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pedition entgegengenommen.
Deutsches Reich.
— Se. Majestät der Kaiser begab sich am Sonntag Abend 11 Uhr 30 Minuten in Begleitung des Groß- Herzogs von Weimar von der Wartburg nach dem Bahnhof Eisenach, übernachtete im Salonwagen und fuhr morgens 4 Uhr nach Berlin, wo Se. Majestät am Montag Vormittag um 10 Uhr eintrafen.
— Aus Anlaß des Jahrestages der Schlacht bei Groß-Görschen nahm Se. Majestät der Kaiser am 28. April ein« Truppenbesichtigung auf dem Bornstädter Felde vor. Darauf fand ein Feuerexerzieren statt. Der Kaiser hielt sodann eine kurze Ansprache und nahm dann a« Frühstück im Offizierkasino des ersten Garde- regimentS teil.
— Auf der Reise nach Rom begleiten den Katser der Reichskanzler Graf Bülow, Geh. Legationsrat v. Klehmet, der Chef des Marinekabinetts, v. Senden- Bibran, der Oberstallmeister Graf Wedel und General- seldmarschall Graf Waldersee.
— Kaiser Wilhelm sandte an den König von Dänemark ein herzliches Handschreiben mit Photographie, die den Kaiser als dänischen Admiral darstellt.
— Dem Abgeordnetenhause ging ein von der gesamten konservativen Fraktion unterzeichneter Antrag zu, die Staatsregierung aufzufordern, dem Notstand entgegenzuwirken, der durch die letzten Stürme die Bevölkerung betroffen hat.
— Am 29. April vormittags reifte der König von Sachsen von Wien zum Besuche des Prinzregenten »ach München. Dort fand abends im Schloß zu Ehren des Königs ein Familiensouper des bayerischen Königshauses statt, an dem auch Prinz und Prinzessin Ferdinand von Bourbon, Prinz Ernst v. Sachsen-Meimngen, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg und Prinz und Prinzessin Friedrich von Holenzollern teilnahmen. Der Prinzregent ernannte den König von Sachsen zum Inhaber des 15. bayerischen Infanterieregiments, dessen früherer Inhaber König Albert von Sachsen war.
Ausland.
— Wie die Teilnehmer am Besuche des Königs Eduard im Vatikan übereinstimmend versichern, wurde dichPolitik im Gespräch des Papstes mit dem König nicht berührt.
— König Eduard fuhr am 29. April nach der englischen Botschaft. Dann bestieg der die rote Feld- marschallumform tragende Monarch einen geschlossenen Botschaftswagen, um dem Papst seinen Besuch zu machen. Die Straßen waren mit Truppen umsäumt,
Eine Hochzeitsreise Erzählung von 8. Arncseldt.
(Nachdruck »ertöten) 8»rtft-ung.
Seitdem waren ein paar Wochen verflossen, die Voruntersuchung war beendet, Treuenfeld förmlich in den Anklagezustand versetzt und der Enthusiasmus, mit dem Wecker an sein Amt als Verteidiger gegangen war, hatte sich merklich abgekühlt. Er glaubte auch jetzt noch nicht daran, daß sein Klient, wie allgemein angenommen ward, sein Opfer im Schlafe überfallen und nach kurzem Ringen niedergestochen habe; aber er neigte sich der Ansicht zu, Treuenfeld habe nach einem heftigen Streit mit Rehfeld zum Dolch gegriffen und ihn übermannt von dem unseligen Jähzorn, niedergestochen.
Obgleich der Untersuchungsrichter überzeugt war, der rotbärtige Mann sei nur ein Gebilde, das in Frau Rehfeld's Phantasie spuke, oder besser, das sie ersonnen, um Benno Treuenfeld zu retten, so wurden in dieser Richtung Nachforschungen angestellt; sie ergaben jedoch keinerlei Anhaltepunkte. Ein Reisender, wie ihn Erna und auch Benno beschrieben, war allerdings vom Schaffner bemerkt worden, aber zurückgeblieben, ehe das Verbrechen geschehen. Die übereinstimmende Aussage beider in diesem und - ^ch in manchen andern Punkten ließ sich nur zu leicht ^.klären. Die Bahn- Samten hatten unwissentlich ihnen während der Fahrt Gelegenheit gegeben, sich miteinander zu verständigen.
