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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch, den 21. Januar 1903.

54. Jahrgang.

Bestellungen

auf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

Postanstalten und Landbrieftrügern, sowie von der Ex­

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pedition entgegengenommen.

Amtliches.

J.-Nr. 84 K.-A. Für das Jahr 1903 werden die ordentlichen Körungstermine wie folgt festgesetzt:

7. März in Schlüchtern,

13. Juni in Sterbfritz, 22 August in Steinau, 21. November in Schlüchtern.

Schlüchtern, den 9. Januar 19o3.

Der Königliche Landrat: Roth.

J.-Nr. 402. Die Herren Bürgermeister zu Schlüch­tern, Salmünster, Soden, Steinau, Ahl, Breunings, Eckardroth, Heubach, Hintersteinau, Hurten, Ober­kalbach, Oberzell, Schwarzenfels, Weichersbach und Wallroth erhalten in diesen Tagen die Losungsscheine für die .überzählig gebliebenen Militärpflichtigen zur sofortigen Aushändigung gegen Einziehung der Rekruten-Urlaubspässe von den Betreffenden, welche binnen 3 Tagen anher einzusenden sind, übersandt.

Schlüchtern, den 19. Januar 1903.

Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission des Kreises Schlüchtern:

Roth, Geh. Reg.-Rath._____________

Deutsches Reich

Am Freitag 10 Uhr vormittags ist der Kron­prinz in Petersburg eingetroffen. Zum Empfang waren anwesend als Vertreter des Kaisers, dem die Aerzte infolge starker Erkältung angeraten haben, das Zimmer nicht zu verlassen, der Thronfolger, sämtliche Großfürsten, die sämtlich ihre preußischen Uniformen angelegt hatten, ferner das kaiserliche Gefolge, der Minister Graf Lamsdorff, der Kriegsminister, der Eisenbahnminister, die Generalität und viele hohe Würdenträger. Beim Einlaufen des Zuges stimmte die Kapelle des Preobraschenski-Regimentes die deutsche Hymne. Der Kronprinz, in der Uniform des PetersburgerLeibgarderegimentes Friedrich Wilhelm III. stand am Wagmfenster und salutierte. Als der Zug hielt, eilte der Kronprinz auf den ihm entgegen­kommenden Thronfolger zu. Beide begrüßten sich herzlichst und stellten, nachdem sie die Front der Preobraschenski- Ehrenwache abgeschritten hatten und ein Vorbeimarsch abgenommen war, die beiderseitigen Gefolge vor. Bei der Abfahrt vom Bahnhof und beim Passieren der Straßen begrüßte eine zahlreiche Menge den Kron­prinzen und den Thronfolger enthusiastisch. Die Stadt prangt in reichem Flaggenschmuck. Der Kronprinz fuhr zuerst zum Besuch der Zarin-Mutter, darauf zum Zarenpaar, bei dem er auch Wohnung nahm.

Erzählung von F. Arneseldt. (Nachdruck verboten) Fortsetzung.

Je älter Benno ward, desto stärker trat bei ihm seine Heftigkeit, gepaart mit einer gewissen Schroffheit, zu Tage; desto mehr zeigte sich aber auch der Stolz auf seinen alten guten Namen. Mehr als einmal sprach es der Gymnasiast aus, auch für ihn gelte das Wort noblesse oblige in seinem ganzen Umfange; er fühlte in sich die Verpflichtung, die alte Firma völlig in der Weise der Väter fortzuführen. und den Nachkomnien zu überliefern.

Frau Göldner war dieser spießbürgerliche Stolz, wie sie es nannte, im hohen Grade zuwider, um so mehr, als er ein Hindernis ihrer Wünsche und Pläne war. Sie stammte aus einer vornehmen Beamtenfamilie; shre Verwandten lebten in einflußreichen Stellungen in der Residenz, und es war das Ziel ihrer Sehnsucht, ebenfalls dorthin zu ziehen und vermöge ihres Reich­tums eine glänzende Rolle daselbst zu spielen. Wohl wußte sie, daß das Vermögen ihres Mannes zu einem Leben, wie sie es sich ausmalte, nicht ausreichend war ; aber das ließ sich bald erlangen, wenn man, wie sie meinte, sich nur entschließen wollte den alten Krämer- Schlendrian aufzugeben und Geschäfte int großartigen Maßstabe zu machen.

