WchlemerMtung
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Mittwoch, den 5. August 1903.
54. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
— Se. Majestät der Kaiser besichtigte am Samstag Vormittag die Renovierungsarheiten im Drontheimer Dom und begab sich darauf zum deutschen Konsul gerissen, bei dem er das Frühstück einnahm. Am Sonntag Vormittag wurde ein Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" abgehalten. Das Wetter ist seit Samstag kühl und regnerisch.
— Se. Majestät der Kaiser richtete folgendes Telegramm an den Oberpräsidenten der Provinz Posen: „Ich freue mich, aus der Meldung zu ersehen, daß schwere Schäden nicht erfolgten. Für die dnrch Nässe betroffene Bevölkerung habe ich den Finanzminister angewiesen, 270,000 Mark zur Verfügung zu stellen; ebenfalls werde ich persönlich Ihnen eine Summe zugehen lassen." Wilhelm J. R." — Indem der Oberpräsident dies veröffentlicht, fügt er hinzu, daß der Kaiser anläßlich der Ueberschwemmungen in der Provinz Posen eine persönliche Gnadenhilfe von 5000 Mark bewilligte.
— Zu Ehren des Offizierkorps des deutschen Schulschiffs „Stein" gab der Präsident des Vereins der Reichsdeutschen, Kommerzienrat Tillmanns in Petersburg ein großes Fest.
— Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Grafen Posadowsky konstituierten sich etwa 80 Herren aus Berlin und Umgegend als Reichshilfskomiiee zu Sänften der durch das Hochwasser Geschädigten. Der Kronprinz übernahm das Protektorat über die Tätigkeit des Komitees. Es sind sofort 35,000 Mark nach Schlesien, 10,000 Mark nach Posen und 5000 Mark der Provinz Brandenburg überwiesen worden.
— Der deutsche Außenhandel im ersten Halbjahr 1903 zeigt gegenüber der beiden Vorjahre eine ;ehr ins Auge fallende Zunahme. Nach den darüber vorliegenden Nachweisen hat der Wert der ein- und ausgeführten Waren in den ersten Hälften der letzten drei Jahre betragen (in Millionen Mark):
1901 1902 1903
Einfuhr 2681 2782 3003
Ausfuhr 2098 2187 2360
Einfuhr-Ueberschuß 583 595 643
Eine gesteigerte Einfnhr läßt sich namentlich bei Rohstoffen feststellen. So ist die Einsuhr von roher Baumwolle gegen das Vorjahr um rund 40 Mill. Mark, von Flachs und Hanf um 7, von roher Wolle um 10, von Eisenerzen um beinahe 10, von Gerste
Mrüensek u. Watümvurfi.
Roman von O. König Liebthal.
(Fortsetzung.)
Die Freiin beruhigte sich und blickte mit inniger Liebe auf ihren Sohn, der ihr einziger Trost und alleinige Hoffnung war.
„Komm, Mama," sagte er nach längerem Schweigen, „wir wollen im Park ein Stündä>en spazieren gehen, trenn es Dir angenehm ist. Ich habe Dir etwas zu sagen was ich nicht länger verschweigen will."
„So komm, lieber Kurt."
Arm in Arm gingen Mutter und Sohn durch den schönen Park von Hardenfels. — Bald ließen sie sich auf einer Bank, die von duftendem Flieder umgeben war, nieder.
„Mama," unterbrach Kurt das Schweigen, „ich bin vorgestern- in Waldenburg gewesen."
„So—o? Wie kam denn das, Kurt?" fragte die Freiin und sah erstaunt ih<en Sohn an.
„Wie Du weißt," erzählte Kurt, „war ich an dem Tage mehrere Stunden am Nachmittage im Walde. Auf der Grenzwiese traf ich zufällig mit Fräulein Raven zusammen, die einen Strauß Blumen pflückte. Das Gewitter überraschte uns, und so war ich gezwungen, das Fräulein nach Waldenburg zu begleiten, wo es schon von dem Vater und der Tante ängstlich gesucht wurde, da es ohne deren Wissen fortgegangen jvar. — Herr Raven war sehr erfreut, als ich ihm
um 18, von Leinsaat um beinahe 12, von Häuten und Fellen um 20 Mill. Mark gestiegen. In der Ausfuhr ist bei Eisen und Eisenwaren eine Zunahme von 47 Mill. Mark, bei Kohlen eine solche von 22, bei Textilwaren von 38, bei Kupfer und Kupferwaren von 10, bei Papier von 12 Mill. Mark zu verzeichnen. Die Zuckerausfuhr bleibt freilich um nicht weniger als 18 Mill. Mark hinter dem Vorjahre zurück. Zugenommen hat die Ausfuhr von Weizen und Roggen, während die Einfuhr, wenigstens bei Weizen, einen Rückgang aufweist. Insgesamt wurden für 153 Mill. Mark Weizen und Roggen eingeführt, im Vorjahre für 164 Mill. Mark; die Ausfuhr betrug 20,3 Mill. Mark gegen 5,4 Mill. Mark im Vorjahre. Eine starke Mehrausfuhr von Brotgetreide hat namentlich nach den skandinavischen Ländern stattgesunden, die im ersten Halbjahr 1903 109054 Tonnen Weizen und Roggen aus Deutschland erhalten haben gegen 17982 Tonnen im Vorjahre.
