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Anlage zu Ar. 46 der ZsiLunß".

Der Frankfurter Sängerwettstreit.

An des Vaterlandes Türe

Schlug der Feind wie Wogenschwall,

Bon den Lippen der Walküre Braust ein Ruf wie Donnerhall".

Freudig schart Euch, Kampserkorne, Schärf' die Wehre, Waffenschmied!

Sag, wer bist Du, Sturmgebornc ?

Wer ich bin'? Das deutsche Lied.

Grüß Dich Gott, Du Wunderblume,

Einzig wurzelnd im Gemüt!

Die am Bach, im Heiligtume,

Da, wo Deutsche sind, erblüht.

Streue Deine Segensdüfte

Allem Volt ohn' Unterschied!

Seelenhauch der Himmelslüfte,

Grüß Dich Gott: Mein deutsches Lied.

Zur Feier und Hebung des deutschen Männer' gesauges ist der Wettbewerb Dom Kaiser bestimmt- Der Bericht über die festlichen Tage in Frankfurt a M. ist nicht besser einzuleiten als mit Chr. Längs aus­drucksvollen, unser deutsches Lied so treffend charakter- sierende Strophen.

Am 4. Juli begann das Ringen. Der Kaiser erschien mit der Kaiserin, dem Prinzen Adalbert, dem Herzog von Coburg-Gotha und den Prinzessinnen von Hessen und Schaumburg-Lippe. Laut schmetterten kostümiert Fanfarenbläser den Willkvmmcngruß, hell flutete die Sonne durch den Festraum Das Wetter konnte nicht günstiger sein; die niedrige Temperatur wehrte der bei solcher Menschenansammlung sonst sicher unerträglichen Hitze und hielt gleichzeitig den Regen fern.

Die Reihenfolge der streitenden Männergesang­vereine war durch das Los bestimmt.

Nach der Bestimmung hatten die Vereine mit dem Preischor (Sechswochenchor), ein von Georg Meßner komponiertes Gedicht Felix Dahn'sSiegesgesang nach der Varusschlacht" zu beginnen.

Das Preis-Lied lautet:

Auf Siegesgesang Fleug die Wolken entlang Wie rauschendes Adlergefieder, Das hoch in Walhall Die Einheriar all Auflauschend schauen hernieder.

Scid bedanket zuvor, Ihr, Wotan und Thor Ihr kämpfet für Eure Söhne; Im Eich enge braus Jm Sturmesgesaus, . Wir erkannten die gött­lichen Töne.

In der Wolken Gebild Mit Speer und Schild - Die Walküren sahen wir jagen Wie der Schnitter das Korn, hat der himmlisch? Zorn die Fremd- linge niedergeschlagen.

, Jetzt kann uns die Zeit, -- für unsägliches Leid Gerechte Vmgeltung zählen: Kein Bube wird mehr . Im römischen Heer Vom besiegten Germanen Prahlen.

Die das Recht aus gekränkt - Ihr Blut hat ge­tränkt Die entsühnte heimische Erde: Wie Schnee, der zerschmolz Liegt Der römische Stolz Unterm Hufschlag unserer Pferde.

Auf der Götter Altar Bringt die Fahnen dar, Deren Rauschen die Wälder entehrte: Die Legionen sind tot Und vom Herzblut rot.Liegt Varus im eigenen Schwerte.

> «Heil dem Helden Armin, Auf den Schild hebet ihn Und zeigt ihn unsterblichen Ahnen: Solche Führer wie der Gieb uns, Wotan, mehr, Und die Welt, sie geborsten Germanen.

34 deutsche Männergesangvereine nahmen an dein Wettstreit teil. Am 4. und 5. Juni fand vor- und nachmittags je ein Wettsingen statt, am 0. Juni vor­mittags das fünfte und letzte Alles in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers, welcher jeden Tag früh von Wiesbaden mit Sonderzug nach Frankfurt kam.