So lange Treuenfeld lebte, hatten solche Gedanken und Wünsche, wenn sie sich in ihrem Herzen regten,

Nach dem Frühstück empfing der Kronprinz eine Ab­ordnung der Stadtvertretung, geführt vom Ober­bürgermeister, welche auf goldener Schüssel Brod und Salz überreichte und den Kronprinzen als Erben des befreundeten mächtigen Nachbarreiches in der Residenz des russischen Reiches bewillkommnete. Hierauf be- gab sich der Kronprinz, begleitet von seinem Ge­folge und dem russischen Ehrendienste, nach der Peter- Pauls Kathedrale, um an der Gruft Nikolaus I., der Kaiserin Charlotte und Alexanders III. kostbare Kränze niederzulegen. Später startete der Kronprinz Besuche bei den Großfürsten und Großfürstinnen, den Oberhofmeisterinnen, der beiden Kaiserinnen, dein Minister des Aeußeren, dem Kriegsminister und allen Rittern des preußischen Schwarzen Adlervrdens und den Botschaftern ab. Abends 7 Uhr fand im Winter- Palais Galadiner zu Ehren des Deutsch.» Kronprinzen statt. Bei der Tafel erhob sich Kaiser Nikolaus und brächte, zum Kronprinzen gewandt, in französischer Sprache folgenden Trinkspruch aus:Erfreut, Sie unter uns zu sehen und Ihnen für Ihren liebens­würdigen Besuch zu danken, trinke, ich auf das Wohl Ihrer erhabenen Eltern, des Kaisers und der Kaiserin und Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit." Der Kronprinz erwiderte:Tief bewegt durch die gnädigen Worte, welche Ew. Majestät soeben an inich gerichtet haben, bitte ich, mir zu gestatten, Ihnen im Namen des Kaisers und Königs, meines Vaters und in meinem eigenen Namen meinen warmen Dank für den so herzlichen Enipfang auszusprechen, der mir zuteil ge­worden ist und an den ich eine unauslöschliche Erinnerung bewahren werde. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl des Kaisers und der Kaiserin Maria Feodrowna und Alexandra Feodrowna sowie der ganzen kaiserlichen Familie".

- Im Reichstag wurde am 16. d. Mts. nach dreitägiger Diskussion die Resolution unter die Frage der Meistbegünstigungsverträge angenommen. Eine von den Sozialdemokraten gestellte Resolution, die sich gegen die Konkurrenz der gewerblichen Arbeit in Ge­fängnissen und ähnlichen Anstalten wendet, wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Ein Regierungsvertreter gab die beifällig aufgenommene Erklärung ab, daß die Gefängnisarbeit in absehbarer Zeit so gut wie ganz verschwinden werde, da man fortan die Ge­fangenen nach Möglichkeit nur zu Arbeiten im Interesse der allgemeinen Landeskultur verwenden wolle.

Wie die Reichsmarineverwallung hat auch das Kriegsministerium ungeordnet, daß in Jmmediat- berichten an den Kaiser und König vorerst noch die alte Rechtschreibung in Anwendung zu bringen sei.

Die katarrhalischen Erscheinungen bei Seiner Majestät des Königs von Sachsen sind noch nicht vollständig geschwunden, Und der Schlaf ist durch Husten noch öfter gestört, aber die Kräfte nehmen

sich nicht an die Oberfläche gewagt; denn sie kannte deren gänzliche Aussichtslosigkeit. Seit ihr Gatte all­einiger Chef des Hauses war, hatte sie erst leise und unvermerkt, dann immer deutlicher und bestimmter ihm ihre Ansichten entwickelt.

Mit einem Kredit, mit einem Vermögen, wie Du es besitzest, müßten ein paar kühne Spekulationen Dich zu einem sehr reichen Manne machen", und sie führte Beispiele von Leuten an, die es unter weniger günstigen Bedingungen sehr schnell zu einem großen Reichtum gebracht hatten.

Ihre Worte fielen nicht auf unfruchtbaren Boden. Göldner selbst hatte einen Hang zum Abenteuerlichen, zum Wetten und Wagen, der durch die Erziehung und das Zusammenwirken mit dem ihm geistig überlegenen, unbeirrt die gerade vorgezeichnete Bahn gehenden Treuen- feld zwar niedergehalten war, nun aber offen hervor- trat. Er verließ die bisherige Art der Geschäftsführung; er gab seiner Handlung eine größere Ausdehnung; er ließ sich sogar hier und da in eine Spekulation von mäßigem Umfange ein, und das Glück begünstigte ihn; dennoch war ihm nicht wohl dabei. Zwei ernste, dunkle Knabenaugen, die er an seinem Tische sah, blickten ihn so forschend an, als wollten sie auf dem Grunde seiner Seele lesen, hatten für ihn etwas so Vorwurfsvolles und Mahnendes, als rede aus ihnen gleichzeitig die Vergangenheit und Zukunft und frage ihn, ob und wie er das, was man ihm anvertraut hatte, verwaltet habe und weiter zu vererben gedenke.

weiter zu, und die Nahrungsaufnahme ist eine recht befriedigende.

