* Ein Handelsmann aus Borken hatte sich vor 14 Tagen in den Finger geschnitten. Er beachtete die Wunde anfänglich wenig; wahrscheinlich wurde dieselbe verunreinigt und es entstand Blutvergiftung. Es wurde ein Professor aus Marburg herbeigerufen, der mehrere Operationen ausführte. Jedoch war die Vergiftung bereits soweit vorgeschritten, daß der Bedauernswerte nach unsäglichen Schmerzen starb.
. * In Schönau bei Gilserberg wurde eine Familie von einem schweren Unglücksfalle betroffen. Das 7jährige Söhnchen des Heinrich Strippel spielte bei einem Brunnen und das Kind wollte wahrscheinlich Wasser in ein Arzneiglas laufen lassen, denn als man zu dem Brunnen kam, um Wasser zu schöpfen, sah man das Glas auf der Oberfläche des Wassers schwimmen, während man das Kind als Leiche aus dem Wasser zog.
* In Salzderhelden bei Northeim hat die 20jährige Tochter des Auktionators Brüning, infolge unvorsichtigen Umgehens mit Petroleum beim Feueranmachen einen schrecklichen Tod erlitten; nach 24stündigem Leiden erlag sie den erlittenen schweren Brandwunden.
* In der Koch'schen Mühle in Assenheim ereignete sich am Dienstag voriger Woche ein gräßliches Unglück. Ein Arbeiter von Bönstadt kam in das Räderwerk und wurde zermalmt. Der Unglückliche hinterläßt eine Witwe und vier Kinder.
* Gegen 3000 Bauarbeiter sind am Sonnabend abend wegen des seit 17 Wochen bestehenden Schreinerausstandes in Cassel ausgesperrt worden. Ein harter Schlag für viele Arbeiter, den man am Freitag und selbst am Sonnabend noch nicht voraussehen konnte. Durch die Aussperrung sind viele Leute betroffen worden, die 25 Jahre und noch länger bei ein und demselben Meister gearbeitet haben.
Raiffeisen-Tage in Mda.
(Schluß.)
Im Jahre 1901 verkehrten mit den Kassen in laufender Rechnung 3663 Mitglieder mit einem Umsätze von 5 850 000 Mark, im Jahre 1902 4253 Mitglieder mit einem Umsätze von 7 193 000 Mark.
Im Jahre 1901 betrugen die Aktiva von 324 Vereinen 26 261000 Mark, die Passiva 26164 000 Mark, der Gewinn 101000 Mark, der Verlust 4000 Mark. Im Jahre 1902 betrugen die Aktiva bei 337 Vereinen 29262 000 Mark, die Passiva 29170 000 Mark, der Gewinn 100000 Mark, Verlust 8000 Mk.
Ende 1900 belief sich der Stiftungsfonds auf 450 000 Mark, der Reservefonds auf 130 000 Mark, also das gesamte Reservekapital auf 580000 Mark. Ende 1901 betrug der Stiftungsfonds 493 000 Mark, der Reservefonds 168000 Mark, also das gesamte Reservekapital 661000 Mark.
Die Pflege der Genossenschaften erforderten einen Kostenaufwand des Verbandes von 23717.86 Mark, von denen durch Jahresbeiträge, Gewinnprozente und Neberrevisionskosten der Vereine 10885.82 Mark aufgebracht wurden. Der Rest wurde durch die Erträge des „Raiffeisenboten", des Versicherungswesens, sowie durch Zuwendungen der Landwirtschaftskammer, hoher Staatsbehörden und der Landwirtschaftlichen Zentral- Darlehnskasse gedeckt.
Im Verbände waren 4 Revisoren und ein Oberrevisor tätig. Es wurden 240 Revisionen und 8 Superrevisionen vorgenommen.
Im Jahre 1901 wurde der Raiffeisenbote von den Vereinen in 18 400, im Jahre 19^2 in 18 800 und heute wird derselbe in 20000 Exemplaren gehalten.
Der Rechnerkursus im November 1902 war von 75 Teilnehmern besucht.
Zum Bau von Arbeiterwohnungen wurden von der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau im Jahre 1902 durch Vermittelung ländlicher Darlehnskassen- Vereine 61 Darlehen im Betrage von 162015 Mark gewährt und im Jahre 1903 bereits 46 Darlehen mit zusammen 127850 Mark.
