Erscheint Mittwoch und Sanistag. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 29. April 1903.
54. Jahrgang.
Bestellungen F * :^ ' '* fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegengenommen.
Amtliches.
Rotes Kreuz.
Mittwoch, den 29. April d. Js. nachmittags 4 Uhr findet im Kreishause eine Generalver- sammlung des Roten Kreuz Vereins statt, wozu die Mitglieder hierdurch ergebenst eingeladen werden.
Tagesordnung
1. Ersatzwahl zweier Vorstandsmitglieder,
2. Festsetzung des Mobilmachungsplanes des Rote Kreuz- und Vaterländischen Frauen Vereins, 3. Rechnungsablage pro 1901 n. 1902,
4. Verschiedenes.
Schlächtern, den 23. April 1903.
Der Vorstand des Roten Kreuz-Verein Roth.
Deutsches Reich.
— Der diesmalige Aufenthalt Sr. Majestät des Kaisers aus der Wartburg ist lediglich der Erholung gewidmet. Daher unterbleiben auch die Jagdausflüge nach öem Wasunger und dem Zillbacher Forstrevier, die in den früheren Jahren üblich waren. Obwohl das Wetter am Freitag etwas trübe ivar, besuchten nachmittags der Kaiser und der Großherzog die schölten Waldungen in der Umgebung der Eisenacher Burg. Später fand im Riltersaale der Wartburg eine Abend- unterhaltung statt, wobei mehrere aus Weimar befohlene Hofschauspieler in einer teatralischen Aufführung mit« wirkten.
— Wie aus Bern gemeldet wird, reist Kaiser Wilhelm am 1. Mai via Basel und Luzern nach Italien. Die Rückkehr aus Italien erfolgt via Zürich-Schaffhausen. Der Kaiser reist incognito. Von der Schweizer Bundesbehörde werden natürlich die nötigen Polizeivorkehrungen getroffen.
— Der Herzog der Abruzzen, der deutsche Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Herzog von Braganza begaben sich am 23. April in Neapel zur Begrüßung des Königs von England an Bord seiner Pacht.
— Am 24. April sind der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich in Florenz eingerroffen und stat- teten der Prinzessin Friedrich Karl von Preußen, welche in Florenz in einem Hotel wohnt, einen Besuch ab.
— Der Reichstag setzte am i 3., 24. und 2a. April die 2. Beratung der Novelle zum Krankenkassengesetz fort. Die Verhandlung gedieh bis einschließlich § 26 mit dem Ergebnis der Annahme der Kommissions- beschlüffe.
— Das Abgeordnetenhaus hat am 23. April nach längerer Verhandlung den Gesetzentwurf über die Be-
Line Hochzeitsreise
Erzählung von F. Arneseldt.
(Nachdruck »erboten) Fortsetzung.
Als die Tochter nur mit einem verächtlichen Achselzucken darauf antwortete, fuhr sie lebhaft fort:
„Man glaubt, Du habest die Erzählung von dem rotbärtigen Manne nur ersonnen, um den Verdacht von Beuno abzulenken."
„Ist er etwa nicht dagewesen?
„Er hatte den Zug verlassen, ehe der Mord geschah."
„Das behauptet man, und ich behaupte dagegen: er ist dageblieben und hat sich irgendwo versteckt ge halten."
„Nirgends ist eine Spur von ihm vorhanden."
„Doch der elfenbeinerne Totenschädel."
„Den kann Benno ebenso gut an der Uhr getragen haben."
„Ich weiß es besser Mutter", erwiderte Erna mit der Ruhe der Ueberzeugung,' „ich werde suchen und muß den Mörder finden.
„So suche von Rehfelde aus; aber gehe nicht nach G ... Es ziemt sich nicht, in der ersten Trauer Dich der Welt zu zeigen."
^„Was sich ziemt oder nicht ziemt, kommt hier nicht in Frage, sondern was sein muß", erwiderte die junge Frau fest. „Alles ist wider Benno, ich allein bin für ihn, ich will ihm so nahe sein, wie man mir gestattet."
fähigung zum höheren Verwaltungsdienst im großen und ganzen in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse, jedoch mit wenigen, zum Teil nur redaktionellen Aenderungen angenommen. Die Kleinbahnvorlage wurde nach unwesentlichen Erörterungen in 3. Beratung endgültig angenommen.
— Die Budgetkommission des Reichstages lehnte mit 19 gegen 6 Stimmen den Nachtragsetat für den Neubau des Reichsmarineamts ab.
— Der Schluß des Reichstags ist für kommenden Dienstag oder Mittwoch in Aussicht genommen.
