MitGoch, den SO. Mai 1903
54. Jahrgang
ewint SOlitttood) unb Samstag. - Pros mit „ÄreWatt" Vimeljährlich 1 Ä — Anz«M» tasten die kleine Zeile oder deren Raum 10 <pfg.
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Himmelfahrt
Dom jung erwachten Frühlingsglauben Hallt rings der lUaienglocken Lhor, Ls schwingt aus blauen Fliederlauben Gin weißer Falter sich empor.
Und meine Seele folgt dein Zuge, Dem schimmernden, im Blorgenlicht, Bis sie in weltentrücktem Fluge Still ihre Grdeufchranken bricht.
Seit nach vollbrachten Pilgerwegen Der Blenschensohn sich lichtwärts hob Und um ihn im Verklärungssegen Der (Erbe trüber Dunst zerstob, Reckt unser Wesen sonder Rasten Sich auf zur Lonnenherrlichkeit, Bis es aus seiner Hüllen Lasten Sich selbst zum Gotteskind befreit. .
Gin weißer Falter schwebt die Seele Im reinen Utorgenlichte hin, — Beherrscht von Irrtum einst und Fehle, Nun eine frohe Siegerin.
Ls duftet aus den Fliederhecken; Utaiglöckchen läuten wunderzart Zum Fest was lebt und webt, zu wecken; Die Seele feiert Himmelfahrt!
Himmelfahrt.
Die Herzen in die Höhe! das ist der Himmelfahrtsklang. Und im Drängen und Hasten des Tages, im Leid und Kampf des Lebens tut solche Mahnung gut, damit wir uns auf unser besseres Ich besinnen. Nur zu leicht gehen wir in beruflichen Sorgen und häuslichen Nöten unter; die Füße auf der Erde, vergessen wir die Augen himmelwärts zu richten. Das Bleigewicht der Zeit lähmt alle Schwungkraft und läßt uns das Ewigkeitsziel vergessen.
Die Herzen in die Höhe! Der Herr geht von den Seinen. Sein Werk ist beendet und vollendet, seine Arbeit getan, und nun schickt er seine Jünger in die Arbeit hinein. Die Aufgabe der Welteroberung im 9lamen des dreieinigen Gottes, die tausendfältige Mühsal in der Nachfolge des Meisters lassen das Weh des Scheidens nicht aufkommen. Und sie wissen ja auch: er geht, um im Geiste bei ihnen zu bleiben und will fiel alle nach sich ziehen. Den Blick aufs
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Line Hochzeitsreise
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Nachdruck verboten) Fortsetzung.
Ubi bene, ibi patria!“ rief Günther Pathetisch.
„Oho, Günther, dieser Wahlspruch hat ein sehr ehrwürdiges Alter und ist so alltäglich geworden, wie das Vekoziped bei den Seiltänzern", scherzte der Baron, „da lautete Ihre frühere Devise origineller.
„Was für einen Wahlspruch könnten Sie meinen ? fragte Günther erstaunt, „ich weiß von keinem."
„Welche Göttin hat Ihnen denn in Paris den Lethetrank kredenzt? Sind Sie so kurz von Gedanken, oder spielen Sie nur den Vergeßlichen?" rief der Baron. „Sie waren ja in Wien berühmt ob Ihrer Maxime.
Günther zuckte die Achseln-
„Oder berüchtigt, wenn Ihnen das lieber ist. ,
„Dann wäre es nur Tugend, wenn ich sie m Paris dem Meere der Vergessenheit überliefert hätte."
„Das ist nicht gut anzunehmen. Der Spruch ist so geeignet für Jemand, der so berauscht von den Genüssen der Französischen Hauptstadt ist wie Sie, daß man ihn für Sie empfinden müßte, wäre er noch nicht Ihr Eigentum gewesen", versetzte der Baron.
„Das heißt aber doch niehr als billig die Neugierde reizen! Wie lautet die Redensart? Heraus damit. Es geziemt sich nicht, uns Sprüche der Weisheit vor- ^uenthaltxn!" riefen die Herren,
hohe himmlische Ziel gerichtet, ziehen die Jünger fröhlich ihre Straße.
