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' '' _ fortwährend von allen Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenommen.

Amtliches.

J.-Nr. 171 K. A. Nach Mitteilung des Königl. Landgestüts in Dillenburg erfolgt die Besetzung der Deckstation Schlüchtern am 14. Februar d. Js.

Schlächtern, den 24. Januar 1903.

Der Königliche Landrat: Roth.^

Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Land­gemeinden ersuche ich hierdurch, die Jahresbeiträge für den Zweigverein vom Roten Kreuz pro 1902 von tun Mitgliedern des Vereins gefälligst erheben und bis spätestens zum 20. Februar 1903 an den Echo, meister, Herrn Rentmeister Pfalzgraf hierselbst, ne^. dem Mitglieder-Verzeichnis, welches in einigen Tagen übersandt werden wird, abliefern zu wollen.

Schlächtern, den 16. Januar 1903.

Der Vorstand des Zweigvereins vom Roten Kreuz: ______________ Roth._________________

J.-Nr. 198 K. A. Die Herren Bürgermeister mache ich nochmals darauf aufmerksam, daß anfangs Februar d. Js. die restlichen Kreissteuern für 1902 an die Kreis-Kommunalkaste zur Ablieferung gelangen müssen.

Etwaige Abgangs-Listen sind jetzt schon einzu- reichen, damit solche vor der Restablieferung geprüpft und festgestellt werden können.

Schlächtern, den 16. Januar 1903.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: ____________________Roth.____________

Deutsches Reich

Am 23. Januar fand bei dem Kaiserpaar im Rittersaal des königlichen Schlosses zu Berlin die große Defilierkour des diplomatischen Korps aller inländischen Damen und aller Herren vom Zivil statt.

Begünstigt von dem herrlichsten Hohenzoller- Wetter fand in herkömmlicher Weise im königlichen Schlosse zu Berlin die Geburtstagsfeier Sr. Ma f äc des deutschen Kaisers und Königs von Preußen sta... An der Feier beteiligten sich der Kronprinz, welcher am Montag von seiner Rußland-Reise in Berlin ange­kommen ist, sämtliche Prinzen und Prinzessinen des königlichen Hauses, wie eine große Anzahl Fürstlich­keiten, Generäle u. s. w.

Nach herzlicher Verabschiedung vom Zarenpaar reiste der deutsche Kronprinz am 24. Januar um 9 Uhr vormittags mit dem Großfürsten-Thronfolger und dem Gefolge nach Nowgorod ab. Bei der Ver­abschiedung waren zugegen die 'Großfürsten, Gras Lamsdorff, Graf Alvensleben und das Personal der deutschen Botschaft.

Line Hochzeitsreise Erzählung von F. Arnefeldt.

(Nachdruck »erboten) Fortsetzung.

Benno kamen zuweilen Dinge zu Ohren, die ihn mit Verwunderung erfüllten; aber er hatte kein Recht, zu fragen; der Vertrag, den sein Vater mit seinem Associee geschlossen hatte, gab diesem bis zu Bennos vollendetem dreiundzwanzigsten Jahre, zu welchem er in die Firma ernteten sollte, volle, unumschränkte Verfügung.

Und selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hatte Benno bei den Besuchen, die er in längeren oder kürzeren Zwischenräumen im Hause seines Vormundes abstatete, keine Zeit, sich um geschäftliche Dinge zu kümmern; denn Herz und Sinn des Jünglings waren ganz erfüllt von Erna. Weit entfernt, sie im Leben und Treiben der Großstädte, in denen er sich aufhielt, zu vergessen, gewann seine Liebe durch die Entfernung nur an Tiefe und Innigkeit. Er sah in dem Kinde vorahnend schon die Jungfrau, und wenn er sich auch jetzt hütete, sie wie in früheren Jahren seine Braut oder seine kleine Frau zu nennen, so gab es für ihn doch nicht den leisesten Zweifel, daß sie es sein werde.

Erna war achtzehn Jahre alt, als Benno der bei einem Kavallerie-Regimente in der Residenz seiner Militärpflicht genügt hatte, auf kurze Zeit nach M kam, um die Vorbereitungen für eine große Reise zu fressen, die er vor seinem Eintritt in die Handlung

Mittwoch, den 28. Januar 1903.

