SchlüchterlmMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
J.-Nr. 1852. K.-A. Die Ww. des Hartneann Sperzel, Eva geb. Sperzel zu Mottgers beabsichtigt aufihrem in der Gemarkung Mottgers gelegenen Grundstück Kartenblart B, Parzelle 132 eine Ziegelsteinbrennerei-Anlage zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Bureau
Freitag, den 7. August,
vormittags 9r/2 Uhr,
vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird. Zeichnung und Beschreibung der Anlage sönnen während der Dienststunden im Bureau des Kreisausschusses eilige» sehen werden.
Schlüchtern, den 13. Juli 1903.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.__
• J.-N- 1891 K.-A. Kommerzienrat Büxenstein zu Berlin hat die von Professor Fechner gemalten Bild nisse Ihrer Majestäten des Kaisers und Königs sowie der Kaiserin und Königin in seiner Kunstanstalt ver- vielfältigen lassen. Diese farbigen Reproduktionen, haben den lebhaften Beifall Sr. Majestät gefunden. Durch ihre gute Ausführung und ihren wohlfeilen Preis sind dieselben sowohl für Dienst- als Privaträume als Jimmerschmuck besonders geeignet, auch bieten sie einen vorzüglichen Ersatz für die minderwertigen Bildnisse Ihrer Majestäten.
Indem ich die Beschaffung dieser Porträtbildnisse empfehle, ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher etwaige Bestellungen anzunehmen und gesammelt bis zum 1. Oktober an mich einzureichen.
Der Preis des Bildes beträgt für Privatpersonen 1 Mk., für Behörde und Beamte 75 Pfg. bei 1 Expl., 65 Pfg. bei 10 Expl., 60 Pfg. bei 100 Expl., 50 Pfg bei 1000 Expl. Bildgröße 53X40 cm, Kartongröße ca. 75X50 cm.
Schlüchtern, den 16. Juli 1903.
Der Königliche Landrat: Roth.
Se. Heiligkeit Papst LeolÄ ~ ist am Montag Nachmittag 4 Uhr in ein besseres Leben abbernfen worden
Mit Leo XIII. ist eine der größten Persönlichkeiten des XIX. Jahrhunderts vom Schauplatze abgetreten. Ob man in der katholischen Kirche eine heilsame oder eine verhängnisvolle Macht erblicke, man wird an dem l^föWefet^^^
Roman von O. König-Liebthal.
(Fortsetzung.)
„So leben Sie denn herzlich wohl, gnädige Frau und bewahren Sie mir ein gutes Andenken, wie ich mich allezeit Ihrer Liebe und Güte erinnern werde."
Nachdem Herr von Loschwitz sich auch von seinem Freunde verabschiedet hatte, bestieg er sein Pferd und ritt traurig davon.
Lange noch sahen die Freiin und Kurt dem Reiter nach, bis er ihren Blicken entschwunden war. Still gingen sie durch den Park nach dem Schloß zurück.
Der Freiherr von Hardenfels saß noch in seinem Salon, den Herr von Loschwitz vor einer Viertelstunde verlassen hatte. Kurt klopfte und ging hinein.
„Verzeihe, Papa, wenn ich störe," sprach er, an den Vater herantretend.
„Du störst mich nicht" antwortete dieser kurz, ohne aufzublicken.
„Willst Du mir eine Frage beantworten, Papa?" „Nun?"
Der Freiherr war aufgestanden und sah Kurt erstaunt an.
„Herr von Loschwitz war eben bei Dir," sagte Kurt, „um Deine Hilfe in Anspruch zu nehmen, die Du ihm aber verweigert hast. Darf ich missen warum?" „Ich denke," antwortete der Freiherr, „noch bin ich Herr von Hqrdensels und habe keinem Menschen Rechen-
Mittwoch, den 22. Juli 1903.
Manne, der diese Macht so lange Zeit in sich verkörpert hat, anerkennen müssen, daß er fest an seine Sendung geglaubt hat und daß er seiner Aufgabe mit hohem Ernst nachgekommen ist.
Joachim Pecci, wie der Papst als Mensch geheißen hat, war ein Kind der einsamen Volskerberge. Inmitten einer ernsten gewaltigen Natur stand seine Wiege. In den weltabgeschiedenen felsigen Waldgebirgen, wo dunkles Kastaniengrün mit Hellem Oelbaumsilber ab- wechselt, da sind heute noch die altrömischen Tugenden der Hartnäckigkeit und der Nüchternheit zu Hause, nach einhelligem Urteil, glücklich gepaart mit tiefer Religiosität und einem unerschütterlichen Rechtsgefühl. Joachim Picci hat seine Herkunft nicht verleugnet. Seine Vaterstadt Carpineto darf ihn mit Stolz den ihren nennen.
