mengten sich in die Töne der Musikkapelle und das Kommando der Offiziere. Mit elastischen Schritten näherte sich der König der Ministergruppe, vor der Ministerpräsident Awakumvwitsch stand. Er begrüßte den König mit einer kurzen Rede, in der er betonte, das serbische Volk gedenke immer mit Dank der ruhmreichen Taten der heldenmütigen Karagevrg und habe nun seinen Enkel einmütig erwählt mit dein vollen Vertrauen, er werde das vielgeprüfte Serbenvolk auf dem Wege der Freiheit und Entwicklung einer besseren Zukunft zuführen.
Der König dankte wnb hob hervor, wie sehr er von den Empfindungen der Dankbarkeit gegen Gottes Vorsehung erfüllt sei, daß ihm nach 4öjähriger Verbannung beschieden wurde, als König den Boden seines geliebten Vaterlands zu betreten. Er dankte auch den Ministern für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit. Im Namen der Stadt Belgrad begrüßte den König Stadtrat Pawlowitsch und reichte ihm nach alter Sitte Brot und Salz auf einer Silberplatte. Auch ihm dankte der König in kurzer Rede. Nun wurden ihm sämtliche Minister vorgestellt, worauf er die Ehrenkompagnie abschritt und den Rapport entgegennahm, um sich die Generale und übrigen Kommandanten verstellen zu lassen
Nun ging es durch die festlich geschmückten Gassen, in denen Tausende und aber Tausende des Volkes dem neuen König zujübelten, zu der neben dem Königspalais auf der andern Seite der Stadt liegenden Kathedrale. Auf der Schwelle der Kirche erwartete den König der Mitropolit mit vier Bischöfen und unzähligen Geistlichen und geleitete ihn zum Königsstand. Nach einem prunkt vollen Gottesdienst hielt der Metropolit eine Rede, in der er die Vorsehung pries, die nun auf den Königsthron einen würdigen Sproß der großen Nationalhelden Karageorg erhob. Der Gottesdienst endete und der König trat zum Altar, kniete nieder und betete. Sich erhebend, sprach er einige Worte an den Metropoliten und entfernte sich mit der Suite.
— Am 25. Juni legte der König von Serbien folgenden Eid ab: „Ich, Pewr Karageorgjewitsch, schwöre, indem ich den Thron des Königreichs Serbien besteige und die königliche Macht übernehme, bei Gott dem Allmächtigen und bei Allem, was mir das Heiligste und Teuerste auf dieser Welt ist, daß ich die Unabhängigkeit Serbiens und die Einheit der staatlichen Verwaltung schützen, daß ich die Verfassung des Landes unverletzlich erhalten, daß ich nach dieser und nach den Gesetzen regieren und daß ich in allen meinen Unternehmungen nnd Handlungen das Wohl des Volkes vor Augen haben werde. -TJnt em ich diesen meinen Schwur feierlich vor Gott und dem Volke tue, rufe ich Gott zum Zeugen an, Gott den Herrn, 'welchem ich vor seinem Richterstuhle Rechenschaft geben werde. So war mir Gott der Herr helfe. Amen!" Nach der Eidesleistung begab sich der König direkt zur Truppenparade. An derselben nahmen die Militärakademie, die Infanterie-Unteroffizierschule, das 6., 7., 8. und 18. Infanterie-Regiment, die Sanitätstruppen so wie Kavallerie und Artillerie teil.
Males und Provinzielles.
* Schlächtern, 26. Juni 1903.
— * In der am 23. d. M., nachmittags 7 Uhr, stattgehabten Sitzung der Stadtverordneten wurde folgendes verhandelt:
1) Infolge Anordnung der Schnlaufsichtsbehörde sollte die Stadtschuldeputation, welche zur Zeit aus dem Bürgermeister, dem Stadtschulinspizienten und bem Rektor der Lateinschule als ständigen Mitgliedern und je einem Mitglied des Magistrats und der Stadt- verordnetÄ-Versammlung als unständigen Mitgliedern besteht, um einen Volksschullehrer unb einen Stadtverordneten vermehrt werden. Als Volksschullehrer wurde Lehrer König und als Stadtverordneter Seisen- fabrikaut Viktor Wolf gewählt. — 2) Mit der vom Magistrat vorgeschlagenen Bestellung des Superinleu- denten Orth als zweiten Gemeindewaisenrat erklärte sich die Versammlung einverstanden. — 3) Dem Vergleichsvorschlag betr. die Aufhebung des Kaufvertrages mit der Gewerkschaft Concordia wurde zugestimmt. (Die Stadt soll eine Entschädigung von 9 50c-'Mk. erhalten und der Gegner die Kosten übernehmen.) — 4) Der vom Magistrat vorgeschlagenen Erhöhung desHypotheken- zinssußes bei bei Sparkasse von 33/4 auf 4 Prozent wurde zugestimmt. - 6) Die Rechnung der Stadtsparkasse unb der städtischen Armenverwaltung pro 1902 wurde abgehört und dem Kasseubeamten Entlastung erteilt.