Der Reichstag hat am 23. Januar die General­debatte über den Etat beendet und sich bis Donnerstag vertagt, weil vorher auf kein beschlußfähiges Haus zu rechnen ist. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung stehen Präsidentenwahl und zweite Lesung des Kinder­schutzgesetzes In Beantwortung einer vom Abg. Dr. Oertel für die zukünftige Fraktion des Bundes der Landwirte gehaltenen Etatrede fand Staatssekretär Gras Posadowsky Gelegenheit zu einem warmen Plaidoyer für die angekündigte Vorlage zur Sicherung des Wahl­geheimnisses, gegen die sich der Redner erklärt hatte. Ferner wies Graf Posadowsky die allgemeinen Angriffe zurück, die Abg. Dr. Oertel gegen den Reichskanzler und die Handhabung der auswärtigen Politik gerichtet hatte. Die Herren möchten doch die Handelsverträge abwarten. Staatssekretär v. Richthofen verbreitete sich über die venezolanische Angelegenheit und teilte u. a. mit, daß Deutschland dem Präsidenten Castro schon im Juli 1901 die schiedsgerichtliche Regelung der Streit­frage vorgeschlagen, Castro aber darauf gar nicht ge­antwortet habe. Graf Oriola trat u. a. für baldige Vorlegung der Novelle zum Militärpensionsgesetz ein. Nachdem noch die Abgg. Dr. Hahn, Dr. Arendt und Stöcker ihre Herzen ausgeschüttet hatten, ward ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommm.

Der Antrag des Reichskanzlers auf Aenderung de Reichstags-Wahlreglements behufs Sicherung des Wahl geheimnisses ist dem Bundesrat zugegangen. Die Stimmzettel müssen 9 Zentimeter im Quadrat groß und von mittelstarkem weißen Schreibpapier sein und sind von dem Wähler in einem mit amtlichem Stempel versehenen Umschläge, der sonst keine Kennzeichen haben darf, abzugeben. Die Ums Hläge sollen 12 Zentimeter im Quadrat groß und aus undurchsichtigem, weißem Papier hergestellt sein, sie sind am Vorstandstisch in der erfor­derlichen Zahl bereit zu halten und in Empfang zu nehmen. Jeder Wähler hat nach Empfangnahme des Umschlages den bereitgestellten Nebenraum zu betreten, wo er unbeobachtet den Stimmzettel in das Couvert legen kann. Der Wahlvorstand hat alle Stimmzettel nrückzuweisen, die nicht in dem Nebenraum in den Umschlag gelegt worden sind.

Im Abgeordnetenhause gelangte der Gesetzent­wurf, betreffend die Ausbildung zum höheren Ver­waltungsdienst zur ersten Lesung. Der Entwurf bestimmt, daß ein Referendar, der die Verwaltungs­karriere einschlagen will, nach neunmonatlichem Vor­bereitungsdienst beim Amtsgericht zum Regierungsre­ferendar ernannt wird und sodann eine mindest 3'/^ jährige Vorbereitungszeit bei der Verwaltung, Landrat, Re­gierung, Bezirksausschuß, verschiedene Selbstverwaltungs­behörden u. s. w. durchzumachen hat. Der Minister des Innern, Freiherr von Hammerstein, begründete in längerer Rede die Vorlage, die von den nachfolgenden machen sollte. Er wollte die bedeutendsten Länder und Städte Europa's besuchen und für mehrere Monate nach Amerika hinübergehen.

Der Augenblick der Trennung löste das Siegel von Benno's Mund; der^Abschied reifte Erna plötzlich zur Jungfrau. Sie hatte den Jugendgespielen geliebt, so lange sie zu denken und zu fühlen vermochte; er gehörte zu ihr; sie konnte sich das Leben nicht ohne ihn denken, und dennoch war es, als sei diese Liebe eine verschlossene Knospe gewefen, die erst unter der heißen Tränenflut des Trennungswehs zur vollen, duftenden Blüte auf- sprang. Sie gelobten einander Treue; aber sie kamen auch überein, den geschlossenen Herzensbund als süßes Geheimnis zu behandeln.

Benno empfand es mit einem leisen Gefühl der Beschämung, daß er sich von seiner Leidenschaft habe fortreißen lasten und zu Erna gesprochen hatte, wie es Weder für ihn schon an der Zeit war, zu reden, noch für sie zu hören; dennoch wollte er in seiner geraden Weise, da es nun einmal geschehen war, vor Herrn Göldner hintreten und offen um die Tochter werben; aber Erna selbst hielt ihn zurück. Sie wußte, daß die Mutter Benno nicht hold war; es war dem klugen, an, geweckten Mädchen nicht entgangen, daß, wenn nid)t beide Eltern, so doch gewiß die Mutter ganz andere Pläne mit ihr hatte, und sie mochte die Känipfe, welche sie unvermeidlich für sich heraufsteigen sah, nicht bestehen, ohne den Geliebten zu ihrem Schutze und ihrer Er­mutigung in der Nähe zu wissen.