Auf der höchsten Felszinne Carpinetos, in Palazzo Pecci, wo seine Vorfahren, Offiziere, Juristen, seit dem 16. Jahrhundert saßen, wurde dem kirchenstaatlichen Obersten Ludwig Pecci und seiner Ehefrau Anna Pro« speri Buzi, welche ihre Herkunft von dem römischen Volkstribunen Cola Rienzi herleitet, am 2. März 1810 als viertes Kind ein Knäblein geboren, das auf die Namen Joachim Vincenz Raphael Alois getauft wurde. Der Vater war trotz seines kriegerischen Titels ein friedfertiger Landedelmann, wegen seiner ehrenfesten Besonnenheit beliebt und geachtet. Die Mntter, eine mildtätige, fromme und liebenswürdige Frau, führte klug und energisch die Zügel des Haushalts. Die Geschwister, mit Ausnahine des jüngsten Bruders, der 19jährig verstarb, erreichten alle ein hohes Alter und Find dem Papste, wie in der Geburt, so auch im Tode vorangegaugen, der Bruder Joseph als Cardinal Pecci im Jahre 1890.
Joachims Jugend fällt in die Zeit des blühendsten Brigautenwesens Größerer Sicherheit wegen vertauschten die Kinder früh das Vaterhaus mit der weniger einsamen Behausung eines Oheims, dem Palazzo Muti am Fuße von Araceli. Von dort kamen dann Joseph und Joachims zu den Jesuiten nach Viterbo. Durch seine Sanftmut erwarb sich Joachim bald den Beinamen „Fangioletto“, das Engelein.
Im Jahre 1824 verlor er seine Mutter. Für seine Jahre mit einem außerordentlichen Ernst stürzte er sich in die Studien.
Im Kollegium Goinanum studierte er unermüdlich Philosophie, Theologie und Rhetorik und hatte Erfolg über Erfolg. Im Jahre 1830 verteidigte er öffentlich vor Kardinalen und Prälaten theologische Thesen mit solchem Beifall, daß es in einer Note zum Register des römischen Kollegiums heißt: Dieser Student scheine zu höherem bestimmt.
Mit der Gelehrsamkeit hielt der Eifer für die Kirche langsam Schritt. Der Vierundzwanzigjährige erhielt die niederen Weihen und trat in die Academia schaff zu geben über meine Handlungen, am allerwenigsten Dir, meinem Sohne. Wenn ich Loschwitz meinen Beistand verweigerte, so habe ich eben meine Gründe."
Scharf und schneidend hatte der Freiherr gesprochen und mit drohenden Augen blieb er vor seinem Sohne stehen.
„Hast Du mir sonst noch etwas zu sagen?"
„Nein," sagte Kurt ebenso kurz und ging.
Herr von Loschwitz hatte Waldeuburg erreicht. Er kleidete sich um und eilte sogleich nach der Bahnstation. Nach einigen Tagen kam er wieder; er war ruhiger geworden, denn der schwere Schritt war getan. Der neue Besitzer von Waldenbnrg hatte gut bezahlt, sodaß Herrn von Loschwitz noch eine ziemlich bedeutende Summe nach Abzug der Hypothekeugelder übrig behielt, die es ihm ermöglichte, einen neuen, wenn auch kleineren Besitz zu erwerben. Weder der Freiherr von Hardenfels noch Machow wußten etwas von dem Verlauf.
Am Morgen des Tages, an welchem Herr von Loschwitz seine Schuld bei Machow gedeckt haben mußte, saß dieser beschäftigt in seinem Büreau.
Er hörte ein Klopfen an der Türe und, ärgerlich über die Störung rief er kurz: „Herein!" und schrieb emsig weiter.
„Guten Morgen, Herr Machow," sagte der Eintretende.
Herr Machow stand auf und war sprachlos, als erden Justizrat Wulfen erblickte, dessen Besuch er heute
54. Jahrgang.
dei Nobili Ecclesiastici ein, welche als Pflanzschule der päpstlichen Diplomatie gilt. Hier erwarb sich der glänzende Disputator das große Diplom eines Dr. theol. honoris causa von der Universität der Sapienza. Die Welthändel verfolgte der junge Gelehrte, der nur seinen Büchern zu leben schien damals schon mit großer Teilnahme. Er war ein beredter Gegner der Revolution, ein treuer Anhänger des klerikalen Oesterreich.
