achtete dabei nicht einer kleiner Wunde, die er an der Hand hatte. Bald zeigte dieselbe einen bösartigen Charakter, und es stellten sich Zeichen von Bluwer- giftung ein. Zum Glück gelang es, durch rasches ärztliches Eingreifen schlimme Folgen abzuwenden, doch wird der Landwirt einige Zeit arbeitsunfähig sein.
—* Ein Kühlort soll nur dann gelüftet werden, wenn die zuzuführende Luft kühler oder mindestens ebenso kühl ist, wie die Luft im Innern des Raumes. Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit trägt sie aufgelöst in sich; je kühler sie ist, desto mehr ist die Feuchtigkeit verdichtet oder niedergeschlagen. Wenn ein Kühlkeller an einem warmen Tage gelüftet wird, so erscheint die eintretende Luft, fo lange sie in Bewegung ist, allerdings kühl, aber wenn sie den Keller erfüllt, wird dieselbe erst von der inneren, kälteren Luft, mit welcher sie sich mischt, abgekühlt. Die Feuchtigkeit verdichtet sich, setzt sich als Beschlag an die Wände und rieselt an denselben herab; dadurch wird der Keller feucht und sehr bald dumpfig. Um dies zu vermeiden, sollten die Keller nur nachts geöffnet werden. Wenn die Kellerluft feucht ist, kann sie vollständig trocken gemacht werden, indem man, je nach der Größe des Raumes, eine entsprechende Menge frisch gebrannten Kalkes in einem offenen Gefäß hinein- stellt. Der Kalk zieht bekanntlich die Feuchtigkeit der Luft begierig an, und es kann daher auf diese Weise in kurzer Zeit ein Keller oder eine Milchkammer trocken gemacht werden.
—* An Stelle des verstorbenen Abgeordneten Bürgermeisters Rosenstock in Obersuhl wurde Herr Landrat Tuerke in Rotenburg zum Mitglied des Hessischen Kommunallandtages gewählt.
—* Der^ Bestand an Auer- und Birkwild hat ich im nördlichen Spessart bedeutend gehoben. Ein Offenbacher Jäger schoß dieser Tage einen prachtvollen Auerhahn, der ein Gewicht von 9'/a Pfund hatte.
—* Der Leipziger Gärtnerverein erläßt in dortigen Tages-Zeitungen folgende Erklärung, welche wir auf Wunsch eines befreundeten Abonnenten hier wieder geben: Die kürzlich erschienenen Angebote der Firma M. Peterseim, Erfurt, veranlassen den unterzeichneten Verein zur Wahrung der berechtigten Interessen seiner Mitglieder zu der Erklärung: 1. Daß Blumenzwiebeln, d. h. Hyazinthen, Tulpen. Narzissen, Trocos usw. nicht, wie obige Firma in ihren Angeboten angibt, Ende Februar, sondern um ein gutes Resultat in der Blüte zu erzielen, im Herbst, während der Monate September bis Dezember in Töpfe oder ins Freie gelegt werden müssen. 2. Daß einer Kommission des Vereins von M. Petersöim, Erfurt bezogene Blumenzwiebeln und Sämereien zur Begutachtung überwiesen wurden und dabei festgestellt werden vnnte, daß die gelieferten Blumenzwiebeln usw. der Jahreszeit entsprechend, teilweise verdorben, überhaupt in einer Beschaffenheit waren, die ein günstiges Kulturresultat unbedingt ausschließt, während die Beutel mit Gemüsesamen (14 verschiedene Sorten zu 1,40 Mark) nur ein Gewichtsquantum von je li/a—3 g enthielten. Von diesen Samen werden von jeder Samenhandlung 10—20 g für 10 Pfennig geliefert, Wir machen das kaufenden Publikum hierauf aufmerksam und bitten an den „Leipziger Gärtnerverein" gefälligst weitere Mitteilungen über Bezüge von M. Peterseim, Erfurt gelangen zu lassen.
* In Berlin ist am Samstag Herr Rektor Clemens Rieth gestorben. Derselbe war in Sannerz geboren und von 1861—1864 Zögling des Fuldaer Lehrerseminars, an dem er nach Ablegung der Prüfung bis zum Herbste des folgenden Jahres als Hilfslehrer wirkte. 1865 wurde er Lehrer, Kantor und Organist in Eisenach und 1871 Lehrer in Berlin, wo er 1885 zum Rektor aufrückke. Rieth war ein tüchtiger Schulmann, ein biederer Charakter und ein frommgläubiger Katholik. Seine zahlreichen Freunde im Heimatlande werden iym ein liebevolles Andenken bewahren.
