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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 28.

Mittwoch, den 8. April 1903.

54. Jahrgang.

Bestellungen ^ ä»

> fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenommen.

Amtliches.

Seitens eines Verbandes Vaterländischer Frauen« Vereine sind wir um Unterstützung der Zweigvereine auf dem Gebiete der Gemeindekrankenpflege auf dem Lande ersucht worden. Nach eingehender Prüfung dieses Antrags hat der Gesamtvorstand in Der Sitzung vom 14. d. M. beschlossen:

Die Krankenpflege auf dem Lande in Zukunft in der Weise zu unterstützen, daß bis auf weiteres für jede auf dem Lande neu anzustellende Krankenpflege­schwester ein Zuschuß von in der Regel lOo Mark gezahlt wird, diese Zuschußzahlung jedoch davon ab­hängig zu machen, daß einmal die Aufbringung der sonstigen Kosten der Einrichtung und Unterhaltung der Krankenpflegestation sicher gestellt wird, ferner die an­zustellende Krankenpflegeschwester einen mindestens 6- monatlichen ordnungsmäßigen Unterricht in der Kranken­pflege genossen hat und endlich die Krankenpflegerin verpflichtet wird, im Interesse der Versicherungspflich- tigen Bevölkerung tätig zu werden, wobei jedoch eine Kontrolle der Renten-Empfänger ausgeschlossen sein soll

Den Anträgen auf Bewilligung eines Zuschusses sind gleichzeitig diejenigen Unterlagen beizufügen, aus welchen ersehen werden kann, daß die Bedingungen erfüllt sind, unter denen der Zuschuß gewährt wer­den soll.

Cassel, den 20. März 1903.

__________Frh. v. Riedesel, Landeshauptmann.

Deutscher Deich.

Zum zweitenmale stattete der Kaiser dem greisen König Christian IX. von Dänemark, der am 8. d. M. sein 85. Lebensjahr vollenden wird, einen Besuch in Kopenhagen ab. Der erste kurze Besuch erfolgte im Jahre 1888, als der Kaiser auf der Rückreise von seinem Antrittsbesuch in Petersburg den Höfen in Stockholm und Kopenhagen seine Höflichkeit erwies. Der wiederholte Besuch beweist, daß die Beziehungen zwischen Berliner und Kopenhagener Hof nichts zu wünschen übrig lassen.

Für den auf deutscher wie auf dänischer Seite höchst befriedigenden Verlauf des Kaiserbesuches in Kopen­hagen ist der beste Beweis, daß der Kaiser seinen Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt noch um einen Tag länger ausdehnt, als beabsichtigt war.

Der Empfang Kaiser Wilhelms am dänischen Hof ist ein bemerkenswert herzlicher gewesen, und auch das Verhalten der Kopenhagener Bevölkerung war ein sehr

Eine H-Hzeitsreise

Erzählung von 8, Arnkseldt.

(Nachdruck verboten)

Fortsetzung.

Schaudernd erkannte sie den Trauring, den sie dem Ermordeten erst vor wenigen Wochen gereicht, das Medaillon an der Uhr, das ihr Bild emschloß und einen Augenblick ward das Entsetzen so mächtig in ihr, daß sie sich abwandte und ihr Gesicht an der Schulter ihrer Mutter verbarg.

Sie erkennen an, daß kein Raub verübt worden ist?" Diese Frage des Richters und noch mehr der halb triumphierende, halb lauernde Ton, in dem sie gestellt ward, gab Erna ihre Fassung wieder. Mehr mit dem Herzen als mit dem Verstände begriff sie, was auf dem Spiele stand."

Ich vermisse die Brieftasche meines Mannes," sagte sie gelassen,ist die nicht bei thm gefunden worden?"

Eine Brieftasche? Wie sah sie aus?"

»Sie war von braunem Juchtenleder, hatte einen silbernen Beschlag und trug von Silber die Jntialen Ch. v. R." erklärte Erna mit der größten Bestimmt­heit.

Der Landrichter stutzte; diese Angabe drohte das ganze Gebäude zu zerstören, daß er bereits in Gedanken aufgeführt hatte.Sie kannten auch den Inhalt der Brieftasche?"

Nicht im Einzelnen; ich weiß aber, daß Herr v.

sympathisches. Ein besonders warmer Ton geht durch die Tischreden der beiden Monarchen. Den Worten des Königs Christian: Möge dieser Besuch zum wei­teren Gedeihen des herzlichen Verhältnisses zwischen unseren Häusern und unseren stammverwandten Völ­kern beitragen! ist eine besondere Bedeutung beizulegen. Des Kaisers Worte sind eine liebenswürdige Huldigung vor .dem ältesten Fürsten Europas, welcher sicher in Dänemark bei Hof und Volk den besten Eindruck ge­macht hat.