54. Jahrgang.

Rednern des Hauses sympatisch ausgenommen und einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen wurde. Am Montag wurde die zweite Beratung des Forstetats beendet und die am Sonnabend begonnene allgemeine . Debatte fortgesetzt, die sich insbesondere um die Be­amtenstellung die Gehalts- und Pensionsverhältnisse der Förster drehte, deren Interessen im Abg. Mayer- Dietzholz einen beredten Fürsprecher fanden. Beim Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung, dessen Spezialberatung hierauf begann, verlangte der agrarische Abg. Ring wieder die Einführung der obligatorischen allgemeinen Schlachtviehversicherung als Ergänzung des Fleischbeschaugesetzes. Minister v. Podbielski ver­hielt sich ablehnend. Derselbe Abgeordnete verlangte ferner die zwangsweise Einführung des Schlachtvieh­handels nach Lebendgewicht. Der Minister stellte ein ent­sprechendes gesetzgeberischesVorgehen in bedingteAussicht.

Der Matrose Köhler, welcher auf dem.Kriegs­schiffLoreley" den Biederitzki ermordete, ist am 23. Januar in Wilhelmshaven vorn Gerichtshof zum Tode verurteilt worden. Köhler hat dagegen die Revision angemeldet.

Airsland.

Nach zuverlässigen Informationen ist es richtig, daß der Zustand des Kaisers Franz Joseph von Oester­reich ziemlich beunruhigend sei. Die Verhältnisse der letzten Jahre, welche seine Familie^ und den Hof be­trübten, haben seine Widerstandskraft gebrochen. Niedergedrückt von moralischen Leiden, noch mehr als von körperlicher Schwäche, sei er gleichgiltig und mut­los geworden und selbst der Skandal am sächsischen öofe hat seine Apathie nicht erschüttern können.

Aus dem malerisch am Westabhang des Volsker- gebirges gelegenen Cori trifft die Nachricht von dein Tode einer Greisin namens Marianna Marroni ein, die als junges Mädchen häufig den nachmaligen Papst Leo XIII., der in Cori Verwandte besaß, auf ihren Arm getragen. Als sie vergangenen Oktober ihren hundertsten Geburtstag feierte, beschäftigte sich die Presse mit ihr, und auch Leo der XIII. hörte von ihr und ihrem sehnlichsten Wunsche, vor ihrem Ende noch einmal den Papst zu sehen. Und er gewährte ihr eine Audienz und tauschte nicht ohne tiefe Be. wegung Jugenderinnerungen mit ihr aus. Nun ist Frau Marrcni eines plötzlichen und höchst tragischen Todes gestorben, indem ein Gluhaschentopf, wie ihn die geringen Leute als Ersatz für den Ofen gebrauchen, ihre Kleider in Brand setzte. Den Verletzungen, die sie sich dadurch zuzog, ist die Greisin erlegen.

Die Ereignisse in Venezuela.

Am 17. Januar wurde beim Passieren der Mara- caibobarre derPanther" von Fort San Carlos uner- wartet mit lebhaftem Feuer angegriffen. Der Panther" führte einen eine halbe Stunde währenden

Gewohnt, sich mit allen ihren kleinen Sorgen und Schmerzen an ihn zu wenden, unfähig, ihm eine Regung ihres Inneren zu verbergen, machte sie ihn auch zum Vertrauten ihre Wahrnehmungen und Befürchtungen; er lächelte darüber, wie er gelächelt, wenn Erna Hilfe- flehend zu ihm aufgeschaut, wenn sie ein französisches Exercitium nicht bewältigen konnte, das er in wenigen Minuten niederschrieb, oder wenn sie eine Bürde nicht zu tragen vermochte, mit welcher er Fangeball spielte. Es erschien ihm einfach undenkbar, daß ihm Erna's Hand verweigert werden könne.

Deine Mutter mag immerhin ein anderes glänzen­des Los für Dich träumen ; sie sowohl wie Dein Vater- können, dürfen nicht nein sagen, wenn ich bitte, Dich mir zur Frau zu geben", sagte er mit Bestimmtheit.

Sie dürfen nicht?" fragte Erna verwundert.

Nein. Der einzige Sprosse Irr Treuenfeld und die einzige Tochter der Familie Göldner gehören zu einander. Wärest Du ein Knabe gewesen, so würde keine Frage obgewaltet haben, daß Du und ich an die Stelle unserer Väter zu treten und die Firma fort- zusetzen haben; da nun die beiden Vertreter des Naniens in dieser Generation verschiedenen Geschlechts sind, so ist es ganz selbstverständlich, daß sie sich heiraten."

Aber, Benno" rief sie verletzt, das klingt ja bei­nahe, als wolltest Du mich nur heiraten, weil ich eine Göldner bin."

(Fortsetzung folgt.)