* In der Stadtverordneten-Sitzung zu Gelnhausen wurde dem Beitritt der Stadt Gelnhausen zu der vom Kommunallandtage beschlossenen Einrichtung einer Ruhegehalts- und Witwen- und Waisenkasse für die Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Caffel zugestimmt.
* Ein ganz niederträchtiger Streich ist einem Einwohner in Eschwege gespielt worden. Sein Schweinebestand, der aus acht Tieren besteht, ist in der Nacht von Freitag auf Samstag voriger Woche durch Strichnin vergiftet worden. Drei Tiere sind bereits eingegangen, auch die übrigen werden wohl kaum zu erhalten sein. Für den Besitzer ist der Schaden um so empfindlicher, als der Verlust leider keine Deckung durch Versicherung findet. Ohne Zweifel handelt es sich bei dem Vorkommnis um einen Racheakt.
* In das Hananer Landkrankenhaus wurde dieser Tage ein Knecht von Steinau verbracht, welcher angab, in einem Wirtshaus in Gelnhausen mit einem geladenen Revolver gespielt zu haben und durch den hierbei losgegangenen Schuß verwundet worden zu sein. Die Kugel drang durch den Unterkiefer, zerschoß die Zunge und blieb in der Backengegend sitzen. Bis jetzt konnte die Kugel noch nicht entfernt werden, doch ist Lebensgefahr für den Verletzten nicht vorhanden.
Males und Provinzielles.
* Schlüchtern, 11. April 1903.
—* Wir Christen begehen mit dem Osterfeste das Fest der Erinnerung an den Welterlöser, der die Buße für die Schuld der Menschheit auf sich nahm, den Tod überwand, siegreich, in geistiger Verklärung seinen Jüngern erschien und sie in ihrem wankenden Glauben aufrichtete und stärkte. Sobald die Osterzeit naht, atmet Herz und Gemüt auf, wie von einem Drucke befreit, und in gespannter Erwartung hängen die Blicke aller derer am Himmel, die an den Ostertagen hinauszupilgern gedenken, aus der Städte und der Häuser Enge, um im Freien von dem Erwachen der Natur Zeuge zu sein. Dem Bewohner der Städte, der sonst in des Erwerbslebens Hast kaum auf die Erscheinungen und Vorgänge in der Natur achten, wie dem Landbewohner, der mit aufmerksamem Auge dem neuen Werden zusieht, zusehen muß, ihnen allen sagt zu Ostern auch ohne den Schall der ehernen Stimmen, die über das Land und die Berge hinweg in die Täler und Auen hineinklingen, ein Gang, ein Umblick in die Natur, daß das Fest der Auferstehung hereingebrochen ist, das Fest des Sieges des Lebens über den Tod, des Frühlings über den Winter. Und wenn uns auch schon oft der Winter noch im Frühling mit einer letzten Probe eines Nachwinters überraschte: diesmal werden wir hoffentlich dadurch nicht gestört in der Ofterfreube, wir hoffen, dem jungen Lenz die Siegespalme reichen zu können, dann werden sich die Feiertage so gestalten, wie wir es allen unsern Lesern wünschen, zu recht fröhlichen Ostern!
—* Bei der Geflügelausstellung in Hanau erhielten von hier folgende Herren auf Geflügel Preise: Herr Georg Bolender einen 2. und einen 3. Preis auf Brieftauben. Ersteren als höchsten Preis für Reisetauben. Herr Ludwig Hildebrand einen Ehrenpreis und einen 1, und 2. Preis auf Hühner (Minorka- Jtaliener.)
—* Bei der mit der Hanauer Geflügelausstellung verbundenen Lotterie wurden folgenden Nummern gezogen:
164, 188, 196, 291, 306, 329, 333, 441, 502, 518, 529, 582, 627, 635, 712, 785, 816, 824, 828, 857, 894, 981, 1073, 1113, 1155, 1160, 1170, 1173, 1232, 1322, 1371, 1451, 1455, 1493, 1553,. 1566,
1606, 1646, 1686, 1692, 1776, 1802, 1809, 1843, 1863, 1889, 1915, 1933, 2031, 2037, 2045, 2054, 2063, 2072, 2117, 2118, 2126, 2149, 2174, 2203, 2311, 2313, 2353, 2423, 2428, 2487, 2488, 2507, 2439, 2571, 2591, 2599, 2602, 2617, 2656, 2666, 2709, 2724, 2873, 2986.
