gebnis des Vorgehens gegen die aufständischen Alba- nesen zufrieden fei.
— Die bulgarische Regierung ist bemüht, eine diplomatische Intervention gegen die anscheinend übertriebenen Massenverhaftungen in den Provinzen herbei« zuführen. Die Türken bezeichnen den Zweck der Verhaftungen die Unterdrückung des Treibens des Komitees, wobei es unvermeidlich sei, daß unbewußt auch Unbeteiligte getroffen würden. Nach türkischen Angaben wurden bisher 47 oppositionelle albanesische Chefs und Notabeln im Vilajet Uesküb verhaftet.
— Nach einer Meldung aus Sofia wurde dort ein Komplott gegen das Leben des Fürsten Ferdinand von Bulgarien aufgedeckt und im letzten Augenblick vereitelt. Die Stellung des Fürsten wird immer unhaltbarer.
— Die ganze Mandschureifrage, welche der Jntre grität Chinas und die Aufrechterhaltung des Grundsatzes der offenen Tür auch) für zukünftige Gebietserweiterungen einschließt, ist verwickelter als vor einigen Jahren. Die russischen Streitkräfte in der Mandschurei sind stärker als jemals während der Besetzung der Mandschurei. Am Liav-Jang bauen die Russen Baracken, die groß genug sind, um eine ganze Armee aufzunehmen.
— In der Washingtoner Postverwaltung ist ein großer Skandal ausgebrochen. Der Postverwalter Mach wurde in Haft genommen unter der Beschuldigung, von einem Lieferanten ein Geschenk von 20000 Dollar für die Zuwendung eines Auftrages zur Anfertigung von Briefkasten angenommen zu haben. Weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Präsident Roosevelt erklärte, er sei fest entschlossen, die ganze Verwaltung von solchen Elementen ohne jede persönliche Rücksicht zu säubern.___ ______ ______
Lokales und provinzielles.
* Schlächtern, 2. Juni 1903.
—* Seit dem Himmelfahrtstage hat ununterbrochen ein schönes Sommerwetter geherrscht. Der Himmel bezog sich zwar oft genug mit dichtem Gewölk, und eine' schwüle Temperatur in den Nachmittags- und Abendstunden ließ auf den Ausbruch eines Gewitters rechnen, aber es ist weder zu Niederschlägen, noch zu einem Gewitter gekommen. In unvermindeter Weise strahlte die Sonne überaus warm vom Himmel, wobei die Wärme vom Himmelfahrtstage an täglich zunahm. Die Psingstfeiertage waren vom herrlichsten Wetter begünstigt.' Am 2. Festtag standen mehrere Gewitter am Himmel, gegen Mittag erfrischte öfterer Regen die lechzenden Menschen, Tiere und Pflanzen, so daß am Nachmittag bei herrlichsten Wetter alles frisch und fröhlich unseren prächtigen Wäldern zuströmen konnte. Der Besuch von Fremden war ein recht guter. Auf dem Azisbrunnen vergnügte sich Jung und Alt beim Spiel und Tanz in munterer Freudigkeit und labte sich an dem erfrischenden „Thaler'schen Stoff", der ganz vorzüglich eingebraut war.
—* Der Arbeiter Urbach von hier wurde am Sonnabend als Leiche aus der Kinzig gezogen. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Urbach hinterläßt eine Frau mit zwei unmündigen Kindern.
