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Ersckiint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

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Deutsches Reich.

-- Se. Majestät der Kaiser hat Schloß Wilhelmshöhe vorübergehend verlassen und sich nach dem Truppenübungsplätze Altengrabow begebeu, wo in der Zeit vom 20. bis 22. d. M. große Kavallerie­übungen vor dem Monarchen stattfinden. Gelegentlich seiner dortigen Anwesenheit werden beut Kaiser von den vereinigten Trompeterkorps der auf dem llebungs- Platze befindlichen zehn Kavallerie - Regimenter (über 250 Trompeter) Serenaden dargebracht, mit deren Leitung der Königliche Musikdirigent Bromme von dem Ulanen - Regiment Hennigs von Treffenfeld (alt­märkisches) Nr. 16 betraut ist

Aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Joseph von Oesterreich- Ungarn fand am 18. August im Kaiserlichen Schlosse zu Wilhelmshöhe eine Festtafel bei den Majestäten statt, an welcher u. a. der österreichisch - ungarische Botschafter Graf Szögyenyi-Marich und der Militär- attachee Major Klepschkleth-Roden teilnahmen. Der Kaiser brächte mit warmen Worten einen Trinkspruch auf Kaiser Franz Joseph aus, indem er auf das Wohl des bewährten Freundes und Bundesgenossen trank. Botschafter Szögyenyi reiste am abend nach Berlin ab.

Die Truppenschau des Kaisers auf dem großen Sande bei Mainz, die am Montag, den 24. d. M., stattfindet wird sich zu einem imposanten militärischen Schauspiel gestalten. Wie aus Mainz berichtet wird, nimmt die gesamte dortige Garnison daran teil. Auch das Thüring. Ulanen - Regiment Nr. 6 in Hanau be­teiligt sich an der Truppenschau. Ferner werden Truppen aus Frankfurt a. M. (das Infanterie- Regiment Nr. 81 und die Abteilung des Feldartillerie- Regiments Nr. 63), -aus Wiesbaden (2 Bataillom des 80. Infanterie-Regiments), aus Gießen (das 116. Infanterie-Regiment), aus Biebrich die Unteroffizier­schule hinzugezogen.

Die Wahlen zum preußischen Abgeordneten­hause erfolgen, derNeuen Polit. Korresp." zufolge, am 9. und 16. November, an zwei Montagen

Ueber den Verkehr mit Geheimmitteln und ähnlichen Arzneimitteln hat der Kultusminister neue Bestimmungen erlassen, die am 1. Januar 1904 in Kraft treten.

- Anläßlich der Hundertjahrfeier der Stadt Wis- mar ist die Stadt festlich geschmückt, besonders der Bahnhof und der Marktplatz machen einen imposanten Eindruck. Das Fest wurde am 18. August abends durch eine Illumination der Stadt und einen Fackel­zug eingeleitet.

Die von dem Minister der öffentlichen Arbeiten anläßlich der Pariser Brandkatastrophe angeordnete Untersuchung der Einrichtungen auf der Berliner Untergrundbahn ist abgeschlossen. Dieselbe ergab, daß,

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Roman von O. König Liebthal.

(Fortsetzung.)

Die Freiin war in der Tat die treueste Pflegerin der Kranken. Den ganzen Tag über wich sie nicht vom Krankenlager und selbst in der Nacht gönnte sie sich nur wenige Stunden Schlaf. Fast täglich kam Herr Raven nach Hardenfels, um sich nach dem Be­finden seiner Tochter zu erkundigen, und immer mehr erkannte er die wahre Herzensgüte der Freiin, die in selbstlosester Liebe freiwillig die Pflege auf sich ge­nommen hatte. Nach acht Tagen war das Fieber ver­schwanden. Zwar war Lucie Raven noch sehr schwach, sodaß sie nur mit Hilfe der Freiin im Zimmer auf- und abgehen konnte, doch nahmen ihre Kräfte stätig zu'und bald durfte sie täglich einige Stunden im Parke verweilen.

Kurt war dann ihr ständiger Begleiter und er war unendlich beglückt, seiner Geliebten so nahe zu sein.

Jeden Morgen fand Lucie Raven in ihrem Zimmer einen Strauß Wiesenblumen, die sie so liebte, und stets trug sie einige davon im Gürtel ihres Kleides. Sie wußte ja, wer sie mit diesen Blumen erfreuen wollte. Kurts Begleitung war ihr angenehui, denn er war ein geistvoller Erzähler und guter Gesellschafter,' nie war er aufdringlich, er war ein Edelmann im vollsten Sinne des Wortes. Lucie fühlte sich zu ihm hinge­zogen. Wenn sie im Park spazieren ging und Kurt

Samstag, den 22. August 1903.

da die Berliner Anlagen ganz anders als die Pariser sind, ein ähnlicher Unglücksfall sehr unwahrscheinlich, wenn nicht ganz ausgeschlossen erscheint. Gleichwohl soll noch eine Reihe Verbesserungen der Beleuchtung und Löschvorrichtungen vorgenommen werden.