—* Wie aus dem heutigen Inseratenteil ersichtlich ist, veranstaltet der hiesige Turnverein am 2. Oster- feiertag eine theatralische Abendunterhaltung mit nachfolgendem Tanz. Die Spieler, unter Leitung des Herrn W. Rollmann, haben ihr bestes Können eingesetzt, um den Besuchern einen genußreichen Abend zu bieten. Das Programm ist ein sehr abwechslungsreiches und verspricht eine gute Durchführung. Wir wollen nicht veffehlen, Freunde und Gönner des Vereins auch an dieser Stelle auf das Vergnügen aufmerksam zu machen.
■—* In diesem Jahre feiert die Rettungsanstalt für Knaben Hof Reit das fünfzigjährige Jubiläum ihres Bestehens. Der Gründer derselben war der langjährige Direktor des hiesigen Lehrer-Seminars, Stamm, der, solange er lebte, wie ein Vater für die Anstalt und ihre Zöglinge sorgte. Aus kleinem Anfang hat sich die Anstalt, die jetzt ca. 70 Zöglinge zählt, entwickelt.
—* Versuche, die Dächer der Personenwagen weiß anzustreichen, um die Temperatur im Innern zu ermäßigen, werden in diesem Sommer von der Eisenbahnverwaltung angestellt werden.
—* Bleibt auf dem Lande! Dieser Warnruf an die jungen Leute ist gerade jetzt sehr am Platze. Tausende ziehen alljährlich in die großen Städte ohne eine Ahnung von den vielen Gefahren, die große Städte für die Jugend bergen. In der sehr häufig irrigen Erwartung, dort sofort Unterkommen und guten Verdienst zu finden, gehen die meisten nach der Großstadt — aber welche Enttäuschung! Nur wenigen gelingt es, oft erst nach langem Umherlaufen und Suchen. Erschreckend groß ist die Zahl der Arbeitslosen oft in den Großstädten, so daß Herbergen und Asyle für Obdachlose häufig überfüllt sind. So mancher junge Mann, aus dem etwas Tüchtiges zu zu werden versprach, sank dort durch den Verkehr und durch das Zusammenwohnen mit mehr oder weniger verkommenen Menschen selbst von Stufe zu Stufe herab und einmal, namentlich in der Kleidung herab- gekommen, ist es oft recht schwer, wieder ordentliche Stellung zu finden. Und wie oft sinkt dann so ein junger Mensch noch tiefer — bis zum Verbrecher hinab, dann ists vorbei, drum: Bleibt auf dem Lande, wenn ihr nicht ganz bestimmte Aussicht auf sichere Stellung habt.
—* Wie sehr beim Streuen von Düngemitteln Vorsicht am Platze ist, zeigte ein Vorfall, der für einen Landwirt in B. beinahe schlimme Folgen gehabt pätte. Derselbe streute nämlich Chilisalpeter und
* In der chemischen Fabrik von Caffella u. Co. in Fechenheim ereignete sich am 6. April abends hm nach 7 Ubr ein höchst bedauerlicher Unglücksfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Verunglückte, der 36jähriga Fabrikarbeiter Peter Appel aus Klein-Krotzenburg, wollte einen anderen Arbeiter auf dessen Geheiß eine Schippe in das nächste Stock- werk mittelst eines Aufzugs hinaufschicken und rückte denselben ein, nachdem er sich selbst daraufgestellt hatte. Bereits war derselbe in Bewegung, als Appel noch einmal nachsehen wollte, ob die Schippe auch richtig stehe, den Aufzug ev. also nicht hemme oder zerbreche. Diese Unvorsichtigkeit führte das Unglück herbei: an einem Querbalken wurde der Schädel Appels zertrümmert und bereits nach kurzer Zeit trat der Tod ein. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und drei unmündige Kinder.