Dom Konklave.
Eine Ranchsäule um die andere steigt aus dem Schornsteine der Sixtinischen Kapelle empor, um anzu- zeigen, daß die Papstwahl wiederum ergebnislos verlaufen ist. Das ist auch das Einzige, was man über die einzelnen Wahlhandlungen Bestimmtes weiß. Alles andere ist nur mehr oder minder berechtigte Vermutung. Die Kardinale gruppieren sich bekanntlich in Anhänger und Gegner Rampollas; über das Stimmverhältnis der beiden Gruppen weiß man nichts und ebenso nichts darüber, ob Rampolla noch Kandidat ist oder ob er bereits seinen Komproniiskandidaten vorgeschoben hat.
Ueber das Konklave selbst schreibt der vatikanische Korrespondent des „Sortiere della Sera" folgendes:
Ich habe noch niemals einem Konklave beigewohnt, aber ich muß gestehen, daß es zugleich ein sehr unterhaltendes und ein trauriges Schauspiel ist, je nach dem Standpunkte, von dem aus man es betrachtet. Es ist unterhaltend für jene, die an allen Formen der menschlichen Komödie Gefallen finden, und traurig für jeden, der verpflichtet ist, einer solchen Entfesselung der Leidenschaften beizuwohnen. Der Kampf, der seit einigen Tagen geführt wird, ist ein furchtbar wilder, und die Kämpfer, das muß man feststellen, nehmen nicht immer ihre Zuflucht zu höflichen und ehrlichen Waffen. Geheimschriften, anonyme Anklagen, Verdächtigungen, Enthüllungen über Familienskandale bei den Angehörigen beider Parteien — die Anhänger der einzelnen Kandidaturen haben alles ins Feld geführt, um ihrer Partei den Sieg zu verschaffen. Wer den Vorgängen der letzten Tage beigewohnt hat, der kann sich leicht eine Vorstellung machen von den Jntrigen und Machenschaften in den Konklaves vergangener Jahrhunderte, als das Papsttum noch eine weltliche Macht war.
sein Töchterlein gesund zuführte und lud mich ein, noch einige Stunden bei ihm zu bleiben. Als das Unwetter nachgelassen hatte, ließ er mich herfahren."
„Es freut mich, Kurt, daß Du der jungen Dame Beistand geleistet hast. Laß es aber Papa nicht wissen, daß Du in Waldenburg warst. Vorhin erst sagte er, daß zwischen Hardenfels und Waldenburg keine Gemeinschaft bestehen soll. Er war wieder schrecklich wütend; Du weißt, er kann es immer noch nicht überwinden, daß Waldenburg in andere Hände überge- gangen ist. Er betrachtet Herrn Raven als seinen Feind, trotzdem ihn dieser doch nichts zu Leide getan hat."--
Atemlos hatte Kurt zugehört. Jetzt aber sprang er auf „So wird es einen harren Kampf geben zwischen Papa und mir, Mama," sagte er finster.
„Wie meinst Du das, lieber Kurt?"
„Mama, obwohl ich Lucie Raven nur einmal gesehen habe — ich liebe sie und bin fest entschlossen, sie zu heiraten." — „Natürlich," versuchte er zu scherzen, „wenn sie mich will."
Erstaunt sah die Freiin ihren Sohn an und sagte: „Weiß sie schon von Deiner Liebe Kurt? Und weißt Du, ob sie Deine Liebe erwidert?"