Die Herzen in- die Höhe! Wir stehen mitten im Wahlkampfe. Es gilt das Wohl des Vaterlandes, das keinem mehr als dem aufrichtigsten Christen am Herzen liegt. Aber in all dem Elend und der Kleinlichkeit, die solch ein Kampf mit sich bringt, ist die Himmelfahrtslosung doppelt am Platze. Sie macht das Herz treu und tapfer, damit es in der Erkenntnis, daß wir hienieden keine bleibende Stadt haben, auch aufrichtig die zukünftige suche. Wer der himmlischen Heimat gewiß ist durch den erhöhten Herrn, der liebt seine irdische Heimat mit ganzer Seele und sucht allerwege ihr bestes. Als ein Pilger in der Fremde, bekennt er an Himmelfahrt:
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke, Will ich, ein Pilger, froh bereit
Betreten nur als eine Brücke
____Zu Dir Herr, überm Strom der Zeit.
Deutsches Deich"
— Seine Majestät der Kaiser wohnte am 14. Mai in Metz der Einweihung des Christusportales an der Kathedrale in Metz bei. Vor dem mit Vorhängen verhängten Portal war auf dem Domplatz ein Zelt aufgeschlagen, vor dem sich gegen 5 Uhr die Würdenträger des Landes, und die Generäle und Spitzen der Behörden versammelten. Die Kaiserin kam um 4.50 Uhr, der Kaiser einige Minuten später von Bitsch in Metz an- Am Bahnhof stieg die Kaiserin in einen vierspännigen Wagen, der Kaiser ritt zu Pferde. Truppen hatten auf den Straßen Spalier gebildet Um 5 Uhr 10 Minuten kam der Kaiser vom Bahnhöfe am Dom an und stieg vom Pferde. Hier wurde er zunächst begrüßt vom Vertreter des Papstes, Kardinal-Fürstbischof Dr. v, Kopp, sodann vom Fürsten Statthalter und den übrigen Herren. Unterdessen war Bischof Benzler, gefolgt von der Geistlichkeit, vor das Festzelt getreten.
Der Kaiser richtete an den Bischof folgende Worte: „Es gereicht Mir zur besonderen Freude, Ihnen, hochwürdigster Bischof, das nunmehr vollendete Portal des Metzer Domes übergeben zu können. Ein Meister- werk der Architektur wie der Bildhauerkunst, hat seine bildliche Darstellung die freudige, bewundernde Anerkennung des Papstes gefunden. Die Anwesenheit seines Stellvertreters ist eine besondere Ebre für das Bistum wie das lothringische Land, wozu Ich Ihnen Meinen herzlichsten Glückwunsch ausspreche! Mögen durch die Pforte fromme Christen, treue deutsche Untertanen zum Dienste des Herren ihren Eintritt nehmen. Das walte Gott!"
Nach dieser Ansprache wurde auf den Befehl des Kaisers die vor dem Portal befindliche Hülle weggezogen, und die herrliche Architektur des neuen Portales wurde sichtbar. Hierauf hielt Bischof Benzler von
„Ich weiß ihn nicht mehr," antwortete Günther in einem scharfen, verdrißlichen Tone, der auffallend gegen die Liebenswürdigkeit, welche er bisher zur Schau getragen hatte, abstach.
„Sie wissen ihn nicht mehr," wiederholte der Baron. „Ei, wo haben Sie denn Ihren Talismann, auf dem die Worte eingraviert waren?"
Die Herren wurden immer neugieriger und immer dringender; Günther geriet ersichtlich in peinlichste Verlegenheit.
„Aber, bester Baron, das heißt den Scherz denn doch zu weit treiben," entgegnete er mit gezwungenen Lachen; „es scheint wirklich an der Zeit, daß ich mich entferne."
Er wollte nach seinem Hute greifen, sah sich aber von allen Seiten umringt und festgehalten.
„Nichts da, so entkommen Sie uns nicht I" hieß es. „Hier geblieben. Lassen Sie uns den Talisman, sehen."
„Ich besitze ihn nicht."
„Wie, Sie hätten ihn nicht?" fragte der Baron.
„Wo haben Sie den kleinen Totenschädel gelassen, dem die Worte so geheimnisvoll standen, daß menschliches Auge sie zu lesen vermochte?"
„Weil sie nicht da waren; weil ich mir stets einen Scherz n.it Ihnen machte."
„Zeigen Sie den Totenschädel doch", bat einer Herren.
auf kein
nur
der
Metz eine Ansprache. Er hob in derselben hervor wie oft der Kaiser die Kirche sich durch Stiftungen zum Danke verpflichtet habe. Der Bischof schloß dann seine Ansprache, in der er noch besonders den hohen christlichen Sinn und die Friedensliebe des Kaisers pries, mit herzlichen Segenswünschen für das gesamte kaiserliche und königliche Haus.
