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Deutsches Reich.

Das LinienschiffKaiser Wilhelm II." mit dem Kaiser, dem Großherzog von Oldenburg und dem Prinzen Heinrich von Preußen an Bord, begleitet vom Kreuzer Niobe" und zwei Torpedobooten, ist am 6. März Nachmittags 57« in Bremerhafen eingetroffen. Die Landung des Kaisers erfolgte um 6 Uhr abends. Der Kaiser besichtigte kurz nach seiner Ankunft die Modellversuchsstation des Norddeutschen Lloyd, wo die Kontreadmirale v. Eickstaedt und v. Ahlefeld sowie Oberingenieur Schütte die Modelle zweier Panzer und eines Kreuzers vorführten. Etwa um 7 Uhr erfolgte die Rückkehr an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II.".

Nachdem der Kaiser am 7. März, kurz vor 7 Uhr abends von Bremen zurückgekehrt war und sich ins Schloß begeben hatte, begann die große Huldig­ungsfahrt des Deutschen Automobilverbandes. Kurz nach 7 y8 Uhr näherten sich, von Charlottenburg kommend, die ersten Automobile. Es war ein impo­santer Festzug, die Mehrzahl der Kraftwagen mit Blumen und patriotischen Dekorationen prächtig ge­schmückt, viele mit elektrischer Beleuchtung in allen . Farben versehen, außerdem auch Magnesiumfackeln mit sich führend. Der Einzug auf der von Menschen- maffen umsäumten Südseite der Linden bot ein prächtiges Schauspiel. Die ersten Automobile kamen in würdiger Ordnung und Reihenfolge wie im Parademarsch in Doppelreihen in mäßigem Tempo angezogen. All­mählich lockerte sich jedoch die Ordnung und schließlich fuhr jeder, wie er wollte. Der großartige Gesamt- eindruck ward dadurch aber nicht abgeschwächt. Der Vorbeizug der 4U0 Wagen dauerte fast eine Viertel­stunde. Demselben sahen auf dem Balkon des Schlosses neben dem Kaiser auch die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Luise zu.

Seine Kaiserliche Hoheit der Deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich von Preußen sind am 8. März früh 7 Uhr nach guter Fahrt an Bord der Yacht Saphir wohlbehalten in Alexandrien eingetroffen und am Landungsplatz von einem Vertreter des Khedive, dem deutschen Generalkonsul in Kairo, sowie dem Gouverneur empfangen worden. In Begleitung dieser Persönlichkeiten unternahmen die Prinzen eine Wagen- fahri durch die von zahlreichen Zuschauern eingesäum­ten Straßen der Stadt nach dem Bahnhöfe. Gegen Mittag erfolgte die Abreise zu mehrtägigem Aufenthalt nach Kairo.

Eine Hochzeitsreise Erzählung von 8. Arneseldt.

(Nachdruck verboten) Fortsetzung.

Die letzte Nachricht machte Herrn v. Rehfeld beinahe rasend. Erna mußte die Seinige werden, ehe Benno heimkehrte; die erstere belehrte ihn über den Weg, den er einzuschlagen habe, er gab Erna den für sie be­stimmten Brief nicht, und so erfuhr sie weder etwas von Benno's Aufenthalt auf den Diamantfeldern, noch von der Aussicht auf eine baldige Vereinigung mit ihm, noch von der Freude und Dankbarkeit, welche er über die ihm gewordene Verzeihung ihres Vaters aus­gesprochen hatte. Sie sorgte und grämte sich um ihn, schrieb einen Brief nach den andern, welche nicht an ihn abgingen, und ward endlich durch eine von Herrn v. Rehfeld gefälschte Auskunft des Konsulats grausam getäuscht.

Während dessen wähnte Benno durch seine Arbeit auf den Diamantfeldern seiner erfolgreichen Tätigkeit im Kaplande die Krone aufzusetzen. Bisher hatte er für die Befriedigung der Gläubiger des Hauses Treuen- feld und Göldner geschafft; nun wollte er noch sorgen, der Geliebten ein schönes, behagliches Heim zu bereiten.

Sein Aufenthalt auf den Diamantfeldern währte länger, als er geglaubt hatte; als er aber nach der Kapstadt zurückkgm, hatte er das erhebende Gesühl, daß er sich nach Europa einschiffen könne als ein reicher Mann, und daß lange ehe er seinen Fuß auf deutsche

Mittwoch, den 11. März 1903

Im Reichstag wurde am 3., 4. und 5. März der Etat der Reichsjustizverwaltung beraten und ge­nehmigt, ebenso am 6. März der Etat des Reichsschutz­amtes. Am 7. März wurde der Etat des allgemeinen Pensionsfonds bewilligt und mit der Beratung des Militäretats begonnen.

