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JJg 18. Mittwoch, den 4. März 1903. 54. Jahrgang.
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Deutsches Reich
— Die kaiserliche Familie war am Sonntag zum letzten Male vor dem Antritt der Orient-Reise der * beiden ältesten Söhne des Kaiserpaares im Berliner Schlosse vereint. Die Prinzen reisen, wie bekannt, zunächst über Korfu, Athen, wo sie ihre Tante, die Kronprinzessin von Griechenland, besuchen und Korinth nach Konstantinopel. Der Kaiser reiste am 2. März nach Wilhelmshaven, wo die Vereidigung der Rekruten der 2. Marine-Division stattfindet. Von dort besucht der Kaiser Helgoland und kehrt über Bremerhaven und Bremen Ende der Woche nach Berlin zurück.
— Ueber die Orientreise des Kronprinzen wird einem Berliner Blatte aus Athen gemeldet: Nach amtlicher Bekanntgabe werden der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich am 5. März in Korfu eintreffen. Am 6. März erfolgt die Weiterfahrt um den PeloponneS nach Piräns, wo die Prinzen am nächsten Tage ankommen. Der Aufenthalt in Athen ist auf fünf Tage berechnet. Am 10. März treten die Prinzen eine Reise zu Lande nach Corinth, Pyrgos und Olympia an; am 15. März fahren sie nach Konstantinopel weiter.
— In der festlich geschmückten Aula der Universität Bonn, in der Vertreter sämtlicher Studentenverbindungen in Wichs Aufstellung genommen hatten, fand am 26. Febr. mittags die feierliche Exmatrikulation des Kronprinzen statt. Der Kronprinz, in Uniform .des 1. Garderegiments, betrat, seine Tante die Prinzessin Viktoria Schaumburg-Lippe führend, gegen 12'/, Uhr die Aula. Es folgten Prinz Eitel Friedrich, Prinz Adolf Schaumburg-Lippe, der Kurator der Universität Dr. v. Rotenburg. Auch Generaloberst v. Loe war erschienen. Nachdem der Kronprinz Platz genommen hatte, hielt der Rektor der Universität Zitelmann eine Ansprache, auf dir der Kronprinz etwa folgendermaßen antwortete: Euerer Magnifizenz danke ich zunächst aus tief fühlendem Herzen für die freundlichen Worte des Abschieds, die mir gewidmet werden. Die Stunde ist gekommen, in der ich meine liebe Universität Bonn zu verlassen habe. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, in dieser Stunde meinen Dank der gesamten Lehrerschaft der Universität auszusprechen, vor allem denjenigen Herren, die die Freundlichkeit gehabt, mich in die verschiedensten Fächer der Wissenschaften einzuführen. Wenn durch verschiedene Abhaltungen, teilweise durch Vertretungen, teilweise durch andere Verhinderungen mir nicht vergönnt gewesen ist, derartig in die Wissenschaft einzudringen, wie ich wohl gewollt hätte, so drücke ich hier heute an dieser Stelle mein herzlichstes
Eine Hochzeitsreise
Erzählung von F. Arnefcldt.
(Nachdruck verboten) Fortsetzung.
Frau Güldener, die in Rehfelde zurückgeblieben war, faß gegen Abend, ausruhend, in dem ihr angewiesenen, ? wohleingerichteten Wohngemache und ließ die Blicke über den Park schweifen, den der erwachende Frühling mit dem ersten leisen Hauche berührte. Sie freute sich ihres Werkes, — endlich hatte sie das Ziel ihres Strebens erreicht. Ihre Tochter war die Gattin eines der reichsten Grundbesitzer der Provinz; sie konnte wieder stolz ihr Haupt erheben und den Platz einnehmen, den sie als den ihr gebührenden betrachtete. Eine leise Mahnung des Gewissens wollte sich regen, — sie schüttelte sie schnell ab; was geschehen war, diente zu Erna's Bestem; sie mußte es ihr danken.
Ein lauter heftiger Wortwechsel, der immer näher klang, ließ sie auffahren; was bedeutete das? Wer konnte so spät noch kommen und sich hier so ungebührlich betragen?
Sie stand auf und wollte nach der Klingel greifen; ehe sie aber dazu gelangen konnte, flog die Tür auf. Zwei Diener, die ihn mit Gewalt zurückhalten wollten, mit Riesenkraft zurückschleudernd, stürzte ein großer, sonnenverbrannter Mann mit dunklem Haar und Bart »nb dunklen, zornsprühenden Augen in's Zimmer.
