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Amtliches.

Den Herren Bürgermeistern und Gutsvor­stehern des Kreises diene zur Nachricht, daß das Musterungsgeschäft in Folge Aenderung des Reiseplans nicht am 12. sondern am 13 März d. J. beginnt und daher sämtliche Ter­mine hiermit auf einen Tag später verlegt werden.

Die Kreisblattbekanntmachung vom 17. d. M. Nr. 912 wird in der nächsten Nummer des Kreisblatts in berichtigter Form erscheinen und sind die etwa bereits ergangenen Vorladungen hiernach anderweit anzuordnen.

Schlüchtern, den 24. Februar 1903.

Der Zivil-Vorsitzende der Ersatz-Kommission:

Roth, Geh. Reg. Rat.____________

Probinziallandrag für H ss n Nassau.

Dem Kommunallandtag lag am 21. Februar ein Antrag des Denkmalsausschusses, der sich in Cassel ge­bildet hat und die Errichtung eines Denkmals für das Regiment Nr. 83 auf dem Schlachtfelde von Wörth bezweckt. Herr Abg. Berta-Soden berichtet hierüber Namens des Eingabeausschusses und führte aus, daß es sich hier um ein Denkmal handele, das den hervor­ragenden Anteil, den das Regiment am Feldzuge 187U/71, im besonderen an der Schlacht bei Wörth genommen hat, der Nachwelt verkünden soll und der Denkmalsausschuß spreche die Bitte aus, der Kommunal' Laibtag wolle aus Mitteln des Bezirksverbandes einen Zuschuß zu den Kosten der Errichtung bewilligen. Es wurde beantragt einen Zuschuß von 500 Mark zu be­willigen. Auch Herr Bürgermeister Oberstleutnant a. D. Gärtner-Rinteln unterstützte diesen Antrag, der schließlich einstimmig Annahme fand. Namens des Denkmalsausschusses und als alter Dreiundachziger sprach Herr Abgeordneter Pfannstiel-Weidenbrunn dem Hause den Dank aus.

In der letzten Plenarsitzung berichtet Geh. Justiz- rat Humser-Frankfurt über den schon mitgeteilten Ent­wurf eines Gesetzes wegen Bebauung und Benutzung ehemaliger Wallgrundstücke in Frankfurt a. M. Er beruft sich auf die ausführliche Begründung des Ent­wurfs und giebt einen Rückblick über die geschichtliche Entwickelung dieser Frage, die auch früher schon den Provinzillanbtag beschäftigt hat. Durch das Gesetz werde festgelegt, daß die Rechtsservitut der Stadt Frankfurt a. M. unablöslich sei. Dahin habe die Rück­sicht auf das allgemeine Interesse geführt, sowohl das Interesse der Stadt Frankfurt, wie der Einzelnen zu schützen. Daß die Stadt Frankfurt durch den § 2 zur Entschädigung verpflichtet werde, soweit bestehende Privatrechte beeinträchtigt werden, sei nicht mehr wie recht. Der Referent beantragte, der Provinziallan Rag möge dem Gesetz-Entwurf gutachtlich befürwortend zustimmen.

l 4 Der als Regierungskommissar anwesende Geh. Rat v. Falkenhain-Berlin hebt hervor, weshalb in diesem Moment der Provinziallandtag mit der Angelegenheit beschäftigt werde. Der innere Anlaß der Vorlage sei von sehr weitragender Bedeutung, die in der Erhaltung der Promenaden-Anlage in Frankfurt für das gesamte öffentliche Jnteresfe beruhe.

Der Antrag des Referenten wird ohne Debatte ein­stimmig angenommen. Darauf wurde ein Gesuch des Verbandes der Verpflegungsstationen im Großherzog- tum Hessen und der Provinz Hessen-Nassau auf soforti­gen Erlaß eines Gesetzes wegen Einführung einer provinziellen Organisation von Wanderarbeitsstätten und Arbeitsnachweise für die kleineren Kommunalverbänd^ beraten, sowie ein Antrag des Provinzial-Ausschusses dazu vom 16. Februar.

_________(Schluß. folgtest__

Lokaes und Provinzielles.

* Schlichtern, 24. Februr 1903.

—* Eine Zählung sämtlicher Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben zu statistischen Zwecken hat in der Woche vom 9. bis 16. Februar bei sämtlichen Postanstalten des Reiches stattgefunden.

