrebt sein werde, den Nachfolger so zu , wählen, wie er zu ihrem Wohle nötig ist. Alle meine Wünsche fasse ich zusammen in dem Rufe: die Provinz blühe, grüne und gedeihe. Hurra, hurra, hurra!

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzen Eitel Friedrich und Joachim, Prinzeß Viktoria Luise und der Herzog von Sachsen-Coburg- Gotha sind am 29. Aug. vormittags gegen 10 Uhr von Wilhelmshöhe nach Berlin abgereist und dort nachmittags 5 Uhr 20 Min. eingetroffen.

- Die Kaiserin gab am 27. August im Schloß von Wilhelmshöhe bei Cassel 40 Damen aus der Stadt Cassel und aus der Provinz eine Audienz. Die Damen wurden durch die Gemahlin des Oberpräsidenten v. Zedlitz-Trützschler der Kaiserin vorgestellt.

Prinz Adalbert von Preußen, der Ende Sep­tember b. Js. die theoretische Ausbildung zum See­offizier beendet hat und für das letzte Jahr seiner Fähnrichszeit zur Erlernung des praktischen Dienstes an Bord D. M. S.Hertha" kommandiert worden ist, wird mit dem 15. Oktober d. Js. von Hamburg abgehenden Fähurichstransport die Ausreise nach Ostasien antreten, sich aber erst nach dem Geburtstage der Kaiserin, am 28. oder 29. Oktober, in Genua oder Neapel dem Transport anschließen.

-- Große Fleischzufuhren aus Sibirien dürften demnächst in Berlin eintreffen. Es hat sich nach der Allg. Flsch.-Ztg. für die Fleischeinfuhr aus diesen durch die große sibirische Eisenbahn neu aufgeschlossenen Gegenden eine Gesellschaft gebildet, die 'von Berlin geeignete Leute zum Einkauf entsendet. Es kommt

Kurt gerichtet waren.

Mich enterben."

Fürchten Sie das?"

Nein, Fräulein Lncie ist mir tausendmal mehr wert, als Hardenfels mit all seinen Schätzen."

Raven war von der Aufrichtigkeit dieser Worte überzeugt.Sie würden aber Ihren Vater verlieren."

Leider habe ich ihn schon längst verloren, Herr Raven, sagte Kurt wehmütig,mein Vater opfert lieber seinen Sohn, als mit seinen aristokratischen An­schauungen zu brechen. Liebe hat er mir nie erwiesen, darum auch von mir keine verlangt. Und wenn nicht einmal die natürliche Liebe zwischen Vater und Sohn vorhanden ist, wie soll es da anders sein! Jeder geht seine eignen Wege. Doch, er ist mein Vater, es steht mir kein Recht zu, über ihn zu urteilen."

Raven trat an Kurt heran, legte seine Rechte auf dessen Schulter und sagte:So haben sie also nichts mehr zu verlieren, mein Freund, destomehr aber zu zu gewinnen. Zwar bedaure ich das traurige Ver­hältnis, das zwischen Ihnen und Ihrem Vater'besteht, doch weiß ich bestimmt, daß die Schuld nicht auf Ihrer Seite liegt. Und nun wünsche ich Ihnen Glück, meine Tochter ist im Musikzimmer."

Sanft schob ihn Raven zur Tür hinaus und lächelte. Er wußte, daß seine Tochter diesen Freier nicht abweisen würde.Und mit dem alten Frei Herrn werde ich schon fertig werden, seine Einwilligung wird und muß er geben," sagte er sich.