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54. Jahrgang.

Mittwoch, den 27. Mai 1903.

Erschtint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Bestellunqen « «s

1 ' fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenommen.

Amtliches.

Die Herren Bürgermeister zu Ahl, Marjoß, Neuen- gronau, Niederzell, Sarrod und Wallroth werden an die sofortige Einsendung der Empfangsbescheinigung über die ausgehändigten Gestellungsbefehle zum Ober- Ersatzgeschäft bei 3: Mk. Strafe erinnert.

Schlüchtern, beir 25. Mai 1903.

Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission:

J. V.: Goerz.

Dckanntmachnng.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, das der bisher als .Amtstag geltende Dienstag einer jeden Woche bis 'aus weiteres zufolge Verfügung Kgl. Regierung vom 1. Mai 1903 C. 3153 als solcher aus diesseitigen. Antrag - aufgehoben und nur der Montag einer jeden Woche als Amtstag vorbehalten worden ist.

An diesem Tage ist der Amtsinhaber stets während der üblichen Geschäftsstunden zu sprechen.

Schlüchtern, dew 11. Mai 1903.

Königliches Katasteramt. Müller.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist am 22. Mai in Pröhelwitz- Ostpreußen eingetroffen und vom Fürsten von Dohna- Schlobitten empfangen worden: Vom Bahnhöfe begab sich der Kaiser mit dem Fürsten nach dem Jagdschlösse.

Die diesjährige Nordlandsfahrt des Kaisers soll angeblich 2 Monate dauern, also länger als ^aft

Prinz Heinrich begab sich am 21. Mai mit seinem Adjutanten in Vigo an Land und stattete dem Bürgermeister und dem Gouverneur einen Besuch ab. Die militärischen Ehren erwies eine Kompagnie Infanterie. Der Prinz fährt von Vigo direkt nach Madrid und wird, am 27. Mai nach Vigo zurückkehren. Das deutsche Geschwader verläßt am 29. Mai den Hafen.

An der Bonner Universität wurde die feierliche Einschreibung des Herzogs Karl Eduard von Koburg- Gothä vollzogen., Der Herzog wird Mitglied der Borussen, welchem. Korps auch Prinz Eitel-Friedrich von Preußen angehört.

Bei der Immatrikulation des Herzogs von Koburg und Gotha hob der Rektor der Universität Bonn Geheimrat Zitelmann in längerer Ansprache hervor, daß der Herzog-zwar eine gute englische Er­ziehung genossen habe, daß die Erfüllung seines Be­rufes als deutscher. Fürst jedoch davon abhänge, daß

Line Hochzeitsreise Erzählung von' F. Arulfeldt.

^Nachdruck verboten)

' Fortsetzung.

, Nichtswürdiger Betrug! Unverschämte Prellerei!" tobte Günther in seiner Angst, alle Klugheit, vergessend. Der alte Bettler will ein Trinkgeld erpressen; ich habe nie ein solches Berloque besessen, nie eins ver­loren!" r

Aber ich habe ja den Schädel mehr als einmal an Ihrer Uhr gesehen", rief der Baron;warum verleugnen Sie ihn denn? Ihr Namenszug steht auch darauf: T. G. Theodor Günther."

Und mit Hülfe einer Lupe liest man auch die Worte: Lieber schlecht als arm," sagte der alte Herr, und sein Ton klang jetzt merklich fester und bestimmten

Es ist nicht wahr, er lügt!" schrie Günther und wollte den alten Miaun über den Haufen rennen; aber Herr von Sanden, der zuerst begriff, daß sich hinter diesem Auftritt ein tiefer Ernst bergen mühe, legte ihm schwer die Hand auf die Schulter und sagte: -Nicht von der Stelle, mein Herr, bis, Sie uns erklärt, weshalb Sie jetzt bestreiten, was SieZiorher, wenn auch widerwillig, zugaben; weshalb M: den Mann, der ihnen Ihr verlorenes Eigentum wieder zustellen will, wie einen Gauner und Betrüger be­handeln?"

»Villeicht, weil Herr Günther nicht gern an den

er bis ins Innerste deutsch werde. Eine Schule habe er in dieser Richtung schon gehabt: die deutsche Armee mir ihrer strengen Pflichterfüllung. Jetzt trete er in die zweite Schule: den Kreis einer deutschen Univer­sität. Dort gelte es vor allem sich zu erwerben: Achtung vor der geistigen Arbeit, daneben die fachliche Ausbildung für den Regierungsberuf und die Kenntnis von den Grenzen der eigenen Rechte.

