Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 48.
Mittwoch, den 17. Juni 1903.
54. Jahrgang.
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mit amtlichem Kreisblatt.
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Tchlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
finden in der über alle Ort- III3ue schaffen des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schluchterner Zeitung wirksame Verbreitung. Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Die Ermittelung des Wahlergebnisses der am 16. Juni d. Js. vorzunehmenden Reichtagswahl für den 7. Wahlkreis des Regierungsbezirks Cassel, bestehend aus den Kreisen Fulda, Gersfeld und Schlüchtern erfolgt in Gemäßheit des § 26 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870
Sonnabend, den 20. Juni d. Js..
vormittags 10 Uhr, im Sitzungssaal des Königlichen Landratsamt hier- selbst, was hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.
Fulda, den 6. Juni 1903.
Der Königliche Landrat: Steffens..
Deutsches Reich.
— Se. Majestät der Kaiser traf am 12. Juni früh 6 Uhr vom Neuen Palais kommend zu Pferde auf dem Bornstädter Felde ein, wo er das 1. und 3. Garde-Ulanen-Regiment besichtigte. Nach der Besichtigung fand die Kritik statt. Sodann folgte ein Gefechtsexerzieren im Feuer. Hierzu war ein Bataillon des 1. Garde-Regiments z. F., das Lehr-Jnfanterie- Bataillon und eine Batterie Artillerie eingezogen. Darauf nahm Se. Majestät den Parademarsch ab und setzte sich sodann an die Spitze des 1. Garde- Ulanen-Regiments, das er zur Kaserne zurückführte. Hier ließ der Kaiser das Regiment noch einmal vorbeireiten und nahm dann am Frühstück des Offizier- korps des 1. Garde-Ulanen-Regiments teil. An dem Frühstück nahmen ferner die z. Z. hier anwesenden Offiziere der First Royal Dragoons und der Kommandeur des österreichisch-ungarischen Husaren-Regi- ments Kronprinz Wilhelm Oberst Prevost teil.
— Der Kaiser tritt am 6. Juli seine diesjährige Nordlandsreise an. Der Kreuzer „Nymphe" und das Depeschenboot „Sleipner" begleiten die „Hohenzollern". Es ist eine Jubiläumsfahrt, denn zum zehnten Mal dampft der Monarch mit der jetzigen „Hohenzollern" nordwärts nach den Gestaden Norwegens. Damit hängt auch die Verlängerung des Aufenthalts in den Fjorden des Nordens zusammen. Der Kaiser beabsichtigt, alle Punkte aufzusuchen, die er während des letzten Jahrzehnts angelaufen hat. Es war im Herbst 1894, als er zum ersten Btal mit der neuen „Hohen- zollern" in See stach, um die bis dahin wenig besuchte, an landschaftlichen Schönheiten reiche Küste des Nordens zu befahren. Vorher hatte er Seereisen in der Ostsee, an der Küste Schwedens, in den russischen Gewässern, in der Nordsee und im Mittelmeer unter
nommen. Keine Fahrt gewährte ihm solche Befriedigung wie die durch die Fjorde Norwegens.
— Fünfzehn Jahre sind am Montag vergangen, seit Kronprinz Wilhelm die schwere Bürde eines Trägers der preußischen Krone und die Last der Kaiserwürde auf seine jugendlichen Schultern nahm. Mit banger Sorge blickte damals, nach herber Leidenszeit, die Nation, die in wenigen Monaten ihre beiden ersten Kaiser, die verehrten und geliebten Führer bei dem schweren Einigungswerk, ins Grab hatte sinken sehen, der neu anbrechenden Epoche entgegen. Kaiser Wilhelm II. hat diese Sorge zu bannen und sein Volk mit dem Hochgefühl zu erfüllen verstanden, daß eine große geartete Persönlichkeit von ausgeprägtem Charakter, hochfliegendem Tatenmut und ernstem Pflichtbewußtfein an seiner Spitze steht. Der jugendkrästige Monarch ist in diesem ganzen Zeitraum der entschlossene Führer der Nation zu neuen, höheren Zielen gewesen; die Entwickelung unserer Wehrkraft, vor allem der Flotte, die seiner ganz persönlichen Initiative zu danken ist, das Eintreten Deutschlands in den Kreis außereuropäischer Weltpolitik und so manche fruchtbare Anregung für unser öffentliches Leben daheim, legen vollgiltiges Zeugnis von dem erfolgreichen Streben des Herrschers ab, die Horizonte unseres nationalen Daseins zu erweitern. Und wenn ein Volk von Männern einer so scharf umrissenen Persönlichkeit auf dem Throne nicht stets, nicht in jeder Anschauung, nicht in jeder Maßnahme, nicht in jeder Aeußerung zu folgen vermag — dankbare Anerkennung ist dem redlichen Wollen und dem unermüdlichen Wirken des Herrschers von Anfang an zu teil geworden, und für die herzliche Einigkeit zwischen Fürst und Volk in allen großen Dingen leistet uns des Kaisers Wesen und Art auch für die Zukunft Gewähr.
