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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Samstag, den 28. März 1903
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mit amtlichem Kreisblatt
Die Schlüchteruer Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge
unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet Schlüchterner Zeitung über alle neue und merkenswerte Vorkommnipe aus dem Kreise und Provinz.
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Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
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Deutsches Reich.
— Am 25. März nachmittags unternahm der Kaiser mit dem Prinzen Adalbert einen Spazierritt nach dem Hippodrom, welchem sich die Kaiserin bei Schloß Bellevue anschloß. Später empfing der Kaiser im königlichen Schlosse den aus St. Petersburg zurückgekehrten Staatssekretär des Reichsmarineamts Vizeadmiral von Tirpitz, und darauf den russischen Minister- attach« Oberstleutnant v. Schebeko.
— Aus Kopenhagen berichtet man dem „Daily Telegraph" daß Kaiser Wilhelm während seines Aufenthaltes nach Roskilde gehen werde, um dort die Kathedrale und die königlichen Gräber zu besuchen. Bei dieser Gelegenheit werde der Kaiser Blumen auf das Grab der Königin Luise legen. Am 4. April wird ein Konzert stattfinden, dessen Erträgnis dem Denkmalfonds für die Errichtung eines Denkmals des Komponisten Hartmann zuerteilt werden wird. Di e Königin Alexandra und die Kaiserin-Witwe von Rußland werden dem Konzert beiwohnen, und man hofft auch auf die Anwesenheit des Kaisers. Die Billette wurden bereits vor Monaten ausverkauft.
— Der deutsche Kronprinz besuchte bei voll-
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Erzählung von F. Arnefeldl.
(Nachdruck verboten) Fortsetzung.
„Einige Worte, die zwischen Frau v. Rehfeld, der Kammerfrau und dem als Benno Treuenfeld bezeichneten, jungen Herrn gewechselt wurden, lassen mich darauf schließen, daß es sich hier um eine Liebes-Jntrigue handelt."
«Durchsuchen Sie Taschen des Leichnams, ob sich Wertpapiere oder Geld darin finden", befahl der Landrichter den Gerichtsdienern. Dieselben machten sich ans Werk. Es fand sich das Portemonnaie, das aber nur einige Goldstücke und etwas Silbergeld enthielt; ebenso waren die Uhr und Kette vorhanden.
„Man hat den Toten nicht beraubt", rief der Landrichter. „Auch die Ringe scheinen noch an den Fingern zu sein."
Der Gerichtsdiener ergriff die Hand, welche der Tote fest geballt hatte, und versuchte sie auseinander zu brechen; dabei erfaßte er einen kleinen, harten Gegenstand, den der Unglückliche zwischen den erstarrten Fingern hielt, und zog ihn mit vieler Mühe hervor.
„Was haben Sie da?" rief der Landrichter, der den Bewegungen des Mannes aufmerksam gefolgt war.
„Ich weiß es selbst nicht", Herr Landrichter", ver- setzte der Diener, es scheint ein schnurriges Ding zu sein."
kommenem Wohlbefinden die Tempel von Deirel Medinet und Medinet Habu, sowie die Gräber von Ournet Murrai. Nach einer Meldung aus Kairo ist auch das Befinden des Prinzen Eitel Friedrich sehr gut.
— Der Reichstag hat am 24. März die Beratung des Haushaltsetats beendigt und seine Osterferien angetreten. Nach der hitzigen Debalte um den Zolltarif hat in dem Hause eine ruhige Ueberlegung Platz gegriffen, welche es ermöglichte, daß die Etatsberatungen einen würdigen und ruhigen Verlauf nahmen. Die Vorlagen, Wünsche und Anträge der Reichsregierung wurden im großen und ganzen angenommen und anerkannt und damit bekundet, daß unsere Regierung voll und ganz bestrebt ist, das Wohl des Reiches und seiner Bewohner nach jeder Richtung hin zu fördern.
Am 21. April tritt der Reichstag wieder zusammen und wird dann die Vorlage über Schutz des Wahlgeheimnisses, das Phosphorgesetz und die Kranken- kassennovelle erledigen, wahrscheinlich auch noch einen Nachtragsetat, der sich auf den Bau des Geschäftsgebäudes des Reichsmarineamts in Berlin bezieht.