Generalfeldmarschall Graf Waldersee hat seine Truppeuinspektionsreise in Württemberg am Mittwoch beendet, und sich hierauf zu etwa achttägigem Aufent­halt nach Baden-Baden begeben. Ueber Stuttgart wird er von Baden-Baden nach Hannover zurückkehren. Anfangs Juni trifft er zur Inspektion des 18. Armee­korps in Frankfurt a. M. ein.

Die Kabinettsordre, durch die dem 11. Ulanen­regiment in Saarburg der NameUlanenregiment Graf Haeseler" beigelegt wird, enthält eine außer­ordentliche Ehrung für den Verdienstreichen bisherigen kommandierenden . General des lothringischen Armee­korps. Im preußischen Heere tragen Truppenteile im allgemeinen nur den Namen von lebenden Personen, wenn es sich um Festlichkeiten handelt. Die einzige Ausnahme machte bisher das 9. Feldartillerieregiment Geueralseldmarschall Graf Waldersee in Jtzehoe (Schleswig-Holstein).

Nachdem auch der Bundesrat in seiner letzten Plenarsitzung der vom Reichstage in der vorigen Tagung genehmigten Novelle zum Krankeuversicherungs- gesetze seine Zustimmung gegeben hat, ist darauf zu rechnen, daß demnächst das Gesetz veröffentlich werden wird. Seine materiellen Bestimmungen, wie die über die Ausdehnung der Unterstützungsperpflichtung auf 26 Wochen usw., treten erst zum Beginn des nächsten Kalenderjahres in Kraft. Die Bestimmungen über die zu seiner Durchführung notwendigen Maßnahmen erhalten jedoch mit dem Tage der Verkündigung Geltung. Es werden deshalb in den nächsten Monaten verschiedene Instanzen wir die Vorbereitung der Durchführung der Novelle tätig sein müssen. In erster Reihe sind dazu die Krankenkassen selbst und die Aufsichtsbehörden zu rechnen, aber auch andere Organe werden in Tätigkeit treten müssen. So werden die Gemeinden dafür zu sorgen haben, daß künftig vor der Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne, die bekanntlich bei der Krankenversicherung eine Rolle spielen, Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitern vorhanden sind/ die über diese Löhne gutachtliche Aeußerungen abzugeben gewillt sind.

Nach dem Ergebnisse der letzten Volkszählung hat in der zweiten Halste des vorigen Jahrzehntes in Preußen die Zahl der Katholiken verhältnismäßig stärker zugenommen, als die der Protestanten. Ins­besondere ist die Zunahme der Schulkinder katholischer Konfession nicht nur relativ, sondern auch absolut

Ort erinnert wird, wo er das Berloque verloren hat," versetzte der alte Herr, anscheinend im harmlosen Tone.

Wo war das?"

In dem Koupee eines Eisenbahnzuges, der von Wien nach Berlin fuhr," erzählte der alte Herr, jedes Wort langsam betonend.Es war während der Nacht, ein Herr ward ermordet und beraubt; man fand den kleinen elfenbeinernen Schädel zwischen den erstarrten Fingern des Toten; er hatte, ihn in der Verzweiflung seinem Mörder von der Uhr gerissen."

Er lügt, er lügt, ich war es nicht, der andere, der mit mir fuhr, hat es getan, es war sein Dolch", stammelte Günther. Mit einem Schreckensschrei brach er ab. Aus der Grotte nebenan war langsam die Dame in Trauerkleidern getreten, schlug den Schleier zurück und zeigte ihm ein totenbleiches Gesicht.

Der Dolch gehörte dem andern, der Mörder warst Du; ich erkenne Dich. Mörder meines Gatten, wage es, auch mir tn^ Antlitz zu leugnen."

Günther stieß ein Wutgeheul aus und versuchte, noch einmal sich loszureißen; es war vergeblich. Zehn Hände streckten sich nach ihm aus und hielten fest. Keiner zweifelte nur einen Augenblick, daß er der Mörder sei; nicht nur den Totenschädel, nicht nur das Zeugnis, der jungen Frau hatten ihn überführt, er selbst war zum Verräter an sich geworden.

