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in einem Herzen so naheliegenden, und von mir so eifrig durchforschten Gebiete, dem der Sozialpolitik, Frankfurt an der Spitze marschiert, und wie es mir am Herzen lag, die Stadt und ihr Oberhaupt dadurch zu zieren und mein vollstes Einverständnis zu erklären mit den Wegen, die Sie hier einge­schlagen haben, zum Segen Ihrer Bürger und zum Beispiel für das Vaterland. Es ist mir aber wohl­bekannt, daß außerdem noch ein Wunsch die Brust Frankfurts bewegt, dem ich gern Folge geben werde. Es ist schon lange der Wunsch, daß der Zusammen­gehörigkeit der Stadt mit ihrer Garnison .durch ein äußeres Band auch in der Heeresgeschichte sich kenn­zeichnen möge, und diesem Wunsche der Frankfurter Patrizier entgegenkommend, habe ich befohlen, daß vom heutigen Tage an das 2. hessische Artillerie- Negiment Nr. 63Frankfurt" heißen soll. So möge auch die Garnison in Verbindung mit der Bürgerschaft Frankfurts in Frieden und Freund­schaft, stolz auf ihren Namen, auch Ihnen, den Bürgersöhnen, ein Heim bieten, und möge Gottes reichster Segen auf allen Ihren Unternehmungen ruhen, auf welchem Gebiete es auch fei. Es ist mein heißester Wunsch und darauf leere ich den Pokal auf das Wohl der Stadt Frankfurt."

Ausland.

Ministerpräsident Silvela hat dem König von Spanien mitgeteilt, daß der Aufstand fast vollständig erloschen sei.

Die Pforte teilte der österreichisch-ungarischen und der russischen Botschaft mit, daß von den anläß­lich der Attentate in Saloniki verhafteten Bulgaren 406 freigelassen und 270 in die Heimat abgeschoben wurden. 20 Bulgaren wurden in Haft behalten; diese werden vor das Gericht kommen, außerdem 60, die sich noch in der Voruntersuchung befinden.

In Ottawa eingetroffene Passagiere der kana­dischen Pacifiebahn, die von Montreal kommen, be­richten, lautDaily Mail", über große Feuersbrünste, die in einiger Entfernung von Ottawa die Getreide­felder, Wiesen, Ernten und Schlagholz vernichteten. Flugfeuer, das von dcn brennenden Feldern nach Ottawa getrieben wurde, richtete in der Stadt einen Brandschaden im Betrage von 90 0< 0 Pd. St. an; daran sind die Hobelwerke von Dhackray mit 50,000 und die Druckerei von Mortimer mit 25000 Pf. St. beteiligt. Nach den neueren Meldungen ist es bereits gelungen, des Feuers Herr zu werden.

Lokales und Provinzielles. * Schlächtern, 9. Juni 1903.

* Der Gerichtsvollzieher Monzel von hier tritt mit dem 1. August in den Ruhestand.

* Der am Sonntag von der Gesangsabteilung (Gemischter Chor) des Turnvereins veranstaltete Aus­flug fand unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder statt. Wenn auch das Wetter ein nicht sehr heiteres Gesicht machte, waren die Gemüter der Ausflügler um so fröhlicher. Nach der Wanderung über Herolz und das sogen. Wäldchen in Sannerz angekommen fand man Damen und Herren in fröhlichster Stimmung, wozu noch einige Gesangsvorträge des Chors, sowie einige vorgetragene Solis ihr bestes beitrugen. Auch hat man den Tanz nicht vergessen, dem man sich, soweit es möglich war widmete. Nachdem der Himmel auch eine kleine Erfrischung gegeben hatte, trat man den Heimweg über Vollmerz und Herolz an, bei welchem es an feucht fröhlichen Liedern nicht fehlte und die schon bei manchem etwas ermatteten Glieder wieder besser in Bewegung setzten. Für Herolz wurde als letzte Station nochmals Einkehr gehalten. Wie man allseits vernahm waren es allen Beteiligten einige fröhliche Stunden und hofft man, daß der im August geplante Ausflug ebenso, möglichst noch mehr heitere Stunden bringt. Auch wollen wir nicht versäumen, dem Direktor der Gesangs-Abteilung für sein Bemühen recht eifrige Beteiligung um ferneres Blühen und Gedeihen seines jungen Chores zu wünschen.' Der Ausflug des hiesigen Handwerker-Vereins fand ebenfalls unter zahlreicher Beteiligung statt. Genannter Verein hatte als Endpunkt Frankfurt a. M. gewählt. In Frankfurt angekommen und sich gestärkt wurden nun verschiedene Sehenswürdigkeiten in Augenschein ge- nommen wozu sich letzter Sonntag nach den Kaiser­lagen noch die beste Gelegenheit bot. Als Beweis daß es jeden: sicher gut gefallen hat ist der, daß verschiedene Teilnehmer in Frankfurt übernachteten. Vielfach wurde der Wunsch laut: möchte diesem Aus­flug noch ein solcher folgen