—* Der Verwaltungsrat der Druckerei- und Ver­lagsaktiengesellschaft „Leykam" hat, wie wir hören, Herrn Dir. Wilhelm Rullmann von hier zum Chefredakteur der „Tagespost" bestellt. Herr Dr. Rullmann, ein in Deutschland geschätzter und vielgelesener Schrift­steller, gehört schon seit mehr als zwanzig Jahren dem Redaktionsverbande des genannten Blattes an, dem er als Feuilletonist und Schauspielreferent hervorragende Dienste geleistet hat. Da er nicht nur zu den fähigsten, sondern auch zu den liebenswürdigsten der Grazer Kollegen zählt, so wird seine Ernennung allenthalben freudigst begrüßt.

—* Verbreitung von Krankheitserregern durch Ge­schirr, Mesfer und Gabeln. In der Reinigung der nötigen Gebrauchsgegenstände wird von unseren H«us- frauen noch viel gesündigt, und doch steht es fest, daß gerade ihnen vielfach die Rolle der Krankheitsübertragung zufällt. Prof. Eswarch infizierte eine GabU mit Duberkellbazillen, legte sie darauf fünf Minuten in heißes Wasser von fünfzig Grad und wischte sie dann mit einem trockenen Tuch ab. Die Keime waren trotz­dem noch lebensfähig, so daß man ein Tier damit

lebensfähig infizieren konnte. Um die beste, alle Keime tötende Reinigungsmethode zu finden, stellte Esmarch verschiedene Versuche an. Er brächte an den Rand von Wassergläsern verschiedene Bakterien, ließ sie ab­trocknen und reinigte die Geräte dadurch, daß er sie, wie in öffentlichen Wirtschaften üblich, mit kaltem Wasser spülen und dann mit trockenem Tuch abwischen ließ. Die Untersuchung ergab, daß noch zahlreiche Keime am Rand der Gläser saßen; selbst heißes Wasser von fünfzig Grad konnte sie nicht vernichten; nur wenn die Gläser fünf Minuten darin liegen blieben, gingen die Bakterien ein. Da kochendes Wasser indes - manchen Bestecken oder wenigstens den Stielen und deren Be­festigung schadet, experimentierte der Gelehrte weiter. Seine Versuche brachten ihn auf Soda und er empfiehlt nun eine Mischung von 20 Gramm Soda auf ein Liter 50 Grad heißes Wasser; dieselbe tötet innerhalb einer Minute alle Bakterien an Gläsern, Bestecken und Geschirr.

—* Das Pferdeschweif-Koupieren, so schreibt ein Mitglied des Berliner Tierschutz-Vereins, ist eine arge Tierquälerei, von der das Publikum leider noch wenig Kenntnis hat. Beim Pferdeschweif-Koupieren wird nämlich außer den Haaren auch ein Teil des eigent­lichen Schwanzes, des außerordentlich empfindlichen Ausläufers der Wirbelsäule, abgeschnitten. Die da­durch entstehende Wunde wird in der Regel mit einem glühenden Eisen ausgebrannt, um die Blutung zu stillen. OU werden dann auch die den Schwanz nieder­ziehenden Muskeln zerschnitten, wodurch das Pferd gc« zwangen wird, den Schweif hoch zu tragen; das Hoch­halten des Schweifes wird nämlich als Kennzeichen einer edlen Pferderasse angesehen. Ein bekannter Fachmann, Dr. Röder, Prefessor an der königlichen tierärztlichen Hochschule in Dresden, nennt das Pferde­schweif-Koupieren in einem ausführlichen Gutachten gegen diese Tierquälerei eine „äußerst schmerzhafte" Operation, während der die Pferde „laut stöhnen" und „sich wie rasend geberden". Nicht minder schmerz­haft, wie die Operation an sich, find ihre Folgen. Der Schweif ist das natürlichste Schutzmittel des Pferdes gegen Insekten. Durch die Verkürzung des Schweifes und die Zerstörung der Senkmuskeln wird es dem Pferde unmöglich gemacht, sich seiner Peiniger zu erwehren. Man bedenke, wie sehr manchmal der Mensch von Fliegen und Mücken geplagt wird, die ihm doch gar keinen oder doch nur einen sehr geringen Schmerz bereiten und die er schnell mit einer Hand­bewegung verscheuchen kann. Und dann ermesse man die Qual eines Pferdes, das im Sommer oft Tage Wochen lang sich von Stechfliegen, Bremsen u. s. w. atutig beißen lassen muß, ohne eine abwährende Be­wegung machen zu können! Man sehe sich nur so ein armes Tier an, wenn es in der Sommerhitze vergeb­lich mit dem verkürzten Schwanz oder gar mit den Füßen seine Peiniger zu verscheuchen iucht und am ganzen Körper vor Qual und Aufregung zittert! In England, wo die Modeverstümmlungen der Pferde zuerst aufkamen, wird das Pferdeschweif-Koupieren als Tierquälerei bestraft. Im Staate Massachusetts in Amerika besteht ein Gesetz, welches dafür Gefängnis­strafe bis zu einem Jahre oder Geldstrafe von 100 bis 250 Dollars androht. Der Kampf gegen eine Mode, die lediglich einer Geschmacksverirrung zuliebe taufenden von edlen und dem Menschen treu dienenden Tieren solche Qualen bereitet, ist wichtig genug, um die Unterstützung weiter Kreise zu verdienen.