Die Preisrichter stellten von ix.it 34 Vereinen fol­gende zwölf zum engeren Wettbewerb:

Die Aachener Konkordia, der Berliner Lehrergesang- Verein, die Berliner Liedertafel, der Bremer Lehrer- gesangverein, der Krefelder Sängerbund, alle drei Essener Vereine, Konkordia, Mäunergesangverein und Sanssouci der Kölner Männergesangverein, die Liedertafel von M.-Gladbach, der Sängerchor des Offenbacher Turnvereins und der Potsdamer Männer- gesangverein.

Für den engeren Wettbelverb um den Wanderpreis wurde den genannten Vereinen ein zweiter Preischor gegeben, zu dessen Einübung sie eine Stunde Zeit hatten, nach deren Ablauf mußte jeder Verein die Noten wieder abgeben und besam dieselben erst wieder bevor er in den Wettbewerb eintrat. Dieses zweite Preislied (Stundenchor) lautet:

Ein wandernder Geselle Zieht munter durch den Wald, Vorüber rauscht die Quelle, Das Lied der Vögel schallt. Und was ihn dadurch In tiefster Waldesnacht, das hat er frisch besungen - Und nicht zu lang bedacht. Tralala, tralala.

Das Echo nimmt's vom Munde Und führt dahin den Klang, . -^.,,Daß es vernimmt zur Stunde Der Hirt am BergeShang. - Der singt es noch gar Helle, Hernieder weht's. der Wind Wo mancher Junggeselle Des Weges geht geschwind, Tralala, tralala.

Und Manchem hat's gefallen. - Und er bebielt'S im Sinn, Und wo er and) möcht' wallen, - Da sang er's vor sich hin Und wie sich Vöglein bringen Ein Lied von Wald zu Wald, So hörte man es klingen Von Wald zu Walde bald, Tralala, Tralala.

Nachdem der letzte Verein gesungen, zog sich das Preisgericht zur Beratung zurück. Die Dirigenten u. Präsidenten der Vereine standen erwartungsvoll auf dem Podium. Als die Preisrichter wieder erschienen, betrat das Kaiserpaar die Loge unter den mächtigen Klängen-der Mozart-HymneO, weile Geist des Frie­dens, Schutz des Schönen " Fanfaren ertönten. Der kaiserliche Herold betrat das Podium und verkündete:

Auf allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs! Nachdem das von Sr. Majestät dem Kaiser und König ernannte Preisgericht für den zwei­ten Gesang.Wettstreit deutscher Männergesangvereine seinen Spruch dahin gefällt hat, daß der Berliner Lehrergesangverein (lautes und anhaltendes Bravo ertönt) für würdig befunden sei, las von Sr. Majestät dem Kaiser und König gestiftete Kleinod zu empfangen, fordere ich den ersten Vorsitzenden und den Dirigenten des Vereins auf, sich in Sr. Majestät Loge zu be= geben, um aus allerhöchst deren Händen den Sieges­preis in Empfang zu nehmen!

Unter stürmischem Beifall und lauten Hochrufen wurden die Sieger von Pagen in die Kaiserloge gelei­tet. Die Kaiserin hängte dem Vorsitzenden des sieg­reichen Vereins die goldene Kette um den Nacken, der Kaiser schüttelte den Vertretern des Vereins die Hand. So wurden nach Heroldsruf auch die Vertreter der übrigen siegreichen Vereine zur Kaiserloge geleitet, wo sie die ihnen zuerkannten Preise in Empfang nahmen.

Die übrigen Preise fielen der Reihe nach an 2. Kölner Männergesangverein, 3. Sängerchor des. Offeu- bacher Turnvereins, 4. Berliner Liedertafel, 5. Pots­damer Münuergesangverein, 6. Konkordia Aachen, 7. Lehrergesangverein Bremen, 8. Sängerbund Krefeld, 9. Liedertafel Müncheu-Gladbach, 10. Sanssouci Essen, 11. Konkordia Essen, 12. Männergesangverein Essen.

