Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Fortwährend
werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegengenommen.
Deutsches Deich.
— Die „Hohenzollern" trat- am 25. Juli nachmittags von Digermulen aus die Rückreise an. Um 5 Uhr wurde vor dem Eingänge des Holandsfjords Anker geworfen. Se. Majestät der Kaiser unternahm darauf mit Gefolge auf dem „Sleipner" einen Ausflug in diesen Fjord hinein nach dem Spartisengletscher. Um 2 Uhr nachts wurde Mo erreicht, woselbst ein mehrtägiger Aufenthalt genommen wurde.
— Nach einem in den letzten Wochen geführten herzlichen Briefwechsel ist zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard eine Zusammenkunft für den Herbst definitiv vereinbart w-^den-
— Die Kaiserin Wraf mit den Prinzen August Wilhelm, Oskar, Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise mit Umgebung zu U. cm nichtoffiziellen Besuche in Danzig ein, um einige Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen.
— Das nene Kaiser-Friedrich-Museum ist jetzt mit einer Inschrift versehen worden. Sie lautet: „Kaiser Wilhelm II. dem Andenken Kaiser Friedrichs" und ist an der Südseite des im Aeußeren jetzt vollendeten Bauwerks in großen lateinischen Buchstaben angebracht worden.
— Der „Deutschen Tageszeitung" wich aus Bres- lau mitgeteilt, daß beim schlesischen Oberpräsidium ein ausführliches Telegramm des Kaisers aus Norwegen ein getroffen ist, in dem er über den Umfang des schlesischen Hochwassers Berichte fordert und schnelle und ausreichende Hilfe zusichert.
— Aus Anlaß der in den letzten Tagen viel besprochenen Chicagoer Attentatswarnungen sind seitens der Berliner Behörden die geeigneten Erhebungen und Ermittelungen vorgenommen worden. Das Resultat ist, daß eine Veranlassung, die Nachricht von einem gegen den deutschen Kaiser geplanten Attentat ernst zu nehmen, in keiner Werfe vorliegt.
— Der deutsche Kriegerbund und der preußische Landeskriegerverband haben für ihre durch das Hochwasser in Schlesien geschädigten Kameraden aus ihren Notstandsfonds zusammen 10000 Alk. bewilligt und dem Provinzial-Kriegerverband für Schlesien sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe telegraphisch übermittelt. Sammlungen innerhalb der Kriegervereine des deutschen Kriegerbundes sind eingeleitet.
— Die Einführung von militärischen Wachthunden TjaftoUetsiTTO^
Roman von O. König Liebthal.
(Fortsetzung.)
Es war auch die höchste Zeit, daß sie gingen. Sie verließen die Wiese, um so schnell als möglich den Wald zu erreichen, denn schon fielen Tropfen zur Erde nieder. Das Gewitter kam sehr schnell herauf Grollend rollte der Donner durch den dickten Laubwald, dessen schützendes Dach den jetzt niederströmenden Regen nicht mehr abhalten konnte. Ein heftiges Schaudern ging durch den zarten Körper des jungen Mädchens, und fester umklammerte sie den Arm des Begleiters, wenn ein Blitzstrahl die Erde erhellte.
„Fürchten Sie sich nicht, gnädiges Fräulein," beruhigte der Freiherr seinen Schützling; „wenn wir tapfer ausschreiten, sind wir in einer Viertelstunde in Waldenburg," und mutig schritten sie vorwärts.
In Waldenburg hatte das langeMnsbleiben des Fräuleins schon Besorgnis erregt. Herr Raven und seine Schwägerin Ottilie hatten vergeblich im Parke nach Lucie gesucht und konnten sich ihre lange Abwesenheit nicht erklären. Die Boten, die Herr Raven ausgeschickt hatte, nach seiner Tochter zu suchen, kamen zurück, ohne sie gefunden zu haben.
„Vielleicht ist sie irgendwo in ein Haus gegangen, um vor dem Unwetter Schutz zu suchen," tröstete Herr Raven seine klagende Schwägerin und wollte sich ins Schloß begeben, um sich schnell einen Mantel zu holen pnd seine Tochter selbst zu suchen,
Mittwoch, den 29. Juli 1903.
ist eine ganz neuartige Einrichtung bei der kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven. Allen Posten, die während der Nachtzeit das Werftgebiet zu bewachen haben, ist je ein Wachthund beigegeben worden. Die großen Hunde sind mit Maulkorb versehen und werden von den Posten an der Leine geführt. Sobald eine verdächtige Person auf den Anruf des Postens nicht sofort stehen bleibt, sist nach der Vorschrift der Hund loszulassen, der nunmehr das Stellen des Angerufenen übernimmt. Die Tiere sind ausgezeichnet dressiert und haben sich bereits in verschiedenen Fällen bewährt. Falls sich ihre Brauchbarkeit erweist, sollen die Hunde in ähnlichen Zweigen des Nachtwachdienstes Verwendung finden.