Nach § 8 der unterm 31. Dezember 1901 vom Herrn Minister für Handel und Gewerbe genehmigten Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens in Handwerksbetrieben sind alle Lehrherren, welche keiner Innung angehören und Lehrlinge halten, bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 20 Mark verpflichtet, sämtliche Lehrlinge unter Einreichung eines Exemplars des von der Kam vier vorgeschriebenen Lehrvertrages und unter portofreier Einsendung der Einschreibgebühr in Höhe von 1,50 Mk. für jeden Lehrling bei der Handwerkskammer anzumelden. Ebenso sind die Lehrlinge bei Aufgabe des Handwerksbetriebs, bei Ablauf der Lehrzeit, bei vorzeitiger Lösung des Lehrverhältnisses usw. abzumelden. Bei Beendigung der Lehrzeit etwa 4-6 Wochen vor Entlassung aus der Lehre haben sich die Lehrlinge zur Ablegung der Gesellenprüfung bei dem zuständigen Prüfungsausschuß anzumelden und zwar ebenfalls bei Vermeidung einer Strafe bis zu 20 Mk. Außerdem kann der Lehrherr wegen Vernachlässigung seiner Pflicht, den Lehrling anzuhasten, sich der Gesellenprüfung zu unterziehen, gerichtlich bis zu ISO Mk. oder 4 Wochen Haft bestraft werden. §§ ' "1 c und 118 3’% 9 der ReichSgewerbe- ordnung. Söhne, welche bei ihren Vätern lernen, sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Anmeldeformulars, das von der Kammer unentgeltlich zu beziehen ist und unter Einsendung der Einschreibgebühr bei der Kammer anzumelden und zwar gleichfalls bei Vermeidung der oben angedrohten Strafe
" - Die Pflege der Blumen wirkt veredelnd auf das Gemüt. Den Kindern verschafft es einen angenehmen Zeitvertreib, wenn sie ein Gärtchen oder auch nur einige Blumentöpfe zugcwicsen bekommen, worin sie nach Beliebet! Gewächse pflanzen können. Wie freuen sich da die kleinen Blumenfreunde, wenn das zarte Pflänzcheu aus der Erde herworlugt, wenn es von Tag zu Tag üppiger wird und schließlich die Blüte entfaltet.
* Der Tapezierlehrling Ehscr, der Fabrikarbeiter Rehm, der Fabrikarbeiter Gothe, der Buchdruckerlehrling Doll und der Malerlehrling Link, sämtlich von Fulda, nicht über 16 Jahre alt und nicht vorbestraft wurden am 29. Mai von der Strafkammer in Fulda verurteilt: Ehser 6 Jahre Gef. 3 Wochen Haft, Nehm 1 Jahr 9 Mon. Gef. 6 Wochen Haft, Doll 3 Mon. 14 Tage Gef. und 3 Wochen Haft, Link 1 Jahr 7 Mon. Gef. und 3 Wochen Haft. Mildernde Umstände wurden den Angeklagten nicht bewilligt, da sie sämtliche Diebstähle in raffinierter Weise ausführten, und haben sie es nur ihrer Jugend zu verdanken, daß sie nicht zu Zuchthausstrafen verurteilt wurden.
* Es steht nunmehr fest, daß der Kaiser und die Kaiserin am 3. Juni, abends 7.10 in Frankfurt a. M eintreffen und nach Besichtigung der Illumination, etwa um 9.40 nach Wiesbaden fahren werden. Der Hauptbahnhof in Frankfurt ist im Innern und Aeußeren mit lebenden Pflanzen, Dekorationen, elektrische Glühlampen usw. geschmückt.
* Der bischöfliche Kommissar Dr. Hilfrich erläßt eine Bekanntmachung, wonach „Kraft bischöflicher Bevollmächtigung für die Quatembertage der Pfingstwoche innerhalb des Stadtbezirkes in Frankfurt a. M., soweit er zur Diözese Limburg gehört, vom Fasten und Abstinenzgebot diejenigen Katholiken dispensiert werden, die veranlaßt sind, außerhalb des Hauses Speisen zu genießen, sowie auch die, welche zu Hause Festgäste mit zu Tische haben.
* Zu den Festspielen in Wiesbaden trifft außer dem Kaiserpaar auch die Schwester des Kaisers, Prinzessin Viktoria von Schaumburg-Lippe, ein. Auch die regierende Fürstin von Schaumburg-Lippe wird von Schwalbach, wo sie zur Kur weilt, herüberkommen. Ferner trifft mit dem Kaiser der junge Herzog von Koburg-Gotha ein und besucht mit dem Kaiserpaar von Wiesbaden aus den Sängerwettstreit in Frankfurt.
* Bei der Lehrerprüfung am Königl. Lehrerseminar zu Fulda erhielten nachbeuannte Herren Lehrer die Berechtigung zur definitiven Anstellung: Atzert-Sargen- zell, Bierwirth - Willenroth, Laster - Cassel, Kr. Geln- Hausen, Kramer-Eckardroth, Erb-Schletzenhausen, Hamm- Kerbersdorf, Homann - Somborn, Kalb-Rudolfshan, Sack - L-indersfeld, Strecker - Rüst und Thielemeier- Oberode.
* Die Hessische Genossenschaft von Johanniter- Rittern hielt am 29. Mai unter dem Vorsitze des Herrn Grafen Görtz zu Schlitz im Hotel zum Kurfürsten in Fulda eine Versammlung ab, an der etwa 25 Herren teilnahmen, u. a. auch Herr Regierungspräsident v. Trott zu Solz aus Cassel.