Alle waren entsetzt, am empörtesten Baron Lorch, der sich tief beschämt und gedeniütigt fühlte, einen solchen Menschen in den Kreis seiner vornehmen Be-

größer gewesen, als die der evangelischen Schulkinder. Man dürfte, so schreiben dieBerl. Polit. Nachr.", in der Annahme nicht fehl gehen, daß diese bei den Stärkeverhältnissen der evangelischen Bevölkerung auffallende Erscheinung in ursächlichem Zusammen­hänge mit der starken Einwanderung slavischer Arbeiter in den Jndustriegegenden steht, die während der Zeit der industriellen Hochkonjunktur bei dem Mangel an ausreichenden inländischen Arbeitskräften eingetreten ist.

Oberbürgermeister Kirschner von Berlin wird auf Grund einer an ihn ergangenen Einladung des Stadtoberhauptes von Petersburg zu den bei Gelegen­heit des 200jährigen Bestehens der Stadt Petersburg in Aussicht genommenen Festlichkeiten nach Petersburg reisen. Diese Festlichkeiten werden am 29., 30. und 31. Mai stattfinden.

Gegen den Fähnrich z. S. Hüssener ist jetzt Anklage wegen Totschlags erhoben worden. Zu der am 26.b. Mts. stattgefundenen Verhandlung waren als Richter folgende Herren kommandiert: Korvetten­kapitän Starke (Vorsitzender), Kriegsgerichtsrat Tamaschke (Verhandlungsführer), sowie Hauptmann Graf Soden, Oberleutnant Leonhardr und Gerichtsassessor Wachs­muth als Beisitzer.

In der Zeit vom 17. bis 21. April b. Js. ist durch Sturm und Schnee in den Staatsforsten der Regierungsbezirke Oppeln, Breslau, Posen, Stettin, Stralsund, Potsdam und Frankfurt ein nicht unbe­trächtlicher Holzanfall verursacht worden, welcher sich im ganzen auf etwa 790000 bis 800000 im Derb­holz beziffern dürfte. Im einzelnen verteilen sich diese, lediglich als überschläglicher Schätzung beruhenden Angaben auf die einzelnen Regierungsbezirke wie folgt: Oppeln 450 000, Breslau 35 000, Posen 38 000, Stettin 150 000, Stralsund 12 000, Potsdam 42 000 und Frankfurt a. O. 64000 Festmeter.

In der Provinz Brandenburg und im Regierungs­bezirke Stralsund ist der Schaden fast ausschließlich auf orkanartige Stürme zurückzuführen.

In den übrigen Bezirken wirkte wesentlich der starke Schneefall an der Beschädigung mit.

Ausland.

Das nächste Konsistorium im Vatikan ist auf die Zeit vom 15. bis 18. Juni festgesetzt, unter Anderen wird auch der Erzbischof von Köln zum Kardinal ernannt.

DasGioruale d'Jtalia" meldet: Der Papst hat den Bischöfen den Befehl gegeben, bei den bevor­stehenden Reichstagswahlen die Regierung in jeder Beziehung zu unterstützen und versichert, Preußen wünsche. die Errichtung einer apostolischen Delegation in Berlin.

Die Obduktion der Leiche des in Ufa, Rußland, ermordeten Gouverneurs Bogdanowitsch ergab, daß

kannten eingeführt zu haben.Elender, verworfener Bube!" knirschte er,wie hätte ich, als wir in Wien auf gleicher gesellschaftlicher Stufe verkehrten, ahnen können, daß wir einen Räuber und Mörder unter uns duldeten."

Sie hätten es gekonnt, lieber Baron," sagte Herr von Sanden.Wer die Lebensregel hat: Lieber schlecht als arm, ist, wenn Zeit und Gelegenheit es giebt, zu allem fähig."

Er trat aus der Grotte und näherte sich der jungen Dame.

Darf ich Sie nach Ihrem Hotel führen, gnädige Frau?" fragte er.Ich glaube, Ihre schwere Auf­gabe ist erfüllt, und Ihr Begleiter ist anderweitig be­schäftigt."

Gehen Sie, gnädige Frau" versetzte der alte Herr zustimmend,ich werde Ihnen bald folgen sönnen" Er winkte einen der Aufwärter,, welche samt den in der Konditorei anwesenden Gästen herbeigeeilt waren und neugierig die Grotte umstanden, in der sich ein so schauerliches Drama abgespielt hatte. Wenige Worte genügten; der Mann eilte nach dem Ausgange und gab einigen dort harrenden Polizisten ein Zeichen. Nach wenigen Minuten ward der Mörder von ihnen abgeführt, und während Erna mit ihrem Beschützer in einem Wagen nach ihrem Hotel fuhr, brächte ein anderes Fuhrwerk Günther und dessen Begleiter nach seinem vo liufigen Gewahrsam.

(Fortsetzung folgt.)