Einer Fleischbeschauzollordnung hat der Bundes­rat in der letzten Januarsitzung zugestimnit. Diese im Zentralblatt für das Deutsche Reich" vom 13. Febr. veröffentlichte Fleischbeschauzollordnung umfaßt in ihrem ersten Abschnitt die Beschränkungen der Ein- und Durch­fuhr in Anlehnung an die vom Bundesrat erlassenen Ausführungsbestimmungen zu dem Fleischbeschaugesetz. Nach dem zweiten Abschnitt, der das Verfahren bei der Fleischeinfuhr ordnet, darf die Einfuhr von Fleisch nur über die vom Bundesrat bestimmten Zollstellen erfolgen und kann von den Landesbehörden bei einzelnen Stellen auf bestimmte Tage beschränkt werden. Im Postverkehr sowie im Reiseverkehr darf Fleisch über sämtliche, bei der unmittelbaren Durchfuhr über alle mit den ent­sprechenden Zollabfertigungsbefugnissen versehenen Grenzzollämter eingehen. Das in das Zollinland ein­geführte Fleisch unterliegt einer amtlichen Untersuchung (Beschau) unter Mitwirkung der Zollbehörden. Der Untersuchung unterliegt nicht: 1) das von Reisenden zum Verbrauch auf der Reise mitgeführte Fleisch, wo­zu auch insbesondere das von Seeschiffen als Schiffs­proviant mitgeführte Fleisch gehört, sofern es nicht vom Schiff entfernt wird; das Fleisch, welches den mutmaßlichen Bedarf der Schiffsmannschaft während der Dauer des Aufenthalts des Schiffes im Jnlande übersteigt, ist unter zollamtlichen Verschluß zu setzen; von der Verschlußanlage kann abgesehen werden, wenn das Schiff unter besonderer Zollbewachung steht; 2) das zur unmittelbaren Durchfuhr bestimmte Fleisch. Am 1. April tritt das Fleischschaugesetz in seinem ganzen Umfange in Kraft.

Ausland.

Wie aus Rom mitgeteilt wird, habe der Bischof Dr. Korum von Trier vom Vatikan die Weisung erhalten, in Zukunft seine Pflichten als Kirchensürst in Einklang milden Erfordernissen des Staates zu bringen. Ferner wird von dort gemeldet, Fürstbischof Kopp habe in einer Unterredung mit Bischof Korum den Versuch ge­macht, ihn von der absoluten Notwendigkeit, seinen Erlaß auf die eine oder andere Art zurückzunehmen, zu überzeugen; auch bei allen andern deutschen Bischöfen soll die Mißbilligung über das Verhalten Korums all­gemein sein. Der heilige Stuhl stehe auf Seite der preußischen Regierung. Der Bericht des Fürstbischofs Kopp in der Angelegenheit habe auf das Verhalten der Kurie bestimmend eingewirkt. Wie aus Trier berichtet wird, wurde am Sonntag den 8. März von allen Kanzeln verkündigt, dak die Publikation des

Erde setzte, kein Mackel mehr auf seinem Warnen hafte.

Die Abwickelung seiner Geschäfte in der Kapstadt nahm noch etliche Monate in Anspruch; er hatte schön vor seiner Ankunft daselbst durch eine, wie er glaubte sichere Gelegenheit an Herrn von Rehfeld und Erna geschrieben und hoffte Antwort vorzufinden. Als er sich getäuscht sah, ward er ängstlich und schrieb noch- mals; gleichzeitig richtete er aber ein Schreiben an den Rechtsanwalt in der Residenz, der die Zahlungen an die Gläubiger für ihn besorgt hatte, und bat ihn um Auskunft, ohne ihm jedoch zu sagen, welche Banden ihn mit Erna verknüpften.

Der Rechtsanwalt, der glauben mochte, sein Klient fühle die Verpflichtung, auch für die verlassene Frau und Tochter des verstorbenen Geschäftsteilhabers zu sorgen, gab ihm umgehend in höflichster, geschäfts­mäßigster Weise die Antwort, Herrn Treuenfeld's Groß" mut werde in dem vorliegenden Falle unnötig sein; denn man sage, Fräulein Göldner stehe im Begriffe, sich mit Herrn v. Rehfeld, dem reichen Besitzer des Rittergutes Rehselde, zu vermählen.

Zum zweiten Male in seinem Leben hielt Benno im fernen Lande eine Kunde aus der Heimat in der Hand, die den Bau, den er für seine Zukunft aufge­führt, gleich einem Kartenhause zusammenblies, und wiederum faßte er den Entschluß, schnell abzureisen, um mit eigenen Augen zu sehen, was geschehen sei.

Er betraute mit dem, was noch abzuwickeln blieb,

54. Jahrgang

Bischofs Dr. Korum als nicht geschehen zu betrachten sei und ist damit der unangenehme Fall erledigt.