„Noch nicht, Mama. Aber ich werde um ihre Liebe ringen; ich werde um ihre Hand werben, bis sie mein ist. Und wenn ich dann einst mit ihr zu Dir kommen sollte, um Deinen mütterlichen Hegen zu
Ein charakteristisches Zeichen für die Verwirrung, die bis zum letzten Augenblick vor dem Beginn des Konklave herrschte, ist das, daß beide Parteien voll Hoffnungen auf ein glückliches Ergebnis der Wahl sind, die Ram- pollianer sowohl wie die Antirampollianer. Zwei ausländische Kardinäle, Kopp von Breslau und der Amerikaner Gibbons, haben in diesen Tagen hauptsächlich darauf hingearbeitet, eine antirampollianische Partei zu bilden. Diese Partei hat drei Kandidaten: Serafino Bannutelli, Agliardi und Capecelatro. Wer immer von diesen dreien den Sieg davontragen wird, es wird ein Sieg der Gemäßigten sein, ein Sieg derjenigen, die einen mehr religösen als politischen Papst haben wollen. Die Mehrheit der Italiener kann nichts mehr und nichts Besseres wünschen.
Ausland.
— Zum Gedächtnis des Todestages König Hum- berts fand am 29. Juli in Rom eine große Volkskundgebung und ein festlicher Zug statt, an welchem militärische, politische und andere Vereine, Bürger, Arbeiter, Schulen, mehrere Musikkorps und Munizipal- garden teilnahmen. Der Zug bewegte sich mit zahlreichen Fahnen und Kränzen zum Pantheon, wo er am Grabe König Humberts vorbeischritt. Dann begab sich der Zug nach dem Kapital, in dessen Umgebung eine Menge Volkes angesammelt war. Der Deputierte Pinchia hielt die Gedächtnisrede, die mit großem Beifall und den sich oft wiederholenden Rufen: „Es lebe der König!" ausgenommen wurde. — Am Grabe des Königs fanden sich die Minister, Senatoren und Deputierte sowie eine große Volksmenge ein. In der Stadt waren die Verkaufsläden geschlossen; die Flaggen auf Halbmast aufgezogen.
— Aus London wird berichtet: Das Arbeitsfeld der Frau vergrößert sich in England mit jedem Tag. Soeben hat die Admiralität von dem Direktor des Arsenals von Pembrock einen Bericht über die Vorteile der Verwendung von Frauen in den Bureaus der Zeichner und in den Möbelwerkstätten gefordert. Falls der Bericht günstig ist, wie man annimmt, wird eine große Zahl von Tapezierern und Polierern durch Frauen ersetzt werden. Wenn es so weitergeht, wird bald eine Zeit kommen, wo man nach neuen Arbeitsgebieten für die Männer suchen muß. Man zählt jetzt schon nicht weniger als 44 Berufe, die früher ausschließlich dem starken Geschlecht vorbehalten waren, in denen die Frau dem Manne eine jedes Jahr größere Konkurrenz macht. Wer hätte wohl geahnt, oaß es auch weibliche Schmiede gibt und daß in einem einzigen Bezirk, Cradley-Heath, mehr als 1000 von ihnen damit beschäftigt sind, Kettenringe zu schmieden. Erst vor kurzem wurden die Frauen zu der medizinischen Fakultät zugelassen, und jetzt haben bereits über 500 erflehen — würdest Du ihn mir, würvest Du ihn uns verweigern?"
„Du weißt, mein lieber Kurt," antwortete die Freiin, indem sie die Hand ihres Sohnes erfaßte, „Du weißt, daß ich Dein Glück will. Du wirst keiner Unwürdigen die Hand reichen und ihr Deinen Namen geben. Noch kenne ich Lucie Raven nicht. Aber ist Deine Liebe zu ihr echt, bewährte sie sich in dem Kampfe, der Dir bevorsteht, und wird Deine Liebe von ihr erwidert, dann, dann werde ich mich mit Euch freuen; Lucie Raven soll mir willkommen sein und ich werde Euch segnen."
Mit glücklichem Lächeln hatte Kurt seiner Mutter Worten gelauscht; stürmisch umarmte er sie und küßte sie. „Ich danke Dir, Mama; ich danke Dir."
„Wir wollen gehen, Kurr," mahnte die Freiin und erhob sich. Lange noch wandelten sie im Parke zusammen und Kurt konnte nicht genug erzählen von dem ersten Zusammentreffen mit Lucie Raven, dem geliebten Mädchen! Und als er sich von seiner Mutter trennte, rief er siegesmutig aus: „9lun kann der Kampf beginnen, ohne Kampf kein Sieg." —----
Als der Freiherr von Hardenfels das Zimmer verlassen hatte, gab er einem vorübereilendem Diener den Befehl, sogleich seinen Araber vorzuführen. Der Diener lief so schnell er konnte, und es dauerte nicht lange, da kam er mit dem Reffpferde zurück. Der Freiherr schwang sich hinauf, drückte dem Tiere diß