Erschcint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 49.
Einladung zum Monnement
auf die Zcükülüternee Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlüchtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch int Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
finden in der über alle Ort- schaffen des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schlüchterner Zeitung wirksame Verbreitung.
Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt
1 Mark.
Um gefl. Neubestellung bittet höflichst
Expedition der Schlüchterner Zeitung.
Jetzt beitretende Abonnenten erhalten bis 1. Juli die Zeitung gratis zugestellt.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und die Kaiserin besichtigten am 16. Juni nachmittags den Neubau des Kaiser Friedrich- Museum und besuchten die Ateliers der Professoren Reinhold Vegas und Uphues.
— Am 15. Juni, dem Todestage weiland Kaiser Friedrichs erschienen gegen 8‘/a Uhr vormittags der Kaiser und die Kaiserin im Mausoleum und legten am Sarkophage Kaiser Friedrichs einen Lorbeerkranz mit Weißen Nelken und Orchideen nieder. Gegen 12 ’/z Uhr traf der Kronprinz im Mausoleum ein, wo er von einer Abordnung des Offizierkorps des Regiments „Kronprinz" erwartet wurde, die einen Kranz aus Lorbeer und Palmenwedeln mit weißer Schleife über- brachte. Auch Prinz Friedrich Leopold und verschiedene Offizierkorps, sowie Kriegervereine legten Kränze am Grabe nieder.
— Kaiser Wilhelm befand sich Freitaz abend im Kasino des 3. Garde-Ulanen-Regiments in Potsdam, als das Telegramm überreicht wurde, das die Nachricht vom Angriff auf Kaiser Franz Josef enthielt. Kaiser Wilhelm erhob sich sofort, verlas die Depesche und knüpfte daran eine Ansprache, worin er mit sehr herz-
Erzählung von F. Arneseldt. (Nachdruck verboten) Fortsetzung.
Während Günther den Vorfall beobachtete, durchblitzte ihn der Gedanke, sich des Inhalts der Brieftasche zu bemächtigen, Schnell löste er ein Billet bis zu einer ein paar Stationen von derjenigen gelegenen, für welche der Herr die Fahrkarten genommen, und ließ ihn nun nicht mehr aus den Augen. Er sah, wie er mit einer Dame in ein Koupee erster Wagenklasse stieg, wie eine das Paar begleitende Kammerfrau in einem daran stoßenden Koupee zweiter Klasse Platz nahm, und pries fein gutes Glück, das ihn ein auf der andern Seite belegenes Koupee zweiter Klaffe finden ließ, in welchem er zwei Herren zur Gesellschaft erhielt, die nur eine kurze Strecke fahren wollten.
In dem Augenblicke, als sich der Zug in Bewegung setzen wollte, sprang noch ein Herr in das Koupee, der in seinem Wesen etwas Verstörtes hatte, und dessen Anzug verbraucht und unscheinbar aussah. Günther, welcher den ihm lästigen Reisegefährten scharf beobachtete, sah, daß dieser auf die Insassen des nächsten Koupee's aufmerffatit. ward und ihnen ein Interesse schenkte, w.'tches darauf hindeutete, daß sie ihm nicht freind sein mußten.
Er suchte ihn, nachdem die andern Herren ausge- stiegen waren, in ein Gespräch zu verwickeln, erhielt jedoch nur einsilbige Antworten; dennoch entnahm er
Samstag, den 20. Juni 1903.
TCTli^tWWm^ III Hilll II i|
lichen Worten seine Freude ausdrückte, daß die Gefahr von dem befreundeten und verbündeten Monarchen glücklich abgewendet sei. Oberst Prevost, Kommandeur des ungarischen Husarenregiments Kronprinz Wilhelm in Keskemet, welcher an dem Diner teilnahm, erwiderte mit einigen Dankesworten auf die Rede des Kaisers.
— Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine Kabinettsordre, nach der das Feldartillene-Regiment Nr. 63 fortan den Namen „Zweites Nassauisches Feldartillerie-Regiment Nr. 63. Frankfurt" zu führen hat.
