SchWernerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 64.
Mittwoch, den 12. August 1903.
54. Jahrgang.
Fortwährend
werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen- genommen.____
Deutsches Deich.
— Seine Majestät der deutsche Kaiser ist am 8. August auf der Nacht „Hohenzollern" in Odde (Norwegen) eingeiroffen. An Bord ist alles wohl.
— Se. Majestät der Kaiser wird am 1. und 2. September am sächsischen Hofe in Dresden einen Besuch abstatten; da der Besuch vorwiegend militärischen Charakter trägt, so ist auch der Empfang in militärischem Rahmen gehalten. Der Kaiser wohnt einem feierlichen Akte der Eröffnung der deutschen Städte- ausstellung bei. Prunkvorstellung und großer Zapfenstreich beschließen die Kaisertage in Dresden.
— Zum Besuche Seiner Majestät des Kaisers in Oesterreich Ungarn werden jetzt folgende Einzelheiten gemeldet. Der Kaiser trifft am 18. September in Wien ein, wo ein zweitägiger Aufenthalt in Aussicht genommen ist. Von Wien aus begibt sich Kaiser Wilhelm, einer Jagdeinladung des Erzherzogs Friedrich folgend, nach dessen Besitzung in Bellye in Ungarn. Wie verlautet, wird der Kaiser am 20. September von Wien zunächst nach Mohaes fahren, von wo alsdann an Bord eines Separatdampfers die Reise donau- abwärts in die Bellyeschen Jagdreviere fortgesetzt werden soll. Dem Vernehmen nach beabsichtigt auch Kaiser Franz Joseph, an diesen Hochwildjagden teil- zunehmen.
— Die Hauptversammlung des deutsch-evangelischen Frauenbundes findet am 24. und 25. September in Bonn statt.
— König Georg von Sachsen beging am 8. August seinen 71. Geburtstag.
— Ueber den Anteil, welchen die Truppenteile des VI. Armeekorps an der Beseitigung der Hochwasserschäden genommen haben, wird der „Kreuzzeitung" geschrieben: Das schlesische Pionierbataillon Nr. 6 ist bis auf ein ganz kleines Garnisonkommando in einzelne Detachements in den Kreisen Neisse und Neustadt O.- S. verteilt, und ebenso sind zwei Bataillone des Infanterie-Regiments Nr. 23 in kleineren Kommandos in den meisten heimgesuchten Ortschaften untergebracht. Mit rastlosem Eifer und mit einer erfrischenden Freudigkeit arbeiten die Truppen vom frühen Morgen mit kurzer Unterbrechung bis zum späten Abend an der Herstellung notwendiger Verbindungen (Brücken, Stege usw.), sowie von Schutzdämmen, an Wegschaffung von Schlamm und Schutt. Alle sind ersichtlich von dem einen Geist erfüllt, alle Kräfte einzusetzen. Einen schönen Beweis für die Schulung und Tüchtigkeit IjÄWsE IHaf^
Roman von O. König Liebthal.
(Fortsetzung.)
,Ja, es ist herrlich, diesen Abenddraußen genießen zu können," antwortete Tante Ottilie, „und ich bereue nicht, Deiner Bitte, Dich zu begleiten, entsprochen zu haben."
„Na, na! es scheint mir gar nicht so, Tantchen, daß Du Dich freust, Du bist ja so furchtbar schweigsam heute. Woran denkst Du denn eigentlich?"
Tante Ottilie versuchte zu lächeln. „Du kleines dummes Ding mußt nicht alles wissen, was wir „Alten" denken. Die Jugend macht sich nürlich keine Gedanken, sondern lebt fröhlich und ausgelassen von einem Tag zum andern. 9Znn, ich gönne es ihr ja, bin auch einmal jung gewesen."
„Daß Du Dich immer zu den Alten rechnen mußt, Tante! Wie alt bist Du denn eigentlich? Ich bin zwanzig und Du? — warte einen Augenblick — Du bist vierzig, noch jung genug, um zu heiraten und einen Mann glücklich zu machen. Ja, ja, schüttele nur Dein weises Haupt; es ist so, wie ich eben sagte."
„Beichte einmal, Tante," fuhr Lucie, ernster werdend, fort, „hast Du nie in Deinem Leben geliebt?"