Der Umsatz der Geldabteilung der Filiale Cassel betrug im Jahre 1902 15'/2 Will. Mark, bis heule 8 650 000 Mark, der Umsatz der Warenabteilung der Filiale Cassel im Jahre 1902 3 020 000 Mark, bis heute 1584 700 Mark.
Ueberall zeigt sich ein mächtiges Vorwärtsschreiten, dabei wurden immer wieder die noch zu leistenden Aufgaben hervorgehoben. Darauf erhielt das Wort Prof. Dr. Thielemann zu seinem Vertrage über die sittlichen Grundlagen des Raiffeisenwerks. In andert- halbstündiger Rede deckte der Vortragende, dem die Versammlung mit sichtlichem Interesse folgte, nicht nur die sittlichen Grundlagen des Raiffeisenwerks, sondern auch die wirtschaftlichen Grundlagen eines gesunden Staatslebens auf. Nach ihm sprach Pfarrer Mayen- schein-Altenhaßlau über die sittigenden Wirkungen des Raiffeisenwerks. Er sieht dieselben besonders darin, daß dem wirtschaftlich Starken hier Gelegenheit geboten wird, seine Nächstenliebe zu betätigen, daß dem wirtschaftlich Schwachen neuer Lebensmut eingeflößt wird, daß der Genußsucht die Sparsamkeit siegreich gegen- übertritt, daß unter dem Regiment der Genossenschaften die Mitglieder zu Ordnung und Pünktlichkeit erzogen, in ihrem Beruf ausgebildet werden, und daß
die Ehrlichkeit im Geld- und Warenverkehr erzwungen wird. Dann berichtete der Verbandsrechner Sekretär Pfleging-Treysa über den Raiffeisendank, eine von dem Verbandsdirektor Rexerodt ins Leben gerufene Stiftung für unverschuldet in Not geratene Mitglieder des Raiffeisenverbandes, besonders für Verwaltungsorgane, die bekanntlich ihre Aemter ehrenamtlich ohne jede Vergütung versehen. Die Stiftung hat heute bereits nach erst zweijährigem Bestehen ein Kapitalvermögen von 10000 Mk. Zum Schluß hob Dechant Hillen- brandMeuhof noch einmal die Versammlung zu mächtiger Begeisterung empor, indem er in volkstümlichem Ton die Frage: Was hat uns den Erfolg gebracht und was erhält ihn uns? behandelte. Christen sein und Deutsche fein, deutsche Ehrlichkeit und christliche Einigkeit, das brächte den Erfolg und erhält ihn. Begeisteter Beifall löste die hochgradige Spannung, in welche der Redner seine Zuhörer, die bereits vier Stunden verhandelt hatten, zu versetzen wußte. Nachdem noch als Ort für den nächsten Verbandstag Caffel festgesetzt war, schloß Verbandsdirektor Rexerodt die Tagung mit einem Hoch auf die Raiffeisensache. An dem folgenden Essern nahmen noch über 600 Personen teil. Für den Unbeteilig en war wohl, abgesehen von dem Ernst, mit dem hier hessische Landleute ihre eigenen Sachen führten, das Hervorstechendste an der ganzen Tagung die Einigkeit beider Konfessionen, die hier in gemeinsamer Arbeit für die wirtschaftliche, geistige und sittliche Hebung des Landvolks einen gemeinsamen Boden gefunden haben. Das Raiffeisen- werk hat ja, wie auch in den Behandlungen zum Ausdruck kanr, scharfe wirtschaftliche Gegner; keinesfalls aber kann man ihm, wenn man solche Tagungen mitgemacht, seine Hochachtungen verweigern. Es hat sich, wie gesagt, in dem letzten Vierteljahrhundert — der erste Verein wurde 1878 gegründet — seinen Platz an der Sonne erkämpft und wird ihn allem Anschein nach zu behaupten wissen.
Vermischtes.
-- Bei der Jubiläumsregatta am 26. Juli des Mainzer Rudervereins, der der Großherzog von Hessen beiwohnte, ertrank am Start ein Mannheimer Ruderer von der Rudergesellschaft „Amicitia". Die weiteren Rennen wurden sofort unterbrochen.
— In einem Kornfelde in der Nähe des Bahnhofs von Stadtilm wurde am Sonnabend der Leichnam eines erwürgten jungen Mädchens gefunden. Es sind Anzeichen vorhanden, daß ein Lustmord vorliegt.
— Im Pommern-Bank-Prozeß, der schon zwei Monate dauert, wurde vom zuständigen Berliner Gericht beschlossen, die weiteren Verhandlungen zu vertagen und die Akten an den Staatsanwalt zurückzugeben. Die beiden Angeklagten, Sulz und Romeick, wurden ohne Kaution aus Haft entlassen.