* Wie aus Danzig gemeldet wird, ist von der dort tagenden Deutschen Gesellschaft für Volksbäder die Einladung der Stadt Cassel, den nächsten Kongreß im Jahre 1904 in Cassel abzuhalten, angenommen worden
* Die diesjährige Hauptversammlung des „Nassauischen Städtetags" wird unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters von Jbell - Wiesbaden am 26. und 27. Juni d. J. in Weilburg a. L. abgehalten werden.
* Zwischen Niederhoue und Albungen hatte eine zahlreiche Zigeunergesellschaft ihr Lager aufgeschlagen. Ein finger Radler ausEschwege passierte in der neunten Abendstunde diese Stelle; er wurde von den Zigeunern angehalten und um Geld angesprochen. Da der Radier ruhig weiter fuhr, warf sich ein Zigeuner- aufs Pferd und verfolgte den Radfahrer. Dieser warf eine Düte voll Zigarren hinter sich, welche der Wegelagerer aufhob Durch diese List erhielt der Verfolgte einen Vorsprung und konnte sich in Sicherheit bringen.
* Ein Trupp Zigeuner, der den Ort Rönshausen passierte, machte mit einem dortigen Bauern einen der beliebten Pferdetauschhändel, wobei eine Zugabe von 100 Mk. erzielt wurde. Der Landwirt aber, schlau, wie er war, gab vorläufig nur lO Mk. Draufgeld, um den Rest erst nach einigen Wochen zu zahlen, wenn sich das Zigeunerpferd als fehlerfrei erwiesen habe. Wohl oder übel mußten die Zigeuner sich mit dieser Nachbedingung einverstanden erklären. Wer beschreibt aber das Erstaunen und den Schreck des Landwirts, als die braunen Gesellen mit ihren sämtlichen Wagen auf den Hof desselben gerückt tarnen und _ erklärten, daß sie hier das Ende der festgesetzten Probezeit von einigen Wochen abwartcn wollten. Die Zigeunerfrauen mit ihren zahlreichen Kindern waren bald in Küche und Keller, Stall und Scheune wie zu Hanse und versorgten sich reichlich mit allem Notwendigen; unser Laudmann wußte kein anderes Mittel, sich die unge- bewuen, lästigen Gäste schleunigst vom Halse zu schaffen als ihnen den Restbetrag von 9) Mk. sofort auszu- zahlen. Mit diesen zogen die schlauen Händler, vergnügt über^den gelungenen Streich, eiligst von bannen.
Zu Nassau wollte die 60 jährige Schwiegermutter des Likörfabrikanten Gics mit Petroleum Feuer an-- zünden. Es entstand eine Explosion und die Frau erlitt solche Brandwunden, daß sie trotz rascher Hilfe nach zwei Stunden starb.
* Durch einen entschlossenen Akt her Selbsthilfe bat sich der Schrcinermcister H. in Hofgrismar vor c^chadcn bewahrt. Bei demselben Ivar seit einigen Tagen ein fremder Geselle in Arbeit. Am Freitag
ging er nun unter Mitnahme von etwa 100 Pfund Wurstwaren durch. H. glaubte, daß der Durchbrenner in der Richtung nach Westfalen gefahren sei und fuhr daher bis Warburg, ohne indessen eine Spur von ihm zu finden. Auf der Rückfahrt sah er vom Zuge aus den Spitzbuben auf der Hümmer Straße, ein Bündel tragend. Zu Hause angekommen, fuhr er ^mit dem Rade schleunigst nach und holte ihn hinter Trendelburg ein. Er nahm ihm seinen Raub ab und übergab dem Burschen der Polizei.__________________________________
Nermischtes.
— Forstaffessor Hertel der am 23. d. M. abends int Walde auf Waldwärter Röder, den er für einen Wilderer hielt, schoß und diesen tötete, ist nunmehr seiner Verletzung ebenfalls erlegen. Röder hatte seinen Vorgesetzten ebenfalls für einen Wilderer gehalten und rötlich verwundet.
— Bei einem Ehepaare in Königslutter bei Helmstedt unternahm die Frau in der Nackt den Versuch, ihren sriedlich schlummernden Eheherrn durch Aufhängen ins Jenseits zu befördern. Doch dieser erwachte und verwandte den Strick bei seiner Frau zu einer radikalen Verleitung etwaiger Wiederholungen solcher „Beförderungsversuche"'
— Ein Felssturz im Ledrotale in Tyrol zerstörte ein Haus und verschüttete eine Straße.