Nun mußte Tante Ottilie doch lachen, obwohl sie sich Mühe gab, ernst zu 'bleiben. „Wie kommst Du darauf, Kind? Gewiß war ich einmal jung, aber einen Mann habe ich nie geliebt. Die Männer taugen alle
unserer Truppen, die auch völlig neue Aufgaben ausgezeichnet durchzuführen wissen, liefert die Arbeit des Infanterie-Regiments Nr. 23, das in verschiedenen Orten schnell tragfähige Brücken erbaut und feste Schutzdämme hergestellt hat. Vielfach sieht man die Infanterie mit einer Ruhe und Sicherheit, die zur Bewunderung herausfordert, an allerhand baulichen Anlagen arbeiten, als wenn sie in diesen Dingen stets zu tun gehabt hätte. Eine glänzende Leistung haben die Pioniere in Ziegenhals ausgeführt; dort wurde von ihnen an Stelle der vom Hochwasser vollständig weggerissenen Bielebrücke an der Freiwaldauer Straße binnen wenigen Tagen eine neue 60 Mieter lange und 5 Meter breite, für eine Belastung von WO Zentner bestimmte Brücke erbaut, und eine zweite in der Nähe des Ferdinandbades. Die Gegner des Militarismus, die nicht müde werden, über die „Parade-Erziehung" in der Armee zu kannegießern, würden im Ueber- schwemmuugsgebiet reichlich Gelegenheit finden, sich von der praktischen Leistungsfähigkeit, von der vielseitigen Brauchbarkeit, von dein kernigen Soldatengeiste unserer Truppen zu überzeugen. : Ueberall wurde der große Segen der militärischen Hilfe gerühmt, und in der Tat, das VI. Armeekorps hat sich in den Julitagen 1903 in der Geschichte Schlesiens ein neues Ruhmesblatt erworben.
— Ueber welche großen Geldmittel die Sozial- demokratie verfügt, geht aus den Quittungen hervor, die der „Vorwärts" veröffentlicht. Darnach find im Monat Juli nahezu 100000 Mk. eingegangen. Es befinden sich darunter sehr erhebliche Posten, u. a. 44 WO Mk. eines Berliner Spenders, ein anderer „X. ?)- Z-" mit 4000 Mk. Der Ueberschuß des „Vorwärts" vom zweiten Quartal ergab 26 673,45 Mark. Die Einzelbeiträge fallen von jener Spende von 44100 Mk. in langer Reihe bis zu der bescheidenen Gabe von 7 Pfg. herab. Welcher bürgerlichen Partei fließen auch nur annähernd so reiche Geldmittel zu, wie der Sozialdemokratie? Daß die Posten von 44 WO und 4 000 Mk. „Arbeitergroschen" seien, wird sie selbst aber gewiß nicht behaupten wollen! Das Geld ist aber nicht der schlechteste Maßstab für den Eifer der Anhänger einer Partei.
Ausland.
— Am 9. August vormittags 8 */a Uhr fand in der Peterskirche zu Rom die feierliche Krönung des Papstes Pius X. statt; ihr wohnten etwa 50000 Personen bei. Vor der Kirche waren Truppen aufgestellt, welche die Ordnung unter dein zuströmenden Publikum aufrecht erhielten. In der Basilika versahen die päpstlichen Truppen den Dienst. Um 8'/a Uhr begab sich der Papst, begleitet von den Kardinälen, den Würdenträgern und Nobelgarden zu Fuß, in den Porticus von St. Peter, wo vor der Porta santa ein Thron nichts, hast Du doch oft genug auch schon gesagt."
„Ha! ha!" kicherte Lucie. „Wer das glaubt! Schöne Männer wird es' auch in Deiner Jugend gegeben haben. Ist Dir nie einer begegnet, der Dir gefallen hat?"
„Ich wüßte nicht," antwortete die Gefragte nach- denkend. „Doch halt," begann sie nach einer kleinen Pause wieder, da^ fällt mir eben einer ein. Aber wozu Dir das erzählen."
„Bitte erzähle mir von ihm," bat Lucie schmeichelnd.
„Nun, er war jung, schön, reich; kurz er hatte alle Eigenschaften, um ein junges Mädchen zu betören- Er kam sehr oft in unser Haus. Stets war er dann bei mir, mich von seinen Reisen, Rennen, Jagden zu unterhalten, was mich doch alles nicht interessierte. Ich war immer freundlich zu ihm, aber niemals zutraulich. Endlich blieb er fort, was ich nicht bedauerte."
„Hättest Du ihn genommen, wenn er sich Dir erklärt haben würde, Tante?"
„Nein," entgegnete sie bestimmt.
„Aber, warum i)emi nicht," fragte Lucie.
„Ich liebte ihn nicht."
„Du hast recht, Tante! Lieber einsam durchs Leben gehen, als unglücklich verheiratet zu sein. Wenn ich einmal alt bin, mochte ich auch so ein zufriedenes Leben führen, wie Du."
