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* Ueber die Kosten des Einjährigen Dienstes der Lehrer hat die Militärkommission des Hannoverschen Provinzial-Lehrer-Vereins interessante Erhebungen ver- anstaltet. Durch Fragebogen an die zur Reserve über­tretenden Lehrer, von welchen 120 eingingen, ist ermittelt, daß 32 Prozent der dienenden Lehrer 1800 Mark und mehr, 68 Prozent 1600 Mark und weniger gebrauchten. Der Höchste hat 3000 verbraucht.

* Einjährig-Freiwillige werden im Bereich des 1>. Armeekorps beim 1. und 2. Bataillon des Jnf.- Regts. Nr. 83 in Cassel, beim Jnf.-Regt. Nr. 82 in Göttingen und beim 3. Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 94 in Jena am 1. April 1903 eingestellt.

* Das Lehrerheim erfreut sich unter der Lehrerschaft Hessens, Heffen-Naffaus und besonders auch Frankfurts immer größerer Beliebtheit. Die Mit­gliederzahl ist im Laufe des letzten Jahres um 300 gestiegen und beträgt jetzt 1208. Im letzten Sommer war der Besuch wiederum sehr stark, sodaß die ge­planten Erweiterungsbauten sich nicht länger auf­schieben lassen.

Der vor kurzem verstorbene Rentier Fanz Anton Gering hat der Stadt Frankfurt a. M. einen Betrag von 100000 Mk. zur Gründung eines Heims für alleinstehende unbescholtene Mädchen vermacht.

* Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. beschloß den Ausbau des Kaisersaales im Römer nach dem Entwurf des Baurats Meckel und bewilligte hierfür 120 000 Mk. Außerdem wurden 45 000 Mk. für Erneuerungsarbeiten am Römer bewilligt.

* In Gebern und in der Umgegend treten infolge der nassen Witterung Influenza und Halskrankheiten unter Kindern und Erwachsenen stark auf. Ganze Haushaltungen sind an das Bett gefesselt.

Das siebenjährige Söhnchen des Dienstknechtes D. in Fritzlar war allein in der Stube. Die Mutter des Kindes hatte sich auf einige Zeit aus ihrer Wohnung entfernt und ihre drei jüngsten Kinder im Alter von etwa 27 Jahren in die Wohnstube eingeschlossen. Plötzlich ertönte aus dem Zimmer ein deutlich vernehmbarer Knall, der die Bermietherin der Wohnung veranlaßte, der Ursache desselben nachzuforschen. Ein trauriger Anblick bot sich ihr durch das Fenster dar. Im rauch- erfüllten Zimmer lag der etwa 7 jährige Knabe in qualmenden Kleidern bei dem Ofen, während die beiden andern Kinder laut weinten. Der Junge hatte, um das Feuer i n Ofen zu unterhalten, bezw. wieder anzumachen, Petroleum auf die Kohlen gegossen, wie er von seiner Mutter öfter gesehen. Die erlittenen Brandwunden waren so bedeutend, daß der Junge nach wenigen Stunden starb.

Vermischtes

Wenn gerade in Dresden unter dem Eindruck der temperamentvollen, in voll:r Natürlichkeit sich geben­den, liebenswürdigen Kronprinzessin von Sachsen, die -sich einer fast beispiellosen Popularität erfreute, die Sympatien weiter Kreise auch nach der Flucht dem einstigen Liebling der Residenz ungeschwächt gewahrt geblieben waren und man sehr geneigt war, die Schuld den Verletzten und Hintergangenen aufzubürden, so ist jetzt der Umschwung ein vollständiger, nachdem die Kronprinzessin unumwunden ihre schwere Verfehlung eingestanden und selbst Herr Giron zugegeben hat, die Behandlung der Kronprinzessin bei Hofe, speziell seitens ihres Gemahls, sei nicht eine derartige gewesen, daß sie deshalb hätte die Flucht ergreifen müssen. Aber selbst, wenn der Kronprinzessin das Leben am Dres­dener Hofe bis zur Unerträglichkeit verleidet worden und das eheliche Zusammenleben mit ihrem Gatten nicht mehr möglich gewesen wäre, dann hätte es kor­rekte Mittel für sie gegeben, um dasselbe in anständiger Weise und unter Vermeidung eines Skandals eines W°ltskandals aufzuheben und so ihre persönliche Freiheit wieder zu erlangen. Der klassischste Zeuge gegen die Kronprinzessin ist die Kronprinzessin selbst.