— Das Geschenk des Kaisers an das Grenadier- Regiment König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) Nr- 2, ein Gemälde von Professor Röchling, welches die Erstürmung des Kirchhofes von Planchenoit bei Belle-Alliance am Abend des 18. Juni 1815 darstellt, ist dem Regiment zuteil geworden, weil die 11. Kompagnie desselben im vorigen Jahre bei dem gefechtsmäßigen Kaiser-Preisschießen der Regimenter, von welchen der Kaiser Chef ist, die besten Resultate erzielte. Außer dem Kaiser-Abzeichen für die siegreiche Kompagnie darf sich das Reginient eine Episode aus seiner Kriegsgeschichte wählen, die von einem namhaften Künstler alsdann gemalt wird. Das genannte Grena- dier-Regiment, das eines der ältesten der Armee ist und bereits im Jahre 1690 formiert wurde, wählte aus seiner ruhmreichen Geschichte die Erstürmung von Planchenoit, bei der es am Abend von Belle-Alliance die französischen Garden über den Haufen rannte.
— Die Landwirtschaftliche Ausstellung in Hannover wird am 18. Juni eröffnet. Seine Majestät der Kaiser besucht die Aisstellung am Eröffnungstage nachmittags 5 Uhr. Am 19. Juni wird dann der Kaiser das Königs-Ulanen-Regiment besichtigen, wonach ein Festmahl in Kastens Hotel beabsichtigt ist. Am 20. Juni reist der Kaiser zur Einweihung des Kaiser Wilhelm-Denkmals nach Hamburg. Die Einweihung des Kaiser Wilhelm-Denkmals soll am 20. Juni mit einem Ponip gefeiert werden, wie man ihn bisher in Hamburg noch nicht gesehen hat. Zum erstenmale wird die „Hohenzollern" im Hamburger Hafen ankern. Kaiser Wilhelm wird am 21. Juni in aller Frühe auf der „Hohenzollern" den Hamburger Hafen verlassen und zur Kieler Woche fahren.
— Der Erbprinz von Sachsen-Meiningen wird in seiner Eigenschaft als Inspekteur der zweiten Armee» inspektion den diesjährigen Kaisermanövern beiwohnen. Der „Schles. Volksztg." zufolge wird dem Erbprinzen vvrausichtlich das Schiedsrichteramt an einem oder zwei der Manövertage zufallen.
— Der Prinz Andreas von Griechenland, Leutnant der griechischen Kavallerie, ist, wie gemeldet, durch Kabinettsordre vom 8. Juni bis auf weiteres zur Dienstleistung bei dem Dragonerregiment Nr. 23 in Darmstadt kommandiert. Prinz Andreas ist als der vierte Sohn des Königs Gearg von Griechenland am 1. Februar 1882 zu Athen geboren, befindet sich also im 22. Lebensjahre. Sein ältester Bruder, der Kronprinz Konstantin von Griechenland, vermählt mit der Schwester des Deutschen Kaisers, der Prinzessin Sophie
von Preußen, hat längere Zeit im preußischen Heere beim 2. Garde-Regiment Dienst getan und steht ^auch jetzt noch mit dem Dienstgrade eines Generalleutenants ä la suite des genannten Regiments.
