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Deutsches Deich.
— Seine Majestät der Kaiser, die Kaiserin, die Prinzen Eitel Friedrich und Albert nebst großem Gefolge trafen am 3. Juni abends kurz nach 7 Uhr mit Sonderzug in Frankfurt a. M. ein. Auf dem Bahnhöfe halten sich zum Empfange eingefunden die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der kommandierende General des 18. Armeekorps General v. Lindequist und der Stadtkommandant Generalleutnant v. Stülp- nagel, Oberpräsident Graf v. Zedlitz-Trützschler, Oberbürgermeister Adickes Polizeipräsident Frh. v. Müsf- ling, die Mitglieder des Konsularkorps, Vertreter der Bebörden usw. Nach der Begrüßung und Vorstellung begaben sich die allerhöchsten Herrschaften, die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert sowie der Herzog von Sachsen Coburg-Gotha mit Gefolge zum Querperron, die Kaiserin mit den Damen sodann ins Fürstenzimmer des Bahnhofs. Auf dem Perron nahm der Kaiser den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie des 8J. Regiments ab. Am rechten Flügel standen die direkten Vorgesetzten, darunter Prinz Friedrich u. die Bataillonskommandeure. Nach dem Vorbeimärsche fuhren die Herrschaften, geleitet von einer Schwadron Hanauer Ulanen und vom zahlreichen Publikum jubelnd begrüßt, nach der Festhalle in der Forsthausstraße.
In der Festhatte fand das Begrüßungkonzert, das von den Frankfurter Vereinen, im ganzen 1700 Sängern, bestritten E^, statt. Kein Platz in kr 8000 Personen fassenden Halle bliebt unbesetzt. Mächtig war der Eindruck, als am Schlüsse der ersten Nummer: „Dem Kaiser Heil!" die ganze Versammlung in den Gesang der Nationalhymne einstimmte. Das Kaiserpaar gab während des Abends mehrfach seinen Beifall zu erkennen. Als das Kaiserpaar die Festhatte verließ, erstrahlten die Festhalle und dieselben um- gebenden Anlagen in bengalischer Beleuchtung.
Das Kaiserpaar mit den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert und der Herzog von Sachsen-Coburg- Gotha sind kurz vor 10 Uhr nach Wiesbaden abgereist Zur Verabschiedung aus dem Bahnhöfe waren dieselben Herrschaften wie beim Empfange anwesend und Prinz Friedrich Karl von Hessen. Der Kaiser unterhielt sich vor der Abfahrt längere Zeit 'mit dein Oberbürgermeister und sagte, er sei entzückt von dem Empfange, und beauftragte ihn, dies der Bürgerschaft bekannt zu geben. Bei der Abfahrt brächte das in der Bahnhofshalle versammelte Publikum begeisterte Huldigungen dar.
Line ^rehzeitSeetfe.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Nachdruck verboten)
Fortsetzung.
Wir könnten die Entdeckung dem Kriminalgericht in G . . mitteilen und dessen Hilfe in Anspruch nehmen; ich hatte es aber für besser, wir suchen insgeheim", meinte der Inspektor.
„Hoffen Sie ihn zu finden?"
„Wenn Sie mir freie Hand lassen, gnädige Frau, so verbürge ich mich dafür."
„Ich vertraue Ihnen. Nur eins bedinge ich mir aus: wohin Sie auch reisen mögen, ich begleite Sie."
, Ich bin es zufrieden", war die Antwort, und Wecker, wohl einsehend, daß jede Gegenvorstellung vergeblich sein würde, fügte sich in die getroffenen Anordnungen.
Dank der reichen Geldmittel, die Erna zur Verfügung stellen konnte, sowie der Verbindungen um Fäden, welche der Inspektor in Händen hielt, war die Spur des Verbrechers 'bald ausgefunden, ^-rau v. Rehfeld und Schwarz reiften zunächst nach Wien, wo er, wie sie erfuhren, immer noch in flöt1 er Speise gelebt hatte; doch hielt man seine Vermögensumstände schon längst für zerrüttet.
Es ließ sich feststellen, daß er an jenem verhängnis- pvllen Nachmittage mit dem Kurierzuge von Wien ab-
Samstag, den 6. Juni 1903.
Die Stadt Wiesbaden hatte zur Ankunft des Kaiserpaares den gewohnten Festschmuck angelegt. Flaggenmasten umsäumten die Wilhelmsstraße, Obelisken und Laubgewinde zierten den Eingang zum Theater. Das Schloß, in dem die Majestäten Wohnung nahmen, war wie immer, herrlich geschmückt und beleuchtet.
— Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiserpaares, der bisher auf dem Schulschiff „Charlotte" ausgebildet wurde, nimmt jetzt an dein Kursus im Marineinfanteriedienst bei dem ersten Seebataillon in Kiel teil.
— Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft wird in diesem Jahre in der Lage sein eine landwirtschaftliche Maschinenausstellung durchzuführen, mic sie in Deutschland überhaupt noch nicht zusammengebracht wurde. Es sind nicht weniger als 400 Aussteller mit im ganzen 7522 Nummern vertreten. Die Schau gliedert sich wie immer in eine allgemeine Schau, in welcher die Hauptgruppen folgende Beschickung haben: 1343 Molkereigeräte, 903 Bodenbearbeitungsgeräte, 464 Erntegeräte für Getreide und Heu, 605 Futterbearbeitungsgeräte, 419 Kraft- und Kraftübertragungsmaschinen, 349 Dreschmaschinen und Zubehör, 159 Garten, Obst- und Weinbaugeräte, 151 Baugeräte und Baustoffe, 178 Saemaschinen, 101 Kartoffel- und Rübenbaugeräte, 66 Dauerwarenbearbeitungsgeräte und 10 Brennereigeräte, sowie Sonderausstellungen verschiedener Art.
— Zur Hebung der Körperpflege in der Mädchenvolksschule hatte der Landesverband preußischer technischer Lehrerinnen eine Eingabe an den preußischen Kultusminister gerichtet, in der die Aufmerksamkeit der obersten Schutbehörde auf die in erziehlicher und sozialer Richtung wichtige gesundheitliche Hezw. körperliche Kräftigung der Volksschülerinnen gerichtet, und zu deren Erreichung die Einführung des Turnens und Spielens als verbindlichen Unterrichtsgegenstand in den Plan der gesamten weiblichen Volksschulen erbeten wird.
— Der Breslauer Fürstbischof Kardinal Kopp hat der „Schles. Ztg." zufolge angeordnet, daß alle neugeweihten Priester einen sechswöchigen Kursus au einem preußischen Lehrerseminar besuchen, damit sie einen Einblick in den Unterrichtsbetrieb der Volksschule gewinnen. Die Anstaltsleitung stellt über den Besuch eine Bescheinigung aus, die bei dem Pfarrexamen vor- zulegen ist. Vom Jahre 1905 ab wird zu dieser Prüfung niemand zugelassen, der sich über den Besuch jenes Juformationskursus nicht ausweisen kann. In den evangelischen Landeskirchen ist der Seminarkursus bekanntlich schon lauge vorgeschrieben.
— Anläßlich der Wiederkehr des Tages, an dem Vor 25 Jahren das Panzerschiff „Großer Kurfürst"
gereist war; nach wenigen Tagen war er daselbst von neuem aufgetaucht und hatte in einem Bankhaufe gegen Guldenscheine französisches Gold eingewechselt, mithin hatte er sich nach Paris begeben.
Die Verfolger wandten sich dahin; Schwarz setzte sich mit der Pariser Polizei in Verbindung; man fand die Spur des Gesuchten; er selbst war aber vor wenigen Tagen abgereist. In dem Hotel, wo er gewohnt, hatte er angegeben, daß er nach Brüssel gehe und dort deuteten alle Anzeichen daraus hin, er müsse Ostende aufgesucht haben.
Die Fremdenliste des Kurortes wies seinen Namen und seine Wohnung auf; schon einen ganzen Tag folgten ihm Erna und Schivarz, welche die Polizei benachrichtigt hatten und die in einiger Entfernung ein paar Polizisten in bürgerlicher Kleidung begleiteten, wie fein Schatten, um die schickliche Gelegenheit zu erspähen, den Verbrecher dingfest machen zu lassen.
Sie hatte sich ihnen in der Konditorei in einer Weise geboten, wie die Verfolger nicht, zu hoffen gewagt.
8.
Die Schwurgerichtsperiode in G ... - hatte begonnen, und der Tag war angebrochen, an welchem die cause celebre derselben, der an Herrn von Reh- seld auf Rehfelde verübte Mord, zur Verhandlung kommen sollte. , ,
Lange vor der für den Beginn der Sitzung anbe- ramnten Stunde war das Gerichtsgebäude von dichten
Jahrgang
bei Folkestone mit 269 Mann untergegangen war, hatte der Marineverein „Prinz Adalbert" in Wilhelmshaven die fünf in der Garnisonkirche angebrachten Gedächtnistafeln mit Guirlanden bekränzt. Eine Deputation des Vereins nahm am Gottesdienst teil. Die Predigt hielt Marinepfarrer Hünemörder über den Text „Die Liebe höret nimmer auf." Zur Schmückung des den Gebliebenen gesetzten Denkmals auf dem Friedhof zu Folkestone hatten die Marinestation der Nordsee und die 2. Matrosen-Division Trauerkränze dorthin geschickt.