— Der Bundesrat hat dem Gesetzentwurf wegen Sicherung des Wahlgeheimnisses geschlossen zugestimmt. Der Entwurf ist dem Reichstag bereits zugegangen.
— Die beste Hilfe für das Handwerk liegt in der Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit. Je tüchtiger der Einzelne ist, je besser die Arbeit, die er in seiner Werkstatt leistet, je brauchbarer die Ware, die er in seinem Laden feilhält, desto größeren Zuspruch, Umsatz und Gewinn wird er haben. Zu einer ausreichenden technischen wie kaufmännischen Ausbildung haben Staat und Gemeinde, entweder für sich allein, oder im Zusammenwirken mit Jnteressentenvereinigungen, Gelegen- peit zu bieten. Einzelne deutsche Bundesstaaten entledigen sich dieser Aufgabe mit regerem, andere mit geringerem Eifer. In Preußen wird diesem Verwaltungszweige eine erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Der Handelsminister Möller hat soeben eine „Denkschrift über den Stand der Gewerbeförderung im Königreich Preußen" dem Landtag unterbreitet und darin insbesondere diejenigen Maßnahmen aufgeführt, welche die Fortbildungsschulen, die Baugewerk-, Maschinenbau-, Kunstgewerbe- und sonstigen Fachschulen, sowie die Einrichtung der Meisterkurse betreffen.
9tad) dieser Denkschrift waren zu Anfang des Jahres 1902 in Preußen 1684 Fortbildungsschulen — einschließlich der Jnnungsschulen, jedoch ausschließlich der Fortbildungsschulen für die weibliche Jugend und der dem Landwirtschaftsminister unterstellten landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen — vorhanden. Ihre Schülerzahl betrug ungefähr 200 000.
Der Unterricht umfaßt in der Regel 6—8 Stunden für jeden Schüler. Die Unterrichtsgegenstände sind Deutsch, Rechnen und Zeichnen, in den gewerblichen Fortbildungsschulen größerer Städte auch Naturgeschichte,
7®in Totenschädel! rief der Arzt, der ebenfalls scharf zusah. Der Mörder ist doch nicht etwa ein Kollege von mir?"
„Sie halten dieses Stück für das Eigentum des Mörders?" fragte der Landrichter, indem er ganz dicht an das Fenster trat, um den aufgefundenen Gegenstand genau zu betrachten. Es war ein winziger Totenschädel, sehr fein aus Elfenbein geschnitzt, der als Berloque an der Uhr getragen worden sein mußte; denn es be- fand sich ein Häkchen daran, das durchgerissen war. In roter Schrift standen darauf die Buchstaben T. G., die auf einem Grunde von ganz feinen roten Arabesken lagen.
„Der Unglückliche hat sich doch gegen den Mörder zur Wehr gesetzt und ihm in der Todesangst das Berloque von der Uhr gerissen", erklärte der Gerichtsarzt; „lange hat der Kampf freilich nicht gewährt."
„Immerhin lange genug, um uns noch ein Beweisstück in die Hände zu liefern", bemerkte der Landrichter; „dieser Schädel und der Dolch sind charakteristisch für den Mörder."
„Sollte dieser wirklich eine so leicht kennbare Waffe zurückgelassen haben?" wandte der Assessor zweifelnd ein.
„Wenn die Herren Mörder auch bei ihren gemeinhin äußerst schlau angelegten Plänen nicht wenigstens eine Dummheit begingen, würde man der Verbrecher nie habhaft", antwortete der Landrichter von oben herab, „und hier haben wir es, wie mich bedünken
Wechsellehre, Gesetzeskunde, Stenographie und moderne Sprachen. Bei dem Zeichenunterricht wird vor allem auf die Verwendbarkeit des Gelernten im Berufe der Schüler entscheidender Wert gelegt, weshalb man so bald wie möglich vom elementaren zum Fachzeichnen Überzugehen pflegt. Zur Heranbildung geeigneter Lehrkräfte werden seit dem Jahre 1886 Zeichenkurse abgehalten und auch Ausbildungskurse für Lehrer an kaufmännischen Fortbildungsschulen.
