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ErMnt Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 9. Mai 1903

54. Jahrgang.

BestMumen w w fortwährend von allen PostanstaltmsM sowie von der Ex- pedition M

Amtliches.

Uerdiugultg.

Die iMssührang einer Wasserleitung für die Ge­meinde Wällroth, Kreis Schlüchtern, bestehend aus ÖuellenfässnngH P Hochbehälter für 76 und 45 ebm Inhalt, mit -einem Windmotor, rd. 3290 m Rohr­leitung, HäUsanschN Hydranten pp. soll vergeben werden.

Angebpke .mit/entsprechender Aufschrift sind bis spätestens 20. Mai d. JS. an den unterzeichneten Bürgermeister einzusenden, in dessen Amtszimmer die Zeichnungen und Beschreibungen der Wasserleitungs­anlage einWhen und von welchem Angebotsformulare nebst Bedingungen gegen' Porto- und bestellgeldfreie Einsendung von Mk. 2,50 bezogen werden können.

Der Zuschlag, welcher durch den Gemeindevorstand erfolgt, bleibt Vorbehalten.

Die Suvmiltenten bleiben bis'zum 15. Juni an ihre Offerten gebunden.

Wallroth, denB. Mai 1903.

' Der Bürgermeister: Möller.

Der Kaiser in Rom.

Als Se.-. Dtajestät der Kaiser Montag nachmittag 5 V, Uhr auf dem Forum ankam, wurde er vom König, dem Unterrichtsminister Nasi und dem Direktor der Ausgrabungen. (Boni), der die Erläuterungen gab, empfangen. Der Kaiser besichtigte die Hauptpunkt? darunter biejiVf^?s^ Ata pacis, die Basilika Aemilia 'un,b.iiiiibere. In der Umgebung des Forum hatte sich einrögroße Menschenmenge eingefunden, welche die Monarchen'rmiU unaufhörlichen Hochrufen begrüßte. Nach einer Stunde verließen der Kaiser und der König das Forum rmv besichtigten die Arbeiten zu dem National- denkmal' für --Hen-L König Viktor Emanuel II. Hier wurden die Äidnarchen von bent Minister der öffent­lichen Arbeiten--Ballenzano, dem Unterstaatssekretär Nicolini und dem Schöpfer des Denkmals, Sacconi, empfangen. Kaiser Wilhelm äußerte sich in bewundern« den Worten über das große Werk. In den Bauhütten am Denkmal waren Anschläge angebracht, in denen es heißt: 'Die am Denkmal Viktor Emanuel II. beschäftig­ten Arbeiter begrüßen ehrerbietig den Kaiser Wilhelm, den Freund JtalMZ; des Hauses Savoyen und bet Kunst." Kurz-nach 7 Uhr trafen der Kaiser und der König wieder nm^C.mrinM ein, auf dem ganzen Wege lebhaft von deP Bevölkerung begrüßt.

Dienstag früh: kurz nach 9 Uhr sind Kaiser Wil- hclm, König Wiktor Emanuel, der Kronprinz. Prinz

Eine Hochzeitsreise

ErzLhlMg von F. Armfeldt.

. (Nachdruck verboten)

Fortsetzung.

vDem Scheine nach. aber «icht mit Nachdruck. Man sucht näck dem Rotbärtigen wie nach einem Siemens an dessen Existenz man nicht glaubt",

Und leider gleicht er einem Schemen. Sie und Treuenfeld wissen ihn nicht anders zu beschreiben, als daß er eine grünckAvppe und einen grauen Hut getragen, blondes Haar unfl einem roten Bart gehabt habe. Der Schaffner giebt Pas gleiche Signalement des Reisenden, kann man danach'auf einen Menschen fahnden? Zieht er die Joppe aus, und nimmt er statt des grauen Hutes einen schwarzen, was bleibt als blondes Haar und ein roter Bart ? Das sind Dinge, die im deutschen Reiche nicht selten sind!"

Ich habe den Menschen nur einen Augenblick gesehen und wollte ihn doch unter taufenden erkennen! Lassen Sie nach nach'ihm suchen!" rief Erna aufspringend, als ob sie die Fahrt sogleich beginnen wollte.

Wo, gnädige Frau, wo? Und wenn Sie ihn selbst fänden, womit--wollten Sie beweisen, daß nicht eine flüchtige Aehnlichkeit.sie teusche? Wodurch ihn überführen, daß er das Verbrechen begangen hat?"

Haben wir-nichk-einen Beweis gegen ihn inHänden "?

