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Deutsches Reich.
— Sr. Majestät der Kaiser besichtigte am 14. März im Kunstgewerbemuseum das neue, dort seit ! - einiger Zeit ausgestellte, zum Gebrauch bei feierlichen Grundsteinlegungen bestimmte„Festzeug",besuchte sodann den Reichskanzler, hörte im Königlichen Schlosse den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts und hielt um '« 11 */a Uhr eine Besprechung des Kriegsspiels ab.
» — Aus Kairo wird berichtet, der deutsche Kron-
<n- Prinz ritt am 13. März mit Gefolge von Luxor zu sr- den Königsgräbern und besuchte darauf den Tempel
ta- Deir-el-Baheri. Nach einem im Cookschen Stations-
he Hause eingenommenen Frühstück kehrte der Kronprinz ch nach Luxor zurück, wo er das Ramasseum und die ut Menmonssäule besichtigte.
id. — Nach aus Luxor eingetroffener telegraphischer
zu Meldung ist Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit
»U der Kronprinz dort an Masern erkrankt. Nach den neuesten Nachrichten ist die Krisis bereits überstanden und der hohe Patient befindet sich erfreulicher Weise - schon auf dem Wege der Besserung. — Auch vom Prinzen Eitel Fritz wird berichtet, daß das Befinden befriedigend ist.
— Der Großherzog von Darmstadt hat seine Auslandsreise Anfang April beendet, wie man aus Kairo mitteilt findet die Rückreise nach Darmstadt über L Genua Ende März statt.
— Der Kronprinz von Sachsen wird am 19. d. M. nach Neapel abreisen.
— Sr. Kgl. Hoheit der Prinzregent Luitpold von Bayern beging in körperlicher und geistiger Frische am 12. März das Fest des 83. Geburtstages.
— Jm Reichstag begannen am 9. März die Beratungen über den' Militäretat. Der Abgeordnete Bebel bespricht die häufige Begnadigung wegen Duells Verurteilter, sowie die zahlreichen Soldatenmißhandlungen. Kriegsminister von Goßler führt aus, im Jahre 1902 sei zwischen aktiven Offizieren kein Duell vorgekommen. Die Begnadigungen in Duellsachen I würden vom höchsten Gerichtshof empfohlen und zwar - in voller Kenntnis der Akten. Für die Mißhandlungen sei keine Strafe streng genug. Die Zahl der körperlichen Mißhandlungen sei zurückgegangen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen muß jeder Schlag gerichtlich bestraft werden, während solche Fälle früher disziplt- narisch behandelt wurden. Hinsichtlich Neubewaffnung der Artillerie erklärt der Minister auf eine Anfrage, das jetzige Geschütz sei das Resultat jahrelanger Erprobungen. Ein neues Geschütz komme nicht in Frage. Eine Forderung, daß den ältesten 180 Oberstleutenants
Line Hschz-itsr-ise.
Erzählung von 8. Arnefeldt.
(Nachdruck verboten)
" Fortsetzung.
i Sie schauerte und wankte. „Ich werde krank; das
Fieber, das mich damals erfaßte, als ich Benno untreu wähnte, kommt wieder!" stöhnte sie; „aber tch darf r jetzt nicht krank werden; id) bin die einzige, die für ihn zeugt. Um seinetwillen muß ich gesund, um seinetwillen muß ich stark sein."
Der Morgen war angebrochen und erfüllte mit seinem bleichem Scheine das Zimmer. Erna warf sich angekleidet auf das Bett und hüllte sich in die Decke; sie wollte ruhen, um gestärkt dem neuen Tage mit seinen großen und schweren Anforderungen entgegen zu gehen. _ ... .
Lange lag sie mit heißen, trockenen Augen und blickte durch das unverhüllte Fenster zum Himmel empor, an welchem ein grelles Morgenrot aufflammte, dessen Prophezeihung sehr schnell in Erfüllung ging. Aus grauem Gewölk rieselte Regen herab, der eintönig gegen die Scheiben schlug. Das Geräusch übte eine wohltätige, beruhigende Wirkung auf die junge Frau aus: ihre schweren Augenlider sielen zu; ein tiefer Schlaf senkte sich langsam auf sie herab.
Als sie erwachte, hatte der Regen aufgehort; die Sonne schien in ihr Zimmer, — und an ihren Bette saß noch im Reisehut und Mantel ihre Mutter, die i soeben angelangt war.
der Infanterie jährlich 13öu Mark zugelegt werden soll, wird abgelehnt, die Forderung der Errichtung einer militärischen Hochschule einer Kommission überwiesen. Am 14. März nahm der Reichstag den Etat für Kiautschou in zweiter Lesung nach den Kommissionsbeschlüssen an und beendigt darauf die Spezialberatung des Etats des Reichsmarineamts gleichsfalls nach den Kommissionsbeschlüffen.