„Nein, Du wirst keine alte Jungfer werden, Lucie;
errichtet war. Der Papst, in den päpstlichen Gewändern, auf dem Haupt die Mitra, bestieg hierauf den Thron, während die Kardinäle auf den für sie bereit gehaltenen Bänken Platz nahmen. Sodann hielt Kardinal Rampolla, als Erzpriester der Basilika, umgeben vom Kapitel und der Geistlichkeit des Vatikans, eine kurze lateinische Ansprache, in welcher er der hohen Eigenschaften des Papstes gedachte. Die Sänger der sixtinischen Kapelle stimmten das „Tu es Petrus" an. Der Papst nahm dann auf der „sedia gestatoria" Platz und wurde unter Vorantritt der Kardinäle und Würdenträger um 9'/» Uhr durch das Mitteltor in die Basilika getragen, begrüßt von den brausenden Zurufen der Menge und von Trompetenfanfaren. Die Palastgarde erivies die militärischen Ehren. Hierauf erteilte der Papst den Segen und forderte durch eine Handbewegung auf, mit dem Znrufen einzutzalten. Vor dem Hochaltar stieg der Papst von der „sedia gestatoria" herab und verweilte einige Minuten in Anbetung des ausgestellten Allerheiligsten, während alle Kardinäle in feierlicher Form knieend den Rosenkranz beteten. Darauf begab sich der Papst wieder auf die „sedia gestatoria" und ließ sich, überall von erneuten Zurufen begrüßt, in die Klementinische Kapelle tragen, wo ein anderer Thron errichtet war. Der Papst nahm auf dem Throne Platz, während die Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte und Pönitentiare auf besonderen Bänken saßen. Der Papst ließ die Kardinäle, Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe zur Huldigung zu und erteilte dann mit lauter, klarer Stimme dem Volke den Segen. Um 10 72 Uhr zelebrierte der Papst die Messe am Beichtaltar. Nach dem Segen wurde der Papst mit den für die Abhaltung der Neffe vorgeschriebenen Gewändern bekleidet, während die Kardinäle, Patriarchen, Bischöfe und übrigen kirchlichen Würdenträger die ihrem Rang entsprechenden priestlichen Gewänder anlegten. Daraus begab sich der Papst in feierlichem Zuge, auf der „sedia gestatoria" sitzend, zu dem unter einem Baldachin errichteten Throne, um die Messe zu zelebrieren.
Auf dem ganzen Wege durch die Klementinische Kapelle bis zum Hochaltar schritt der Zeremonien- meister dem Papste Pius X. voran. Er zündete dreimal Werg an, rufend: „Heiliger Vater, so schwindet der Rubin der Welt!" Sobald der Papst beim Hochaltar ankam, stimmten die Sänger der Sixtinischen Kapelle das „ecce sacerdos magnus" an. Rechts und links von dem Thron waren Tribünen errichtet für die Angehörigen des Papstes, die Ritter des Malteserordens, die Mitglieder des diplomatischen Korps und des hohen Adels. Vor den Tribünen waren zur Rechten und Linken Bänke ausgestellt für die Kardinäle, Patriarchen, Bischöfe, Aebte, Prälaten und übrigen Würdenträger. Nichdem die Mitglieder Du mußt heiraten und wirst auch heiraten."
„Weißt Du das so bestimmt, Tante?"
„Ich denke," antwortete sie mit einem eigentümlichen Lächeln. Das Gespräch stockte. Schweigend schritten sie weiter, jede hatte ihre eigenen Gedanken
„Wir müssen umkehren", sagte endlich Tante Ottilie, „es dunkelt bereits und Papa wird schon wieder zu Hause sein und uns gewiß erwarten."
Lucie sah nach der Uhr
„Ja, es ist Zeit", sagte' sie, „aber laß uns schnell noch einige Blumen dort auf der Wiese pflücken."
Die beiden Damen-schritten schneller zu und bald hatten sie die Wiese erreicht.
„Wenn uns nur keiner überrascht", sagte Tante ängstlich und schaute über die weite, grüne Fläche; „Du weißt doch, daß' sie nicht uns gehört."
„Sei doch nicht so ängstlich, Tante! Wer soll uns denn jetzt noch überraschen.! Uebrigens hat es mir ja der junge Freiherr erlaubt"
„Nun, dann schnell, damit wir nach Hause kommen", spornte Tante Ottilie ihre Nichte an.
Heimlich, ohne daß es die Tante mertte, schaute Lucie öfter nach jener Stelle, wo Kurt von Harden- fels sie überrascht hatte. Sie dachte an diese erste Begegnung und ein glückliches Lächeln ging über ihr reizendes Gesicht.
„Nun aber komm, Lucie", mahnte Tante Ottilie, als sie genug Blumen gepflückt hatten, wir müssen jetzt eilen," (Forts, folgt.)