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Erschiint Blittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Fortwährend werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit am«. Kreisblatt von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen- genommen.
Aintliches.
Es wird hiermit veröffentlicht, daß der Herr Kreis- tierarzt Schultz hier vom 7. bis 30. Juli d. Js. beurlaubt ist und daß derselbe während seines Urlaubs durch den Herrn Kreistierarzt Schirmer zu Gelnhausen vertreten wird.
Schlüchtern, den 6. Juli 1903.
Der Königliche Landrat: i. V. Goerz.
Deutsches Reich.
— Am 9. Juli traf Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin an Bord des „Meteor" bezw. der „Juduna," begleitet von der „Hohenzollern" und dem „Sleipner" in Swinemünde ein.
— Se. Majestät der deutsche Kaiser reiste am 11. Juli früh von Swinemünde an Bord der Hohenzollern nach Bergen in Norwegen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." ist berechtigt, die Meldungen über ein Gebet des deutschen Kaisers für den Papst an Bord der „Hohenzollern" und über die Aufschiebung derNordlaudreise als erfunden zu bezeichnen. Die in unserer Nr. 55 dem „Berliner Börsenkourier" entnommene Nachricht ist demnach unrichtig.
— Die „Darmst. Ztg." gibt eine Erklärung des preußischen Kriegsministeriums bekannt, wonach die hessischen Oberrealschulen zu denjenigen Lehranstalten gehören, deren Reifezeugnisse als vollgiltiger NachWeis des erfordMichen Bildungsgrades für den Ofsig^oerrsi angesehen werden. Die Primanerzeugnisse dieser Anstalten berechtigen zur Ablegung der Fähnrichs- prüfuug.
— Nächstens werden Reichsmünzen mit bremischen Hoheitszeichen in Umlauf kommen. Bremen gehört zu den Bundesstaaten, welche von dem Recht der Prägung bis jetzt noch nicht Gebrauch gemacht haben. Jetzt sollen, nach Beschluß der Bürgerschaft hi der Hamburger Münze 20000 Doppelkronen, 20000 Kronen, 50000 Fünfmarkstücke und 100 000 Zweimarkstücke mit dem bremischen Hoheitszeichen geprägt werden.'
— Auf die vom Bürgermeister Pauli in Bremen an den Kaiser gemachte Anzeige von deni glücklich erfolgten Stapellauf des kleinen Kreuzers „Bremen," der die Versicherung hinzugefügt war, daß Bremen mit Stolz und Freude erfüllt sei über den von S. M. dem Schiff erteilten Namen, ging aus Swinemünde folgendes Antworttelegramm ein: „Sr. Magnisizenz dem Bürgermeister Dr. Pauli-Bremen. Ihre Nachricht Ijaröenfefe u. UtMmlump
Roman von O. König-Liebthal.
(Fortsetzung.)
Er wollte heute noch die Sache mit seinem geheimen Agenten in Ordnung bringen. Vor dem „Deutschen Hause" am Marktplatz hielt er und übergab sein Pferd dem herbeigespruugenen Hausdiener, der es vor dem Hause hin und her führte. Ein gutes Trinkgeld war hm sicher, das wußte er, denn der Freiherr kam oft erher. Herr von Hardenfels ging in das hintere stummer, wo er von dem Oberkellner mit tiefer j^beugung empfangen wurde.
freute war das Zimmer leer, was dem Freiherrn angenehm sein konnte. Er bestellte eine Flasche - zündete sich eine Zigarre an und warf sich in sieben ihn stehenden Sessel.
ie Gedanken des Freiherrn waren auf Walden- gerichtet. Waldenburg war auch ein herrliches Erde, freilich nicht so groß wie Hardenfels. neueibaute Schloß hatte bem jetzigen Besitzer, i von Loschwitz, ungeheure Summen gekostet, ebenso neuen Wirtschaftsgebäude und Wohnungen der ^agelöhner. Jetzt war es zu Ende mit Loschwitz. twei hohe Hypotheken lasteten auf Waldenburg; be- Ltwillig hatte man ^m damals Geld gegeben. Nun Lite er es zurückerstatten und daß dies Herrn v. Dschlvitz nicht möglich war, wußte der Freiherr ganz stnau. Was blieb Herrn v, Loschwitz weiter übrig,
Mittwoch, den 15. Juli 1903.
von dem Stapellauf meines kleinen Kreuzers „Bremen" hat mich herzlich erfreut. Möge der Geist des Vor- wärtsganges, welcher Bremens Unternehmungen aus- zeichnet, der Tätigkeit des neuen Schiffes allezeit inne- wohnen. Wilhelm I., R."