Die Kronprinzessin von Sachsen ist mit Giron am Sonnabend von Gens über Marseille nach Mentone gereift um dort vorläufig zu bleiben.

Der Deutsche Landwirtschaftsrat ist auf den 3. bis 6. Februar d. I. zu feiner 31. Plenarver- sammlung einberufen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: Aufgabe und Bedeutung der Kartelle und Syndikate in der Volkswirtschaft. Grund­sätze für die Beleihung von Waldungen. Maßnahme gegen die Verunreinigung der Flüsse. Reichsgesetzliche Regelung des Versicherungsvertrages, Vorschläge für die Abänderung des Seuchengesetzes. Das Viehseuchen- Uebereinkommen zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reich. .Die Erforschung schädlicher Futter­wirkungen durch die biologische Abteilung des Kaiser­lichen Gesundheitsamts. Die Ergebnisse der Erhebungen über die Rentabilität bestimmter Landwirtschaftsbe­triebe im Jahre 1898. Vorgänge auf dem Gebiete des Eisenbahntarifwesens.

Der Bind der Landwirte hält am 9. Februar in Berlin seine große Generalversammlung ab. In derselben Woche hält auch die unter dem Protektorat des Kaisers stehende Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft mehrere Sektionssitzungen ab. Für die Sitzungen des Gesamtausschusses und die die Tagung beendende Hauptversammlung sind der 12. und 13. Februar in Aussicht genommen. Am Sonnabend, den 14. Febr., tagen in einer vertraulichen Konferenz die Vorstände der Preußischen Landwirtschaftskammern. Den Ab­schluß der diesjährigen landwirtschaftlichen Februar­sitzungen bildet die Plenarversammlung des Königlich Preußischen Landtzsökonomie-KM _

Ausland.

Die italienische Regierung bestätigt bu Nach­richt, daß Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Italien in Rom stattfinden werden, wie es der Minister Prinetti gewünscht hatte, und wie es auch für die Verhandlungen zwischen Italien und Oestereich-Ungarn im Prinzip schon feststeht. Rom wird also etwa vom 1. März an ein Mittelpunkt der Handelsvertragskämpfe und Verhandlungen sein."

Wie demDaily Expreß" aus New York ge­meldet wird, unterhandeln bte amerikanischen Kohlen- grubenbesitzer mit deutschen und britischen Bergwerken wegen Liefermig von Hart- und Weichkohlen.

Der L-ultan von Marokko entsandte am 10. Januar gegen den Prätendenten 3100 Mann mit zwei Mitrailleusen; sie wurden vom Feinde nachts umringt und geschlagen; sie ließen alles zurück und flohen. Aus Tanger wird Vorn 16. d. M. berichtet, sämtliche Truppen der Artillerie rückten aus, um die aufstäu- dischen Kabylen Magoga zu bestrafen. Die Anghera- Kabylen unterstützten die Regierung. Es wird ein

Benuo's Anwesenheit in seinem Hause hielt ihn von gewagteren Unternehmen zurück, zu denen sich, da er einmal diese Bahn betreten, reichlich Gelegenheit bot, und wozu ihm seine Frau eifrig riet. Ohne daß ihr Gatte es aussprach, wußte sie doch, wo für ihn die Fessel lag, und sehnte den Zeitpunkt herbei, wo Benno fern sein werde. Jeden Gedanken an eine Verbindung ihrer Tochter mit ihm wies sie aber weit von sich.

Die Töchter der Göldner'schen Familien haben immer in den Adel und die höheren Beamtenkreise ge­heiratet ; wir werden mit unserer Erna keine Ausnahme machen", sagte sie;Benno kann das selbst nicht wünschen, er hängt ja so fest am Herkommen Im klebrigen ist Erna noch ein Kind; wir wollen für jetzt an ihre Er­ziehung denken.

Gegen die Richtigkeit des letzteren Satzes ließ sich nichts einwenden, und Frau Göldner hoffte außerdem alles von der Zeit. War doch Erna erst 14 Jahre alt, als Benno, nachdem er sein Abiturienten-Eramen bestanden, das Haus seines Vormundes und die Stadt verließ, um zunächst in Hamburg und Bremen, dann in London und Amsterdam in befreundeten Handels­häusern zu arbeiten.

Jetzt war das Feld frei und -bie Geschäftsführung des Hauses Treuenfeld und Göldner verließ mehr und imhr die alte solide Bahn, höher stieg der Gewinn, und jeder Erfolg ermutigte zu neuem, kühneren Wagen, (Fortsetzung folgt.)