— Am 28. Mai ist mit dem Abbruch der alten Rheinbrücke in Basel begonnen worden. Sie wurde in den 20er Jahren des 13. Jahrhunderts von Bischof Heinrich von Thun erbaut und blieb Jahrhunderte lang von Konstanz bis zum Meere die einzig feste Verbindung der beiden Rheinufer.
— Eine zerstückelte Frauenleiche wurde dieser Tage int Genueser Hafen gefunden. Die einzelnen Teile waren in Papier gewickelt und in einer Kiste verpackt, welche auf den Wellen trieb. Die sofort eingeleiteten eifrigen Nachforschungen der Polizei verliefen in Genua erfolglos. Aber in Mailand meldete am 26. Mai ein Hausbesitzer, daß der bei ihm wohnende Buchhalter Joseph Oliva jeit einigen Tagen ein verstörtes Wesen zeige und daß dessen Gattin seit dem 16. Mai nicht mehr zu sehen sei. Daraufhin begab sich ein Polizeibeamter zu Oliva und dieser gestand während der Nacht vom 16. zum 17. Mai seine Gattin getötet und ihre Leiche fortgeschafft zu haben. Wie die Leiche nach Genua kam, ist noch nicht aufgeklärt.
Letzte Nachrichten.
— Zum Pfingstfest war die gesamte kaiserliche Familie im Neuen Palais bei Potsdam versammelt.
— Das deutsche Geschwader unter Prinz Heinrich ist von Vigo, Spanien, nach Kiel adgegangen.
— In Philadelphia streiken 100 000 Textilarbeiter, 600 Fabriken sind geschlossen.
— In Gaineso lle, im nordamerik. Freistaat Georgia, erhob sich ein gewaltiger Wirbelsturm, welcher viele Gebäude niederriß. Ueber 200 Menschen sind getötet. Lebensversicherungs- u. Ersparnis-Bank in Stuttgart.
(Alte Stuttgarter, gegr. 1854.)
Der Rechnungsabschluß der Lebensversicherungsund Ersparnis-Bank (alte Stuttgarter) für das Jahr >902 weiften einen Gesamtüberschuß von Mk. 8371 880 aus, den höchsten, welchen die Bank bisher erzielt hat. Auf die Todessallversicherten entfällt davon die Summe von Mk. 8317153, d. i. 34,7% der gewinn- berechtigten Prämien (im Vorjahre 33,8° 0). Der Rest mit Mk. 45727 gehört der Gruppe der Altersversicherten. Dieses außergewöhnlich günstige Resultat ist hauptsächlich die Folge der im Berichtsjahre besonders niedrigen Sterblichkeitsziffer. Während der durchschnittliche Zinsertrag mit 4,lu°/0 des Vermögens und die Verwaltungskoften mit 5,0% der Gesamteinnahme sich ganz auf der Höhe des Vorjahres gehalten haben, war die Zahl der Sterbefälle prozentuell die niedrigste verletzten 30 Jahrc; die Sterblichkeit blieb um 33,7% gegen die rechnungsmäßig zu erwartende zurück, so daß hieraus eine Ersparnis von Mk. 2984 754 verblieb. Bemerkenswert niedrig war der Prozentsatz der durch Kündigung, Nichtzahlung der Prämie 2C. erfolgten vorzeitigen Austritte. Er ging im Berichtsjahre wieder auf die Nörm von 0,%% der im Laufe des Jahres auf den D Wesfall versichert gewesenen Summen zurück, nachdem er selbst in den sehr kritischen Jahren 1900/01 die Höhe von 1,04% nicht überschritten hatte; ein Beweis, daß die Versicherten durch die Werbetätigkeit der Organe der Bank nicht zum Abschluß von zu hohen Summen gedrängt werden. — Zur späteren Divivendenoerteilnug an die Todesfallversicherteu stießen »ach dem Vorschlag des Verwaltungsrates von dem oben angeführten Ueberschuß Mk. 7637411 in die Gewinnreserve; an die Allgemeine Reserve wird der Betrag von Mk. 60000 abgezweigt, wodurch sich dieselbe auf Mk. 4 700000 erhöht; Mk. 49 711 werden der Kurausglcichnngsreserve ' und Mk. 30 000 dem Pensionsfonds der Bankbeamten zugewiesen. Das Gesamtvermögen der Bank stellt sich damit Ende 1902 auf Mk. 212 529195, wovon Mk. 38 505 857 auf Wra- und Divdeudenreserven entfallen,