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I Die Expedition

r der Schlüchterner Zeitung.

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Amtliches.

Hofgraveur Wilhelm Schlemming in Cassel empfiehlt Fleischbeschau-Stempel nebst Kasten pro St. 8 Stars. Bei Abnahme des Bedarfs für den ganzen Kreis würde das Stück für 7,50 Mk. geliefert werden können.

Bestellungen werden in meinem Bureau entgegen genommen, auch kann ein Probekasten nebst den vor­geschriebenen Stempeln hier in Augenschein genommen werden.

Schlüchtern, den 31. März 1903.

Der Königliche Landrath: Roth.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche noch mit der Erledigung der Verfügung von, 13. d. Mts. Kreisblatt Nr. 12 betreffend die Ermittelungen über die Zahl und Art der noch vor­handenen Kriegsteilnehmer im Rückstände sind, werden an die Erledigung mit 24 Stunden Frist erinnert.

Schlüchtern, den 31. März 1903.

Der Königliche Landrat: i. V. Goerz.

Deutsches Kelch.

Der Neubau des Herrenhauses in Berlin wurde am letzten Sonntag nachmittag 3 Uhr vom Kaiser in Augenschein genommen. Zum Empfang hatten sich der Präsident des Herrenhauses Fürst zu Wied und der erste Vizepräsident Herr v. Manteuffel, sowie der Büreaudirektor Herr Reissig eingefunden. Der Kaiser besichtigte eingehend den Platz für die GruppeDie Krone, der Hort des Friedens".

Der Kaiser tritt am 1. April abends die Reise nach Kopenhagen an. Sein Gefolge besteht aus dem Oberhofmarschall Eulenburg, Generaladjutant v. Moltke,

LineHochzeitsreise^

Erzählung vvu 8. Arnefeldt.

(Nachdruck »erboten) Fortsetzung.

Die zwischen den Koupee'r befindlichen Türen standen offen, ebenso daS Fenster in dem Koupee erster Klasse. Der Oberbeamte und der Schaffner sagten aus, daß sie das letztere sowie die nach dem Koupee, in welches Treuenfeld gehörte, führende Tür offen gefunden, da­gegen die andere erst aufgemacht hätten, um die Kammer­frau aus ihrem Koupee herbeizuholen. Die Tür eines hinter dem letzteren befindlichen kleinen Kabinetts war fest eingeklinkt.

Außer dem Handgepäck und den Decken der Reisenden, das der Landrichter vorläufig auch mit Beschlag belegte, fand sich bei der sorgfältigsten Untersuchung in den drei Koupee'S nichts vor; die Beamten kehrten daher in das Haus zurück, um das erste Verhör zu veran- stalten.

Der Oberbeamte konnte nur den bereits von um erstatteten Bericht wiederholen; die Schaffner bestätigten ihn, und der eine fügte noch hinzu, er habe die alte Kammerfrau, als er sie zu erwecken versuchte, in einem Schlafe befangen gefunden, der für ihn etwas Unna­türliches gehabt habe.

Sie war allein im Koupee?" fragte der Beamte und fuhr, als der Schaffner dies bejahte, fort:Auch in dem anderen Koupee zweiter Klasse hatten Sie nur hen einen Reisenden?"

Mittwoch, den 1. April 1903.

Generalmajor v. Löwenfeld, dem Leibarzt Dr. Jlberg zwei weiteren Flügeladjutanten, Vizeadmiral v. Senden- Bibran, Graf Hüllsen-Häseler.

