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Erschiint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 30. Mai 1903.

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fliest dunkle Nacht! Aus Molkenritzen Lugt morgenkühn der junge Tag And küßt mit Purpurmund die Spitzen Der fernsten Gipfel, Hain und Haag. Das ist ein Glühen und ein Blühen Don Tal zu Berg, von Berg zu Tal, Das ist ein Licht- und Liebe-Sprühen - - Ein Bluterguß vorn heil'gen Graal I

0 Psingsttags goldner Zaubermorgen, Wie wirkt dein Wunder Lebenslust, Wie kühlt dein Obern Sehnsuchtsforgen In müd' gequälter Menschenbrust! Dorn Himmel schwebt auf Andachts- schwingen

Ein süßes wundermildes Lied Das will sich in die Seele singen, Der Lenz und Hoffnung abgeblüht!

Das soll geheimnisvoll verkünden Ein ewig Werben und Vergeh», Wenn wir das Wie? auch nie ergründen- Ein Wechseln ewig und Entsteh»!

Was vor Jahrtausenden gewesen^ , Uralter Sterne Dämmerlicht

Am Firmamente kannst du lesen: Es ging der Welt verloren nicht!

Was du gepflanzt in deinen Tagen, Von Aind zu Enkeln zweigt es fort, Wirb Blatt und Frucht und Blüte tragen, Bis einst der letzte Stamm verdorrt. Wenn da der engste Areis vollendet, Der letzte Stern zertrümmert glüht, Dann hat der Winterschlaf geendet, Und neues Leben neu erblüht.

Dann ist der Menschheit Pfingsten kommen, Den neuen Lauf beginnt die Welt Bis wieder ihre Glut verglommen Und wieder sie zufammenfällt. G psingsttags goldner Zaubermorgen, Wie wirkt dein Wunder Lebenslust, wie kühlt dein Obern Lehnfuchtsforgen In müd' gequälter Menschenbrust!

Pfingsten.

Groß sind die Wunder der Natur, wunderbar groß und schön, vollends in dieser Sommerzeit. Ein Morgen- rot der Ewigkeit liegt verklärend über der vergänglichen Herrlichkeit dieser Erde ausgegossen, sobald wir bedenken, daß alle die Kräfte, welche in diesen Sommertagen so geheimnisvoll, rastlos und unaufhaltsam wirken, «uS dem göttlichen Urquell stammen, von dem wir sagen: In ihm leben, weben und sind wir."

Es gibt aber eine Welt, weit mächtiger und reicher als alle Kräfte und Gaben der Natur: Die Welt des Geistes. Siegreich geht der Geist der Erkenntnis, der Geist der sittlichen Tatkraft durch die Geschichte, die Natur zu beherrschen. Das größte Siegesfest des Geistes feiern wir aber an Pfingsten. Es ist der Ge­burtstag der Kirche, der neuen christlichen Zeit. Seit dem ersten Pfingstfest gibt der Geist Gottes unter den Völkern Zeugnis vom Pater und vom Sohne. Die Geisteskräfte unseres Glaubens sind zur ersten Welt- macht geworden. Was an jenem Pfingsttag sinnbildlich zu einer Weissagung geschah, als die Apostel in fremden Zungen redeten und ein jeder seine Sprache hörte, das ist heute erfüllt: unter allen Völkern und in allen Sprachen wird gepredigt vom Namen des dreieinigen Gottes. Der Geist wehet, wo er will. Wenn er nur auch unter unserem Volke wieder kräftiger wehte! Wir sind mächtiger, reicher, gebildeter denn je: aber viele sind ärmer an Geist, ärmer als ihre Väter. Es fehlt uns der Geist Gottes, der Geist der Liebe, der die Völker und Stände einmütig lässet beieinander wohnen, der Geist des Gottvertrauens, das an schweren Tagen nicht verzagt, der Geist der Treue, der den Menschen um Gotteswillen -dient, der Geist der-Dankbarkeit, der die Güter des Lebens mit fröhlichem Herzen genießt, aber vor allem reich werden möchte in Gott. Das ist der Geist der Pfingsten. Wenn dieser Geist wieder mehr in unsere Herzen regierte/ dann hätte das deutsche Volk sich selbst, seinen Gott wiedergefundeu, dann könnten wir von dem Stücklein Erde, das wir in treuer Liebe unser Vaterland nennen, erst recht mit dem Dichter sagen:

O wunderschön ist Gottes Erde

Und wert, darauf vergnügt zu sein.