* Die Bautätigkeit in Marburg verspricht in diesem Jahre im Gegensatz zu anderen Städten eine ganz enorme zu werden. Abgesehen vom Bau der Kreisbahn mit neuem Bahnhof, den Erweiterungsbauten am Nordbahnhof und sonstigen staatlichen Neubauten ist seitens der Baupolizei bis jetzt die Genehmigung zur Errichtung von nicht weniger als 3o Privat-Neubeuten erteilt worden. Mangel an Arbeit ist demnach hier in Marburg für dieses und die nächsten Jahre nicht zu erwarten.
* Der Vorstand des Sparkassenverbandes für die Provinz Hessen-Nassau und Waldeck hat am 4. d. M. in Hersfeld eine Sitzung abgehalten. Den Vorsitz führte Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus (Hanau). Die Hauptversammlung des Verbandes beschloß man am 3. Oktober d. I. in Wiesbaden abzuhalten.
* Die Revision der Freiherrn Eberhard und Sigis- mund v. d. Tann, die von der Strafkammer in Fulda wegen Diebstahls, bezw. Beihilfe in wiederholtem Rückfall zu zwei, bezw. 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden waren, ist von dem Reichsgericht in Leipzig kostenpflichtig verworfen worden. Die Angeklagten hatten seiner Zeit Holz aus dem v. d. Tann'schen Fideikommiß entnommen, worauf sie jetzt keine An- prüche mehr machen konnten.
* Seit dem Jahre 1901 ist mit der Genossen- chaftsmolkerei in Gudensberg eine Eier-Einlieferungs- telle verbunden. Es wurden nach der Eiereinlieser- mgstabelle pro 1902 bereits ca 20 uoo Stück eingeliefert. Der Preis pro Ei schwankte zwischen 5'4 und 10 Pfg. Der Durchschnittspreis pro Ei betrug 7y2 Pfennig.
Vermischtes.
— Der neue RiesenschMllöampfer des Norddeutschen Lloyd „Kaiser Wilhelm II' ist, wie der Telegraph gemeldet hat, am 2b. März wohlbehalten von Stettin in Swinemünde eingetroffen, beginnt sofort mit den Probefahrten und wird am 14 Ahril seine erste Reise nach Newyork antreten. Es handelt sich hier um den größten und voraussichtlich schnellsten Dampfer der Gegenwart, sodaß der Stolz auf den Unternehmungsgeist der deutschen Rhedereien und der deutschen Schiffbaukunst einen berechtigten Triumph wird feiern können. Dir länge des Schiffes beträgt nicht weniger als 706,5 Fuß, die Breite 72 Fuß, die Tiefe 44 Fuß, während die 4 Maschinen zusammen nicht weniger als 40 000 Pferdekräfte indizieren. Das Schiff soll kontraktmäßig eine Geschwindigkeit von 23,5 Seemeilen in der Stunde entfalten; es vermag 775 Fahrgäste 1. Klaffe, 343 Fahrgäste 2. Klasse und 770 Fahrgäste 3. Klasse auf- zunehmen. Die Besatzung beträgt etwa 600 Mann. Gigantisch sind die Speisesäle. Der Speisesaal 1. Klasse enthält allein 554 Sitzplätze, der Speisesaal 2. Klasse 190. Der Dampfer enthält nicht weniger als 5 durchlaufende Decks über die ganze Länge des Schiffes, außerdem noch ein zweites, oberes Promenadendeck und ein Sonnendeck, auf welch letzterem zwei Wiener Kafos angeordnet sind. Man darf auf die Leistungen des Dampfers mit Recht außerordentlich gespannt sein.
— Die 68jährige Rentiere Hirschberg in Warschan wurde ermordet. Kostbare Pretiosen, einige zehntausend Rubel in Wechseln und 100 000 Rubel wurden geraubt. Verdächtig ist das verschwundene Dienstmädchen der Ermordeten.
Bauernhülfsjäger: „Verzeihen S', Herr Förster, i' hab' halt g'seg'n, daß Jhna gar so friert, und da habe i' auf den Sechser g'schossen, damit S' a' weng in die Hitz komma!"
— Mutter: „Wie konnten Sie es wagen, mein Herr, meine Tochter gestern Abend in dem dunklen Garten zu küssen?" — Herr: „Ja, jetzt, wo ich sie b n Tage gesehen, wundere ich mich selbst darüber."
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Erster Osterfeiertag.
Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth.
Zweiter Osterfeiertag.
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Orth.
Nachmittagsgottesdienst: Herr Kandidat Kannegießer.
Wochendienst: Herr Superintendent Orth.