* Die Arbeiten zur Vergrößerung und Erweiterung des Marburger Hauptbahnhofes sind in vollem Gange. Das Auffüllungsmaterial wird an Ort und stelle durch Abtragung der dem Bahnhöfe gegenüberliegen­den hohen Böschung gewonnen. Bei der Vergrößerung handelt es sich hauptsächlich um Erweiterung des Güterbahnhofs, Umbau des Vordergebäudes und Ver­längerung des Tunnels. Die Gesamtkosten werden auf 700000 Mk. geschätzt; als erste Rate sind 150 000 Mark in den Etat eingestellt.

Die Viehzucht im Kreise Gelnhausen.

In den letzten Tagen war Herr Tierzucht-Inspektor Amtsrat Vaupel in Gelnhausen anwesend, um sich von dem Stande der Viehzucht im Kreise Gelnhausen ein Bild zu machen und ev. Vorschläge zur Hebung und Besserung derselben zu erteilen. Vorige Woche fand zu diesem Zwecke eine Versammlung der vom landw. Kreis-Verein gewählten Kommission zur Hebung der Rindviehzucht statt. Um dann den weiteren beteiligten Kreisen Kenntnis von den Verhandlungen zu geben, fand im Saale des Deutschen Hauses eine zahlreich besuchte Versammlung des landw. Kreisvereins statt. Das Ergebnis ist dahin zusammenzufassen, daß mit der Einführung des Simmen- kaler Viehes im allgemeinen kein gutes Resultat erzielt worden ist. Es wird deshalb notwendig sein, eine andere Rasse einzuführen, welche keine so hohe Ansprüche an Pstege, Haltung und Fütterung stellt, als das Simmentaler Rind. Auch habe man dadurch einen Fehler gemacht, daß man Kreuzungsbullen angeschafs! habe, da man niemals eine Garantie hat, ob dieselben ihre Eigenschaften vererben werden. Die Zuchtbullen sollen direkt von einer Herdbuchgenossenschaft bezogen

werden. Herr Knauer gab ein Bild von dem Stand der Viehzucht im Kreise und konstatirte, daß diese im Verhältnis zu der Entwickelung der anderen Zweige der Landwirtschaft zurückgeblieben sei. Herr Senzel- Bieber erinnerte daran, wie das Frankenvieh sich in früherer Zeit und z. B. bei dem Verkauf des Vieh­bestandes des Pächters Bär zu Altenhaßlau für die damaligen Verhältnisse sehr hohe Preise erzielt habe. Da mit dem Simmentaler Kreuzungsvieh so ungünstige Erfahrungen gemacht worden seien, stimmte er für die allmählige Einführung eines anderen Schlages, der sich unseren Verhältnissen besser anpasse. Herr Bürger­meister Spieker-Hailer weist auf die Verschiedenartigkeit des Zwecks der Viehhaltung hin, der teils die Milch­gewinnung, teils die Verwendung als Spannvieh sei und erblickt hierin eine Schwierigkeit bei der Einführung eines den verschiedenen Zwecken gerecht werdenden Viehschlags. Herr Bürgermeister Breitenbach-Großen- hausen ist für die Beibehaltung des Kreuzungsviehs oder Einführung der Frankenrasse. Die Herren Bürger­meister Geiger-Geislitz und Kunkel-Bernbach sprechen gegen die Simmentaler. Herr Emmel-Niedergründeu ist, wenn eine Aenderung der Rasse vorgenommen wird, ' für das Frankenvieh, welchem auch Herr Bürgermeister Spieker-Hailer das Wort redet. Herr Kircher Nieder- mittlau teilt seine Erfahrungen als Milchviehhalter mit. t Die besten Resultate habe er mit dem Simmentaler ■ Vieh aus der Herdbuchgenossenschaft Schlüchtern gemacht, welches sich noch besser als Friesen und Holländer be­währt hätte. Herr Knauer Altenhaßlau kommt auf die Bedeutung guter Haltung und Nahrung des Viehes zu sprechen. Es sei Tatsache, daß viele Landwirte mehr Vieh halten, als sie richtig ernähren können und das sei gerade so, als wenn man seinen 6 Kindern das Essen für 3 hinsetzen wollte, die würden auch nicht groß und stark werden können. Aus diesem Grunde schon sei dahin zu streben, eine weniger anspruchsvolle Rasse zu züchten, als es die Simmentaler sei. (Schl. f.)