Ich, der jüngsten einer unter Europas Herrschern, neige mich in Ehrfurcht vor ihrem Haupte und spreche aus ganzem, tiefstem, vollem Herzen, und da weiß ich mich eins mit meinem gesamten Volte, das stamm­verwandt dem braven dänischen ist. Gott schütze und erhalte und Gott segne Eure Majestät, zu dem wir an; bilden als dem gnädigen, sorgen- und herzensoollen Landesvater, der ein Muster ist als Fürst und ein Muster als Ehemann und Vater auf dem Throne. Möge noch lange Euerer Majestät vergönnt sein, im Kreise blühender Kinder und Heranwachsender Enkel­kinder für das Wohl Ihres treuen Volkes zu sorgen, und möge noch recht lange König Christian vor seinem hohen Mast stehen, auf dem der Danebrog weht, dessen Falten ihn noch lange umrauschen mögen."

Die Kaiserin wird nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen nach erfolgter Heilung ihres verletzten Armes und nach Eintritt der warmen Witterung in Begleitung iyier beiden jüngsten Kinder für einige Zeit nach Kabinen übersiedeln, um dort ihre vollstän­dige Wiederherstellung abzuwarten.

Zur Begrüßung des am Sonntag Nachmittag in den Dardanellen eingetroffenen deutschen Kronprinzen und des Prinzen Eitel Friedrich waren dieLoreley" mit dem deutschen Geschäftsträger Frh. v. Wangenheim und einigen Herren der Botschaft und die türkische PachtFuat" mit einer türkischen Mission unter Turt- Han Pascha erschienen. Die Ankunft in Konstantinopel erfolgte am Monmg Vormittag.

Die Kaiserliche Marine will nunmehr auch einen Versuch mit den schon öfter erwäbnten Dampfturbinen machen und hat zu dem Zweck zwei Maschinen bei der A.-G.Turbinia" bestellt. Die eine Turbinenanlage in der Stärke von 5000 Pferdekräften ist für ein Hochsee-Torpedoboot der neuen bei Schichau in Bau befindlichen Serie, die andere mit einer Leistung von 10 000 Pferdekräften für den vomVulkan" zu er­bauenden kleinen KreuzerErsatz Merkur" bestimmt. Es werden dies die ersten Schiffe der Kaiserlichen Marine sein, bei welchen der Ersatz der jetzt als Be­triebsmaschinen gebräuchlichen Kolbendampfmaschinen durch Dampfturbinen erprobt werden soll.

Die völlige Beilegung des Trierer Schulstreiks ist erfolgt. Ein kaiholischer Oberlehrer wird demnächst an der dortigen Töchterschule und am Seminar den

Nehfelb darin einige Briefe, seine Legitimationspapiere und eine große Geldsumme verwahrte."

Aber Erna!" rief hier Frau von Göldner, die fürchtete, ihre Tochter lasse sich durch den Wunsch, Benno zu retten, zu falschen Angaben verleiten,wo sollte dein Gatte jetzt zu einer großen Geldsumme ge­kommen sein? Ihr kehrtet ja von der Reise zurück. Du mußt Dich irren."

Der Landrichter, der sich zuerst jede Einmischung hatte verbitten wollen, ließ die alte Dame gewähren; sie kam ihm ja vortrefflich zu Hilfe. Hatte er jedoch gehofft, Frau v. Rehfeld in Verlegenheit geraten zu sehen, so teuschte er sich; ohne einen Augenblick zu zögern, erklärte sie:

Rehfeld hatte in Wien für Getreide die Summe von zwanzigtausend Gulden in Empfang genommen und trug das Geld in großen Bankicheinen in der Brieftasche."

Davon hat Dorothea nichts gesagt!" rief der Landrichter in seiner Ueberraschung aus.

Erna richtete sich höher auf.Erscheint es Hhnen auffällig, daß ich darüber besser unterrichtet bin, als meine Kammerfrau?" fragte sie stolz.

Ich werde Nachforschungen nach der Brieftasche anstellen lassen," versetzte der Landrichter etwas klein­laut.Kennen Sie dies?" fügte er hinzu, indem er der jungen Frau einen kleinen, elfenbeinernen Toten­schädel hinhielt.