—* Wir brinaen hiermit zur öffentlichen Kenntnis daß der Herr Minister für Handel und Gewerbe mittels Erlasses vom 23. Mai 1903 — lila 3966 — die von der Vollversammlung der Handwerks kammer am 19. Februar 1903 beschlossene Erhöhung der Meisterprüfungsgebühr von 15 Alk. auf 20 Mk. genehmigt hat. In Zukunft ist also diese höbere Gebühr zu entrichten.
—* Zwecks Umbau der Etm-Gemündener zu einer Fulda-Gemündener Bahn findet am Sonntag, den 28. Juni in Heubach in der Vogler'schen Wirtschaft eine Interessenten - Versammlung statt. Da das Umbau- Prostst günstige Aussicht auf Verwirklichung hat ist es
nötig geworden, nach Lage der Sache in interessierten Kreisen jetzt schon Stellung zu dem Plane zu nehmen. Die Trace derselben würde sich hinziehen über Kerzell nach Rothemann, Büchenberg, Döllbach, Zillbach, Uttrichshausen, Oberkalbach, Heubach, Oberzeller Ziegelhütte, Oberzell, Weichersbach und Mottgers.
— * Der diesjährige 21. ordentliche Verbandstag der Raiffeisen'schen Genossenschaften in Hessen findet am 15 und 16. Juli in Fulda statt.
—* Anläßlich des Stiftungsfestes des Turnvereins Steinau findet, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, ein Staffelenlauf von Turnern der Turnvereine Schlüch- tern, Steinau, Soden statt. Derselbe beginnt mittags 1 Uyr von Schlächtern und endigt in Sal- inünster. Die Strecke beträgt 15,6 kni und hat jeder Turner ca. 300 m zu laufen.
— * Auf das in voriger Nummer mittelst Extra- blattes angekündigte Künstlerkonzert am Samstag, den 27. Juni im Hotel Stern wollen wir noch an dieser Stelle ganz besonders aufmerksam machen. Der Besuch dieses Konzertes ist Jedermann zu empfehlen.
— * Das am Donnerstag Abend veranstalte Konzert im Hotel Stern war sehr gut besucht. Was die Leistungen der Gesellschaft anbetrifft, so konnten dieselben als ganz vorzügliche bezeichnet werden und fanden von Seilen des Publikums reichen Beifall.
— * Zu den Sonderzügen von Basel bezw. Straßburg nach Berlin: am 6. Juli über Heidelberg - Louisa- Sachsenhansen-Bebra-Eisenach-Bitterfeld, am 3. August von Straßburg über Weißenburg - Mainz - Goldstein- Sachsenhausen - Bebra - Nordhausen - Sangerhauseu- Magdeburd gelangen in Elm und Fulda ermäßigte Rückfahrhefte nach Berlin mit 45iägiger Giltigkeit zur Ausgabe. Die Preise betragen: abElm 27Mk. 70 Pfg. in 2. Kl. und 18 Mk. 60 Pfg. in 3. Kl., ab Fulda 26 Mk. nnd 17 Mk. 50 Pfg.
—* Am 14. Juli, am 17. Juli und 15. August werden Sondeczüge von Hamburg bezw. von Hannover nach München über Göttingen-Kassel-Bebra-Elm-Ge- münden befördert, zu denen in Bebra, Fulda und Elm ermäßigte Rückfahrkarten mit 45tägiger Giltigkeit nach München, Lindau, Kufstein, Salzburg usw. verausgabt werden.
■ —* Der mit der kommissarischen Verwaltung des Landratsamtes im Kreise Gelnhausen betraute Re- gierungsassessol von Gröning ist zum Landrat dieses Kreises ernannt worden.