— Eine durchgreifende Erweiterung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb wird im Reichsamt des Innern vorbereitet. Verhandlungen hierüber sind schon seit einiger Zeit im Gange, und da das Material, das in Form von Resolutionen aus interessierten Kreisen ziemlich reichhaltig eingeht, umgehend geprüft und bearbeitet wird, so steht zu erwarten, daß ein entsprechender Gesetzesentwurf in kurzer Frist vorgelegt werden wird.
— Zur Linderung des durch Wasserschäden in Schlesien hervorgerufen en Notstandes hat das Staatsministerium einen Kredit bis zur Höhe von zehn Millionen Mark, unter Vorbehalt der Genehmigung des Landtags, zur Verfügung gestellt. Die Festsetzung dieses Betrages und die sofortige Flüssigmachung ein es Teils der Summe ist auf direkte Veranlassung des Ministerpräsidenten erfolgt.
— Die Ausfuhr aus Deutschland im ersten Halbjahr 1003 weist zwar eine größere Steigerung auf als die Einfuhr, dem Werte nach aber wurde sie von der letzteren übertroffen. Die Einfuhr betrug 217 Millionen Doppelzentner oder 20 Mill. mehr, woran Erden, Erze, Holz, Kohlen und Landbauerzeugnisse hervorragend beteiligt sind, während sich tei Flachs und den anderen Pflanzenspinnstoffen außer Baumwolle ein erheblicher Ausfall zeigt. Der Wert bezifferte sich auf 3 Milliarden Mark oder 229 Millionen mehr. Die Ausfuhr belief sich auf 183 Mill. Doppelzentner oder 25 Mill. mehr. Kohlen machen über die Hälfte der Gesamt- ausfuhr aus. Zunahmen findet man ferner beiEisen und Eisenwaren, wogegen Materialwaren weiter stark zurückgegangen sind. Der Wert wird mit 2,4 Milliarden Mark angegeben, der Zuwachs mit 166 Millionen.
Ausland.
— Die Bestattung des Papstes erfolgte am 25. Juli abends eine Stunde vor Ave Maria. Es wurden nur . wenige Personen zugelassen. Dem Sarkophag, der in Krypta der Chorkapelle von St .Peter prosisorisch beigesetzt ist, wurden die Oratio Brevis, eine lateinische
Inzwischen hatten Kurt von Hardensets und Lucre Raven das Schloß erreicht und als sie Herr Raven, der eben wieder aus der Tür heraustrat, gewahrte, rief er erfreut aus: „Da kommt sie ja!"
Eiligst ging er auf sie zu, während Tante Ottilie schnell in die Küche lief, um Tee zu bestellen, da kein dienstbarer Geist da war, der die Bestellung besorgen konnte.
Lucie Raven machte sich von ihrem Begleiter los, lief dein Vater entgegen und umarmte ihn.
„Sei nicht böse Papa, daß ich such Sorge ge macht habe," bat sie mit schmeichelnder Stimme. „Herr Freiherr von Hardenfels war so liebenswürdig, mich sicher hierher zu bringen."
Kurt hatte sich Herrn Raven genähert und als er seinen Namen aussprechen hörte, verbeugte er sich und sagte: „Ich freue mich, Ihnen ihre Tochter unversehrt übergeben zu können. Zwar wird sie durchnäßt sein, doch hoffe ich, daß dies keine weiteren Folgen nach sich ziehen wird."
Freudig reichte ihm Herr Raven die Hand.
„Ich danke Ihnen herzlich, Herr Freiherr, für den Ritterdienst, den Sie meinem kleinen Wildfang erwiesen haben." Mit Wohlgefallen betrachtete er den jungen Freiherrn, der sich sogleich verabschieden wollte, um nach Hause zu eilen.
„Nein, das geht jetzt nicht," sagte Herr Raven, „Sie können unmöglich gleich zurück. Erst erholen Sie sich hier und dann lasse ich Sie nach Hardenfels
54. Jahrgang.
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Lobrede auf den Papst mit Aufzählung der wichtigsten Ereignisse seiner Regierung, und zwei Beutel aus rotem Sammt mit den 26 während seines Pontifikats geprägten Medaillen in Kupfer und Silber beigeschlossen. Nach der „Tribuna" ist das Testament noch nicht eröffnet. Man weiß immer noch nichts bestimmtes über seinen Inhalt.