— Nach fünfjähriger Bauzeit werden am 20. Juni die mit einem Kostenaufwand von ca. 32 Millionen Mark erbauten neuen Hamburgischen Häfen feierlich eingeweiht werden. Nach Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals findet durch den Kaiser die Eröffnung der Häfen statt, die den Namen „Kaiser Wilhelm- Hafen" tragen sollen. Für den Bau dieser Häfen und der dazu gehörigen Nebenanlagen waren rund 12 Millionen bewilligt worden. Im Oktober 1898 wurde dann ein neues Hafenprojekt vorgelegt, für dessen Ausführung rund 20 7, Millionen Mark gefordert und bewilligt wurden. Es handelte sich um die Herstellung eines an die Hamburg-Amerika-Linie zu verpachtenden Hafens. Da die Aufnahme des ostasiatischen Dienstes eine erweiterte Inanspruchnahme der Hafenanlagen durch diese Gesellschaft im Gefolge haben mußte, trat sie mit dem Wunsche herv»r, ihre bisher getrennt liegenden Anlagen im Hafen an einer Stelle zu vereinigen und zugleich für längere Zeit genügend Raum für die weitere Entwickelung ihres Betriebes zu erhalten. Der nunmehr fertiggestellte große und für Schiffe bis zu 8 Bieter Tiefgang zugängliche Hafen ist auf 25 Jahre der Hamburg - Anierika - Linie zur ausschließlichen Benutzung für 800 000 Mk. jährlich verpachtet worden.
— Die Kathedrale von Metz, das altehrwürdige Baudenkmal, stand vor kurzem im Vordergründe des Interesses. Im Beisein des Kaisers und eines päpstlichen Delegaten wurde das neue Christusportal der Kathedrale feierlich inauguriert. Es war ein Ereignis von künsthistorischer, aber auch von politischer Bedeutung, da es sich an den Besuch des Kaisers beim Papst Leo unmittelbar anschloß. Wie überall, wo es gilt, alte Baudenkmäler in deutschen Landen zu restaurieren, hat der Kaiser auch den Arbeiten an der Metzer Kathedrale sein förderndes Interesse zugewendet. Drei Jahrhunderte hatte man an dem prächtigen Dom gebaut, vom 13. bis 16. Jahrhundert. Seither aber hat die Zeit ihr Werk getan, und das Denkmal erwies sich in hohem Maße restaurationsbedürftig. Man begnügte sich nicht damit, die Haltbarkeit des Baues zu erneuern, sondern bemühte sich, ihn auch künstlerisch harmonischer zu gestalten. Der Ruf derMetzerKathedrale gründete sich bis jetzt hauptsächlich auf ihr Inneres, das von überwältigender Schönheit ist. Am Aeußeren störte daraus daß der braune, finster blickende Reisende aus Italien komme. Ein Ausruf des Herrn im Koupee erster Klasse am Schalter, er habe noch italienisches Geld im Portemonnaie, hatte Günther darüber belehrt, daß auch das Ehepaar in Italien gewesen sei, und er ahnte irgend einen Zusammenhang.
Günther führte keine Waffen bei sich und hatte es bei seinem Plane weniger auf einen Mord als einen Raub abgesehen; da er sich aber auf alle Fälle vorsehen wollte, musterte er das Handgepäck seines Reisegefährten, ob dieser nichts mit sich führte, was seinen Zwecken dienen könne. Ein Pistolenkasten erschien ungeeignet; dagegen glaubte er, als jener den Ueberzieher auszog und neben sich legte, in einer Tasche in dessen Innenseiten den Griff eines Dolches zu gewahren.
In der mehr und mehr zunehmenden Dunkelheit wußte er den Dolch leise und geschickt aus der Tasche hervorzuziehen und einzustecken; nun galt es noch, feinen Reisegefährten, der wenig Lust zum Schlafen verspürte, künstlich einzuschläfern, damit er einen etwaigen Hülferuf aus dem nächsten Koupee nicht höre. Auch hierfür wußte Günther Rat.
Als falscher Spieler mußte er stets auf alle Eventualitäten gefaßt sein. Er hatte sich deshalb ein narkotisches Mittel zu verschaffen gewußt, das er beständig bei sich führte, und vermittelst dessen er in dem Augenblicke, wo er Entdeckung befürchtete, die Mitspielenden schnell in eine schlasähnliche Betäubung versetzen konnte. Schon einmal hatte er Gelegenheit gehabt, sich von der