Bedauern darüber aus und hoffe, daß ich durch eifriges eigenes Studium diese Lücke ersetze. Andererseits spreche ich der gesamten Bonner Studentenschaft den herzlichsten Dank für die freundliche Aufnahme und Kameradschaftlichkeit, mit der ich unter ihr weilen durfte, aus. Zum Schluß fasse ich meine ganzen Gefühle, die mich in dieser Stunde beherrschen, in dem Wunsch zusammen, daß meine liebe Universität Bonn wachse, blühe und gedeihe für viele Jahrhunderte.
— Im Reichstag wurden am 25. Febr. die Beratungen über das Reichsgefundheitsamt fortgesetzt und am 26. Febr. beendet. Zwei Themata wurden noch abgesprochen, das Borsäureverbot und der Geheimmittel- schwindel. Die Frage der Konservierungsmittel für die Volksernährung und für die Volksgesundheit ist eine sehr schwere — man sprach für und gegen das Borax. Graf Posadowsky erklärte, daß an eine Aufhebung des Bmax-Verbotes nicht zu denken sei, solange man dasselbe als wissenschaftlich unhaltbar nicht nachweisen kann. Es werde demnächst eine Geheimmittelliste zusammengestellt, in welcher die Redakteure bei Empfehlung in ihrer Zeitung nachsehen könnten, ob das Mittel zugelassen ist oder nicht.
Am 27. Febr. wurden eine Reihe von Petitionen ohne Debatten erledigt und dann in die Beratung der ersten Lesung der Novelle zuni Krankenversicherungsgesetz eingetreten. Der Entwurf beschränkt sich auf wenige Punkte. Er füllt die Lücke zwischen der 13. und 26. Woche aus, verlängert die Fürsorge für die Wöchnerinnen durchwegs von 4 auf 6 Wochen und will auch den Geschlechtskranken die Wohltaten des Gesetzes zuteil werden lassen. Daneben schlägt er einige Erschwerungen für die Wahl der Kaffeuvorstände vor. So sollen die zu Wählenden die Qualifikation zum Schöffenamt besitzen. Von einer Regelung der Arztfrage, von einer Ausdehnung des Gesetzes auf die Landwirtschaft oder das gesamte Handwerk wird abgesehen. Die Vorlage wird an eine Commission von 21 Mitgliedern überwiesen.
— Im Abgeordnetenhause wurde am 25., 26. und 27. Februar die Beratung des Eisenbahnetats fortgesetzt und beendet. In den drei Tagen wurden alle nur möglichen Wünsche von den Abgeordneten vorgebracht, die meisten waren rein lokale aus verschiedenen Eisenbahndirektionsbezirken. Staatsminister Budde griff öfter in die Debatte ein und hält es für eine der schwierigsten Aufgaben, allen Beamten- und Arbeiterwünschen gerecht zu werden, er werde aber sein Möglichstes tun und, auf Grund der stenographischen Berichte, den einzelnen Wünschen sorgfältig nachgehen. Die vielen vorgebrachten Wünsche hinsichtlich Tarifreformen und sonstigen Anforderungen einzelner Bezirke erforderten viel Geld und sobald er dasselbe dazu habe, wolle er gerne auch allen diesen Wünschen Nachkommen. Am 28. Febr. fanden Beratungen über Regulierung
„Laßt mich, ich sage Euch, ich muß sie sprechen!" schrie er den Dienern zu.
Beim Klänge dieser Stimme stieß Frau Göldner einen Schrei aus und wich mehrere Schritte zurück, als ob sie entfliehen wollte. „Benno!" preßte sie halblaut hervor.
Mit einem Sprunge war er an ihrer Seite, ergriff sie beim Arme und rief: „Sie entkommen mir nicht; aus Ihrem Munde will ich es hören, wie man mir meine Erna gestohlen hat."
Frau Göldner faßte sich schnell. Ruhig, höhnisch wiederholte sie: „Ihre Erna? Wer hat sie Ihnen zu eigen gegeben.?"
„Unsere Liebe, unser Gelübde, der Segen ihres sterbenden Vaters!" rief er. „O, ich bin unerhört schmachvoll beraubt."
„Sie!" entgegnete Frau Göldner, indem sie sich von ihm frei machte, „Sie wagen das zu sagen, der Sie mein arnies Kind umgarnt, es zum Ungehorsam gegen ihre Eltern verleitet und es dann schmählich betrogen, es durch Verrat, durch ihren Treubruch in's tiefste Elend gestürzt, an den Rand des Grabes gebracht haben."
„Benno stand bei dieser Beschuldigung einen Augenblick stumm mit offenem Munde da.
„Ich hätte Erna betrogen? Ich hätte ihr die Treue gebrochen?" keuchte er.