— Als Kriegshunde wurden bei dem Garde-Jägerbataillon in Potsdam seit Jahren Jagdhunde ausgebildet. Es hat sich aber laut N. A. Z. herausgestellt, daß die langhaarigen schottischen Schäferhunde sich besser für diesen Zweck eignen, weil sie mehr Ausdauer und Energie entwickeln, sich auch bei ihren Botendiensten nicht durch Wild ablenken lassen. Die Jagdhunde werden deshalb durch schottische Schäferhunde ersetzt.
Ausland.
— Das Städtchen Windischgraz in Steiernark ist am 10 Mai von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht worden, die 77 Gebäude vernichtete und über r>00 Einwohner obdach- und mittellos gemacht hat. Die Bevölkerung hat sich bisher nur unter den größten Opfern slovenischen Gebiets deutsch erhalten; gelingt es aber nicht, die zerstörten Wohnstätten zu erbauen, so verliert die Stadt ein Drittel ihrer Personen, die Brandstätten werden durch Slovenen erworben, und Windischgraz hat aufgehört, eine deutsche Stadt zu sein. In dieser Notlage wendet sich die von so schwerem Unglücke betroffene Bevölkerung der Stadt Windischgraz hilfesuchend an ihre Brüder im Deutschen Reiche. Etwaige Spenden bittet man an das Stadt- ämt Windischgraz in Steiermark einsenden zu wollen.
— Eine Milderung der russischen Judengesetze wird dem „B. T." aus Petersburg berichtet: Die Gesetz- sammlunK vom Mittwoch veröffentlicht in Abänderung des Gesetzes vom 1882 eine Liste von 101 Ortschaften. ; in denen Juden das freie Wohnrecht und Grunderwerbungsrecht zugesichert wird. Anderseits wird den Juden temporär verboten, außerhalb des Gebietes, wo ihnen die Ansiedelung gestattet ist, Grundkäufe ab- zusch ließen.
— Während eines Sturmes ist die britische Barke „Foyledale" gescheitert. 12 Personen büßten hierbei das Leben ein. Die chilenische Barke „Chivilingo," das Baggerschiff „Holenda" und einige Schaluppen erlitten ebenfalls Schaden. Der Dampfer der Pacific- Kompany „Arequipa" ist ebenfalls untergegangen. Die „Arequipa" hatte 80 Personen an Bord. Der Kapitän, seine Frau, die Offiziere und der größte Teil der Mannschnft sind umgetommen.
Menschengruppen umgeben, die sich keineswegs aus der Hefe der Bevölkerung zusammensetzten, sondern in denen man gutgekleidete Herren und Damen der besseren Gesellschaft bemerkte. Der Wunsch, sich einen möglichst guten Platz in dem voraussichtlich überfüllten Saale zu sichern, hatte sie frühzeitig hergetrieben, und sie harrten im Sonnenbrände oder unter dem Schutze eines vorspringenden Daches oder Türbogens, bis sich ihnen die Pforten austun würden, während andere Bevorzugte auf Nebenwegen schon Einlaß gefunden hatten.
Innerhalb wie außerhalb des Gerichtsgebäudes herrschte aber die lebhafteste Unterhaltung. Aus M . . und der Umgegend waren Neugierige in großen Scharen herbeigekommen, die bis zu dem Momente, wo sie selbst Hörer sein würden, die Rolle der Erzähler übernommen hatten und mit wichtiger Miene berichteten, was sie von der Jugendgeschichte des Angeklagten wußten, an dessen Schuld Niemand zweifelte, für den man aber trotzdem ein aus Grauen und Mitleid gemischtes Interesse empfand.
Die großen Türen des Gerichtsgebäudes wurden geöffnet; die glücklichen Eigentümer von Karten beeilten sich, zu ihren Sitzen zu gelangen, wodurch sich die draußen stehende Menge indes nicht sichtlich verminderte, und diese unterhielt sich nun damit, die sich einfindenden Geschworenen und Zeugen zu mustern.
(Fortsetzung folgt.)