Samstag, den 2. Mai 1903
die den König mit der Nationalhymne empfingen. Der Zug umfuhr die Peterskirche bis zum Damasushofe, wo unter der großen weißgelben Flagge, die zum erstenmal bei solchen Gelegenheiten gehißt war, drei Kompagnien der Palatingardisten standen, befehligt von dem Neffen des Papstes, dem Grafen Pecci. Monsignor Stonor uud der Majordvmus Bisleti empfingen den König und geleiteten ihn in das Papstgemach, an dessen Türe Leo selbst stand. Beide zogen sich zurück, nachdem sie sich durch Handschlag begrüßt hatten. Die Konversation dauerte 25 Minuten. Dann verließ der König den Vatikan, kehrte auf den Petersplatz zurück, und fuhr unmittelbar nach dem Quirinalpalast.
Wie der russische „RegierungSanzeiger" am 23. April mitteilt, ist es an den beiden Ostertagen in Kischinew (Bessnrabien) zu ernsten Ausschreitungen von Arbeitern gegen die dortige jüdische Bevölkerung gekommen. Die Krawalle begannen mit der Ausraubung einiger jüdischer Läden und Wohnungen, nahmen aber sehr bald den Charakter allgemeiner Ruhestörungen an. Ungeachtet der Anstrengungen der Polizei und der bald darauf requirierten Truppen, zerstreuten sich die Ruhestörer über die ganze Stadt und schlugen die Fenster in den Häusern der Juden ein — wobei gelegentlich auch Wohnungen von Christen zu leiden hatten — und zerstörten und verschleppten das ^.gentum. Am zweiten Ostertag erneuerten sich die Angriffe auf die Juden und nahmen alsbald einen bedrohlichen Charakter an, obgleich sofort Militär requiriert wurde; es kam zu förmlichen Schlachten, wobei das Volk nicht nur mit Steinen und Stöcken, sondern auch mit Brecheisen und Revolvern vorging. Dabei wurden 25 Personen getötet, 75 schwer verwundet und gegen 200 Menschen erhielten leichtere Verletzungen. Auf Befehl des Ministers des Innern ist über Stadt und Kreis Kischinew der Zustand verstärkten Schutzes verhängt worden.
— Die Wirren in Manien fangen an, ihre Opfer zu verlangen. Von albanischer Miliz scheint in den letzten Tagen nach übereinstimmenden Berichten die bulgarische Bevölkerung in dem an Küstendil anstoßenden Grenzbezirke Kumanowo viel gelitten zu haben. Eine etwa 700 Mann starke Horde überfiel, die Befehle der Offiziere mißachtend, ruhige Dörfer, vergriff sich an Weibern und Burschen, und brandschatzte das bulgarische Viertel der Stadt Kumanowo selbst. Noch ärger soll es die disziplinlose Miliz in^dem Grenzstädtchen Kratmvo getrieben haben, bis sich der Vali von Uesküb veranlaßt sah, die Baude in die Dörfer um Kumanowo herum zu verlegen, wo natürlich die Ausschreitungen, weniger bemerkt, fortdauern. Von der Verwendung von Miliz wäre der Pforte im Interesse der Lage dringend abzu- raten.
— Zur weiteren Verstärkung der Grenzwache ist von Sofia ein Bataillon und eine Eskadron in Eil- märschen nach Samokow abgegangen.
Freilich blieb noch die Brieftasche mit dem reichen Inhalte, die spurlos verschwunden war. Der Untersuchungsrichter war zuerst geneigt gewesen, die Angabe der jungen Frau für eine Fabel zu halten, erdacht, um den Anschein eines Raubmordes zu erwecken. Auch Dorothea behauptete bei weiteren Vernehmungen dreist, der Herr habe eine solche Summe nicht bei sich getragen; eine Durchsicht der Bücher des Verstorbenen, sowie Erkundigungen, die man in Wien bei dem betreffenden Handlungshause einzog, bestätigten die Richtigkeit von Erna's Aussage.
War jedoch dadurch auch bewiesen, daß hier ein Raubmord vorliege? Allerdings war die Brieftasche verschwunden, und Benno Treuenfeld über dem Verdacht erhaben, daß er sie gestohlen, um sich zu bereichern; wohl aber konnte er sie zum Fenster hinausgeschleudert haben, um den Verdacht von sich abzulenken.
Erna allein hatte von dem Vorhandensein der Brieftasche gewußt, sie allein führte ihr Verschwinden als Entlastungsbeweis für Benso an; konnte sie ihm nicht den Rat gegeben haben, sie hinauSzuwerfen?
Die Strecke ward abgesucht, dem ehrlichen Finder der Brieftasche eine Belohnung zugesichert; war es zu verwundern, daß sich Niemand meldete? Zwanzig- tausend Gulden, die als herrenloses Gut auf der Landstraße liegen, haben gar viel Verlockendes.
Der Untersuchungsrichter verfehlte in seinen Verhören nicht, Benno auf alle diese Argumente hinzuweisen.