Deutsches Deich.

Seine Majestät der Kaiser ist am 26. Mai Nachmittag an der Schichau'schen Werft in Danzig eingetroffen, worauf alsbald das Linienschiff J glück­lich vom Stapel lief, nachdem der Statthalter Fürst Hohenlohe-Langenburg das SchiffElsaß- getauft hatte. Nach kurzer Besichtigung der Schichau'schen Werft begab sich der Kaiser zur kaiserlichen Werft. Später fuhr er nach Langfuhr zum Besuch des Offizier-

54. Jahrgang. iiiiwiHMnw^ n

korps der Leibhusarenbrigade. Um HN1 llhr erfolgte die Rückfahrt nach Potsdam.

Der Kaiser sprach am Mittwoch nach der Fest­vorstellung im Foyer des königlichen Opernhauses die auf seinen Wunsch in Berlin eingetroffenen sämtlichen kommandierenden Generäle, respektive deren Vertreter. Reichskanzler Graf Bülow, welcher der Festvorstellung ebenfalls beigewohnt hatte, nahm auch an den Unter­redungen teil. Donnerstag vormittag 7'/, Uhr unter­nahm der Kaiser einen Spazierritt über Barnim und das Bornstedter Feld und hörte von 9 Uhr an die Vorträge des Stellvertreters des Kriegsministers Generalleutnant von Einem, des Obersten von Oertzen in Vertretung des Chefs des Militärkabinets und des Chefs des Generalstabes der Armee, Generaladjutanten von Schliessen.

- Einen Ausspruch des Kaisers über die Not­wendigkeit des konfessionellen Friedens innerhalb der deutschen Bevölkerung teilte der bayerische Zentrums­führer Frh. v. Hertling in der Wahlversammlung zu Münster mit. Er glaube, sagte Frh. v. Hertling, nicht indiskret zu sein, wenn er hier auch einmal öffentlich ausspreche, was er bisher nur im engeren Kreise erzählt habe, nämlich, daß der Kaiser in einem Gespräch einmal zu ihm gesagt habe:Wir können uns doch nicht Wie unsere Altvordern über religiöse Fragen die Köpfe einschlagen, Wir müssen doch friedlich miteinander leben!"

Prinz Heinrich unternahm am 26. Mai von Madrid einen Ausflug nach Escorial. Im Kloster ,and ein Frühstück zu Ehren des Prinzen statt, Worauf dann die Rückfahrt nach Madrid erfolgte.

5n_ der Taufrede auf das neue Linienschiff

führte der Statthalter Fürst Hohenlohe- Langenburg u. a. aus:

In glorreicher Zeit ist dieses altdeutsche Land nach langer Trennung vom Vaterlande durch Gottes all­mächtige Fügung und Kaiser Wilhelms des Großen starke Hand wieder mit Deutschland vereinigt worden und blickt mit sicherem Vertrauen zum mächtigen Schirmherrn des Deutschen Reiches empor. Der Tauf­akt bekräftigt von neuem, daß das, was wir vor einem Menschenalter in heißem Ringen erworben haben, für alle Zeiten durch ein neues Band fest mit uns vereint bleibt. Wie dieser mächtige Bau im Frieden wie int Kriege der hehren Flagge unseres erhabenen Kaisers stets Ehre bereiten wird, so wird auch das Elsässer- land immer fester zu Kaiser und Reich stehen.

Fähnrich Hüssener wurde wegen Ungehorsam gegen einen Dienstbefehl, betr. Behandlung betrunkener Untergebener, und wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange zu 4 Jahren und 1 Woche Gefängnis und Degradation verurteilt.

Wie derKöln. Zeitung" aus Shanghai tele­graphiert wird, gingen am 24. Mai an Bord des

Mne ^sehzEitSvetse.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Nachdruck verboten)

Fortsetzung.