— Der Gesetzentwurf betreffend die Frankfurter Wallservitut am 24. April wurde in 3. Lesung ohne Debatte angenommen, desgleichen der Gesetzentwurf über die Außerkraftsetzung einiger in Hessen-Nassau geltenden bau- und feuerpolizeilichen Bestimmungen. Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Bildung von Gesamtverbänden in der katholischen Kirche. Das Gesetz soll für größere Ortschaften, in denen sich mehrere unter einem gemeinsamen Pfarramt nicht ver» bundenen Kirchengemeinden befinden die Bildung parochialer Gesamtverbände zur gemeinsamen Befriedigung der hervortretenden kirchlichen Bedürfnisse ermöglichen. Der Entwurf wird gleich in 2. Sefung angenommen, ebenso der Gesetzentwurf über die Bildung kirchlicher Hilfsfonds für neu zu errichtende katholische Pfarrgemeinden, nur daß dieses Gesetz statt am 1. April am 1. Juli in Kra t treten soll.
— Die gegenwärtige Stärke der Parteien des preußischen Abgeordnetenhauses ist folgende: Konservative 143, Zentrum 98, Nationalliberale 75, Freikonservative 58, 'reifinnige Volkspartei 24, Polen 13, freisinnige Vereinigung 10 und bei keiner dieser Parteien 7. Erledigt sind 5 Sitze.
— Bei der am 22. d. i auf dem Königlichen Hauptgestüt Trakehnen stattgefundenen Pferdeversteigerung sind für 44 Pferde 41 355 Mark, für ein Pferd also durchschnittlich 939,89 Mk. erzielt worden.
— Das neue Portal an der Kathedrale zu Metz ist jetzt fertig gestellt und man beginnt jetzt die Gerüste abzunehmen. Seine Einweihung soll, wie der „Lorrain" ineldet, am 14. Mai abends 5 Uhr vor sich gehen. Das Programm der Feier wird erst noch bem Kaiser vorgelegt werden. Sobald das Portal freisteht, soll es photographiert und eine Aufnahme von etwa anderthalb Meter Höhe soll dann sofort nach Rom geschickt werden, wo sie der Kaiser dem Papste überreichen will.
— Wie für das Heer, so ist auch jetzt für die Marine eine neue evangelische Kirchenordnung erschienen; ferner sind neue Dienstvorschriften für Torpedoboote, für Torpedoreservedivisionen und Schultorpedoboote erschienen. In Kiautschou hat sich nunmehr auch bei dem Gericht in Tsingtau ein Rechtsanwalt niedergelassen, Dr. Juris Georg Rapv; er hat ein Dienstsiegel zu führen, daß den Marineadler trägt mit der Inschrift:
Wecker begriff die Tat und entschuldigte sie sogar mit dem ungeheuren Betrüge, den Rehfeld gegen Benno verübt hatte; ihn verstimmte aber der Mangel an Vertrauen Seitens seines Klienten. Mochte dieser die Tat dem Richter gegenüber leugnen, ihm hätte er reinen Wein einschenken mögen.
Trotzdem unterließ er nichts, was zu Gunsten des Angeklagten geschehen konnte; er vermochte aber nur wenig zu tun, ja die Versuche, ihn zu entlasten, schlugen sogar in das Gegenteil um. Je mehr bekannt ward, wie Rehfeld gegen Benno gehandelt, je mehr sich die Kunde verbreitete, was dieser getan, um sein Haupt mit Ehren im Vaterlande erheben und die Geliebte heimfüren zu können, und mit welchem großen Vermögen er vom Kap zurückgekommen sei, um so mehr befestigte sich die Ueberzeugung, er habe sich blutig an dem Mann gerächt, der ihn mit solcher Hinterlist um die beste Frucht seiner Arbeit betrogen. Man bemitleidete den Mörder weit mehr als das Opfer; aber es gab keine Stimme, die sich für Benno's Unschuld erhob.
„Hast du vergessen, daß Dich das Testament Deines Gatten zur Herrin von Rehfelde macht und die Ausführung seiner letztwilligen Verfügungen in Deine Hände legt? Die Erfüllung dieses Vermächtnisses ist eine heilige Pflicht."
„Sie muß zurücktreten vor einer noch heiligeren. Bleibe Du in Rehfelde, Mutter, ich reise nach G . . ."
Erna verharrte bei ihrem Willen. Von einem
Dr. Juris Georg Rapp, Notar im Bezirke des kaiserlichen Gerichts von Kiautschou.
