n.
3
e.
Erschcint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
54. Jahrgang
Samstag, den 15. August 1903
U r;
Bekanntmachung
An Staatsbehülfen zur Hebung der Simmentaler Rinderzucht sind diesseitigem Kreise 3000 Mk. bewilligt worden, welche an 10 Gemeinden als Zuschuß zu den Ankausskosten für Simmentaler Original-Bullen ver-
c
te.
r.
teilt werden sollen.
Diejenigen Gemeinden, welche Simmentaler Bullen in nächster Zeit ankaufen müssen und auf 300 Mark Beihülfe zu den Ankaufskosten reflektieren, haben mir hierüber bis spätestens 20. August Bericht zu erstatten, die Ankaufskommission voraussichtlich am 25. Aug.
da in
das Simmental abreisen wird.
Schlächtern, den 10. August 1903.
Der Königliche Landrat: Roth.
V
ic
:e8 en ns U ei,
»er in He
Deutsches Reich.
-- Am 11. August nachmittag 5% Uhr traf die Kaiserjacht „Hohenzollern" mit Sr. Maj. dem Kaiser an Bord bei schönem Wetter nach glücklicher Ueberfahrt in Swinemünde ein. Ein zahlreich versammeltes Publikum brach in lebhafre Hochrufe aus, für die der Kaiser, welcher auf der Kommandobrücke stand, dankte. „Sleipner" legte bei der Jacht „Hohenzollern" an, während „Nymphe" auf der Rhede verblieb. Das Fort hatte beim Eintreffen der Schiffe Salut geschossen. Der Kaiser verblieb die Nacht an Bord der Jacht „Hohenzollern".
— Am 12. August vormittag wohnte der Kaiser mit den Herrn des Gefolges einer auf dem Fort ao- gehaltenen Artillerieschießübung gegen schwimmende Ziele- bei und kehrte dann an Bord der „Hohenzollern" zurück. Das Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Kundgebungen. — Gegen nachmittag ist der Kaiser- unter dem Salut der Forts und des Kreuzers „Nymphe", sowie unter dreifachem Hurra der paradierenden Matrosen, sowie den Kundgebungen des Publikums nach Wildparkstation abgereist.
— Der Bürgermeister von Ziegenhals, Kern, überreichte der Kaiserin nach der Begrüßungsansprache ein künstlerisch ausgeführtes Album mit Ansichten aus dem Überschwemmungsgebiet und eine Schrift über die Verwüstungen. In Arnoldsdorf wurde die Kaiserin vom Pfarrer Scholz und dem Gemeindevorstand begrüßt. Die Kaiserin besuchte die zerstörte Kirche und drückte ihr herzliches Mitgefühl aus und versprach werktätige Hilfe. Sodann wurde die Fahrt nach Wachenau angetreten. Die Kaiserin sprach wiederholt ihren Dank für den herzlichen Empfang der Bevölkerung aus. Die Kaiserin traf in Breslgu mit Sonderzug nachmittags auf dem Oberschlesischen Bahnhof ein und wurde von dem Herzog Ernst Günther von Schleswig- Holstein, dem kommandierenden General v. Woyrsch, dem Oberpräsidenten Dr. Michaelis, dem zum Dienst befohlenen Schloßhauptmann von Erdmannsdorf, dem Grafen Carmer und dem stellvertretenden Polizei
flaröenfcls u. MMeiwurfl
Roman von O. König Liebthal.
,.
ei
o»
lO i»
90
10
00 OO;
90
60
4
»o
30 70 ist' iti} stet jett uf‘ uz
(Fortsetzung.)
Beide Damen gingen den Wiesenweg entlang, der dort an den Büschen vorüber nach Waldenburg führte. Als sie die Buschecke erreicht hatten, sahen sie plötzlich einen alten Mann vor sich, der sich im weichen Grase gelagert hatte. Es war Steffen. Als der Freiherr schimpfend und fluchend von ihm weggeritten war, hatte er sich mühsam nach der Greuzwiese geschleppt und bis gegen Abend mit großer Anstrengung die kleinen Erdhügel auseinander geworfen. Er fürchtete den Freiherr« und wußte, daß dieser seine Drohung wahr machen würde. Jetzt lag sein Spaten neben ihm; er wollte sich noch ein wenig ruhen, ehe er den ziemlich weiten Weg nach Hardenfels antrat.
„Guten Abend, lieber Alter," redete Lucie Raven ihn furchtlos an. Dieser erhob sich und grüßte ehrerbietig, verwundernd auf die beiden Damen schauend.
„Sie sind gewiß von Hardenfels und haben hier gearbeitet?"
Der Angeredete nickte.
„Mein Gott, Sie sehen ja krank ans!" rief Lucie sAsetzt, als sie die blassen eingefallenen Gesichtszüge des Alten bemerkte. „Sie können doch unmöglich arbeiten."