— Das Abgeordnetenhaus setzte im Laufe der vorigen Woche die Beratungen über den Kultusetal fort ohne denselben zum Abschluß zu bringen. Es wurde nochmals über den „Trierer Fall" gesprochen, auch über die angekündigte Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes, und der Rückgang des Teologischen Nachwuchses konstatiert. Die Forderung von Mk. 3000 für die Besoldung eines Generalinspektors der Reformschulen wird bewilligt als Remuneration für einen sachverständigen Beirat bei der Inspektion dieser Schulen. Ferner wird eine Reihe von Wünschen wegen Verbesserung der landwirtschaftlichen Einrichtungen und Anlage einer Tollwutstation besprochen. Beim Kapitel „höhere Lehranstalten" entspinnt sich eine Debatte über die Lehrer und den Religionsunterricht an den höheren Schulen überhaupt. Der Kultusminister Dr. Studt erklärt, der Religionsunterricht werde nur von Lehrern erteilt, die in Uebereinstimmung mit den kirchlichen Behörden angestellt werden. Man könne aber nicht Verlangen, daß für zwei bis drei Schüler einkonsessionellerGeschichtsunterricht erteilt werde. Die Regierung werde alles vermeiden, was die Konfessionen trennt, und nur suchen, was sie einigt, um den konfessionellen Hader zu vermeiden. Auf eine Jnter- pellacion über ein wiederholt gefordertes Schuldotations- gesetz erklärt Minister Studt: Die Schulunterhaltung ist Sache der Gemeinden, nicht des Staates, der nur im Falle des Unvermögens eingreift. Die Staatsregierung erkennt an, daß die bestehenden gesetzlichen Vorschriften über die Schullasten vielfach veraltet, auch in ihrer rechtlichen Bedeutung unklar und einer Reform bedürftig sind. Soll die Reform auf dem Boden der Verfassung durchgeführt werden, sollen also die Ortsgemeinden Träger der Schullasten sein, so ergiebt sich die Schwierigkeit, daß die Gemeinden, namentlich die ländlichen Gemeinden des Ostens, oft nicht genügend leistungsfähig sind, während die bisherige Weise der staatlichen Unterstützung sich in der Einzeldurchführung vielfach als schwierig herausgestellt hat. Ein Versuch, diesem Uebelstande durch Vereinigung der ländlichen Gemeinden eines Kreises zu einem Kreisverband zu begegnen und dadurch sowohl die Verschiedenheit in der Leistungsfähigkeit auszugleichen, als auch für die staatliche Beihilfe eine breitere und gerechte Grundlage zu schaffen, erwies sich bei näherer Ausgestaltung, namentlich wegen der von den Provinzialbehörden ausgesprochenen Bedenken, als ungangbar. Insbesondere
Die Eisenbahnstation, auf welcher Erna zurückgeblieben war, lag nicht allzufern von Rehfelde; Dorothea hatte Sorge getragen, daß sofort dahin telegraphiert worden war, und Frau Göldner hatte sich, ohne eine Minute zu verlieren, auf den Weg gemacht, um in die Nähe ihrer Tochter zu eilen.
„Meine Erna, mein liebes, armes Kind, so müssen wir uns wiederfinden!" schluchzte Frau Göldner, indem sie ihre Tochter in die Arme schloß. „O, meine Angst ist grausam gerechtfertigt worden! Alle meine Warnungen sind vergebens gewesen!"
Erna entwand sich den Armen ihrer Mutter, strich das Haar aus der Stirn und sah sich zaghaft und erschrocken im Zimmer um.
„Mutter, Du bist hier?" fragte sie zögernd, „es war also kein Traum. Ich habe Benno gesehen, gesprochen und" —
„Er hat Deinen Gatten ermordet!" fiel Frau Göldner mit gellender Stimme ein, „nein, es ist kein Traum; es ist die furchtbare Wahrheit, der Verruchte hat seinen schändlichen Plan ausgeführt."
„Auch Du beschuldigst ihn!" schrie Erna, indem sie vom Lager aufsprang, „auch Du! Jst's nicht genug, daß Du geholfen hast, ihn und mich zu hinter- gehen! O, Mutter, Mutter, wie konntest Du dazu Deine Hand bieten?"
„Hätte ich gewußt, wie es euden wird, ich hätte es nicht getan!" antwortete Frau Göldner, und es klang wie der Aufschrei tiefer Zerknirschung. „Erna,
Mittwoch, den 18. März 1903.