Die Brieftasche soll ich aus dem Fenster geworfen
54. Jahrgang.
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— Die nach Serres entsandten in Deutschland aut- gebildeten sechzehn türkischen Offiziere wurden von Konstantinopel nach Djumabalia überwiesen, angeblich um Grenzbefestigungen ausführen zu lassen.
Zugleich mit der neuerlichen Grenzverstärkung lenkte die bulgarische Regierung die Aufmerksamkeit der Wiener und Petersburger Kabinette auf den Umstand, daß zufolge ihrer Informationen die Reformen undurch- geführt bleiben. Es scheint, daß man hier aus dieser Lage neue Pressionsmittel der genannten Kabinette aus die Pforte erwartet.
— Ueber die gleichen Vorgänge wird dem „Czeruo- witzer Tagbl." von einem Augenzeugen Folgendes gemeldet: Die JudebmassakreS in Kischenew erinnern an die Metzeleien von Damaskus im Jahre 1840. Bis jetzt zählt man 120 Todte und viele hundert Schwer- verivundete. Es ereigneten sich unbeschreibliche grausame Szenen. Kinder wurden den Müttern entriffen und in Stücke gerissen. Das Kischenewer Militär, welches am dritten Tage auf telegraphischen Befehl ausrücken sollte, verweigerte den Gehorsam und eS mußte Militär aus Bender requiriert werden. Die Juden verlassen, Hab und Gut preisgebend, fluchtartig die Stadt.
— Ohne Zwischenfall wurden am 27. April die Siegel an das Kapuzinerkloster zu Versailles und an die Abtei Kerbeneat gelegt. Die Volksmenge verunstaltete Kundgebungen und rief: Es lebe die Freiheit!
— Nach einer Meldung aus Willemstad vom 31. April sind die venezolanischen Regierungstruppen bei El Guapo, Barquisimeto, San Felipe und Moron geschlagen worden. Die Aufständischen räumten La Velo de Coro und find jetzt in fester Stellung in der Nähe von Coro.
— Einer Depesche aus Beniunif in Algier zufolge wurden in der Nacht vom 24. zum 25. April von Marokkanern mehrere Schüsse aus das französische Fort Duveyrier abgegeben. In der folgenden Nacht wurde ein Soldat der Fremdenlegion durch einen Schuß getötet und seiner Waffen beraubt.
| — Ende Mai wird das französische Mittelmeergeschwader italienische Häfen besuchen.
— Infolge eines am 25. April bei einem griechischen Spezereihandlungsgehilsen in Port Seid festgestellten Erkrankungsfattes an Pest hat der Sanitätsrat für Herkünfte aus Port Seid eine 24stündige Beobachtung und Desinfektion angeordnet.
— In Frankreich wird der Widerstand der Kongregationen immer allgemeiner und schärfer. Jeden Tag kommen Meldungen, daß die Mönche in ihren Klöstern sich verschanzen und daß die Vollstrecker des Gesetzes in Gutem nichts auszurichten vermögen.
— Das Zuchtpolizeigericht in Nantes verurteilte sieben Kapuziner, die dem Auflösungsbefehl nicht Folge geleistet haben, zu Geldstrafen. Als die Kapuziner das Gerichtsgebäude verließen, wurden sie von einer großen haben,und den Dolch habe ich liegen lassen", erwiderte dieser dann wohl, bittet lachend. „Würde ich den Dolch nicht zuerst entfernt haben?"
„Sie haben ihn in Ihrer Verblendung vergessen", war die Antwort.
„Wenn mich, wie Sie behaupten, Frau V. Rehfeld auf die Brieftasche aufmerksam gemacht hat, wie sollte sie nicht an den Dolch gedacht haben?" war die weitere Frage.
„Sie konnte nicht wissen, daß Sie just den Sie kompromittierenden Dolch bei sich führen," entgegnete der Landrichter.
„Hypothese!" seufzte Benno. „Sie wollen mich schuldig finden."
„Und Sie beharren bei einem ganz unfruchtbare» Leugnen. Mögen Sie sich auch den geschicktesten Verteidiger gewählt haben, in der nächsten Schwurgerichtsperiode, wo ihr Fall zur Verhandlung kommt, werden Sie dennoch abgeurteilt, es giebt keine Jury, die Sie freisprechen könnte."
„So werden die Annalen der Gerichtsverhandlungen einen Justizmord mehr zu verzeichnen haben, erwiderte Benno kalt.
Das Leben zwischen engen Kerkermauern toarb ihm von Tag zu Tag unerträglicher; er sehnte die öffentliche Verhandlung herbei, um nur aus .dieser Qual der Ungewißheit erlöst, um der Marter dieser endlosen, unfruchtbaren Verhöre überhobeu zu fein.
(Fortsetzung folgt.)