„Nennen sie es etwas anders, daß Sie die letzten Briefe, die sie Ihnen, leider hinter meinem Rücke»,
der unteren Elbe und der Oder statt, ferner über den Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals und Besprechungen des Etats der Bauverwalcung.
— Die Hochzeit des Großherzogs Wilhelm Ernst von Weimar wird bestimmt am 30. April in Bückeburg stattfinden.
— Entsprechend der Anregung des Handelsministers Möller wurde am 25. Febr. in Berlin in einer Ver- sammlung, an der Delegierte von über 100 Verbünden kaufmännischer Organisationen aus ganz Deutschland teilnahmen, der „Bund der Kaufleute" gegründet, der für Kaufleute in analoger Weise wirken soll wie der Bund der Landwirte für die Landwirte. Mit der Zeit will der Bund der Kaufleute, der namentlich breite Massen kleiner Kaufleute umfassen soll, auch durch Einfluß auf die Wahlen politische Bedeutung erlangen.
— Wie zuverlässig verlautet, wird die k. sächsische Regierung hinsichtlich der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes an dem verfassungsmäßigen ablehnenden Standpunkt festhalten und dementsprechend im Bundesrat ihre Stimme abgeben.
— Die bereits für Sonnabend angekündigte Abreise der Prinzessin Luise von Toskana aus Nyon ist in der Tat erst am Sonntag erfolgt.
Prinzessin Luise von Toscana ist am 1. März in Lindau eingetroffen. Sie wurde von ihrer Mutter empfangen und nahm Wohnung in der Villa, welche dem Erzherzog Ferdinand gehört. In Begleitung der Prinzessin befand sich der Schwiegersohn des Advokaten Lachenal, Advokat Marc Peter.______________________
Ausland.
— Nach einer Depesche in Port of Spam (Venezuela) ist Carupano nach I2stündigem Kampfe von den Aufständischen genommen worden. Geschäfts- und Wohnhäuser wurden geplündert, eine Anzahl Einwohner wurde verwundet.
— In der Republik Santo Domingo nimmt der Aufstand zu. Die Streitkräfte der Revolutionären sind im Vormarsch gegen die Hauptstadt Santo Donlingo, sowie die Städte Puerto Plata und Santio begriffen.
— Die zweijährige Militär-Dienstzeit wird nun auch in Frankreich eingeführt. Die betreffende Gesetzesvorlage wurde am 26. Febr. vom Senat angenommen.
— In Südwales droht ein Kohlenstreik auszu- brecken, der eventuell 130,000 Bergleute in Mitleidenschaft ziehen könnte. Die Federation der Südwales Bergleute, die ein Zweigverein des großen Verbandes der Bergleute von England ist, war mit den Unternehmern übereingekommen, einen dreijährigen Kontrakt abzuschließen. Zuni Abschluß eines derartigen Kontraktes bedarf der Zweigverein jedoch der Zustimmung des Hauptverbandes und dieser will nicht, daß der Verein einen Kontrakt auf länger als ein Jahr abschließt.
schrieb, nicht beantworteten? daß Sie sich mit der Tochter eines Krösus in der Kapstadt verheiratet haben ?"
„Ich?" schrie Benno entsetzt, „ich hätte geheiratet! Das ist eine infame Lüge."
„So ist villeicht aus der Heirat nichts geworden", fuhr Frau Göldner kalt fort, „und Sie glauben von neuem Ihr Spiel mit Erna treiben zu können. Zum Glück ist sie Ihnen entrückt; sie ist die Gattin —"
„Eines Schurken", unterbrach sie Benno mit heiserer Stimme, „der das Vertrauen, das ich in ihn gesetzt, schmählich verraten, der mir Erna gestohlen hat."
„Sprechen Sie nicht so von einem Ehrenmanne, Sie sind der Güte nicht wert, die er an Ihnen verschwendet hat."
„Was ich wert bin, beurteile ich schon selbst, meine gute Frau", erwiderte Benno mit unsäglicher Verachtung; „ich ahne, ich errate, was der „Ehrenmann" mit Ihrer Hülfe für einen Höllentrank gebraut hat, um Erna's Herz zu vergiften."
„Mit meiner Hülfe!" wehrte Frau Göldner ab, der vor Benno's Miene Angst ward, und machte einige Schritte, um die Tür zu gewinnen. „Ich wußte ja gar nichts; ich erfnhr erst, daß der gute, schwache Rehfeld sich zum Vermittler Eures Briefwechsel hergegeben, als es zu spät war, als Erna auf dein Krankenbette lag."
(Fortsetzung folgt.)