-- Die von der Stadt Berlin geplante neue städtische Hasenanlage auf dem rechten Spreeufer zwischen der Ostbaumbrücke und der Ringbahn, ver­bunden mit Zollfreihafen für Transitgüter, hat die Genehmigung des Finanzministers erhalten. Die Kosten werden auf 8 Millionen Mark veranschlagt.

Unter den dem Reichstage für seine nächste Tagung zugedachten Gesetzentwürfen befindet sich, den Hamburger Nachr." zufolge, auch eine Novelle zum Vogelschutzgesetz. Bekanntlich ist die Neuregelung dieser Materie erst möglich geworden, nachdem eine ent- sprechende internationale Konvention abgeschlossen worden war.

In Preußen wird die Untersuchung des Fleisches nach dem neuen Fleischbeschaugesetze jetzt vollständig neu organisiert. In den größeren Städten soll die Untersuchung möglichst von den Polizeiorganen auf die komunalen Verwaltungen übergehen. Es werden da­durch für den Staat Ersparnisse erzielt, die Komunal- verwaltungen aber könnnen die Fleischbeschau verbinden mit ihren Einrichtungen zur Prüfung der Nahrungs­mittel. Dadurch kann die Fleischuntersuchung auch verbilligt werden.

Am 30. d. M. um 12 Uhr mittags wird in der Ruhmeshalle des Königlichen Zeughauses die feierliche Nagelung und Weihe von 44 mit neuen Tüchern beliehenen Fahnen (Standarten) nachbenannter Truppenteile stattfinden: des 1. 2. und 3. Bats. Jnf.- Rgts. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1. Magde­burg) Nr. 26, des 1., 2. und 3. Bats. Jnf. - Rgts. Prinz Louis Ferdinand von Preußen (2. Magdeburg) Nr. 27, des 1., 2. und 3. Bats. Füs.-Rgts. General­feldmarschall Graf Blumenthal (Magdeburg) Nr. 36, des 1., 2. und 3. Bats. 3. (Magdeburg) Jnf.-Rgts. Nr. 66, des 1., 2. und 3. Bars. 4. Thüring. Jnf.- Rgts. Nr. 72, des 1. 2. und 3. Bats. Anhalt. Jnf.- Rgts Nr. 93, des 1. Bats. 8. Thür. Jnf.-Rgts. Nr. 153, des Kürassier-Rgts von Seydlitz (Magdeb.) Nr. 7, des Magdeburgischen Pionier-Bats Nr. 4, des 1., 2. und 3. Bats. 2. Thür. Jnf.-Rgts. Nr. 32, des 2. und 3. Bats. 3. Thür. Jnf.-Rgts. Nr. 71, des 1, 2. und 3. Bats. 2. Kurheff. Jnf.-Rgts. Nr. 82, des 1., 2. und 3. Bats. Jnf.-Rgts. von Wittich (3. Kur- Hess.) Nr. 83, des 1, 2. und 3. Bats. 5. Thüring. Jnf.-Rgts. Nr. 94 (Großherzog von Sachsen), des 1., 2. und 3. Bats. 6. Thür. Jnf.-Rgts. Nr. 95, des 2. und 3. Bats. 7. Thür. Jnf.-Rgts. Nr. 96, des Kur- Hess. Jäger-Bats. Nr. 11, des Kurheff. Pionier-Bats. Nr. 11, des 2. Westfäl. Husaren-Rgts. Nr. 1 l, des 1. Wests. lllanen-Rgts. Nr. 5.

van Hardenfels war nicht gleich bei ihr, so schaute sie sehnsüchtig nach ihm aus. Sie merkte es an dem ganzen Wesen des Mannes, daß er sie liebte und eines Tages mußte auch sie sich gestehen, daß sie diese Liebe erwiderte. Und sie war glücklich in ihrer Liebe.

Es ist doch eine eigentümliche Sache um die erste, Liebe. Zwei Menschen gehen dann still und selig neben einander hin. Sie sprechen von den gleichgültigsten Dingen und dabei denken sie doch nur an das, was ihre Herzen bewegt; sie wissen, daß einer den andern liebt und doch wagt keiner, es zuerst auszusprechen.

So war es auch bei Kurt von Hardenfels und Lucie Raven. Er wußte nun, daß seine Liebe erwidert wurde, und dennoch wagte er nicht, sie ihr gegenüber auszusprechen. Kurt sah es aber bald ein, daß es doch geschehen müsse, und wollte das entscheidende Wort sprechen, sobald Lucie Raven wieder in Waldenburg war.

Auch die Freiin hatte Lucie bald lieb gewonnen, sie freute sich an dem stillen Glück der Beiden und betete täglich zu Gott, daß er ihre Herzen zusammen­führen möge. Daß diese beiden zusammen gehörten, das fühlte sie immer mehr und darum ließ sie Kurt auch ruhig gewähren.