— Bremer Blätter melden, daß zwischen der Reichspostverwaltung und der Hansalinie ein Abkommen abgeschlossen worden ist, wonach letztere die Beförderung von Postfrachtstücken nach den von ihren Schiffen angelaufenen ostindischen Hafenorten Bombay, Colombo, Ealeutta, Karachi, Madras, Rangbon zu mäßigen Sätzen angenommen hat. Ferner werden mit den Dampfern der Gesellschaft künftig von Bremen und Hamburg gewöhnliche und eingeschriebene Briefe nach den vorbezeichneten Hasenorten befördert werden, falls die Absender dieses wünschen. Die Schiffe werden auch mit einer Seeposteinrichtung versehen. Die Hansalinie hat infolge des Abkommens das Recht erhalten, auf den Dampfern ihrer ostindischen Linie, welche deutsche Post an Bord haben, die Reichsflagge zu führen.
— Die Bevölkerung des deutschen Reichs wird dem neuesten Slatistischen Jahrbuch nach dem Stande um Mitte ds. Js. auf 58 549 000 Personen geschätzt, während sie für Mitte 1902 auf 57 708 000 und für Mitte 1901 auf 56 862 000 Personen angenommen war. Es hätte hiernach seit einem Jahre eine Bevölkerungszunahme um 841 000 oder 1,46 v. H. stattgefunden, während die Zunahme von 1901 zu 1902 846 OuO oder 1,49 v. H. betragen hatten. Bei der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1900 ist eine Einwohnerzahl von 56 317 178 Köpfen festgestellt, so daß nach der amtlichen Schätzung in den seit den verflossenen 2'/, Jahren eine Bevölkerungszunahme um 2,18 Millionen stattgefunden hat. In zehn Jahren hat sich die Bevölkerung des Reichs um 7,8 Millionen, in zwanzig Jahren um 12, 5 Millionen vermehrt, und seit der Errichtung des deutschen Reichs hat eine Bevölkerungszunahme um 17,5 Millionen Köpfe stattgefunden.
- Bei der Preisverteilung am 12. Juli für das l 4. Deutsche Bundesschießen in Hannover wurde der Kaiserpreis, ein silberner Pokal mit reicher Vergoldung, dem Kaufmann Karl Seltmann aus Bremen zu teil. Die von den andern regierenden Fürsten gestifteten Ehrenpreise fielen nach Neuwied, Leipzig u. Düsseldorf.
Ausland.
— Präsident Loubet ist am 9. Juli Vormittag von London wieder abgereist. Am Bahnhof hatten sich der König, der Prinz von Wales, der Herzog von Connaught, Prinz Christian von Schleswig-Holstein, Marquis of Lansdowne, Lord Balwur, Carl of Roberts, der Lord- mayor und andere .hervorragende Persönlichkeiten zum Abschiede eingefunden. Der Kimm schüttelte dem Prä- er mußte suchen, es zu verkaufen, ehe man ihm dassUe^ nahm.
Der Freiherr hatte sich von seinem scharfen Ritt erholt.
Er mußte eilen, wenn er Herrn Majow, den Gläubiger von Waldenburg, noch treffen wollte.
. Hardenfels stutzte. Im Nebenzimmer wurden Stimmen laut; zwei Herren betraten den Raum und ließen sich an einem Tisch in der Nähe der Türe, die zu dem Hinterzimmer führte, nieder. Di: Unterhaltung wurde zwar leise geführt, doch konnte der Freiherr fast jedes Wort vernehmen. Was da verhandelt wurde, fesselte ihn; er blieb also und horchte.
„Nein, Herr von Loschwitz", sagte der eine Herr, „ich kann nicht länger warten, es geht nicht; ich muß nun mein Geld haben. Es tut mir leid, sehr leid, Ihnen das sagen zu müssen; aber ich habe auch jetzt große Verpflichtungen übernommen, die ich mit diesem Gelde decken muß. Sie haben ja noch zwei Wochen Zeit; vielleicht gelingt es Ihnen, eine neue Hilfsquelle zu entdecken."
„Ich weiß keine mehr", seufzte der andere, der Besitzer von Waldenburg. „Meine Bemühungen sind vergeblich gewesen. Waldenburg ist doch das dreifache wert und doch findet sich keiner bereit, die Hypotheken zu übernehmen. Ich bitte Sie noch einmal, chaben Sie Geduld, in einem halben Jahre wird es mir möglich sein, Sie zu befriedigen. Ich bin Ihnen doch sicher. Sie verlieren keinen Pfennig an Waldenburg."
54. Jahrgang.
{theilten Loubet, dem französischen Minister des Aeußeru, Delcassee, und verschiedenen Mitgliedern des Gefolges herzlich die Hand. Der Zug nach Dover setzte sich sodann unter den Ruten der Menge: „Vive le roi! Vive Loubet! Vivet la France!a in Bewegung.