— Auf dem Haltepunkt Buchholz bei Annaberg ist am 24. Juli nachmittag ^3 Uhr der von Weipert kommende Personenzug Nr. 1387 entgleist. Drei Wagen sind umgestürzt; vier Personen getötet, eine Person schwer und sechs Personen leicht verletzt.
— Schwere Hagelwetter gingen über Bayern nieder; es wurden mehrere hundert Gemein den betroffen. Es ist vielfach die Ernte vernichtet. Auch in Thüringen wütete Unwetter.
— Der Umfang der Hochwasserschäden läßt sich jetzt, da zum Teil die unheilbringenden Gewässer schon mehr talwärts geflossen sind, schon einigermaßen übersehen. Laut Schles. Ztg. sind am meisten betroffen die Kreise des Regierungsbezirks Oppeln. Im Kreise Ratibor sind 10 000 Hektar Acker und Wiesen überschwemmt gewesen, acht Ortschaften waren ganz, 27 teilweise unter Wasser. Im Kreise Koset waren 12 bis 15 oOO Morgen überflutet, die Kartoffel- und Körnerernte ist verloren. Im Kreise Oppeln wurden 15 000 Hektar überschwemmt. Der Schaden allein an Deichen, Wegen und Brücken beträgt über 700 ^00 Mk. Im Kreise Leobschütz sind zahlreiche Brücken und Wohngebäude weggerissen und sehr viele Gebäude beschädigt worden Im Kreise Falkenberg sind in sieben Ortschaften Gebäude eingestürzt; überflutet wurden 7000 Hektar Acker und 1800 Hektar Wiesenland.
— Ein Radfahrer aus Braunschweig wurde kürzlich auf einer Tour nach Hildesheim von Feldarbeitern mit Steinen bombardiert, wobei ein scharfkanliger Stein so heftig den Laufreifen traf, daß dieser undicht wurde. Der Radfahrer stellte darob die Leute zur Rede erntete aber nur Spott und Hohn. Er setzte sich nun ruhig neben den Straßengraben und flickte den Laufmantel, wobei die Arbeiter neugierig zusahen. Es entwickelte sich dabei ein Gespräch zwischen den Leuten und dem Radfahrer, und bald war die Stimmung eine so freundschaftliche, daß letzterer mit seinem Kodack ein Gruppenbild der Feldarbeiter aufnahm. Die Leute warteten von Tag zu Tag auf das Eintreffen des ihnen versprochenen Bildes. Endlich kam es an. Der Ueberbringer aber war ein — Gendarm, der die Photographierten einlud, mit ihm zum Herrn Amtsrichter zu kommen.
— Im Mendelgebirge in Tirol suchten zwei junge Bozener Edelweiß. Dabei stürzte Anton Baumgartner, Zögling der Lehrerbildungsanstalt, ab und blieb tpt.
— Ueber die neue gefahrdrohende Tätigkeit des Vesuvs machte eine in Neapel lebende Schweizerin in einem Briefe an die „Neue Zürcher Ztg." interessante Mitteilungen: „Seit einigen Tagen," angenommen, daß es für die Ortschaften am Fuße des Berges nicht mehr ganz gemütlich ist. Am Abend des 1. Juli spie der Berg große Lavamassen aus und ein hochroter Flammenregen war weithin sichtbar. Es war dies aber nur der Vorläufer der furchtbaren Eruption vom 2. Juli. Der unruhige, in seinem Innersten aufgewühlte Feuerberg schleuderte seine enormen Lavaschlacken bis in eine Höhe von 250 Metern. Einen Halbkreis beschreibend, fielen sie in einer Entfernung von etwa 500 Metern vom Krater auf die Erde nieder. Und wenn man bedenkt, daß die Schlacken im Durchschnitt das Volumen von einem halben Kubikmeter erreichen, kann man sich einen Begriff von der furchtbaren Explosion machen. Kürzlich kam der Abgeordnete Baron Bagnasco aus Palermo dem Krater etwas näher, als es erlaubt ist, was er bitter bereuen mußte, denn als er sichs am wenigsten versah, schleuderte der Vulkan Lavaschlacken in die Höhe, von denen eine den Baron am Gesicht schwer verletzte. Prof. Matteucci, der Direktor des Observatoriums auf dem Vesuv, ist der Ansicht, daß eine radikale Umgestaltung des Kraters im Gange ist, da die Kraterwand dem Drucke der Lavamassen und der erhitzten Gase nicht mehr lange Widerstand leisten könne. Wenn dies der Fall wäre, würde niemand den sengenden Lavastrom aufhalten können, und die am Vesuv liegenden Gemeinden wären ernstlich gefährdet."