Sie wisse", sagte sie in Genf nach einem ausführ­lichen Bericht des Schriftleiters derChem. Allg. Zta." in der Unterhaltung mit diesemihr Gatte habe "sie sehr geliebt, wenn er auch heftig, zuweilen sehr heftig gewesen sei und nach der bei einem Sturz vom Pferde davongetragenen Gehirnerschütterung sich sein Tempera­ment noch erregter gestaltet habe. Darum habe sie mit tiefer Angst und schwerer Besorgnis der Zukunft entgegengesehen. In solcher Seelenqual habe die Zu­neigung zu Monsieur Giron nur um so festeren Boden fassen können. Sie wisse wohl, daß sie Unrecht tue, sei sich vollkommen ihrer Schuld bewußt und müsse es ruhig über sich ergehen lassen, wenn man sie des Treu- bruchs zeihe; auch tue es ihr von Herzen leid, daß sie dem von ihr aufrichtig geliebten Sachsenvolke, welches sie einst gern auf dem Königsthron gesehen hätte, eine so schmerzliche Enttäuschung bereite, wie es sie ferner mit tiefster Wehmut erfülle, daß sie ihre Kinder, die ihr so liebevolle zugetan seien, haben verlassen müssen. Indeß, sie habe wahrhaftig nicht anders gekonnt, die Liebe zu Monsieur Giron sei zu innig."

Hiermit ist das Eingeständnis ausgesprochen, daß die Liebe zu Giron, nickt die angeblich schlechte Behand­lung oder die Disharmonie mit den Anschauungen ihre» Gatten, das Entscheidende, das Ausschlaggebende ge­

wesen ist. Sie würde diesem sich hingegeben haben, auch wenn sie anders zu dem ihr angetrauten Gemahl gestanden hätte. Das ist es, was jetzt niemand mehr verkennt.Sie Beide", schloß die Kronprinzessin ihre Unterredung,liebten sich so wahr und innig, daß sie hoffen dürften, ein zufriedenes Dasein führen zu dürfen." Wie sie sagte, hat sie die Tat mit voller Ueberlegung und unter vollem Erkennen der Konsequenzen ausgeführt.

Auf einen echt kindlichen Einfall ist, als die Nach­richt von der Verlobung des Großherzogs von Weimar bekannt wurde, das 7jährige Töchterchen eines Eisenacher Bürgers gekommen. Ohne Wissen der Eltern machte sich das kleine Fräulein daran, dem Großherzog einen Brief folgenden Inhalts zu schreiben:Lieber Herr Großherzog! Wir freuen unS sehr, daß Sie sich ver­lobt haben und daß wir keine Schule habe». Viel Glück wünscht Ihnen ihre Anna Margarethe......" Wie groß war das Erstaunen der Eltern der kleinen Carolinenschülerm, als darauf aus Bückeburg folgende Depesche einlief:Ich danke Dir sehr, mein liebes Kind, für Deine Glückwünsche, die mir große Freude bereitet haben. Wilhelm Ernst."

In einem Bankgeschäft in München fand dieser Tage ein Herr neben dem Schalter ein Päckcheu mit 4000 Mark Wert. Er gab es sofort dem Schalter­beamten, und dieser konstatirte, daß ein Kaufmann der Verlustträger sei, der das Geld vor fünf Minuten erhalten habe. Der Kaufmann wurde geholt, erhielt sein Geld zurück, sagte aber dem Finder kaum recht Dank. Das veranlaßte diesen, den Findeelohn zu beanspruchen. Nun bot der Kaufmann dem Finder 10 Mk. Das lehnte dieser ab und besteht auf den vollen Finderlohn.

Ein niedliches Weihnachtsgeschenk war dem Bierbrauer Georg Fiedler in Eßlingen zu teil. Der Storch legte ihm 3 gesunde Knäblein unter den Weih­nachtsbaum. Mutter und Kinder sind wohl auf.