— Oreglia antwortete auf das Beileidstelegramm des deutschen Kaisers mit einer Depesche, welche übersetzt lautet: Ich danke Eurer Majestät für die Beileidskundgebung, welche Sie an das heilige Kollegium beim Tode des Papstes zu richten geruht haben. Die Kardinäle, denen die zwischen Eurer Majestät und dem verewigten Pontifex gepflegten guten Beziehungen wohl bekannt sind, werden sich stets von denselben Gesinnungen leiten lassen, um die Freundschaft zwischen dem heiligen Stuhl und dem deutschen Reiche zu erhalten.
— Es wird nicht allgemein bekannt sein, daß es jetzt, 14 Monate nach dem Frieden von Pretoria, noch mehrere hundert Burengefangene gibt, die diesen Frieden nicht allgemein anerkannt haben. Auf den Bermudainseln und in Englisch-Jndien befinden sich nach der „Staatsb. Ztg." noch etwa 700 Buren in Gefangenschaft, die sich hartnäckig weigern, Eduard VII. den Treueid zu leisten, oder eine Abhängigkeitserklärung zu unterschreiben. Vaterlandsliebe, verletzter Stolz, Hartnäckigkeit, eine gewisse Gleichgiltigkeit und Bequemlichkeit haben hier einen seltsamen Zustand geschaffen, der England trotz der Kosten freilich noch lieber sein muß als die bedingungslose Rückkehr dieser Elemente in die Heimat.
.« — Nach dem „L.-A." wird dem „Standard" aus Odessa gemeldet, in den zentralen und nördlichen Garnisonen Rußlands würden im ganzen 128 OOO Mann zur etwaigen sofortigen Entsendung nach Ost« asien mobil gemacht.
— Nach Berichten des „Standard" aus Niutsch- wang gehen fortwährend Bahnzüge mit russischen Truppen nach Port Arthur ab. Auch Artillerie wird dorthin befördert.
Nach der „Times" werden die neulichen Erklärungen Rußlands über die Oeffnung der Mandschurei für den auswärtigen Handel in Peking noch als weniger befriedigend angesehen als die früheren.
— Die Ausgabe einer neuen russischen Anleihe von 174 Millionen in Eisenbahnschuldbriefen macht in Paris einen denkbar schlechten Eindruck und wird lebhaft kritisiert. Man tadelt die Finanzmänner, welche zu dieser Ausgabe ihre Hände leihen und eine Auswanderung des französischen Kapitals begünstigen, indes die Rente tiefer steht als dies seit Jahren der Fall war und die schwebende Schuld so beträchtlich ist, daß früher oder später eine französische Anleihe unvermeidlich sein wird. Auch die Regierung entgeht fahren. Sie sind für heute abend unser Gast, wenn es Ihnen angenehm ist."
Kurt konnte die freundliche Einladung nicht abschlagen und gerne folgte er Herrn Raven in das Schloß.
Lucie war, als die beiden Herren miteinander sprachen, schnell der Tante nachgesprungen, die schon in der Küche die nötigen Befehle eines reichlicheren Abendtisches gegeben hatte. „Wie kannst Du nur so unvorsichtig sein," schalt sie, „und Dich allein so weit vom Schloß entfernen! Wir haben uns Deinetwegen tot geängstigt und wußten nicht, wo wir Dich suchen sollten. Wo hast Du denn übrigens so lange gesteckt?"
Lucie hatte ihre Tante ausreden lassen, ohne sie zu unterbrechen.
„Das wäre wirklich schade gewesen, Tantchen," antwortete sie schalkhaft, „wenn Du Dich tot gegrämt hättest, dann wäre ich auch gestorben und — zum Serben sind wir beide eigentlich noch zu jung. Na, diesmal ist noch alles gut gegangen, nur ein wenig naß bin ich geworden."
„Mein Gott, daß ich daran nicht gedacht habe!" rief Tante Ottilie erschreckt aus, nun aber schnell um* gekleidet, die Herren werden uns schon erwarten. Das beste freilich wäre, Du legtest Dich gleich zur Ruhe, damit Du nicht krank wirst."
„Nun, daraus wird nichts, meine verehrte Tante Krauskopf," entgegnete lachend die Nichte, ich fühle mich vollständig wohl. Uebrigens muß ich dem Frei-