— Das „Marine-Verordnungsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche Kabinettsordre. Danach tritt die Herbstübungsflotte am 15. August in Wilhelmshaven zu- sammen und wird am 5. September in Kiel aufgelöst. Die Uebungsflotte wird gebildet aus dem Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." als Flotten-Flaggschiff, den Schiffen des ersten nnd zweiten Geschwaders und der ersten und zweiten Torpedobootsflotille. Außerdem werden der Uebungsflotte zugeteilt der große Kreuzer „Freya" für die Zeit vom 31. August bis zum Schluß der Herbstübungen, der kleine Kreuzer „Nymphe", das Hafenschiff „Neptun", das Spezialschiff „Pelikan" für die Zeit vom 31. August bis 6. September, das Schulschiff „Grille" als Tender und vier Depeschen- boote. Das zweite Geschwader tritt am 4. Juli zusammen und besteht bis zur Aktivierung der Reservedivision der Ostsee nur aus vier Stammschiffen und wird nach dem Zusammentritt dem Chef der Uebungsflotte unterstellt. Den Tag der Aktivierung der Reservedivision der Ostsee bestimmt der Stationschef der Ostsee in Vereinbarung mit dem Chef des zweiten Geschwaders. Die zweite Torpedobootflottille tritt bis zur Bildung der" Uebungsflotte unter den Befehl des Chefs des zweiten Geschwaders.
— Der Unterausschuß zur Erreichung des Reichsversicherungszwanges für Invaliden-, Alters-, Witwen- und Waisenpension der Privatangestellten, der etwa 350000 Handlungsgehilfen, Fabrikbeamte, Werkmeister, Techniker, Privatlehrer, Redakteure, landwirtschaftliche Beamte usw. vertritt, hielt dieser Tage in Eisenach eine Sitzung ab, in r der von der Reichsregierung ge- wünschte, Ende September an die deutschen Privat- angestellten zu versendende Fragebogen festgestellt und ebenso der Begriff Privatangestellter nach dem Anstellungsverhältnis, wie es § 622 des B. G.-B., 8 59 des H.-G.-B., § 133a der G.-O. und Z 88 des Bcrggesetzes regelt, definiert wurde. Auch die nicht- pensionsberechtigten Angestellten im Staats- und Kommunaldienst sollen in den- Zwang einbezogen werden. ■
-- Der 13. deutsche evangelische Schulkongreß erklärte sich mit den Ausführungen des Referenten Prof. Dr. Larfeld aus Remscheid in den Hauptpunkten einverstanden. Er „hält mit aller Entschiedenheit daran fest, daß dem Alten Testament um seines religiösen und pädagogischen Wertes willen sein Platz in der religiösen Unterweisung der Jugend gewahrt bleiben muß, und gibt seiner zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß das alte Testament aus- allem Anfechtungen, die es gegenwärtig zu erleiden hat,- in seinem Offenbarungscharakter unerschüttert hervörgehen wird. . ’ .
— Das preußische Unterrichtsministerium hat in diesem Etatsjahre einen bedeutenden Betrag zur Förderung der Obstbaumzucht bereitgestellt. Es- soll bei der Verwendung aus die Beschaffung von geeigneten Obstbäumen zur kostenlosen Abgabe an Lehrer, welche sich der Pflege der Obstbaumzucht - widmen wollen und Schulland zur Herstellung geeigneter Anpflanzungen besitzen, Beihilfen erhalten,.sofern sie ihre Anpflanzungen zur Unterweisung im Obstbau vergeben. Die Bezirksregierungen haben bereits in diesem Sinne umfassende Erhebungen in . die Wege geleitet.
— Eines der größten künstlichen Stauwerke der Welt wird die im Bau begriffene Talsperre im Ennepetale in Westfalen werden; sie wird über 12 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Durch, die Sperrmauer, für welche 100,000 Kubikmeter Mauer- material erforderlich ist, werden zwei Täler, abgesperrt. Die gewaltige blauer erhält eine Länge Don 270 Meter und eine Höhe von 41 Meter, an der Basis wird sie 52 Meter und an der Krone 5. Meter breit Der Stausee wird eine Ausdehnung von 10 Kilometer erhalten. Aus der Talsperre werden nach ihrer Fertigstellung, die für Oktober nächsten Jahres vorgesehen ist, eine ganze Reihe von Städten das. Trink- wasser erhalten, außerdem wird das Wasser auch-zum Teil als Betriebskraft verwandt werden. ... Zur Zeit md an dem Bau über 1000 Arbeiter beschäftigt