Ihre Majestät die Kaiserin hat sich am 27. März durch ein Unfall einen Bruch des linken Vorder­arms zugezogen. Die Kaiserin ritt mittags mit dem Kaiser, dem Prinzen Adalbert und seinem Gefolge durch den Grunewald. Sie kamen vom Kaiser-Wilhelm- Turm und ritten quer durch den Wald nach dem Jagdschloß Grunewald. Das Terrain dort ist sehr stark hügelig, stellenweise steil, die Wege ziemlich schlecht. Plötzlich stolperte das Pferd der Kaiserin über eine aus dem Erdboden hervorragende, besonders starke Baumwurzel. Infolge des Stoßes fiel die Kaiserin nach der linken Seite vom Pferde herab, unwillkürlich griff sie, während die rechte noch den Zügel festhielt, mit der linken Hand auf den Erdboden und zog sich dabei einen einfachen Bruch des linken Vorderarmes zu. Prinz Adalbert war der erste, der seiner Mutter zu Hilfe kam. Die Kaiserin mußte vorläufig im Grunewald warten, bis schleunigst vom Jagdschloß Grunewald eine Equipage herbeigeholt war, und dann wurde die Kaiserin nach dem Jagd­schloß gefahren. Inzwischen hatte man per Automobil die kaiserlichen Aerzte, den Generalarzt Dr. Zunker, den Generalstabsarzt Dr. v. Leuthold und den Ober­stabsarzt Dr. Jlberg, herbeigeholt. Diese schienten den Arm der Kaiserin ein. Alsbald kehrte dann der Kaiser zu Pferde, die Kaiserin im Wagen nach dem Königlichen Schloß in Berlin zurück. Das Befinden der Kaiserin ist den Umständen nach gut. und es ist also volle Hoffnung vorhanden, daß der Unfall ohne ernste Folgen bleibt und eine ebenso vollständige Heilung stattfinden wird, wie bei der Fußverrenkung, die sich die Kaiserin vor einigen Jahren bei dem Sommeraufenthalt in Berchtesgaden infolge Aus- gleitens zuzog.

Der Kronprinz ist in Affuan eingetroffen und hat den Nildamm bei Affuan und den Tempel von von Philae besucht. Am Sonnabend unternahm der Kronprinz von Affuan aus einen Kamelritt in die Wüste. Sein Gesundheitszustand ist vorzüglich.

Prinz Heinrich tritt, wie man aus Kiel meldet, mit dem ersten Geschwader am 2. April eine vier­tägige Uebungsfahrt an und wird in Verbindung damit dem Kaiser auf der Fahrt nach Kopenhagen bis zum Sund das Geleit geben.

Das Abgeordnetenhaus erledigte im Laufe der vorigen Woche den Gesetzentwurf über die Landestrauer, welcher endgültig angenommen wurde. Die wesentliche Bestimmung dieses Gesetzes beruht darin, daß öffent­liche Lustbarkeiten und Schauspielvorstellungen vier Tage lang vom Sterbetage (einschließlich) ab und am Tage der Beisetzung einzustellen sind. Nach dem Trauerreglement von 1797 sind Musik und Schau-

Während der letzten halben Stunde, ja. Von Wien aus saßen vier Herren darin; zwei stiegen jedoch bald wieder aus, der dritte hatte ein Billet bis K. und verlief) auch dort das Koupee."

Wie lauge hielten Sie sich auf?"

Zwölf Stunden. K. ist die Station, bei welcher der Kourierzug am längsten Aufenthalt hat; dann dauert es beinahe dreiviertelstunden, ehe wieder ange- halten wird, weil einige kleine Stationen dazwischen liegen, an denen wir vorüberfahren."

Und auf dieser Strecke geschah der Mord?"

Der Mann bejahte.

Der Landrichter ließ ihn abtreten und Dorothea herbeirufen. Das Verhör der alten Kammerfrau währte sehr lange. Als sie sich entfernte, funkelten ihre Augen wie die einer Katze; sie wußte, ihre Aussage hatte den Mörder vernichtet, und was ihr vielleicht noch nicht gelungen war, das vollendete Frau Göldner, an Die sie telegraphiert hatte, und die jeden Augenblick eintreffen konnte.

Der Landrichter hielt es nach allem, was er gehört, nicht für geraten, mit Benno Treuenfeld das Verhör im Bahnhofsgebäude fortzusetzen. Er ordnete sofort die Verhaftung des Verdächtigen an und ließ ihn in einer verschlossenen Kutsche nach bem Kriminalgericht schaffen.

Hierauf ließ er Frau v. Rehfeld zu sich bitten, erhielt aber den Bescheid, die arme junge Dame liege im tiefen Schlafe. Rücksichtsvoll befahl er, sie nicht

54. Jahrgang.

ist > - spiele vom Sterbetage ab acht Tage lang einzustellen. Die neue Vorschrift kürzt also die Trauerzeit ab, dehnt aber das Verbot auch auf öffentliche Lustbarkeiten aus, welche ohne Verwendung von Musik und ohne Schau­spiele stattfinden.