Auch der hauswirtschaftlichen und beruflichen Ausbildung des weiblichen Geschlechts hat der preußische Staat in den letzten Jahren seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt, indem er nicht nur die in erster Linie für die männliche Jugend begründeten gewerblichen Lehranstalten in immer größerer Zahl auch den Mädchen zugängig machte, sondern auch die von Privaten, Vereinen und Kommunen für die Hauswirtschaft- liche und sachliche, gewerbliche und kaufmännische Ausbildung junger Mädchen errichteten Haushaltungs-, Fortbildungs- und Fachschulen durch Subventionen unterstützte und auch zur Gründung staatlicher Anstalten dieser Art überging. Besonders wichtig für die Fortbildung der Gehilfen und Meister sind die während der letzten Jahre in immer größerer Zahl eingerichteten sogenannten „Meisterkurse". In ihnen erhalten ältere Gehilfen und selbständige Meister 4—8 Wochen hindurch Unterricht im Fachzeichnen, kaufmännischen Rechnen, in der Materialienkunde, Buchführung, Gesetzeskunde und besonders in praktischen Arbeiten an den neuesten Kraftmaschinen. Dauernde Ausstellungen von Rohstoffen, Halb- und Ganzfabrikaten, Werkzeugen, Antriebs- und Arbeitsmaschinen, die im Betriebe vor- geführt werden, ergänzen diesen Unterricht. Zu jedem Kursus werden etwa 10 Teilnehmer zugelasfen, wobei sehM^adiae Meister vor Gehilfen und von den letzteren wieder solche den Vorzug erhalten, die sich binnen kurzem selbständig machen wollen. Ausstellungen von Motoren, Werkzeugen, usw. sind auch mehrfach von Handwerkskammern veranstaltetworden.
Austand.
— Die „Nowoje Wremja" in Petersburg meldet aus Söul, daß die koreanische Regierung den japanischen Gesandten aufforderte, die in den koreanischen Binnenstädten eröffneten japanischen Postanstalten zu schließen.
Der chinesische Gesandte fordert von Korea eine halbe Million Dollars, die Korea seit zehn Jahren einem chinesischen Kaufmanne für den Bau der Telegraphenlinie Söul-Jntschau schuldet.
— Am 23. März überfielen Räuber die Stadt Manila Turigao auf Mindango und machten den Polizei-Inspektor und eine Anzahl Mannschaften nieder. Das Schicksal der weißen Beamten und der übrigen Fremden ist unbekannt. Verstärkungen sind eiligst abgegangen, um die Stadt wieder zu entsetzen. Auch in Jolo sind Unruhen ausgebrochen.
will, nicht mit einem Verbrecher von Profession, sondern mit einem durch eine rasende Leidenschaft blind und toll gemachten Menschen zu tun. Der Fall wird keine großen Schwierigkeiten darbieten. Sie haben doch den Herrn Treuenfeld gut bewachen lassen?" wandte er sich wie im plötzlichen Erschrecken zu dem Stationsvorsteher.
Dieser verbeugte sich und erwiderte: „Das Zimmer, in das wir ihn einlogiert, liegt im zweiten Stock und hat nur eine Tür, vor welcher ein Polizist postiert ist; hätten wir aber selbst diese Vorsichtsmaßregel nicht angewendet, so würde doch Wache gehalten werden. Die alte Kammerfrau kauert vor der Tür und ist nicht wegzubringen."
„Sie scheint einen grimmigen Haß auf Treuenfeld zu haben; das erkannte ich schon in der Nacht", bemerkte der Oberbeamte.
„Hören wir, was sie gegen ihn vorzubringen hat", versetzte der Landrichter und gab seine weiteren Anordnungen.
Der Leichnam wurde auf eine inzwischen herbeigebrachte Bahre gelegt und vorläufig in ein Zimmer des Stationsgebäudes getragen, wo er bleiben sollte, bis Beschluß darüber gefaßt war, ob noch eine gerichtliche Obduktion nötig sei oder ob er sofort den Hinterbliebenen behufs der Beerdigung ausgeliefert werden könne. Hierauf unterwarf man den Wagen noch einer eingehenden Besichtigung.
(Fortsetzung folgt.)