Vermischtes.

— Der 27jährige Assistenzarzt des Rochushospitals in Mainz Dr. Heinrich Küster aus Heeren hatte sich bei Ausübung seines Berufes eine Blutvergiftung an der Hand zugezogen, die trotz aller sofort angewendeten Mittel den Tod des hochgeschätzten Arztes herbeiführte.

— In Freiburg wurde auf dem neuen Friedhof, in einem Gebüsch liegend, die entsetzlich verstümmelte Leiche eines etwa 6 Jahre zählenden Mädchens aufge­funden, das ohne Zweifel das Opfer eines Lustmordes . geworden ist. Der Leib der Leiche war vonoben-bis— unten aufgeschlitzt, Brust, Gesicht und die eine Hand mit Stichwunden bedeckt. Die bedauernswerte Kleine, das Töchterchen eines Eisenbahnschaffners soll kürz zuvor an der Hand eines unbekannten Mannes ge­sehen worden sein.

— In Ohligs bei Düsseldorf sind die höhere Knaben­schule sowie die danebenstehende höhere Mädchenschule bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Die Entstehungsursache des Feuers wird auf ausströmendes Gas zurückgeführt.

— In Glasgow (Schottland) brach in dem Gebäude der Govan Road, das mit Paraffin- und Naphtha- beständen gefüllt war, eine Feuersbrunst aus, die sich rasch über eine Fläche von mehreren Aren ausdehnte. Brennendes Oel floß nach dem Hafen; die dortigen Schiffe der Shipping Company wurden von dem Feuer ergriffen. Die Feuerwehr arbeitete die ganze Nacht, gegen Morgen erst schien die Gefahr weiteren Umsichgreifens des Feuers beseitigt. Der Schaden wird auf 800 000 M. geschätzt.

— Ein Expreßzug der Grand Trunk-Eisenbahn wurde in der Nähe von Whitpy von den Schienen geschleudert und stürzte einen 25 Fuß hohen Damm hinunter. 30 Fahrgäste wurden mehr oder weniger schwer verletzt.

— Im Examen. Professor (bei der Behandlung des Erbrechts): „Und wie heißt derjenige, der beerbt wird?" Kandidat: „Der Erblasser." Professor: „Gut, Herr Kandidat und können Sie wohl sagen, weshalb er so heißt?" Kandidat: „Weil er gestorben ist, dabei muß doch jeder erblassen!"

JJerugustiio^^

Von Direktor Dr. Landbeck-Marksuhl.

Es ist seitens unserer Landwirte äußerst denkens- wert zu begrüßen, daß Herr Landkammerrat Heyden- reich bei der letzten Tagung der Landw. Zentralstelle zu Weimar den Antrag stellte, die Landwirte des Groß- herzogtums auf die großen Unterschiede in der Zu­sammensetzung und dem Werte derjenigen verschiedenen Düngemittel aufmerksam zu machen, welche samt und sonders unter dem Namen „Guano" in den Handel kommen. —

Unter diesen Handelsdüngemitteln spielt der altbe­währte echte Peruguano der Angle-Continentalen Guanowerke (vormals Ohlendorff), welcher in mit einer Füllhornmarke bedruckten Säcken in den Handel kommt, eine sehr wichtige und beachtenswerte Rolle. Dieser echte Peruguano oder „Füllhornmarke", wie er