54. Jahrgang.
erschien es schwierig, das Vermögen der Einzelgemeinden auf den Gesamtverband zu übertragen und dabei einen billigen Ausgleich für die größeren Aufwendungen zu finden, welche die eine Gemeinde gegenüber anderen für ihre Schulwesen gemacht hat. Mußte zur Zeit von der Vorlegung eines Gesttzentwurfs Abstand genommen werden, so wird die Staatsregierung die Angelegenheit nach Kräften zu fördern suchen, und es ist zu hoffen, daß es in nicht zu ferner Frist möglich sein wird, dem Hause einen formulierten Gesetzentwurf zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Die Forderung betreffend Mietung von Oberlehrer-Dienstwohnungen, welche zugleich als Schülerpensionen dienen sollen, wird bewilligt.
— Die Abstriche, die die Budgetkommission des Reichstags beim Marine-«stat vorgenommen hat, belaufen sich insgesammt auf rund 13 Millionen.
— Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses nahm die Zulage für Lehrer in der Ostmark mit 14 gegen 6 Stimmen an und lehnte die Verlängerung der Zulage um 300 Mark auf 5 Jahre mit 15 gegen 5 Stimmen ab.
— Bei der Beratung des Marineetats in der Budgetkommission des Reichstages entwickelte sich bei den einmaligen Ausgaben für Schiffsbauten und Armierungen auf Anregung des Abg. Müller (Fulda) eine längere Verhandlung über die Ausbeutung der deutschen Flotte durch Kartelle, insbesondere durch das Kartell deutscher Grobblechwalzwerke. Staatssekretär Tirpitz erklärte, er habe über diese Sache telegraphisch Nachricht eingesordert und sei bei der Prüfung zu der Erkenntnis gekommen, daß die gezahlten Preise nicht übermäßig hoch gewesen fein. Das Ergebnis der Besprechung war, daß gegen zwei Stimmen eine vom Abg. Müller (Fulda) beantragte Entschließung angenommen wurde, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß bei Vergebung von Lieferungen für die kaiserliche Marine ein gesunder Wettbewerb, nötigenfalls auch unter Heranziehung ausländischer Fabriken, stattfinde.
— Die Vorlage zur Abänderung der Seemanns- ordnung vom 2. Juni 1902 bestimmt nur, daß die Vorschrift in § 52 Absatz 2 Nr. 2 der Seemannsordnung zu lauten hat: Der Leichtmatrose erhält mit Beginn des dritten Jahres die in der Musterrolle bestimmte Heuer der Vollmatrosen und mit Beginn des vierten Jahres ein Fünftel derselben mehr an Heuer. Das Gesetz soll gleichzeitig mit der Seemannsordnung in Kraft treten.
— Die Kommission für die Krankenkassennovelle nahm § 20, der die Wöchnerinnenunterstützung von 4 auf 0 Wochen ausdehnt, unverändert an und genehmigte § 21 mit einem Anträge Lenzmann, den Schwangeren, die mindestens sechs Monate der Kasse angehören, den Anspruch auf eine der Wöchnerinnen-Unterstützung mein Kind, wende Dich nicht von mir," flehte sie, als die Tochter das Gesicht verhüllte; „was ich getan habe, geschah ja nur aus Liebe zu Dir."
„Aus Liebe!" wiederholte Erna traurig. „Jst's daß uns der Haß, der Neid, die Bosheit Uebels zufügen, muß es auch noch die Liebe tun? Könnte er, dessen Mund jetzt für immer geschloffen ist, reden, er würde mir auch sagen, er habe aus Liebe zu mir gefrevelt."
„Und er würde die Wahrheit sprechen. O, meine Erna, Du weißt nicht, wie er Dich geliebt hat."
„Nicht mit der rechten Liebe," erwiderte die junge Frau, „die rechte Liebe für mich hat nur ein Mensch auf Erden, — Benno."
„Erna, sprich nicht so!" rief Frau Göldner, sich an sie klammernd, „ich ertrage das nicht. Höre mich, mein Kind, ich bin nicht so schuldig, wie Du wähnst."
„Nicht?" fragte Erna aufatmend, „wirklich nicht?" Wie der Ertrinkende an den Strohhalm, so klammerte sie sich an den Gedanken, daß ihr die Mutter noch geblieben sei, und keine Schranke sich zwischen ihr und sie aufgerichtet habe. „Du wußtest nicht von dem Betrüge, den Rehfeld gegen mich verübt hat? Sprich, erzähle."
Sie führte die Mutter zum Sofa und setzte sich neben sie. „Sprich!" wiederholte sie, als Frau Göldner nicht antwortete.
(Fortsetzung folgt.)