— Frei durch Ablösung. Eine eigenartige Auslegung hat unlängst der Aufdrnck „Frei durch Ablösung erfahren, der sich auf den zum Zwecke der Portoablösimg zwischen der Reichspostverwaltung und der preußischen Staatsregierung eingeführten Zähl- marken befindet. Ein biederer Staatsbürger hatte vom Amtsgericht einen Brief mit Postzustellungsurkunde erhalten, auf dem eine Zählmarke zu 25 Pfg. aufgeklebt war. Der Empfänger hatte den Brief zu beantworten und verwendete zur Flankierung des Antwortschreibens die Zählmarke, die er von dem erhaltenen Gerichtsbriefe abgelöst hatte. Die Sache kam zur Untersuchung, der Absender wurde gehört und rechtfertigte die Verwendung der bereits entwerteten Zählmarke damit, daß diese den Aufdruck „Frei durch Ab- lösung" trage; er habe die Marke abgelöst und mit ihr den neu eingelieferten Brief frei gemacht. — Auch eine Auslegung!
Letzte Nachrichten.
— Der Kaiser hat anläßlich der erstatteten Berichte über die schweren Hochwasserschäden dein Regierungspräsidenten Holtz in Oppeln das innigste Mitgefühl mit den Beschädigten ausgesprochen und auf die in Aussicht stehende reichliche Staatsbeihilfe in landes- väterlicher Fürsorge hingewiesen.
— Prinz Oskar, der fünfte Sohn des Kaiserpaares, vollendete am Montag sein 15. Lebensjahr.
— Das Abkommen zwischen Deutschland und Venezuela setzte die Frist für Anmeldung deutscher Reklamationen bis zum 1. Juli fest. Diese Frist ist nach dem „Reichsanzeiger" nunmehr bis zum 9. Aug. 1903 verlängert worden. -
— Es verlautet, das heilige Kollegium habe an die Mächte eine Note gerichtet, in welcher es, gemäß dem Präzedenzfall beim Tode Pins IX., gegen den bestehenden Zustand der Dinge protestiert. Es heißt ferner, daß die Kardinäle, die bei ihrer Ernennung den Eid geleistet haben, die Rechte des Heiligen Stuhles zu wahren, sich verpflichtet fühlen, während der Sedis- vakanz diesen Akt, der übrigens eine reine Formsache sei, zu vollziehen.
— Bisher sind 50 Kardinäle in Rom anwesend. Der Kardinal-Camerlengo Oreglia erklärt, daß das Konklave kaum über drei Tage dauern werde.
Frankfurt«. M.,24.Juli Amtliche Notirungen der Viebmarkt- preisc. Zum Verkauf standen 416 Ochsen, 69 Bullen, 716 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 182 Kälber, 134 Schafe und Hämmel, 1139 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund: Ochsen <a vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mk. 69—72, b) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mk. 65-67, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 60—63, d) gering genährte jeden Alters Mk 50 bis 55. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mk. 61 bis 62, b) mäßig genährte jüngere und gut gc« genährte ältere Mk. 57—59, cj gering genährte Mk. —, Kühe und Färsen (Stiere unb Rinder): a) vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mk. 63—65, b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren Mk. 60—62, .) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwielte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 51—52, d) mäßig genährte Kühe und Färseu (Stiere und Rinder) Mk. 48 50, e) gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. —. Bezahlt wurde für eiu Pfund a) feinste Mast (Vollm.-Mast) und beste Saugkälber (Schlachtgewicht) 80—81 Pfg-, (Lebendgewicht) 48—49 Pfg., b) mittlere Mast, und gute Saugkälber (Schlachtgewicht) 70—73 Pfg., (Lebendgewicht) 69—71 Pfg-, e) geringe Saugkälber 55—60 Pfg., d) ältere gering genährte Kälber (Fresser) — Pfg. Schafe: a) Mastlämmer nnd jüngere Masthämmel 70—72 Pfg., bj ältere Msthämmel 66—68 Pfg c) mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) — Psa Schweine: a. vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuz- ungen im Alter bis zu 11/4 Jahren 47 Pfg., b. fleischige 96-45