Sie meinen den elfenbeinernen Totenschädel; es

Eitel Friedrich, der Herzog von Aosta, der Herzog von Genua, der Herzog der Abruzzen und der Graf von Turin nach Monte Cassino zum Besuche der Benetik- tiner-Abtei gefahren, woselbst die hohen Herrschaften kurz vor 12 Uhr eintrafen. Sie wurden am Bahnhof vom Unterrichtsminister Nasi und den Spitzen der Be­hörden empfangen. Auch hier begrüßte fie eine zahl­reiche Menge mit lebhaften Kundgebungen. Der Depu­tierte für Cassino, Visocchi, hielt eine kurze Huldigungs­ansprache. Als er schloß brach die Menge in die Rufe aus:Hoch lebe der Kaiser! Sempre avanti Savoya!" Der Kaiser verneigte sich dankend. König Viktor Emanuel drückte Visocchi, der die zum Empfang er­schienenen Personen vorstellte, die Hand. Kaiser Wil­helm begrüßte den deutschen Konsul, inbem er ihm die Hand reichte. /Die Majestäten mit den Prinzen fuhren in vier vierspännigen Wagen, von Carabinieri zu Pferde eskortiert, nach dem Monte Cassino. Ein Major und ein Kapitän ritten dem Wagen des Kaisers und Königs zur Seite. In dem Augenblicke, da der kaiserliche Zug die Stadt betrat, spielte die Kapelle die deutsche und italienische Nationalhrmne und die Truppen prä­sentierten. Hüte und Taschentücher wurden geschwenkt. Laute Rufe ertönten: Hoch der Kaiser! Hoch der König! Man hörte insbesondere rufen: Es lebe der Herzog der Abruzzen! Es lebe der Nordpolfahrer! Der kaiserliche Zug ging sodann in rascher Fahrt durch die Stadt zur Abtei hinauf, wo er gegen 1 Uhr eintraf. Nach dem Besuche des Klosters sind der Kaiser und der König mit den Prinzen nach Cassino zurückgekehrt und haben gegen *45 Uhr die Rückreise nach Rom ange­treten.

Genau Einzelheiten über das Frühstück in der preußischen Gesandtschaft beim Vatikan und den Be­such des Kaisers beim Papst bringt dasB. T." Während des Frühstücks erzählte der Kaiser, der sehr aufgeräumt war, von seiner Reise. Später kam die Sprache auf Bibelstudien. Der Kaiser betonte dabei die Notwendigkeit einer streng religiösen Volkserziehung. Er war vortrefflich bei Stimmung und sprudelte förmlich vor Witz und Humor. Zu Ende der Tafel klopfte der Kaiser an das Glas und brächte einen Trinkspruch auf den Reichskauzler aus, der am Mittwoch Geburtstag hatte. Graf Bülow dankte mit einem Trinkspruch auf Kaiser Wilhelm; auch Freiherr v. Rotenhan lud die Gesellschaft ein, auf das Wohl des Kaisers zu trinken. Kardinal Rampolla soll sich ausfallend schweigsam ver­hallen haben. Von dem Einzug im Vatikan heißt es, er sei im Gegensatz zu dem bescheidenen Besuch des Königs Eduard ein wahrer Triumphzug gewesen. Der Kaiser sei nicht wie protestantischer Fürst gekommen, sondern wie ein katholischer Imperator, der gewisser­maßen von dem päpstlichen Rom Besitz ergreifen sollte. Der Papst war dem Kaiser bis über die Schwelle des Gemackes eutgegengekommen, was bei König Eduard

müßte erst nachgewiesen werden, daß er in seinem Be­sitze gewesen ist."

Er trägt die Initialen des Mörders T. G-!" rief sie.

T. G," wiederholte er traurig;wissen Sie, wie man diese Buchstaben auslegt?"

Sie blickte ihn erwartungsvoll an.

Trcuenfcld u. Göldner," sagte er leise;man glaubt, Benno Treuenfeld^habe deu Schädel getragen als ein Momente an den Zusammenbruch dieses Hauses."

O, das ist grausam, -das ist nichtswürdig!" rief sie, die Hände vor das Gesicht schlagend,wird den» alles zur Waffe gegen den Wehrlosen geschmiedet?

Sie setzte sich n'ieber, stützte den Kopf in die Hand und versank in tiefes Nachdenken. Wecker verhielt sich still und wagte nicht, sie zu stören.

Wenn Sie als Verteidiger verlangen, daß man Ihnen das Berloque für kurze Zeit überließe, könnte man Ihnen das verweigern? fragte sie plötzlich.

Ich glaube kaum, besonders da man diesem Be­weisstücke "gar keine so große Bedeutung beilegt; aber was wollen Sie damit?"