„Ich kann es ß»^' nicht, gnädiges Fräulein, aber
Präsidenten Regierungsrat Gegner begrüßt. Nach der Begrüßung fuhr die Kaiserin nach dem königlichen Schloß, auf dem die Kaiserstandarte gehißt wurde.
Die Kaiserin begab sich Montag nachmittag vom Schlosse nach dem Oberpräsidium, wo dann unter ihrem Vorsitz eine Sitzung des Notstandskomitees statt- fand. Hierauf kehrte die Kaiserin nach dem Schlosse zurück und unternahm um 5'/2 Uhr trotz des regnerischen Wetters im offenen Wagen eine Rundfahrt zur Besichtigung der Hochwasserschäden. Eine zahlreiche Menge, welche die Bürgersteige besetzte, begrüßte die Kaiserin andauernd mit herzlichen Kundgebungen.
In der Sitzung des Provinzialhilfskomitees in Breslau wurde in Gegenwart der Kaiserin beschlossen, die Sammeltätigkeit fortzusetzen und von den gesammelten Geldern sofort 150 000 Mark den ausführenden Organen zu überweisen. Die Kaiserin überwies persönlich dem Provinzialhilfskomitee weitere 10000 Mk., außerdem dem Landrat Wichelhaus für die 9lotleibenben des Landkreises Breslau 5000 und dem städtischen Hilfskomitee 2 000 Mk.
Die Kaiserin ist am 11. August von Breslau nach Posen gereist und dort um 10 Uhr vormittags einge< troffen und am Bahnhof von den Spitzen der bürgerlichen, militärischen und städtischen Behörden empfangen worden. Die Kaiserin unternahm sofort eine Rundfahrt durch die Stadt, insbesondere durch die vom Hochwasser betroffenen Stadtteile. Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck.
Nach der Rundfahrt durch die Stadt begab sich die Kaiserin zum Frühstück nach dem Generalkommando. Auf beut Wege dorthin wurde sie von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Am Nachmittag fand eine Sitzung des Provinzialhilfskomitees und des Vorstandes des Vaterländischen Frauenvereins statt, der die Kaiserin beiwohnte. Der Oberpräsident hielt einen Vortrag über Entstehung und Ausdehnung des Hochwassers. Die Kaiserin überwies als weitere Beihilfe für die Ueberschwemmten dem Vaterländischen Frauen- verein 5000 Mk. Unter stürmischen Kundgebungen der Bevölkerung ist die Kaiserin um 5 Uhr wieder abgereist. Abends 10 Uhr traf die Kaiserin auf Station Wildpark ein und wurde am Bahnhof von dem kurz vorher aus Plön eingetroffenen Kronprinzen empfangen.
— Dem „Lokalanzeiger" zufolge hat die Leitung der Berliner Hoch- und Untergrundbahn auf die Nachricht von der Pariser Katastrophe sofort eine eingehende Untersuchung veranlaßt, ob ein ähnliches Unglück sich in Berlin zu tragen könnte. Nach sorgfältiger Erwägung der gemeinsamen und abweichenden Umstände kam man zu der sicheren Ueberzeugung, daß auf der Berliner Untergrundbahn solche Katastrophen zu Unmöglichkeit gehören.
— Der frühere Reichstagspräsident Wirkl. Geh. ich muß, sonst werde ich auf die Srraße geworfen," schluchzte der alte Mann, und Thränen rannen aus seinen müden Augen.
„Wer zwingt Sie dazu?" fragte Lucie mit ernster Stimme, empört über eine solche Menschenquälerei.
Der Freiherr von Hardenfels," antwortete der Kranke und ein Hustenanfall verhinderte ihn am Weitersprechen.
Lucie wandle sich zum Gehen; sie reichte dem Alten ein Geldstück, das er jedoch nicht annahm.
„Sie sind sehr gütig, aber behalten Sie nur Ihr Geld, ich brauche es nicht. Die Freiin und der junge Herr versorgen mich mit Essen und Trinken, sodaß ich feine Not leide. O! die sind ganz anders, als der Freiherr, ein Jeder in Hardenfels betet für sie; aber der Freiherr ist ein Teufel und wird in die Hölle wandern."
Die letzten Worte hatte Steffen mit Bitterkeit gesprochen. Lucie war bestürzt über das, was sie hier von dem Alten eben gehört hatte. Die furchtlose Offenheit, mit der sie gesprochen wurden zeigten ihr, wie es mit Hardenfels ftanb. Sie hatte dergleichen bereits öfter gehört, die Gewiffenlossigkeit des Freiherrn verabscheute sie; doch freute sie sich innerlich, daß der Sohn, den sie liebte, anders gesinnt war, als der Vater. Schweigend ging sie nun mit ihrer Tante nach Waldenburg zurück.
Herr Raven war schon längst zu Hause, als die beiden Damen das Schloß betraten,
Rat v. Levetzow ist vergangene Woche auf seinem Gute Gossow in der Neumark gestorben.