* Die Union-Bank im Haag soll in Deutschland sogenannte Serienlose vertreiben, es liegt jedoch ge­nügender Anlaß vor, vor dem Ankauf dieser Lose dringend zu warnen und sich mit dem Institut in keiner Weise eiNzulassen.

* Was wir in der zweiten Jahreshälfte für Wetter haben, weiß Falb schon; er schreibt in seinem soeben ausgegebenenWetterkalender" darüber: Juli: Anfangs regenreich und kalt, dann Trockenperiode, darauf Gewitter, zuletzt ziemlich trocken; August: ver­hältnismäßig trocken, Temperatur anfangs normal,

später tiefer unter der Mitte: September: reich an Niederschlägen, zahlreiche Gewitter, im ganzen wärmer als der August; Oktober: im ersten Drittel regnerisch, im zweiten Drittel geht die Temperatur zurück, im dritten Regen, außergewöhnliche Hitze; November: verhältnismäßig hohe Temperatur, Niederschlüge, An­fangs spärlich, dann stärker, zuletzt gänzlich fehlend; Dezember: Anfangs ausgebreitete Regenfülle, Schnee- fälle noch vereinzelt; in der zweiten Woche sehr kalt, ergiebige Schneefälle; dritte Woche anfangs etwas wärmer, dann sinkt die Temperatur stark unter normal; vierte Woche regnerisch, Schneefälle, Temperatur unter normal. Wer's nicht glauben will, muß es abwarten.

* In der Nacht zum 5. Juni verstarb in Wiichters- bach Fürst Ferdinand zu WnburgBüdingen. Der 78jährige Fürst verunglückte in seinem Schlafzimmer infolge eines Zimmerbrandes. Passanten des Schloß­hofes glaubten früh ^egen 5 Uhr aus den Schlaf- stuben-Fenstern des Fürsten Rauch kommen zu sehen, und die sofortige Oeffnung der Zimmertür ergab dann, daß hier ein schleichendes Feuer schon stundenlang alle Holzsachen sowie einen Teil des Bettes verkohlt hatte. Die Leiche des Fürsten aber lag mit geschlossenen Augen dicht vor dem kohlenden Bette. Wahrscheinlich war der Fürst, um sich zu retten, aufgesprungen, ist dann aber, wie vom Arzte angenommen wurde, ent­weder sofort erstickt, oder an einem Herzschlage ver­schieden. Ferdinand Maximilian Fürst zu Usenburg und Büdingen wurde zu Wächtersbach am 24. Oktober 1824 als Sohn des Grafen Adolf von Menburg und Büdingen geboren. Er vermählte sich am 17. Juni 1849 zu Wilhelmshöhe mit der Prinzessin Auguste von Hanau, welche am 18. September 1887 starb. Der Verstorbene war erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses und der ersten Kammer im Großherzog- tum Hessen. Der Fürstentitel geht auf den Erbprinzen Friedrich Wilhelm, geb. 17. Juni 1850, über.

* Am 5. Juni fand die 14. Hauptversammlung des Hess. Städretages im weißen Saale des Kurhauses in Lad Orb statt. Oberbürgermeister Müller-Kassel eröffnete die Versammlung mit einem begeistert auf­genommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König und beschloß Die Versammlung die Absendung eines Huldigungstelegrammes an den zur Zeit in unserer Provinz weilenden Landesherren.

An den Verhandlungen nahmen die Vertreter von 53 Städten und als Ehrengäste der Regierungspräsi­dent von Trott zu Solz sowie der Dozenent für das Kommunalwesen Heir Regierungsrat Nötiger teil. Der Nassauische Städtetag hatte die Bürgermeister Alberti-Rüdesheim und Gierlichs-Dillenburg zur Teil­nahme entsandt.