Ich will es in meinen Händen halten; ich will es mit meinen eigenen Augen untersuchen!" war die Antwort.Nennen Sie es Torheit, nennen Sie es Einbildung, ich nenne es Ahnung oder höhere Ein­gebung, was mir sagt, in dem Schädel ist etwas ver­borgen, was uns den Mörder in die Hände liefert: aber mir ich allein vermag es zu entdecken."

nickt der Fall war. Er begrüßte den Kaiser in Fran­zösischer Sprache mit den Worten:Ich sehe Sie mit Vergnügen zum dritten Male." Der Kaiser war von dem herzlichen Empfang des Papstes, der seine Hände nicht loslassen wollte, so gerührt, daß er zuerst keine Antwort gab. Das Gespräch des Kaisers mit dem Papst betraf u. a. die Angelegenheit Bibel und Babel,. dann das vatikanische Archiv und das Missionswesen. Der Papst erkundigte sich besonders über die Lage der Missionen in China, und der Kaiser versprach, daß den dortigen deutschen Missionaren niemals sein Schutz mangeln werde. An die Ueberreichung der Photo- graphie der Metzer Kathedrale durch den Kaiser knüpfte sich eine kurze Unterhaltung über Kirchenarchitektur. Der Kaiser ist von der Aufnahme des Papstes entzückt und drückte seine Bewunderung über Leos Geistesfrische aus. Auch der Besuch beim Kardinal Rampolla war trotz der bekannten Verhältnisse sehr herzlich. Als der Kaiser den Vatikan verließ, erschien der Papst am Fenster des bekannten Eckzimmers und sah dem Zuge des Kaisers lange nach. Mit großer Genugtuung stellen die Klerikalen fest, daß sowohl der Kaiser als sämtliche Begleiter die weiß-gelbe päpstliche Fahne mit streng militärischem Gruße ehrten.

Die Paläste des Kapitals waren zum Empfange des . deutschen Kaisers am Dienstag abend herrlich mit Pflanzen und Blumen geschmückt und glänzend erleuchtet worden; zwischen den Palästen waren in künstlerischer Weise ausgeführte Zelte errichtet. Auf dem Kapitols- Platz an der Treppe, die zu den Museen führte, hatten die städtischen Bediensteten in ihren historischen Uni­formen Aufstellung genommen, um die Ehrenbezeugungen zu erweisen. Hinter den Reihen der Spalier bilden­den Truppen harrte eine vieltausendköpfige Menschen­menge des Eintreffens der hohen Herrschaften. Um 9 Uhr bereits waren die Säle mit. den Eingeladenen angefüllt, unter denen die Minister, das diplomatische Korps, die Behörden, viele Offiziere und in großer. Anzahl Damen in glänzenden Toiletten zu bemerken waren.

Der Empfang des Kaisers auf dem Kapitel gestal­tete sich glänzend. Der Kapitolplatz wie die zu ihm - führenden Straßen strahlten int Glänze von Lichter- Pyramiden und auf dem Turme des Kapitols flammte - die große Stell« Jtalia. Kurz nach 10 Uhr erscholl die Königsfanfare. Unter Vorantritt einer Abteilung Königskürassiere kamen die Monarchen angefahren, die alsbald die breite Freitreppe des Konservatorenvalastes hinanschritten. Pagen mit Fackeln gingen voraus. An ­der Spitze des Zuges befand sich der Kaiser in der roten Galauniform der Garde du Korps mit der Königin am Arm. Der Kaiser, der sehr wohl aussah und in > bester Laune war, unterhielt sich beständig auf das ' Lebhafteste mit der Königin, und grüßte lächelnd nach allen Seiten. Als der Kaiser die greise Adelaide Ristori .

Wecker schüttelte zweifelnd den Kopf; sie bat aber. so eindringlich, daß er ihr versprach, den Versuch zu machen, und nun ließ sie ihm auch keine Ruhe, er mußte unvwzüglich die erforderlichen Schritte tun.

Wir dürfen keine Minute verlieren!" bat sie, denken Sie, daß Benno im Gefängnisse schmachtet, : und daß der Tag der Schwurgerichtsverhandlung immer näher riickt."

RechtSanwalt Wecker stieß auf weniger Schwierig­keiten, das kleine Berloque ausgeantwortet zu erhalten, als vorausgesetzt hatte, Benno Treuenfeld's Schuld ' war so sonnenklar bewiesen, seine Verteidigung so un­möglich, daß man dem Rechtsgelchrten, der undankbare Aufgabe übernahm, wohl eine kleine Chance gönnen ' konnte. Triumphierend brächte er das Stück Elfenbein zu der ungeduldig harrenden Erna.

Sie nahm den Schädel in die Hand, betrachtet« ihn von allen Seiten, schob und drückte daran in der ' Hoffnung, eine Feder zu finden, die ihn vielleicht öffnete. Vergeblich, sie mußte sich überzeugen, daß das Elfen­bein nur eine dichte, glatte Fläche war.

Nichts! nichts!" seufzte sie,nichts als die Buch­staben T. G-; wenn ihr reden könntet!" Ihr Auge heftete sich fest und fester auf die Buchstaben, es war, als bohre es sich darin ein, als wolle sie jede Linie des roten Untergrundes studieren Mit einem Aufschrei wandle sie sich zu Wecker herum.

Was haben Sie?"

(Fortsetzung folgt.)