Die Finanzkommission des Herrenhauses beendete die Beratung des Etats. Beim Etat der Eisenbahn­verwaltung wiederholte Minister Budde auch den Mitgliedern des Herrenhauses die Rede, die er schon in der Budgetkommission und dem Plenum des Abge­ordnetenhauses gehalten hat. Neu war die Mitteilung, daß für einige bestimmte Strecken die Züge mit elektrischer Beleuchtung versehen werden, und daß die Versuche mit elektrischem Antrieb aus der militärischen Schnellbahn nach Zossen in verstärktem Maße fortge­setzt werden sollen.

Das Torpedoboot 8 65, das als erstes Kriegs­fahrzeug den Elbe-Travekanal besuhr, hat die Fahrt von Lübeck nach Lauenburg an der Elbe in 10'/a Stunden ohne Hindernis zurückgelegt. Beim Passieren der zahlreichen Brücken war lediglich ein Umlegen des Signalmastes erforderlich. '

Bei Brunshausen stieß der englische Dampfer Equity" mit dem Hamburger Schleppdampfer Johannes Körner II" zusammen. Letzterer sank. Der Steuermann des Schleppdampfers wurde gerettet; der Maschinist und der Deckmann sind ertrunken.

Ausland.

Unter dem Vorsitz des Königs Alfon hat in Madrid ein Ministerrat stattgefunden, in welchem der Heeresetat auf 153 Millionen und die Präsenzstärke auf 100,000 Mann festgesetzt wurde. Der König hat ferner das Dekret betreffend die Auflösung der Kammern unterzeichnet. Nach Meldung Wiener Blätter soll angeblich die Verlobung des Königs mit Prinzessin Luise von Orleans bevorstehen.

Der Gouverneur der Kapkolonie ordnete die Freilassung aller polirischen Gefangenen an, mit Aus­nahme der zu Zwangsarbeit verurteilten. Durch diese Verordnung erhalten 527 aufständische Kap- Holländer die Freiheit zurück. Die übrigen Gefangenen, die nicht freigelassen werdet! können, kommen zu erneuter Verhandlung noch einmal vor Gericht. Die auf Ver­lust des Wahlrechts lautenden Urteile bleiben in Kraft.

Das ganze Gebiet zwischen Fez und der algerischen Grenze ist im Aufstand gegen den Sultan. Die größten Kabrflenstämme aus den Küstengebieten halten in Mazuza Beratungen ab, um sich über ihr Verhalten schlüssig zu machen. Die Mehrheit zeigt sich dem Prätendenten günstig. Nach den letzten Nach­richten soll der Onkel des Sultans Hainza von den Anhängern des Prätendenten eingeschlossen gefunden haben. zu stören und ihr nur beim Erwachen zu sagen, daß sie sich unverzüglich nach seinem Amtszimmer im Kriminalgericht begeben möge.

Benno Treuenfeld hatn eine furchtbare Nacht ver­bracht Man hatte ihm ein ziemlich geräumiges Zimm r mit einem Bett darin angewiesen; aber es fiel ihm garnicht ein, sich niederzulegen, er blieb in seinen Kleidern und lief ruhelos auf und ab Zuweilen trat er ans Fenster, öffnete es, schaute einige Minuten herab in den Hof, welchen düster zum sternenlosen Nachthimmel aufragende Güterschuppen einfaßten, und schloß es dann wieder. Er warf sich auf das Kanapee und sprang wieder auf, um seine Wanderung durch's Zimmer von neuem zu beginnen.

Luft! Luft! ich ersticke!" rief er, als es Morgen geworden war, und der Regen an die Scheiben schlug; das kühle Naß wird mir gut tun!" Er öffnete die Tür, um Hinunterzugehen, prallte aber einen Schritt zurück. Im Vorsaal, wo noch Dämmerung herrschte, schoß etwas vor ihm auf, und vermochte im ersten Augenblicke nicht zu unterscheiden, ob es ein Mensch oder ein katzenartiges Tier sei; im nächsten hatte er die alte Dorothea erkannt, die pustend und zischend rief;

Der Mörder will entwischen; haltet ihn! laßt ihn nicht fort!"

(Fortsetzung folgt.)