Nach den üblichen Begrüßungsansprachen und Geschäftsberichten hielt Bürgermeister Müller-Allendorf einen Vertrag über die Entstehung und den derzeitigen Stand der Gemeindenutzungcu im Regierungsbezirk Kassel, dem der Kommunaldozenent noch einige Er­läuterungen hinznfngte.

Hieran schloß sich ein Vertrag des Stadtsyndikus Brnnner-Kasfel über die Bildung und Tätigkeit der Gesundheitskommissionen in den Städten und empfahl Referent auch den kleineren Städten dringend die Bildung einer solchen Kommission, deren Tätigkeit bereits in vielen anderen Orten segensreich gewirkt hat.

Alsdann berichtete der Geheime Regierungsrat Dr. Knorz-Kassel über den Stand der zu errichtenden Ruhegehalts- undReliktenverscrgungskassefürKommunal- beamte int Regierungsbezirk Kassel.

Die Kasse habe noch nicht eröffnet werden können, da die landesherrliche Genehmigung noch ausstehe. Angemeldet seien zu beiden Kassen bisher von den Städten 14 und für die Ruhegehaltskasse allein noch 2 Städte. Der Bürgermeister Gierlichs-Dillenburg teilte mit, daß im Regierungsbezirk Wiesbaden der­artige Kassen bereits einige Jahre beständen und man daselbst mit je 3% der ruhegehaltsberechtigten Gehälter für jede Kasse ausgekommen sei.

Der Herr Regierungspräsident empfahl den Städten in ihrem eigenen dringenden Interesse den Beitritt, da das Budget besonders der kleineren Städte durch oft sehr unerwartet eintretende Pensionierungen leicht schwer erschüttert werden kann und dann die Umlagen erhöht werden müßten.

Der Städtetag nahm dann auch eine in diesem Sinne abgefaßte Resolution einstimmig an.

Von den weiteren Verhandlungen ist dann noch zu erwähnen, daß als Ort für nächstjährige Tagung Karlshofen gewählt wurde.

* Von dem 6 03 Uhr am Samstag Abend in Hanau nach Friedberg abgelassenen Zuge wurde dem Lokomo­tivführer des Friedberger Zuges bei Hrldeudergcn-Win- decken der Kopf vom Rumpfe getrennt, Der Verun­glückte sah, entgegen seiner Vorschrift, von der Seite nach dem ihm entgegenfahrenden Zuge, wodurch das entsetzliche Unglück entstand. Eine Frau und 8 un- mündige Kinder hinterläßt der Lokomotivführer.

* Der Kommandeur des II. naussauischen Feld- artillerieregiments Nr. 63, Oberstleutnant Serno meldete sich am 3. Juni Nachmittag beim Kaiser, um für die Verleihung des NamensFrankfurt" an das 'Regiment zu danken. Der Kaiser ^ab dabei seiner

Freude darüber Ausdruck, daß das Regiment sich gut mit der Bevölkerung stehe, worauf Oberstleutnant Serno erwiderte, das sei nach der überaus herzlichen Aufnahme durch die Stadt kein Wunder. In dieser Woche findet ein feierlicher Regimentsappell statt, zu dem die Vertreter der Stadt geladen werden. Die Stadt erwidert mit einem Festmahl für das Regiment und soll die Anschaffung eines wertvollen Geschenks für das Kasino beabsichtigen.

* Nicht weniger als 50 Personen wurden in Frankfurt a. M. während der Festtage aus Anlaß des Sängerwettstreites, verhaftet; darunter eine große Anzahl wegen Majestätsbeleidigung.

* Der Milchhändler Vogt in Hedderuheim wollte Pferd und Wagen in der Nied abwaschen. Der Wagen zog aber Pferd und Mann in den Fluß, Vogt ertrank, auch das Tier. Die Frau Vogt wollte sich, als sie von dem Unglück erfuhr, in den Fluß stürzen und konnte nur mit Mühe an ihrem Vorhaben gehindert werden.