Erna war mit Wecker nach,Berlin gereift, um den Versertiger des Totenfchädels aufzusuchen. Sie nahmen zuerst ihre Zuflucht zum Adreßbuch und fanden int Verzeichnis der Elfenbeinschnitzer auch mehrere, auf welche die Buchstaben C. B. paßten; sobald sie sich aber mit ihnen in Verbindung setzten, sahen sie sich getäuscht. Keiner von allen konnte sich erinnern, je ein solches Stück gefertigt zu haben, und jeder gab es mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück, daß es nicht aus seiner Werkstatt hervorgegangen sei, da nur ein in seinem Fache äußerst geschickter Arbeiter ein Kunstwerk von solcher Feinheit zu liefern im Stande gewesen fein könne.

Einige Tage waren so im fruchtlosen Suchen ver- S, da nahm Wecker die Hilfe eines Mannes in ich, der bei der Geheimpolizei tätig war, mit besonders schwierigen Fällen betraut ward und eine große Lokal- und Personenkenntnis besaß. Der alte Schwarz hatte den kleinen Totenschädel kaum gesehen, so nickte er bedächtig und sagte:

»Ich glaube es wohl, daß es Ihnen schwer werden soll, den Mann, der das gemacht hat, in Berlin auf- zufinden; er war eben zu geschickt und büßt jetzt, in Brandenburg auf hep; Zuchthause die Kunst ab, falsche

Kassenscheine verfertigt zu haben, die nur ein sehr geübtes Auge von echten unterscheiden konnte."

Wenige Stunden später waren Erna und Wecker in Begleitung des alten Inspektors Schwarz bci dem Direktor des Zuchthauses in Brandenburg, der ihnen, nach dem er erfahren, um was es sich handelte, sofort eine Unterredung mit dem ehemaligen Elfenbeinschnitzer und Graveur Carl Becker gestattete.

Die Augen des Sträflings glänzten, als man ihm den kleinen' Totenschädel zeigte; er nahm ihn in die Hand, betrachtete von allen Seiten, strich wie liebkosend mit den Fingern darüber hin und murmelte:Ja, ja, das habe ich gemacht; so leicht macht es mir keiner nach."

Für wen? Für wen?" fragte Erna atemlos.

Für einen feinen Herrn; ich glaube, er war aus Oesterreich.

Wie hieß er? fragte der Inspektor.

Weiß nicht nichr", erwiderte der Sträfling frei­mütig;was kümmert es mich."

Besinnen Sie sich!" flehte die junge Frau; es kommt uns sehr, sehr viel darauf an, den Namen zu erfahren. Wir wollen es Ihnen vergelten."

Der Sträfling ließ ein kurzes heiseres Lachen hören.Was könnten Sie mir geben? Können Sie mir die Freiheit verschaffen? Können Sie mir aus- Wirfen, daß ich wieder arbeiten kann nach meinem Gefallen?" _ . ..

^n mußt den Namen gewußt haben; denn die

Anfangsbuchstaben stehen darauf", mahnte der Inspektor; aber der Sträfling hörte ihn gar nicht, seine Augen waren starr auf den Totenschädel gerichtet.

Wer ein Mal, ein einziges Mal nur wieder so etwas machen könnte!" stieß er halblaut hervor. Er schien ganz vergessen zu haben, wo er sich befand, und daß er nicht allein war.

»Du sollst es," rief der Direktor.Ich verspreche Dir Elfenbein und Werkzeug für deine Freistunden, wenn Du uns den Namen nennst."

Der Sträfling fuhr empor, ein Zittern ging durch feine Glieder, seine dumpfen Züge belebten sich.Sie versprechen es mir, Herr Direktor?"

»J-h gebe Dir mein Wort. Aber besinne Dich."

Der Name! Der Name!" stöhnte der Sträfling und legte die Hand an die Stirn.Ich habe ihn gewußt; ich weiß ihn noch; er sitzt mir auf der Zunge aber ich kann ihn nicht finden!"

Er wand sich, als ob ihn das vergebliche Sinnen einen körperlichen Schmerz bereite; große Schweißtropfen- traten ihm auf die Stirn.Ich finde ihn nicht!" jammerte er.

Die drei Herren und Frau v. Rehfeld sahen dem Kampfe, den der Arme mit seinem widerspenstigen Gedächtnis führte, in Erwartungsvoller Spannung zu und die Letztere litt Folterqualen.So nahe dem Ziele und doch verloren!" flüsterte sie.Wenn man ihm nur Helfen könnte."

(Fortsetzung folgt.)