Bevor der Präsident Loubet an Bord des „Guichen" Dover verließ, sandte er an den König Eduard ein Telegramm, in welchem er feine tiefste Dankbarkeit ausdrückt für den warmen Empfang, der ihm als Vertreter Frankreichs und Freund Englands bereitet wurde.
In Calais wurde Herr Loubet mit 101 Kanonenschüssen willkommen geheißen.
Der Hafen wimmelte von Volk, das ihn beim Landen mit stürmischem Zuruf begrüßte. Die ganze Stadt war festlich geschmückt und auf allen Schiffen des Hafens flatterten Wimpel und Flaggen. Herr Loubet mußte sogleich nach seiner Ankunft bei der Grundsteinlegung eines neuen Stadttheaters mitwirken und reiste dann nach Paris weiter, wo der Stadtbahnhof zu seinem Empfange geschmückt ist.
— Der Loromayor von London gab im Masion House den Offizieren des vor Portsmouth liegenden amerikanischen Geschwaders ein Festmahl. Derselbe sagte in einem Toast, den er auf Präsident Roosevelt ausbrachte, die Engländer würden sich von Herzen freuen, den Präsidenten einmal in England zu sehen. Admiral Cotton erwiderte, seine Schiffe seien auf ausdrücklichem Befehl des Präsidenten nach Englands Küsten als Boten des Friedens, der Freundschaft und der Zuneigung gekommen. König Eduard, die Offiziere und die Mannschaften der herrlichen englischen Flotte hätten ihnen, den Amerikanern, einen überaus glänzenden Empfang bereitet, der bei ihnen eine bleibende Erinnerung hinterlassen werde.
— Die russische Regierung scheint nun ernste Maßregeln gegen die Urheber der Judenmorde zu ergreifen. In Kischinew ist der Direktor des Justizministeriums eingetroffen und hat im Auftrag des Zaren eine strenge Untersuchung angeordnet. Alle bereits aus der Haft entlassenen Personen sind wieder verhaftet worden, desgleichen die moralischen Urheber der Metzeleien. Der angebliche Hauptschuldige Piser- jewski hat sich der Strafe durch Selbstmord entzogen.
— In Tientsin geht das Gerückt, der russische Gesandte habe die russische Zivilbevölkerung von Niutschwang, Port Arthur und Korea aufgefordert, das Land auf einen bestimmten Zeitpunkt zu räumen. Der Ton der russischen Presse von Port Arthur ist sehr kriegerisch. Aus der Mandschurei trifft viel Kriegsmaterial ein. Auch Japan trifft seinerseits Kriegsvorbereitungen.
— Aus Tanger wird berichtet: Einem Schreiben aus Tetuan zufolge hat die dortige Bevölkerung vom Gouverneur von Tanger die sofortige Entsendung aller verfügbaren Truppen verlangt. Der Gouverneur riet, die Stadt zu räumen. ______________
Der unerbittliche Gläubiger zuckte die Achseln.
„Das haben Sie mir vor einem halben Jahre auch schon gesagt, Herrn von Loschwitz. — Früher hätte ich den Verlust des Geldes ertragen, aber jetzt! nein, jetzt muß ich mein Geld haben, länger kann ich nicht mehr warten; ich darf nicht mehr, wenn ich nicht alles verlieren will.
„Was wollen Sie damit sagen, Herr Machow?" fragte Loschwitz erregt. Hastig sprang er auf und ging einige Male im Zimmer auf und ab. Endlich blieb er vor Machow stehen und sagte kurz:
„Sie sollen Ihr Geld haben. ' Justizrat Wulfen wird es Ihnen zur bestimmten Zeit aushändigen. Es bleibt nun nichts weiter übrig, ich muß Waldenburg verkaufen. Einen Versuch will ich noch machen; schlägt der fehl, dann ists zu Ende. Ein Käufer wird sich leicht finden."
Darauf hatte Machow nur gewartet.
„Ich will es Ihnen abkaufen, Herr von Loschwitz, Sie haben dann gleich Geld; ich bezahle gut, das wissen alle, die mit mir Geschäft gemacht haben."
„Ja, ja," lachte Loschwitz bitter, „noch ist es nicht so weit. Sie erhalten ihr Geld, ich halte Wort. Adieu "
Als sich Herr von Loschwitz entfernt hatte, rieb sich Machow vor Freuden die Hände. Das giebt wieder ein Geschäft für ihn. Er wußte, daß der Freiberr von Hardenfels in dieser Sache ohne ihn nichts machen konnte. Eine gute Belohnung für seine Dienste würde