Ausland.
— Die Pariser Untergrundbahn, der „Metro," hat am 10. August die erste große Katastrophe erlebt. Das furchtbare Unglück ereignete sich auf der unter dem Bouvelard de Belleville und dem Boulevard de Menilmontant nach der Place de la Nation hinführenden Linie. Die Stationen heißen hier von Norden nach Süden: Bellevilla, Couronnes, Menilmontant, National. Um 8 Uhr abends hielt auf der Station Couronnes ein aus vier Wagen bestehender Zug, der von Fahrgästen vollgepfropft war. Gerade als das Zeichen zur Weiterfahrt gegeben werden sollte, drang aus Der Unterführung in der Richtung nach Menil- montant erstickender Rauch. Gleich darauf stürzten aus dem Tunnel Beamte der Untergrundbahn mit den Rufen: „Es rette sich, wer kann!" In dem Augenblick erloschen die elektrischen Lampen. Die in Schreckensverwirrung geratenen Reisenden verließen in der Dunkelheit ihre Wagen und drängten den Ausgängen zu, die sie aber in ihrer kopflosen Bestürzung zumeist verfehlten. Von denen, die auf dem Bahnsteig gewartet hatten, rannte die Mehrzahl in dem ant andern Ende der Station beginnenden Tunnel nach Belleville zurück. Etwa hundert konnten sich sö retten. Obgleich diese versicherten, daß sie bei der Flucht mit dem Fuße Leichen berührt hätten, blieb man bis nach Mitternacht darüber im Ungewissen, wie viele Opfer die Katastrophe gefordert hatte. Erst gegen 3 Uhr konnten die eigentlichen Rettungsarbeiten beginnen. Dabei zeigte sich, daß der Umfang des Unglücks auch die schlimmsten Befürchtungen übertraf. Um 7 Uhr morgens hatte man 84 Erstickte und Verbrannte geborgen. Die Mehrzahl wurde auf dem Bahnhof Couronnes gefunden, wo die Unglücklichen bei ihren Fluchtversuchen sich in einen Winkel eingekeilt hatten. Es sind meist Arbeiter, neben einigen Frauen und Kindern. Die Ursachen des Unglücks stellt der „Eclair" in einer Sonderausgabe so dar: Am Bohnhof Bares (weiter im Norden gelegen) meldete der Führer des Zuges 43, daß sein Motor schlecht arbeite. Der Stationsvorsteher ließ die Reisenden aussteigen und vor den leeren Zug einen gut funktionierenden Motorwagen hängen, der den schadhaften Zug nach der Station bringen sollte, wo sich die großen Wagenschuppen des Metro befinden. Am Bahnhof Couronnes sah sich der Führer des Transportes genötigt, das Tempo wegen Brandgefahr zu verlangsamen, fuhr aber trotzdem in den nach Menilmontant weiterführenden Tunnel hinein. Im Tunnel geriet nun durch Kurzschluß der Motorwagen des geschleppten Zuges in Brand. Das Feuer griff auch auf die andern Wagen über, und der Luftzug trieb die Rauchwolken nach Couronnes zurück, wo sich sofort die Stationshalle mit dichtem Qualm füllte und
„Wir fahren nicht nach Hardenfels," sagte er ernst, als er die beiden Damen begrüßt hatte.
„Warum nicht, lieber Papa? Du hast uns doch angemeldet."
Und nun erzählte Herr Raven seine Begegnung mit Herrn von Hardenfels, mbem er erregt im Zimmer auf und ab ging. Lucie und Tante Ottilie hörten schweigend zu. Das, was sie eben hörten, paßte ganz zu dem, was der alte Steffen ihnen erzählt hatte.'
„Auch wir haben heute nichts Gutes von dem Freiherrn gehört, Papa. Wir trafen an der Grenze einen alten Mann, der, obwohl er krank ist, doch noch arbeiten muß, wenn er nicht auf die Straße geworfen werden will, wie er erzählte. Können wir ihn nicht nack- Waldenburg in das „Haus der Alten" bringen, damit er hier ruhig seine letzten Jahre verleben kann? Platz ist noch da."
„Nein, mein Töchterchen, das geht nicht," sagte Herr Raven, seinem Kinde die Wangen streichelnd. „Was würde wohl der Freiherr sagen, wenn es geschähe! Er könnte uns dann viele Unannehmlichkeiten bereiten, und mir liegt viel daran, mit ihm in Frieden zu leben, soweit es eben möglich ist. Vielleicht kannst Du einmal mit dem jungen Freiherr» reden, wenn Du später Gelegenheit dazu findest; er wird Deine Bitte, für den Alten zu sorgen, gewiß nicht abschlagen."
„Aber Papa, wir fahren ja nicht nach Hardenfels" rief Lucie unglücklich aus,