Der Durchstich des Simplontunnels ist bls Ende Februar auf der Nordseite auf 8773 m, auf der Süd­seite auf 6153 m vorgerückt, zusammen 14 926 m, genau die Länge des Gotthardtunnels, zu welchen man 7i ä Jahre nötig hatte. Es müssen nun im Simplon- tunnel immer noch 5 Kilometer durchbrochen werden, bis man durchfahren kann.

Einen neuen Zolltarif bekommt auch die Schweiz, sie.will mit diesem neuen Tarif, welcher auf viele Ar­tikel den Einfuhrzoll ganz erheblich erhöht, eine Waffe gegen das Ausland üben, ihren Ausgangsprodukten nicht einen zu hohen Zoll aufzuerlegen. Die Kämpfe für und gegen den neuen Tarif sind ganz erheblich. Am 15. März findet eine Volksabstimmung über die Annahme dieses Tarifes statt, zu welcher jeder Schweizer, der das zwanzigste Lebensjahr überschritten hat, 'feine Stimme abgeben soll. Es sind 758 706 stimmberech­tigte Personen in der Schweiz und Jedem einzelnen ist ein Exemplar des neuen Zolltarifs zugestellt wor­den. Der Beschluß dieser Volksabstimmung ist dann Gesetz.

Aus Yokohama wird gemeldet: Die Reisernte ist in den nordöstlichen Provinzen Japans mißraten, wodurch eine Hungersnot entstanden ist. Nach amt­lichen Berichten sind 150 000 Menschen in Not gera­ten. Die fremden Kolonien sammeln Geld zur Unter­stützung der Notleidenden.

Der Korrespondent desStandard" in Konstan- tinopel hat den Großvezier wegen der Reformen in Mazedonien befragt. Die Türkei verlange nur Zeit, erklärte der Großvezier, die Reformen auszuführen. Sie habe schon bedeutende Suminen im Interesse der christlichen Wilajets aufgewendet. Man habe der Polizei zwei oder drei deutsche Offiziere gegeben. An­dere Offiziere werden noch erwartet. Wenn die maze­donischen Komitees ihre Wühlereien fortsetzen, so werden die regulären Truppen sie unterdrücken. Der Großvezier hofft, daß die Türkei nicht an der Durch­führung und Vervollkommnung der Reformen gehindert werde, welche im ganzen Umfang ausgeführt werden sollen.

Uebereinstimmend wird von verschiedenen Seiten aus Fez (Marokko) amtlich gemeldet, der Prätendent sei am 27. Febr. vom Kriegsminister Menebhi völlig geschlagen. Sein Lager sei erobert. Er selbst rettete sich durch die Flucht in die Berge.

Ein Telegramm meldet aus Tanger, daß dort eine Bewegung gegen die Fremden ausgebrochen ist. Zwei Spanier wurden verwundet. Der spanische Gesandte erhob energische Vorstellungen.

Kriegsminister Menebhi zerstörte ein Dorf des Benhadschastammes, tötete die Einwohner und brannte die Stadt Ain Medinna nieder; nur 4u Menschen ent-

einen Bevollmächtigten uno ging mit dem nächsten Dampfschiff nach Europa. In der Residenz angekommen, suchte er nur seinen Rechtsanwalt auf, dem er seine Angelegenheit übergab und bei dem er Frau Göldners Wohnung erkundete. Er eilte dorthin: es hieß die Damen befänden sich in Rehfelde, wo in den nächsten Tagen die Hochzeit des Fräuleins mit dem Besitzer des Gutes gefeiert werden solle.

Ich komme in der zwölften Stunde!" sagte sich Benno, indem er nach seiner Vaterstadt und von dort ohne eine Minute Verzug nach Rehfelde fuhr. Er kam doch zu spät. Die Trauung halt: bereits statt- gefunden; das erfuhr er auf seine erste Frage nach Herrn v. Rehfeld. Man sagte ihm, daß er vor wenigen Stunden mit seiner jungen Gemahlin nach Italien ab­

gereist sei.

Der Mann mit dem tiefbraunen Teint, dem großen, schwarzen Bart und den düster blickenden, schwarzen Augen flößte den Dienern Besorgnis ein; sie weigerten sich, ihn bei Frau Göldner zu melden; aber

er erzwäng veranlaßte, Gedächtnis

den Eingang Der Auftritt, den er dort blieb noch lange als ein Schrecknis im aller, die zugegen gewesen waren.

Benno reiste in Italien von Ort zu

Ort, ohne Herrn von Rehfeld und dessen Gemahlin zu begegnen; zuweilen glaubte er bei seinen Erkundigungen, die er auf Bahnhöfen und bei Fremdenführern anstellte, die richtige Spur entdeckt zu haben, um sich bald zu über­zeugen, daß er sich getäuscht haben müsse. Forts, f.