— Das Johanniswürmchen. Seit Entdeckung der Röntgenstrahlen hat dieser merkwürdige kleine Laternen- träger die Aufmerksamkeit der Naturforscher wieder mehr auf sich gezogen, daß das Licht des Glühwürmchens, ebenso wie die Röntgenschen Strahlen durch undurchsichtige Körper auf die Photographische Platte zu wirken imstande ist. Einige glauben deshalb, daß die Strahlen des Glühwürmchens tatsächlich Röntgen« sche Strahlen sind oder wenigstens solche enthalten, obgleich diese bekanntlich für das menschliche Auge unter gewöhnlichen Umständen unsichtbar sind. Der äanzösische Forscher be Fonvielle ist sogar der Meinung, daß auch das Glühen der Infusorien und Mollusken, dem das 'Meeresleuchten zuzuschreiben ist, ebenfalls Röntgensche Strahlen enthält. Das Glühwürmchen muß schon aus dem Grunde Aufmerksamkeit erregen, weil seine Leuchtkraft ganz bedeutend sein muß, da man bei dem Scheine eines einzigen dieser Tierchen elbst kleine Schrift gut lesen kann. Früher glaubte man, daß die Glühwürmchen lediglich phorphoreszierende Tiere wären, die nachts den Lichtvorrat, den sie tagsüber ausgenommen haben, wieder ausstrahlen. Dies ist ein Irrtum und wurde als solcher von dem Naturforscher Matteucci widerlegt. Man kann sich leicht über die Haltlosigkeit überzeugen. Hält man Johanniswürmchen in äußerster Dunkelheit, so kann man sie sehr lang leuchten sehen: Matteucci sah ihr Leuchten in diesem Zustande 220 Stunden lang hintereinander. Scheinbar ist das Licht des Tierchens von dem Willen des Tierchens abhängig. Matteucci hat die leuchtende Flüssigkeit untersucht. Er glaubte, er würde Phosphor in derselben finden; aber in den Stoffen, welche die langsame Verbrennung dieser Substanz ergab, war nicht die geringste Spur von Phosphor zu entdecken, vielmehr nur eine Mischung von Salpetersäure und Kohlensäure. Danach besteht das Oel der wunderbaren Lampe des Glühwürmchens aus einer Mischung von diesen beiden Säuren in unbekanntem Verhältnisse Geht man jetzt am Abend durch Büsche und Anlagen, so glühts und leuchtets überall, zauberhaft kleine Lichtpunkte strahlen uns aus dem Geäst entgegen ober ziehen langsam durch die Luft dicht an unsern Augen vorbei. Es ist kein aufdringliches L'chr, sondern ein mildes, sanftes Leuchten. Das sind die Johannes- würmchen, unsere einzigen leuchtenden Insekten. Ihre eigentliche Schwarmzeit ist der Juni und besonders, wie ihr fhame schon anbeutet, um den Johannistag herum. Das Tierchen ist etwa zwischen 8 und 11 Millimeter lang, ein unscheinbares, schwarzgraues Küferchen. . Die Deckflügel sind braun und leicht behaart. Die verhältnismäßig großen Augen, die wie schwarze Perlen aufgeheftet erscheinen, sind durch einen Schirm oder Schild von derselben Art, wie die festen Deckflügel geschützt. Der Körper ist schwarz, läuft
aber am Ende in eine graue Düte aus, unter der eine Art Steuerruder sich befindet, das wie ein horizontal stehender Fischschwanz erscheint. Dasselbe hat auf der oberen Fläche einen weißen Fleck unb .gelblichweiße Häufchen, das ist der leuchtende phosphoreszierende Stoff. Nur die Männchen sind die Nachtschwärmer, wie gewöhnlich, die Weibchen, die ebenfalls smaragdgrün leuchten, sitzen still daheim im Gras und Busch. Sie möchten Wohl auch, aber sie können nicht, aus dem sehr einfachen Grunde, weil sie feine Flügel haben. Sie zirpen nur lustig in den Abend hinein, um damit solch einen männlichen Nachtschwärmer anzulocken.