Der Tod des Vaters 1837 schuf den Jüngling zum Mann. Am letzten Tage des Jahres 1837 erhielt er die Priesterweihe. Zu Neujahr 1838 las Joachim Pecci seine erste Messe.
Im Februar 1838 wurde der 28 jährige Prälat von Gregor XVI. zum Delegaten in Benevenr ernannt. Trotz schwerer Krankheit (Typhus) führte der päpstliche Funktionär mit großer Energie die vollkommene Beruhigung des berüchtigten Räubernestes in so kurzer Zeit durch, daß der Papst aus eine Anerkennung bedacht war und ihn nach Spoleto und dann bald nach Perugia beförderte.
Die Nuntiatur in Brüssel, welche der zum Erz- bischof von Damiette präconisierte Pecci anno 1843 antrat, gab dem hohen Eifer , ein angemessenes Wir- kungsfeld. Leopold I., der protestantische König der Belgier, schloß bald mit dem friedfertigen Nuntius Freundschaft. Ihm zu Liebe wohnte er allen kirchlichen Schaustellungen bei und brächte der Politik der Kurie das größte Wohlwollen entgegen.
Nach einer längeren Reise nach London und Paris vertauschte der Nuntius im Jahre 1845 Brüssel wieder mit Perugia, wo ihm unter Wahrung seiner erzbischöf- lichen Würde von Gregor XVI. der Bischofsstuhl angeboten wurde.
Der Kardinal Mastai Feretti, mit dem der heimkehrende Bischof über die Eindrücke der Brüsseler Zeit UnUrhaltung gepflogen hatte, bestieg kurze Zeit nachher als Pius IX. den Stuhl Petri. Unter seinem Scepter ist Joachim Pecci 32 Jahre lang Bischof von Perugia gewesen. Schon im Jahre 1853 bewies die Ernennung zum Kardinal den klugen Philosophen von Perugia, daß die Kirche seine Dienste zu würdigen wisse. Ein Jahr vor dem Tode Pius IX. ist Joachim Pecei dann Kardinal Camerlengo geworden. Das ist der Mann, welcher nach dem Tode eines Papstes bis zu ersolgter Neuwahl die Schlüssel Petri verwaltet. Schon am 19. Februar 1878 hat der Kardinal Camerlengo das Interregnum angetreten, am 20. desselben Monats ist er mit 44 von 61 Stimmen (eine Zweidrittelsmehrheit ist erforderlich) selber Papst geworden._________________
Deutsches Deichs
— Von der Nordlandreise er. Majestät des Kgisers wird aus Molde gemeldet, daß alle Teilnehmer sich wohl besinden. Das Wetter ist umgeschlagen, es herrscht Sonnenschein.
nicht mehr erwartet hatte.
„Ah! guten Morgen, mein lieber Herr Justizrat! Ein unerwarteter Besuch! Bitte, setzen Sie sich."
„Ich danke," sagte der Justizrat kalt, „das Geschäft, was mich heute zu Ihnen führt, läßt sich besser stehend abmachen."
Erstaunt blickte Machow den Justizrat an.
„Ich komme nämlich," fuhr dieser fort, „im Auftrage des Herrn v. Loschwitz, um Sie noch einmal zu bitten —"
„Geht nicht mehr, mein lieber Justizrat. — Ha! ha! ha! Ich wußte ja, daß Loschwitz nicht würde zahlen können. — Nun wird Waldeuburg verkauft und ich, als der Gläubiger —---"
„Sie, als Gläubiger," fiel der Justizrat ein, „werden Ihr Geld erhalten und weiter nichts."
„Meinen Sie denn," erwiderte Machow, . der noch immer nichts merkte, „daß einer das verschuldete Waldeuburg kaufen wird!"
, „Ist schon verkauft, Herr Machow," sagte Wulfen mit einem sarkastischen Lächeln.
„Wa—as? Waldeuburg verkauft! Sagten — Sie — nicht — so — Herr Justizrat!"
~ Wie vom Schlage getroffen, fiel Machow auf einen Stuhl. „Verdammt!" murmelte er und ballte die Hand.
„Bitte, Herr Machow, hier ist das Geld; eine kleine Quittung därüber genügt mir für heute."
(Fortsetzung folgt.)