Nach der Preisverteilung erhob sich das gesamte Auditorium von den Plätzen. Aus etwa 9000 Kehlen erscholl nun die von Herrn Professor M. Fleisch diri­gierte Nationalhymne. Mit einem Dom Oberbürger­meister Adickes ausgebrachten dreifachen Hoch auf das Kaiserpaar, das sich dankend verneigte, fand der zweite Gesangsivettstreit deutscher Männergesangvereine am 6. Juni Nachmittag 9 Uh< seinen Abschluß. Die kaiserliche Familie fuhren mit den Prinzen und den sonstigen Fürstlichkeiten und Gefolge unter brausenden Hurrahrufen nach dem Hauptbahnhof. Die Majestäten unterhielten sich vor Abgang des kaiserlichen Sonder- zuges mit dem Oberpräsidenten Grafen Zedlitz und dem Oberbürgermeister Adickes. Der Kaiser sprach dem Oberbürgermeister wiederholt Dank aus für den fest­lichen und herzlichen Empfang und ersuchte ihn,' der Bürgerschaft hiervon Kenntnis zu geben. Znm Ab schied reichte der Kaiser dem Oberpräsidenten und dem Oberbürgermeister die Hand. Um 6 Uhr 22 Min. setzte sich der Sonderzug nach Wiesbaden in Bewegung.

Seine Majestät der Kaiser hielt nach Beendigung des Wettsingens der fünften und letzten Gruppe im Fürstenzimmer der Festhalle an die Dirigenten der Männergesangvereine folgende Ansprache:

Meine Herren! Ich habe Sie zusammenbernfen, um Ihnen zunächst meine Freude auszusprechen, daß so viele Vereine der Aufforderung des Rundschreibens gefolgt sind und sich an dem Wettgesang beteiligt haben. Es ist das ein Beweis für die Arbeitssrendig- keit und Sangesfreudigkeit unter Ihnen und zu gleicher Zeit ein Beweis dafür, wie rege das Interesse an der Pflege des Gesanges unter den Vereinen blüht. Ich will hierbei noch Gelegenheit nehmen, die Herren auf Einiges aufmerksam zu machen, das auch für Sie viel­leicht von Interesse sein kann, da es nicht nur der Ausfluß meiner eigenen Anschauung, sondern fast aller Zuhörer ist. Ich muß auf die Wahl Ihrer Stücke einen Augenblick ein gehen. Die Absicht, die bei diesem Gesangswettstreit vorgelegen hat, war die, daß durch ihn der Volksgesang, die Pflege des Volksliedes ge­hoben und gestärkt und in weite Kreise verbreitet werden soll. Nun haben die Herren Kompositionen gewählt, die von unserem alten deutschen bekannten guten Volks­ton wesentlich entfernt lagen. Sie haben ihren Chören kolossale Aufgaben gestellt; sie sind zum Teil geradezu bewundernswürdig gelöst worden, und ich muß sagen,

es hat uns alle in Erstaunen gesetzt und ergriffen, da hier Hunderte von Männern, die vielleicht . am T ag 812 Stunden in schwerer Arbeit, in ungünstige Temperatur, umgeben von Staub und Ranch, gearbeite haben, in der Lage,gewesen sind, durch-eifriges Stuoium und selbstlose Hingabe schwere Aus­gaben zu übernehmen, wie wir sie Hier gehört haben, 3* möchte aber glauben, daß in der Beziehung viel leicht die Dirigenten zum Teil selbst gefühlt Huben, daß in der Wahl der Chöre, das Aenßersle erreicht ist, was wir von Männergesangvereinen verlangen können. Ich -möchte dringend daplOzWaxMl«M«D nicht etwa auf den Weg treten, es philharmonischen Chören gleichzutun., Meine Ansicht ist, der Männergesang- Verein ist dazu nicht da,- er soll das Volkslied pflegen.