—* Unter dem Namen „Galalith" wird neuerdings ein hornartiges Produkt auf den Markt gebracht, das aus dein Käsestoff der Magermilch hergestellt wird. Die zur Verwendung kommende Magermilch muß gut zentri- fugiert sein und kann die nach dem Ausscheiden des Käsestoffes restierende Molke zu Futterzwecken verwandt werden. Das Galalith wird als Rohmaterial in Form von Platten, Stäben und Röhren an einschlägige Fabriken abgegeben, die daraus iäe verschiedenartigsten Gebrauchsgegenstände herstellen, wie Kämme, Pfeifenansätze, Zigarren- uud Zigarettenspitzen, Messer- Hefte, Messerschalen, Schirm- und Stockgriffe und viele ' der verschiedensten Nürnberger Artikel. Es besitzt eine gute Isolierfähigkeit und eignet sich deshalb auch für elektrotechnische Zwecke. Beim Drechseln greift es die ' Werkzeuge nur sehr wenig an und läßt sich in ähnlicher Weise wie Horn in der Wärme pressen, prägen und biegen. Anderen Materialien gegenüber hat es den Vorteil, daß es absolut geruchlos und nicht feuergefährlich, sowie widerstandsfähig gegen Fette, Oele, Aether, Benzin und bergt ist. Das neue Produkt nimmt eine prachtvolle Hochglanzpolitur an, die sich gut und lange hält. Es bietet ferner einen vorzüglichen Ersatz für Elfenbein, Schildpatt, Bernstein, Koralle, Hartgummi rc. Die Gummifabrik Harburg-Wien in Harburg hat das Patent vom Erfinder erworben. Mit der Herstellung und Verarbeitung des Galaliths werden von der Fabrik gegen 200 Arbeiter beschäftigt werden.
* Am Dienstag Abend wurde in Geluhauseu ein Automobil mit 4 Insassen polizeilicherseits angehalten und die Namen der letzteren festgestellt. Das Gefährt soll bei Steinau 2 Personen überfahren haben.
* Nächsten Sonntag findet in Gel»ha«sen das Sommerfest des Gaues 9 des Deutschen Radfahrerbundes statt, verbunden mit Banuerweihe des Geln- Häuser Radfahrerklubs „Barbarossa".
In einer Stadtverordnetensitzung in Frankfurt a. M. wurde bemängelt, daß die Wählerlisten in Frankfurt so mangelhaft hergestellt waren, daß auf dem Wahlbureau 12 000 Briefe als unbestellbar z»M- famen.
* Dem 2. Nasfauischen Feldartillerie-Regiment Nr. 63 Frankfurt wurde von 12 Frankfurter Familien ein kostbarer silberner Tafelaufsatz geschenkt und dem Offizierkorps im Hause des Handelskammerpräsibinten Kommerzienrat Andreae-Pasfavant überreicht. An der Feier nahm anch der Oberpräsident Graf Zedlitz. Trützschler teil.
* Am Sonntag, den 21. Juni, fand das 50 Feldbergfest statt. Schon am Abend vorher waren eine beträchtliche Anzahl Turner und Touristen auf den Feldberg gestiegen. Zur Vorfeier des 50. Feldbergfestes fand am Sonnabend abend im alten Feldberghof ein Fest-Kommers statt, an dem sich viele alte und junge Feldbergturner beteiligten. Um 10 Uhr begann die bengalische Beleuchtung des Feldbergturmes. Die Kapelle des Füsilier-Regiments Nr. 80 konzertierte. Der Kommers verlief in schönster Weise und erst in später Stunde trennte man sich. Leider war am Sonntag früh der Gipfel des Feldberges in dichte Nebel gehüllt und es entwickelte sich ein so ungünstiges Wetter, daß es unmöglich war turnerische Uebungen zu machen. Die Kampfrichter beschlosst» deshalb nach öfteren Beratungen mittags 12 Uhr das. Wetturnen für den 21. Juni ausfallen zu lassen und dasselbe auf den 23. August d. I. zu verlegen. Viele tausend Menschen hatten am Sonntag den Feldberg bestiegen.
* Das Rittergut Falkenberg, eine der schönsten Besitzungen in Hessen, das der Tochter des jüngst verstorbenen Fürsten von Jsenburg-Büdingen-Wächtersbacb, Prinzessin Alexandra gehört, ist gerichtlich versteigert worden. Höchstbietender blieb Dr. Lippoldes-Brauu- schweig mit 626 000 Mk.
* Am 24. Juni stürzte auf der Frankfurter Straße in Wiesbaden ein Automobil um und explodierte. Der Eigentümer, Baron Lehmann aus Belgien, wurde erheblich, jedoch nicht lebensgefährlich, der Chauffeur nur ganz unbedeutend verletzt. Ein vorüberfahreudel Milchmann löschte mit dem Inhalt seiner Kanuch den Brand.
* In dem bei Schweighansen gelegenen Hofgut $M; gilbet brach dieser Tage aus unaufgeklärte Weise Gwst feuer aus. Nur mit Mühe gelang es, das Vieh zu retten, während Wohnhaus und Stallung bis auf den Grund niederbrannten.
* Am Dienstag nachmittag hatte in Kalkubes ein Einwohner Langholz aus dem Walde geholt. Sem o jähriges Töchterchen ging dem Vater entgegen nu,
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