54. Jahrgang.
besonders das unter Ludwig XV. vom Baumeister Blondel erbaute und nach ihm benannte' Hauptportal. Dieses ist nun aber von Baurat Tornow im Verein mit dem Dombildhauer Dujardin durch das neue Christusportal ersetzt worden. Den edlen Verhältnissen und der Linienschönheit des architektonischen Teiles entspricht die stilvolle Behandlung des figuralen Schmuckes. Man hat anläßlich der Enthüllung des Portals in ziemlich verständnisloser Weise über den Umstand diskutiert, daß eine der Prophetengestalten die Züge des Kaisers aufweise. Es ist dies nicht etwa ein unpassender Einfall des Bildhauers, sondern eine alte Künstlersitte, daß die Gesichtszüge des Fürsten, der einen Bau errichten oder restauratieren läßt, in einem der schmückenden Bildwerke verewigt werden. Ein Gegenstand zum „Daniel" von Metz bildet ein Glasfenster des Blindenheims zu Königs-Wusterhausen, wo der Kaiser in Ritterrüstung, die Kaiserin als heilige Elisabeth dargestellt sind. Da die Restaurationsarbeiten am Aeußeren der Metzer Kathedrale vollendet sind, soll nun die Erneuerung des Innern in AnMiff genommen werden. Die kunstvoll gewölbten H^en sollen mit ihren Chören und Bildwerken, auf die das Tageslicht gedämpft, durch hohe, farbige Fenster, fällt, in alter Pracht erstehen.
— Die der Reichsregierung nahestehende „Post" bringt in auffallendem Druck einen langen Artikel unter der Ueberschrift: „Mörder im Offiziersrock," worin es u. a. heißt: „Es ist nicht das erste mal in der Weltgeschichte, daß gegen ein gekröntes Haupt die Faust des Mörders sich erhebt, aber es ist wohl das erste mal, daß die Elite eines modernen Offizierkorps einer Armee im Sinne des 19. Jahrhunderts ihren obersten Krie^. Herrn ermordet. Die Mordtat int Belgrader Konak war kein politisches, sondern ein gemeines Verbrechen. Die Täter sind gewöhnliche Verbrecher, jswelche die Todesstrafe verwirkt haben. Eine sympathischeErscheinung warAlexanderl.vonSerbien nicht. Aber entgegengehalten der Meute von Bluthunden steigt sein Bild hoch empor, und in seinen letzten Augenblicken steht er groß da. Was sie nicht besaßen, das schmückte den armen König in seiner letzten Lebensstunde: die Treue. Die Offiziere, die sich heute als Helden und Befreier gebärden, wird man bald auch in Serbien mit dem richtigen Namen nennen: „Mörder." Dieser Artikel scheint eine Meldung der römischen „Tribuna" zu bestätigen, welche schreibt, die Mächte werden den neuen König von Serbien anerkennen, aber die Bestrafung der Mörder verlangen.
— Die Sozialdemokraten gewannen bisher 12 Sitze: Berlin 5, Reichenbach, Aschersleben, Kiel, Solingen, Löbau, Meißen, Pirna, Mittweida, Annaberg, Plauen, Schwarzburg-Sondershausen und verloren Bernburg und Sorau. — Die Konservativen gewannen Züllichau, Bülow und verloren Erfurt, Löbau und guten Wirkung seines Arkanums zu überzeugen; jetzt sollte es ihm wiederum Dienste leisten.
Als er auf der Station, nach welcher sein Billet lautete, ausstieg, stolperte er anscheinend, fiel über den Mitreisenden und warf in diesem ein mit der Essenz befeuchtetes Taschentuch über das Gesicht, das denn auch seine Wirkung tat und Benno Treuenfeld in Schlaf versetzte.
Günther hatte fein Billet abgegeben und sich anscheinend entfernl; er hatte aber den Augenblick ersehen, wo der Schaffner anderweitig beschäftigt war. Nach wenigen Minuten kam die Alte wieder, und der Schaffner schloß die Tür; beide gewahrten aber Günther nicht; denn dieser hatte sich in das kleine Kabinet, das an das Koupee stieß, verborgen.
Dort lauschte er und vernahm bald das Schnarchen der alten Dorothea, die eingeschlasen war. Leise schlich er nun hervor, näherte sich ihr, drückte ihr sein wohl- getranktes Taschentuch auf Mund und Augen und öffnete die Tür zu dem zweiten Koupee, die er geräuschlos wieder schloß.
Das Ehepaar schlief. Er beugte sich zuerst zu der zunächst sitzenden Dame und fuhr ihr mit seinem Tuche über das Gesicht; in demselben Augenblicke regte sich aber in der anderen Ecke der Herr. Es galt, ihm zuvorzu- kommen, und sein Erwachen zu verhindern. Mit einem Sprunge war er an dessen Seite und wollte sein Betäubungsmittel bei ihm anwenden.
(Fortsetzung folgt.)