chlüchtemerMtung
Erscheint Mittwoch und Sanlstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
.M 61.
sfMsWMW-WAW
Fortwährend werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von bey Expedition entgegengenommen.
Amtliches.
J.-Nr. 1983. K.-A. Dem bei den Erben des Schmiedemeisters Ph. Knobeloch in Dienst stehenden Dienstknecht Peter Euler zu Steinau ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, 21 Juli 1903.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
— Se. Majestät der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" nach Drontheim abgereist.
— Zu den Sammlungen für die Ueberschwemmten in Schlesien hat Se. Majestät dec Kaiser 10000 Mk. gespendet.
Finanzminister von Rheinbaben hat die tatkräftigsten Maßregeln angeordnet und sofort 1600 000 Mk. zur Verfügung stellen lassen. Ob die angewiesene Pauschalhilfssumine von 10 Millionen ausreicht, erscheint sehr zweifelhaft. Die verursachten Schäden werden allein auf 20 Millionen veranschlagt. — Auch in der Provinz Posen stellen sich die Verheerungen durch das Hochwasser als sehr erheblich heraus; zur Deckung der Verluste in dieser Provinz werden, soweit sich vorläufig übersehen läßt, 3 Millionen Mark erforderlich sein.
— Die ZusammenkunftSr.Maj.desKaisers mitKönig Eduard wird in Darmstadt stattfinden. König Eduard wird in Marienbad eine dreiwöchige Kur gebrauchen und im September nach Darmstadt zur Begrüßung des Zarenpaares fommen. Das deutsche Kaiserpaar wird von Wiesbaden aus in Darmstadt eintreffen und König Eduard dann in Wiesbaden einen Gegenbesuch machen.
— Se. Majestät der deutsche Kaiser richtete anläßlich der Aufnahme des Hafens in Dover in die Reihe der Anlaufhäfen der transozeanischen deutschen Dampfer an den Generaldirektor Ballin der Hamburg- Amerika-Linie ein Telegramm, worin er der Freude Ausdruck gibt über den mit dem Dampfer „Prinz Sigismund" glücklich vollzogenen ersten Versuch und weiter sagt: „Mit der Aufnahme Dovers ist ein von englischer Seite an mich herangetretener Wunsch in Erfüllung gegangen und es wird das sicherlich dazu beitragen, die so vielseitigen und friedlichen Beziehungen der beiden Nationen noch enger zu knüpfen und weiter ausmgestalten."
^jai^ieiMir^^^
Roman von O. König Liebthal.
(Fortsetzung.)
Und wie viele Kranke und Elende solls in Harden- fels nicht geben! Es ist zum Erbarmen. Mich wundert es, daß Herr von Loschwitz mir nichts von diesen Dingen erzählt hat, während er von der Freiin und dem jungen Hardenfels nicht genug plaudern konnte. Ja, ja, Loschwitz ist ein Ehrenmann; er dachte vielleicht: „Komm und siehe es." Nun, wir Werdens ja sehen, wir müssen den Hardenfelsern doch unsern Besuch machen: wenn das Wetter gut bleibt, fahren wir in den nächsten Tagen hinüber."
Herr Raven hatte sich, wähend er sprach, eine Zigarre angezündet und blies behaglich den Rauch von sich. Seine Schwägerin war ganz entsetzt von dem, was Herr Raven eben erzählt hatte.
„Nun," äußerte sie, „der Sohn ist anders geartet als sein Vater, daß weiß ich ganz bestimmt, und ich würde nichts dagegen haben, wenn er unsere Lucie —"
„Heiraten würde — wolltest Du sagen. Nicht wahr? fiel Herr Raven ein und lachte dabei laut auf.
„Daß Ihr Frauen doch immer gleich daran denken müßt!" scherzte er Weiter. „Dn weißt ja, wie es hiermit bei Lucie bestellt ist. Ich glaube nicht daran."
„Aber ich, lieber Schwager, wenn Du nichts dagegen hast. Wir Frauen blicken tiefer und ich habe wohl die verstohlenen Blicke gesehen, die Lucie dem
Samstag, den 1. August 1903.
— Der Oberpräsident der preußischen Rheinprovinz, Berthold gtaffe, feierte am 29. Juli im Alter von 72 Jahren das 50jährige Jubiläum seines Eintritts in den Staatsdienst. Sein jetziges Amt bekleidet der von seinen Rheinländern Hochgeseiette Oberpräsident seit 1890.