So war endlich der Tag gekommen, wo Lucie Raven Hardenfels verlassen sollte. Wie schnell ivaren die 14 Tage vergangen! Es waren Tage der Ruhe, des Friedens und Glückes. Dazu trug auch viel die Ab­wesenheit des Freiherrn bei, der natürlich keine Ahnung

54. Jahrgang.

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Ausland.

Das österreichische Kriegsministerium ordnete an, daß bei den ungarischen Regimentern der Stefans- tag alljährlich als ungarisches Nationalfest gefeiert werde.

Der König von Serbien ist in großer Geld­verlegenheit. Seine Anleiheversuche in Budapest und darauf in Wien sind gescheitert. Nun ßt er nach derVoss. Ztg." jetzt in Dresden diese, en fortsetzen, um eine Million in Wechseln oder ein Aulehen in irgend welcher anderen Form au den Mann zu bringen.

Auch in den Finanzen Spaniens muß eine bedenkliche Ebbe eingetreten fein. In Madrid geht ein Gerücht um, wonach das Schulgeschwader aus Mangel an Mitteln zu feinem Unterhalt aufgelöst und in den aktiven Dienst eingestellt werden soll.

Die Riesenmanöver der englischen Flotte finden gegenwärtig an der portugiesischen Küste statt.

Der amerikanische Präsident Roosevelt Ver- anstaltete mit großem Pomp eine Flottenrevue, welcher aller fremden Attachees beiwohnten.

Vom mazedonischen Aufstand liegen folgende Meldungen vor: Auf der Station Dedeagatsch wurden 17 Kisten mit Sprengstoffen beschlagnahmt. Der Vali von Saloniki teilte den dortigen Konsuln mit, daß 57 Jlawcbataillvue, die letzten in de: europäischen Provinzen verfügbaren türkischen Reservetruppen mo­bilisiert werden.

litt Auldtagswahi.

Alan schreibt uns: Der soeben neu gebildete konservative Verein für den Kreis Gelnhausen hat seine Tätigkeit damit begonnen, daß er den Wahlkreis Gelnhausen-Schlüchtern den Pfarrer Meyenschein zu Altenhaßlau als Kandidaten für die im Spätherbst bevorstehende Landtagswahl verschlägt. Der Verein ist völlig selbstsländig mit dieser Aufstellung vorge- gangen, ohne auch nur allen Gesinnungsgenossen in dem anderen Teil des Wahlkreises Zeit zu lassen, sich zu einigen und zur Frage zu äußern. Es war ihm dabei bekannt, daß im Kreise Schlüchtern eine andere Kandidatur erwogen werde und daß man dort, wenn auch die langjährige verdienstvolle Tätigkeit des Pfarrers Meyenschein im ländlichen Genossenschasts- wesen gebührende Anerkennung finde, doch in weiten Kreisen Bedenken trage, eine Kandidatur wieder auf- zustellen, die bei voller Einigkeit der konservativen Partei beider Kreise im Jahre 1893 doch nur einen Achtungserfolg gehabt hatte und auch Wohl diesmal wieder haben wird. Es mag dahin gestellt bleiben, ob die Meinung zur Geltung kam, der kleinere Kreis habe zu folgen, wenn der größere es so wolle, jeden­falls berücksichugte man nicht genügend, daß grade im Kreise Gelnhausen andere politische Richtungen stark vertreten sind und daß ein von der konservativen Partei

hatte von dem, was sich in seinem Schlosse zügetragen hatte. Kein Waldenburger sollte jemals Hardenfels betreten und nun hatte sogar die Tochter des Waldeu- burgers vierzehn Tage in seinem Hause geweilt, und war gepflegt worden mit der aufopfernden Liebe von seiner eigenen Gemahlin!

Diesmal hatte Herr Raven seine Schwägerin mit­gebracht, die zum ersten Male in Hardenfels war. Unendlich freute sie sich, ihre Nichte gesund wieder zu sehen und konnte der Freiin nicht genug danken für das, was sie an Lucie getan hatte.

So saßen denn die Waldenburger und Hardeufelser am Nachmittag int Park unter der schattigen Linde und tranken gemütlich Kaffee Kurt schaute öfter ver­stohlen zu Lucie Raven hinüber, die dann, wenn sie Kurts Blick fühlte, beschämt ihre Augen niederschlug. Den scharfsichtigen Augen der immer heiteren Tante entging das nicht, und im Stillen sagte sie sich:Die Habens weit genug gebracht in den vierzehn Tagen; sie sind auf den besten Wege sich zu verloben.

Lucie Raven äußerte den Wunsch, noch einmal durch den Park zu gehen, und Kurt zeigte sich gern bereit, sie zu begleiten.

Aber nicht lange, Lucie," mahnte Tante Ottilie lächelnd,mir müssen bald fahren."

Sei unbesorgt, Tantchen," erwiderte Lucie,wir kommen schon wieder" und zu Kurt gewandt:Nicht wahr, Herr von Hardenfels?"

Dieser nickte lächelnd. Galant bot er Lucie seinen