Von den Kompositionen, die unserem Herzen uahe- stehen ist merkwürdig wenig gelungen werden: sechs- bis siebenmal Hegar, achtmal Bramvach. Ich kann Ihnen offen gestehen, wenn man diesen Meister" össtrs, hintereinander hört, dann würde man jeden Verein mit. Dank und Jubel begrüßen, der nur einmal jdas Lied Wer hat dich, du schöner Wald" oderIch hatt' einen Kameraden" oderEs zogen drei Burschen" gesungen hätte. Diese Kompositionen sind außerordent­lich wertvoll für die Ausbildung der Technik, es ist, als ob ein besonders hohes Sprunggestell aufgestellt würde. Aber es mangelt Hegar und Brambach zu sehr an Melodik. Zudem komponieren die Herren Texte, die etwas lang sind. Ich bin im allgemeinen sehr dankbar, daß so patriotische und schöne Texte gewählt würben, die von alten Kaisersagen und großer. Vorzeit handeln. Ich glaube aber, daß zum Teil die Kompo­nisten den Texten nicht gerecht Gerden. Es soll meines Erachtens ein Chor aus schönen Männerstimmen nicht durch Komponisten dahin gebracht werden, daß er Ton- mälerei treibt und eine orchestermäßige Instrumentation nachmacht. Tonmalerei des Orchesters ist schon nicht immer angenehm, mit Männerstimmen noch bedenklicher Die Länge ermüdet, weil die Tonlage eines Männer- chors immerhin beschränkt ist und auf die Dauer zu gleichmäßig wirkt Ich warne auch davor, nicht zu lyrisch zu werden. Ich glaube, daß auch imPreischoc die Lyrik zu sehr vorwaltet. Die Herren werden ge­merkt haben, daß die Chöre, die etwas mehr Energisches und Männliches zeigten, beim Publikum mehr Beifall gefunden haben. Die Dentimalität, die in jeder deut­schen «eete ruht, soll in poetischen Schöpfungen auch zum Ausdruck kommen, aber da, wo es sich um Balladen und Mannestaten handelt, muß der Männerchor ener­gisch zur Geltung kommen, ant besten in einfachen Kompositionen. Es wird vielleicht den Herren interessant sein, daß fast zwei Drittel aller Vereine zu hoch ein­gesetzt und zum Teil um einen halben, dreiviertel, einer sogar um einen fünfviertel Ton zu hoch geschlossen haben. Deshalb haben die gewählten Aufgaben zum Teil selber geschadet. Es war eine Freude, wenn ein­mal ein Verein so tief einsetzte, daß' man das Gefühl hatte, er hat noch Reserve übrig.

Die Wahl der Chöre werde ich in Zukunft dadurch -entsprechender zu gestalten versuchen, daß ich eine Sammlung veranstalten Werbe sämtlicher Volkslieder, die in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz ge­schrieben, gesungen und bekannt sind, gleichgiltig, ob der Komponist bekannt ist oder nicht. Sie wird kata­logisiert werden, . und ich werde dafür Sorge tragen, daß sie allen Vereinen billig und einfach zugänglich sein kann, dann werden wir in der Lage sein, aus diesem Kreise Lieder zu suchen, die wir brauchen. Wir sind hier am Rhein, und nicht ein einziger Verein hat dieDrei Burschen" gesungen oberJoachim Hans von Zieten" undFriedericus Rex." Wir sind hier in Frankfurt und kein einziger hat Kallüvoda getvählt. Wir haben Mendelssohn, Beethoven,. Abt, von ihnen ist nichts erklungen. Hiern^t in nun wehr Der modernen Komposition genug getan. ' Siechaben sich Aufgaben gestellt ich. nehme auch das Preislied nicht aus, ich selbst halte es an einzelnen Sollen für viel zu schwer - ich glaube, daß wir sie in vieler. Beziehung ver­einfachen können. Ich habe Gelegenheit-^genommen, mit den Preisrichtern darüber zu sprechen, die Herren haben ihren Gedankeuaustausch in einem Promemoria zu Papier gebracht, das den Vereinen zugänglich ge­macht wirb. Mein Kabinetsrat von Manns Wirb es den Herren vorlesen.

Nach der Vorlesung des Promemoria fuhr der Kaiser fort:

Meine Herren! Ich erwarte von Jhiren, daß Sie möglichst dieser Ansicht i nb diesen meinen Ratschlägen entsprechen werden. Ich bin'fest davon überzeugt, daß dann auch die Sänger selber noch mehr Freude an der Einübung haben. Ich glaube, daß da, wo die Noten erst eingeübt werben mußten, eine geradezu physische Anstrengun - nötig gewesen ist, um das zu erreichen, was sie erreicht haben, zumal bei Mitgliedern, die in