— Die Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1900 im Deutschen Reiche sind jetzt vom Kaiserlichen Statistischen Amt veröffentlicht worden. Gezählt wurden am:
10. Januar 1873
10. Januar
1883
1. Dezember 1892
1. Dezember
1900
Pferde
Maultiere und
3 352 231
3522 554
3 836 273
4 195 361
Maulesel
1626
1009
383
Esel
11689
6 878
6 320
7199
Rindvieh
15 776 702
14 786 864
17 555 834
18 939 692
Schafe
24 999 406
19189 715
13 589 662
9 692 501
Schweine
7 124 088
9 206 195
12 174 442
16 807 266
Ziegen
2 320 002
2 640 994
3 091 508
3 094 997
Durchschnittliches Lebendgewicht eines Stückes in kg:
— ' " 1883 1892
Rindvieh:
Kälber, noch nicht 6 Wochen alt
50
94
210
„ 6 Wochen bis 6 Monate alt
Jungvieh, 1/2 bis 2 Jahre alt
Stiere und Ochsen, 2 Jahre alt und älter 466
Kühe, 2 Jahre alt und älter
1900
55
99
230 531
443
53
97 219 497 416
380
Schweine, 1 Jahr alt und älter 116 119 126
An Federvieh sind gezählt worden: 6 239 126 Gänse; 2 467 0,3 Enten: 55395 837 Hühner; 351 165 Truthühner; 120 071 Perlhühner; zusammen 64 573 242 Stück.
An Bienenstöcken wurden im Deutschen Reiche ermittelt: 1900 1892 1883 1873 S'ück überhaupt 2 605350 2034485 1911797 2333484 darunter mit beweg
lichen Waben V.H.) 44,2 31,3 19,3 12,6
Bezüglich aller Einzelheiten verweisen wir auf das Ouellewerk, das zum Ladenpreise von Mk. 1,50 durch jede Buchhandlung zu beziehen ist.
Ausland.
— Zu dem am 23. April feierlich vom König in Madrid eröffneten Aerztekongreß sind 3502 ausländische Teilnehmer erschienen, darunter 776 Deutsche, 258 Oesterreicher, 826 Franzosen, 335 Italiener, 290 Russen, 193 Nordamerikaner.
— Aus Aden wird Vorn 23. April gemeldet: „Das von Berbera eingetroffene Transportschiff „Hardinge" bestätigt das Gerücht, daß im Somalilande von der im ganzen 220 Mann starken englischen Streitmacht 10 Offiziere und 180 Mann gefallen sind. Das Unglück traf eine Abteilung, welche von Oberst Cobbes' Rekognoszierungstruppe, die selbst Schwierigkeiten und Wassermangel gefunden hatte und darum auf bem Rückzug war, am 17. April morgens ausgeschickt worden war. Sie sollte einer Patrouille, die angegriffen zu sein schien, Beistand leisten. Die Patrouille war nicht angegriffen worden, aber die zum Beistand ausgeschickte Kolonne von 218 Mann unter Oberst Plun- kett wurde von Berittenen und Fußtruppen des Feindes hart bedrängt, die Munition wurde verschossen und die Truppe versuchte sich dann mit dem Bajonett einen Weg zu bahnen. Alle zehn europäischen Offiziere und die 48 indischen Sikhs wurden getödtet; von den 160 Negersoldaten der Kings African Rifles entkamen nur 37
Diener und einem jüngeren Mädchen begleitet, das an Dorothea's Stelle den Dienst einer Kammerfrau bei ihr versah, reiste sie nach G ... und nahm dort in einem Hotel eine Wohnung. Der einzige Gebrauch, den sie von dem ihr durch das Vermächtnis ihres Gatten zugefallenen Reichtum machen wollte, war, dessen Mörder aufzufinden und Benno zu befreien.
„Sparen Sie keine Kosten, keine Mühen, keine Reisen", war der Schluß jeder Unterredung, die Erna mit dem Rechtsanwalt Wecker, Benno Treuenfeld's Verteidiger, hatte.
Es war dies derselbe Rechtsanwalt, der in Benno's Auffrage die Gläubiger der Firma Treuenfeld u. Göldner befriedigt, und der ihm die Kunde von der bevorstehenden Verheiratung Rehfeld's mit Erna Göldner über den Ozean gesandt hatte, ohne sich der Tragweite dieser Nachricht bewußt zu sein.
Treuenfeld hatte Wecker zu seinem Verteidiger erwählt, und dieser mit Hintansetzung seiner Praxis in der Residenz dem Rufe Folge geleistet, weil er das lebhafteste Interesse an dem jungen Manne gewonnen hatte und es für eine psycholoische Unmöglichkeit hielt, daß ein Mann bin so peinlichem Ehrgefühl, der Jahre seines Lebens in harter Arbeit daran gegeben hatte, um seinen Namen frei zu machen von einer Schmach, an der er unschuldig war, zum feigen, verächtlichen Meuchelmörder werden könne.
(Fortsetzung folgt.)