— Wie die „M. Ztg." schreibt, verspricht die diesjährige Kaiserparade dadurch noch besonders interessant zu werden, daß aus verschiedenen fremden Korpsverbänden Truppen am 4. September mit in Parade stehen werden, und zwar vom Gardekorps das 1. und 2. Garde-Ulanenregiment aus Potsdam, die reitende Abteilung des Garde-Feldartillerieregiments aus Berlin, die 1. und 2. Maschinengewehr-Abteilung aus Berlin und Groß-Lichterfelde, sowie eine Abteilung des Garde- korps-Telegraphen-Bataillons zu Berlin. Ferner sind kommandiert vom dritten Armeekorps das branden- burgische Dragoner-Regiment Nr. 2 aus Schwedt a. d. Oder, sowie das Kürassier-Regiment Kaiser Nikolaus der Erste von Rußland aus Brandenburg a. H. und vom 11. Armeekorps eine Eskadron Jäger zu Pferd von Langensalza. Die billigen Tribünenplätze werden, Wie dasselbe Blatt berichtet, schon in einigen Tagen vergriffen sein. Mit dem Aufbau der Tribünen wird dieser Tage begonnen.
— Für den Verkehr mit Geheimmitteln hat bekanntlich der Bundesrat neue Bestimmungen erlassen. In einer von den zuständigen preußischen Ministern an die Oberpräsidenten ergangenen Verfügung wird ausdrücklich bemerkt, daß der Bundesrat beschlossen habe, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, über den Verkehr mit Geheimmitteln und ähnlichen Arznei- mOMn, soweit nicht in einzelnen Bundesstaaten strengere Vorschriften bestehen und in Geltung bleiben sollen, gleichförmige Bestimmungen nach dem schon bekannten, vom Bundesrat festgesetzten Entwurf mit der Maßgabe zu veranlassen, daß diese Bestimmungen am 1. Januar 1904 in Kraft treten.
Ausland.
— An dem Konklave, in das am gestrigen Freitag eingetreten wurde, werden 62 Kardinäle teilnehmen, da sich der Kardinal Celesia-Palermo wegen Altersschwäche entschuldigt hat, und Kardinal Moran-Australien nicht rechtzeitig eintreffen wird. Vier Kardinale treten in das Konklave krank ein, werden aber trotzdem an der Papstwahl teilnehmen. Im Konklave selbst werden die Mahlzeiten gemeinschaftlich eingenommen werden. Die älteren Kardinäle werden in den Gemächern wohnen, die mit der Sixtinischen Kapelle, in welcher die Abstimmungen erfolgen, in gleicher Höhe liegen. Die Konklaven-Räume werden elektrisch beleuchtet. Einige besonders zeitraubende Zermonien, welche bisher bei jeder Papstwaht beobachtet wurden, fallen im diesmaligen Konklave fort. Das Kardinalskollegium hat jungen Freiherrn mehrere Male züwarfZffväs^der Freff Herr allerdings nicht bemerkte, da er sich mit Dir eifrig unterhielt."
„Mir solls recht sein," antwortete Raven und stand auf. Schon hatte er die Türe in der Hand, als er sich noch einmal umwandte und sagte: „Also, es bleibt dabei, was ich Dir gestern gesagt habe, liebe Ottilie. Wer weiß, wie lange wir uns hier aufhalten werden; für die Leute bleiben wir einfach nur „Raven". Erinnere auch, bitte, Lucie daran, damit sie sich nicht verplaudert und unser wahrer Name bekannt wird."
„Habe keine Sorge darüber," entgegnete seine Schwägerin, „kein Mensch soll durch mich und Lucie erfahren, wer wir sind. Unsere Ruhe, die wir bis jetzt hier gefunden haben, wäre dahin."
Es war spät geworden und Herr Raven und seine Schwägerin beqaben sich zur Ruhe. Lucie lag schon im süßen Schlaf. Im Traume war sie auf einer großen, schönen Wiese, pflückte Blumen und wand sie zum Strauße; und der schönste Mann, den sie je gesehen hatte, belauschte sie.
Am andern Tage stand Luci Raven am Fenster ihres Zimmers und schaute mit sehnsuchtsvollen Blicken hinaus, dahin, wo der Weg nach Hardenfels führte.
„Woran denkst Du denn, Lucie?" redete Tante Ottilie, die eben herein kain, ihre Nichte an.