Sie schüttelte verneinend den Kopf.Was ist das?"

Unterricht im Deutschen und in der Geschichte erteilen und die Pfarrgeistlichkeit von Lorenzius wird im Auf­trag des Bischofs Korum den Religionsunterricht über­nehmen.

DieGermania" meldet aus Freiburg im Breisgau: Die Anmeldungen für den allgemeinen deutschen Pilgerzug nach Rom sind jetzt abgeschlossen. Es nehmen 1450 Pilger daran teil, ohne die oft- deutsche Abteilung.

Im Jahre 1902 ist in Deutschland bedeutend mehr Roggen, Weizen und Hafer geerntet worden als in irgend einem Jahre zurück bis 1893. Die Kartoffel­ernte blieb zwar hinter der des Vorjahres um fast 5 7« Millionen Tonnen zurück, übertraf aber bie aller anderen Jahre bis 1893. Für das Erntejahr 1901/02 standen für menschliche und tierische Ernährung und gewerbliche Zwecke auf den Kopf der Bevölkerung an Roggen 137,7, an Weizen 78,5, an Spelz 6,5, an Gerste 72,1, an Hafer 112, 8 und an Kartoffeln 732,4 Kilogramm zur Verfügung,

Ausland.

Der Kaiser und die Kaiserin-Regenftn in China haben den Punzen Rupprecht und den Prinzen Georg von Bayern empfangen. Der Empfang der Prinzessin Rupprecht ist für den 18. April in Aussicht genommen.

Infolge des Bürgerkrieges auf Dominica ist Kommodore Scheder mit derVineta" zur Wahrung der handelspolitischen Interessen Deutschlands jetzt nach San Domingo beordert worden.

In Madrid kam es zu einem Zusammenstoß zwischen ungefähr 3000 Arbeitern und Studenten und der Polizei, welcher in einen wahren Kampf ausartete, wöbe» viele Revolverschüsse abgegeben und mehrere Personen verwundet wurden.

Die letzten Berichte der russischen Konsuln in Mazedonien haben in der Petersburger Gesellschaft hochgradige Erregung hervorgerufen, insbesondere die Verwundung des russischen Konsuls in Mitrowitza. Eine Depesche derNowoje Wremja" aus Belgrad schreibt letztere der Agiration der katholischen Propa­ganda unter den Albanesen zu. Einige Blätter bringen scharfe Leitartikel gegen die türkische Regierung. Nach eingegangenen Meldungen ist die Pforte tatsächlich be­müht, der Willkür der Ananten ein Ende zu machen. Eine bedeutende Anzahl türkischer Truppen, meistens aus Kleinasien, ist an den Ort der Unruhen abge- gangen.______________________________________________

Males und Provinzielles.

* Schlüchtern, 7. April 1903.

W Des hl. Charfreitags wegen gelangt die nächste Nummer unserer Zeitung erst Samstag Nachmittag zur Ausgabe.

Wahrscheinlich ein Berloque von der Uhr des Mörders, das der Ermordete ihm abgerissen hat; wir fanden es zwischen den erstarrten Fingern des Toten."

Erna nahm das winzige Spielzeug in die Hand und betrachtete es von allen Seiten.Ein Fingerzeig, Gott sei Dank, ein Fingerzeig!" seufzte sie aus tiefstem Herzensgründe.

Hier ist noch ein anderer viel stärkerer", versetzte der Untersuchungsrichter,der Mörder hat die Waffe fallen lassen, mit der er den tötlichen Stoß geführt. Er zog den Dolch hervor.

Erna ward totenbleich und starrte mit stummem Entsetzen auf den Dolch; Frau Göldner aber rief:

Der Dolch"Sie kam nicht weiter; ihre Tochter war hinzugesprungen und legte ihr die Hand auf den Mund.Schweige, Mutter, um Christi Willen, schweige!" hauchte sie.

Dieses Verbot sagt genug," versetzte der Unter­suchungsrichter, der mitleidlos seinen Vorteil verfolgte. Die Damen haben den Dolch erkannt."

Es hilft kein Leugnen und Vertuschen, Kind," sagte Frau Göldner schluchzend.Rechnen Sie es ihr zu, Herr Richter; wenn Sie Alles wissen, werden Sie es begreifen."

Der Untersuchungsrichter neigte zustimmend das Haupt und fragte:Der Dolch ist Ihnen bekannt?"

Ja," antwortete Frau Göldner, ohne sich an die abmahnenden Winke ihrer Tochter zu kehren.

(Fortsetzung folgt.)