Nach der Rede des Bischofs verlas der Statthalter eine auf die Feier bezügliche Urkunde, die von dem Kaiser und der Kaiserin unterzeichnet wurde. Sodann unterzeichnete auf Einladung des Kaisers der Kardinallegat Fürstbischof Dr. V. Kopp ebenfalls die Urkunde. Nach ihm folgten der Statthalter und eine Reihe weiterer Persönlichkeiten. Alsdann nahm der päpstliche Legat mit der Geistlichkeit am Portale die kirchliche Weihe vor. Die Majestäten wurden durch den Bischof von Metz eingeladen, sich in den Dom zu begeben und nahmen rechts von dem Altare Platz. Links von: Kaiser saß der Statthalter, ihm gegenüber der Erzbischof von Köln und der Bischof von Metz, während der Kardinallegat sich auf dem bischöflichen Throne niederließ. Es folgt eine erhebende musikalische Feier, der sich der Kaiser zu Wagen nach dem Bezirks- präsidium begab, wo um 7 Ubr beim Bezirkspräsidenten ein Diner stattfand. Ein ^mpänie desKönigs-Ju- santerie-Regiments Nr. 145 brach, sodann die Fahnen in das Bezirkspräsidium. Um ^7,, Uhr wurde der Kardinallegat Fürstbischof Dr. V. Kopp vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen.
— Der Kaiser verlieh dem Kardinal-Fürstbischof von Breslau Dr. V. Kopp das Großkreuz W^Roteir Adlerordens und dem Erzbischof Fischer vonÄölu den Roten Adlerorde- 2. Klasse mit Stern.
— Die preußische Regierung läßt gegenwärtig eine geologische Krrte des Königsreichs Preußen herstellen.
■—• Die Generalversammlung des Eoangelischen Bundes in Ulm ist mit Rücksicht auf den gleichzeitig tagendem Gustav Adolf-Verein auf die Zeit vom 28. September bis 1. Oktober verlegt.
— Das Linienschiff „J" von welchem wir in Nr. 38 berichteten, soll bei der Dause einen mit Elsaß-Lothring eu im engsten Zusammenhänge stehenden Namen erhalten.
— Mit der Vertretung des auf 3 Monate beurlaubten Kriegsministers v. Goßler ist Generalleutnant v. Einem, genannt v. Rothmaler beauftragt werden, so daß wohl in ihm Goßlers Nachfolger zu sehen ist.
— Am 18. Mai brach in einem Zimmer im südlichen Flügel des Neuen Palais in Potsdam wo ein Probeheizen der neuen Oefen stattfand, Feuer aus. Die Palastfeuerwache trat sofort in Aktiou. Es gelang ihr in Gemeinschaft mit der städtischen Feuerwehr, nach einer etwa dreiviertelstündigen Arbeit das Feuer zu löschen. Seidene Wandteppiche, Tapeten und ein Teil der Möbel find teil ungebrannt, teils verbrannt.
„Ich schwöre Ihnen zu, ich besitze die armselige Spielerei, von welcher der Herr Baron so viel Aufhebens macht, nicht mehr", entgegnete Günther schroff, beinahe unhöflich, ich habe sie verloren."
„Schade", erklärte der Baron, „es war ein kleines Kunstwerk.
„Hoffentlich ist der Spruch damit nicht auch verloren gegangen, nennen Sie ihn uns doch, Baron, lassen Sie uns nicht länger schmachten!" bat man wieder.
„Ich sehe auch gar nicht ein, weshalb ich es nicht tun sollte", lachte Lorch, „ich begehe wahrlich keine Jndeskretion, wenn ich eine Redensart verrate, mit der Freund Günther sonst so freigebig um sich warf, daß es zum Sprüchwort geworden war: „Lieber schlecht als arm, sagt Günther."
Der junge Mann hatte eine Bewegung gemacht, als wollte er sich auf den Baron stürzen und ihm den Mund zuhalten, sich dann aber besonnen. Jetzt stand er mit unterschlagenen Armen, eingekniffenen Lippen, ein spöttisches Lächeln auf dem bleichen, verlebten Zügen und hörte anscheinend gleichgiltig den Bemerkungen zu, welche die Mitteilung des' Barons nach sich zog.
„Das ist offenherzig!"
„Eine ganz famose Lebensregel!"
„Würdig eines Rochefoucauld!"
(Fortsetzung folgt.)