* In Marburg fand am Sonntag das Fest der Fahnenweihe des Postunterbeamten-Vereins Marburg statt. Nachmittags Festzug vom Hauptbahnhof nach dem Museum, Weihe der Fahne durch den Kaiserlichen Oberpostdirektor Herr Geheimen Ober-Postrat Hoffmann aus Cassel, Konzert der gesamten Kapelle des Jäger- Bataillons und Liedervorträge des Gesangverein Liederkranz, zum Schluß Ball. Die Stadt Marburg hatte zu dieser Feier, an welche sich sämtliche Behörden und viele Postbeamte von außerhalb beteiligten, ihr Festgewand angelegt. Das Fest verlief in schönster Weise.

* Der Papst verlieh den Fabrikanten Rübsam und Berta, sowie dem Hof- und Domgoldschmied Rauscher in Fulda das Ehrenkreuz pro ecclesia et pontifice.

* Am 6. Juni d. I. Versammelten sich in Fulda die Abgeordneten des Hessischen Kriegerverbandes zuni 25- Delegierlentag. Gleichzeitig beging der Kriegerver­ein Fulda die Feier seines 30jährigen Bestehens.

* Am 27. Mai er. ist eine Zuchtvereinigung für Frankenvieh im Kreise Fulda gegründet worden. Die Vereinigung zählt bereits über 100 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus dem Herrn Landrat als Vor­sitzenden, und Herrn Kreistierarzt als stellvertretenden Vorsitzenden und Geschäftsführer, dem Herren Hütsch- Maberzell und Jonas-Rex, Kersten-Maberzell, Schön- herr-Eichenzell, Suntheim-Ziehers als Beisitzern. Der Zweck des Vereins ist, die Zucht des gelben Franken - Viehes einzubürgern und zu heben.

* Es har sich eine Firnia gebildet, welche die Basaltlager an der neu zu bauenden Röhnbahnlinie Brückenau-Wildflecken ausbeuten will. In das Handels­register zu München 1 wurde die FirmaOberrieden- berger Basaltwerke, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, mit dem Sitz in München" eingetragen.

* In Seisens schlug ein Blitzstrahl in eine Kuh­herde auf dem Felde und war eine Kuh sofort tot und mehrere vorübergehend betäubt. Der Hirte tarn mit dem Schrecken davon. Auf dem Guckhof bei Wüstensachsen entzündete ein Blitzstrahl die Gebäu- lichkeiten.

* In Schmalkülden wurden auf dem Felde zwei Personen durcheil tzschlag getötet.

Letzte Nachrichten.

Ein großes Kavalleriemanöver wird Donerstäg und Freitag in Döberitz stattfinden; der Kaiser wohnt der Uebung bei und bleibt auch in der Nacht zum Freitag im Barackenlager wo sein aus Anlaß der Löberitzer Festlichkeiten errichtetes Wohnzelt noch vor­handen ist.

DieFrankfurter Zeilung" meldet aus Wien: Der Deutsche Kaiser wird am 17. September in Wien zu zweiteiligem Aufenthalt eintreffen und sich dann zu den Jagden auf den ungarischen Besitzungen des Erz­herzogs Friedberg begeben.

Aus Anlaß des Todes des Prinzen Julius zu Schleswig-Holstein-Sonderbucg-Glücksburg legte der königliche Hof vom 8. Juni auf 8 Tage Trauer an.

In Süd-Karolina (Amerika) ist ein Wolken - bruch niedergegangen. Die angeschwollenen Gebirgs- bäche schwemmten mehrere Baumwollmühlen und viele Wohnhäuser weg. Einige Orte sind fast vollständig vernichtet. Viele Personen sind ertrunken.

Die französischen DampferJnsulaire" und Libau" stießen am 7. Juni unweit der Insel Maire zusammen.Liebau" sank ungefähr 20 Minuten nach bm Zusammenstoß, er hatte gegen 200 Reisende an Bord, übei die Hälfte versank mit dem Dampfer im Meere. DerJnsulaire" konnte den Hafen von Marseille noch erreichen, ist jedoch auch stark be­schädigt.

Nach einer Meldung aus Beni Unis (Algier) hat die Beschießung von Figig am 8. Juni früh

Uhr begonnen.______

Telegraphischer Schiffsbericht derRed Star Linie Antwerpen.

Der Postdampfer "Rheinland" derRed Star Linie," in Antwerpen, ist laut Telegramm am 2. Juni wohlbehalten in Philadelphia angekommen,