„Ich?" stammelte sie verlegen, „ich denke an den schrecklichen Nachmittag von gestern, als mich das
54. Jahrgang.
in einer seiner Geheimsitzungen die Absendung einer Note, in der gegen die Wegnahme des Kirchenstaates Protest eingelegt wird, an die Mächte beschlossen. Dieser Beschluß mußte nach den bestehenden Satzungen erfolgen. Die vatikanischen Kreise selbst haben zu erkennen gegeben, daß sie in ihm lediglich die Erfüllung einer Form erblicken und von dem Beschluß keine praktische Wirkung erwarten. Unter den vielen widersprechenden Nachrichten über die Kandidaturen taucht jetzt eine neue auf, wonach die italienischen Kardinäle eine Art Plebiszit zu Gunsten einer Versöhnung zwischen Vatikan und Quirinal planen. Kardinal Svampa soll sich privatim für die Zulässigkeit und Durchführbarkeit einer solchen Versöhnungsaktion ausgesprochen haben, während von anderer Seite eine derartige Möglichkeit verneint wird.
— Der Bischof von Kischinew wies auf Anordnung des Oberprokurators des heiligen Synods die Geistlichkeit an, in der Kirche durch Predigten und außerhalb derselben durch Belehrung aus die orthodoxe Bevölkerung einzuwirken, damit der religiöse Haß gegen die Juden schwinde.
— Die Erklärung des Prinzen Tsching, daß China die Oeffnung der mandschurischen Städte für die Fremden ablehnen müsse, wird von der „Petersburgskaja Gazeta" mit großer Freude verzeichnet. „Es ist nur zu hoffen", schreibt das russische Blatt, daß nach der klaren und bestimmten Antwort, die die chinesische Regierung dem Gesandten der Vereinigten Staaten gegeben hat, niemand es für zweckmäßig halten wird, diese unter den gegebenen Bedingungen zwecklose Frage von neuem anzuregen, da an der Lösung, wie es jedem unparteiischen Beobachter klar ist, allein und ausschließlich Rußland und China interessiert sind."
— Begleitet von allen Ministern und einem glänzenden militärischen Gefolge reiste am Sonntag König Peter von Serbien nach Popola, um am Grabe seines Großvaters Karageorg, der vor 86 Jahren ermordet wurde, ein Requiem abzuhalten und die Ueberreste der Burg sowie die sonstigen Wahrzeichen des Stammortes seines Geschlechts zu besichtigen. Die Fahrt sowie der Empfang allerorts gestaltete sich zu einer stürmischen Begrüßung und Huldigung für den Enkel Karageorgs, helfen Dynastie gerade in dieser Gegend immer viere Anhänger aufgewiesen hat. Metropolit Jnnocenz zelebrierte unter großer Assistenz ein pomphaftes Requiem.
-- Dem „Morning Leader" werden aus Lissabon folg-.nde Einzelheiten über einen mysteriösen Vorfall telegraphirt, der sich im königlichen Palaste von Ajuda bei Lissabon ereignet habe. Letzten Montag hörte die in der Nähe des Palastes wohnende Bevölkerung heftiges Gewehrfeuer, das etwa zehn Minuten dauerte. Dann erfolgten Schläge wie bei einer Dynamitexplosion. Unmittelbar darauf wurde der Palast geschlossen und von Truppen umzingelt. Gegen Abend veröffentlichte Gewitter überraschte auf der Grenzwiese."
Tante Ottilie trat ebenfalls an das Fenster und sah, wie Lucie leicht errötete.
„Es war auch sehr unvorsichtig von Dir, Dich soweit allein vom Schloß zu entfernen: Du tust gut, zu solchen Spaziergängen in Zukunft meine Begleitung zu erbitten, denn Du weißt, liebe Lucie, daß ich immer in Angst und Sorgen bin, wenn ich Dich nicht bei mir weiß."
„Aber Tantchen", erwiderte die Nichte, „Du kannst doch nicht immer mit mir kommen, und ich -- ich durchreise so gern allein den Weiten Wald. Wie schön ist die Umgebung von Waldenburg, Tante! Schade! daß die Grenzenwiese nicht mehr zu Waldenburg gehört. Hier diese Blnmen habe ich dort gepflückt. Sind die nicht herrlich?" Dabei nahm sie einige der Blumen, die in einer Vase auf dem Tisch standen und reichte dieselben ihrer Tante.
„Herr von Hardenfels hat Dir wohl beim Pflücken der Blumen geholfen?" forschte Tante Ottilie, indem sie zugleich ihren Arm um die schlanke Taille ihrer Nichte legte.
„Wer wird denn so neugierig sein, Tantchen!" rief Lucie lachend aus. „Ich habe Dir schon gesagt, daß ich sie ganz allein pflückte. Ich bemerkte Herrn von Hardenfels erst, als ich mit meinem Strauß schon fertig war."
„So? —, das muß ich überhört haben, mein