Wie Ein Karlsruhe, so herrscht auch in Stutt­gart die Influenza in unheimlicher Weise. Die Aerzte, welche kaum mehr die nötige Zeit zum Essen und Schlafen herausbringen, schätzen den Krankenstand auf über 20000 Personen. In manchen Häusern liegen 20 und noch mehr Kranke. Auch die Schulen weisen erhebliche Lücken auf. Doch verläuft die Krankheit im Allgemeinen gutartig; die Sterbeziffer weist keine erhebliche Steigerung auf.

(Ueber ein französisches Soldatengrab in deutscher Erde) wird berichtet: Zwischen Neuhaus und Katzhütte, in einem poetischen Winkel des malerischen Thüringer Waldes, befindet sich, bald eingesunken und mit Moos bedeckt, eine Grabplatte mit der Inschrift: Hier ruht ein französischer Grenadier. 19. Okt. 1813". Holzhauer waren es so erzählt dasJournal des Debats" die eines Morgens den Leichnam des Grenadiers entdeckten und ihn dort begruben, wo sie ihn gefunden hatten. War es ein verirrter oder ein verwundeter Soldat, der nach langer Wanderung auf der Landstraße erschöpft zusammengebrochen war? Darüber giebt es nur Vermutungen, und es war kein Gegenstand vorhanden, aus welchem die Identität des Verstorbenen hätte festgestellt werden können Das Grab wird aber trotzdem von den Bewohnern des Waldes in hohen Ehren gehalten. Jedes Jahr wird es von Schulkindern aus den umliegenden Ortschaften freiwillig mit Blumen geschmückt. Ein alter Tannen- baum beschattet das Grab. Am Baumstamm ist eine Porzellantafel befestigt. Hier kann man die schöne Grabschrift lesen:

Wer du auch seist, französischer Grenadier, Ruh' sanft im deutschen Walde hier!"

Für die Feuergefährlichkeit des Zelluloids spricht ein Vorfall, der sich in der reformierten Kirche zu Büschweiler in Elsaß zutrug. Ein Mädchen saß in der Nähe des geheizten Ofens, an einer ungeschützten Stelle. Plötzlich fing der Zelluloidkamm, den es trug, Feuer, welches einige Männer zwar gleich erstickten, das dem Mädchen jedoch schon mehrere Brandwunden an Kopf und Händen zugefügt hatte.

Der Brand im Theater zu Berndorf süd­lich von Wien in einem von der Tristing durchflossenen Gebirgstale am 26. Dezember, macht viel Auf­sehen. Für nachmittags 3 Uhr war die Operette Boccacio" angesetzt; die Dampfheizung war wegen des herrschenden Sturmes besonders schwierig. Plötzlich brach 12V^ Uhr im Zuschauerraum über der Stelle des Heizraumes Feuer aus sodaß die Parterrereihen bald in hellen Flammen standen. Man sperrte sofort alle Türen unb Fenster des Zuschauerhauses und schloß das Bühnenhaus durch einen eisernen Vorhang ab. Nur dadurch und durch sofortige Wasserzufuhr wurde die Bühne gerettet. Der Hauptkronenleuchter stürzte mit furchtbarem Krach auf die Zuschauerbänke. Man male sich das Unglück aus, wenn das Haus besucht gewesen wäre.

Eine ruchlose Mordtat wurde am Abend des zweiten Weihnachtstages im Dorfe Drüber bei Einbeck begangen. Dort wurde der Schneidergeselle Heinrich Binnewies, der seine Braut, die Näherin Hundertmark, nach Hause begleitet hatte, gleich nach dem Ausein- andergehen in der Nähe der Wohnung seiner Geliebten

durch mehrere Stiche in Kopf, Hals und Genick ermordet. Als das junge Mädchen auf das Hilferufen mit einem Lichte herbeieilte, fand sie Binnewies in seinem Blute schwimmend bereits tot vor. Im dringenden Verdachte, den Mord begangen zu haben steht der Haussohn und Tischlergeselle Albert Sebexen dortselbst, der verhaftet und in das hiesige Gerichts­gefängnis eingeliefert wurde. Der Anlaß zu dem Mord war Eifersucht. - Sehexen - erst 21 Jahre alt war bei der Sektion anwesend. Er leugnete hartnäckig die Tat. Nachdem er sodann wieder in das Amtsgerichtsgefängnis zurücktransportiert war, räumte er sein Verbrechen ein und legte ein umfassen­des Geständnis ab.

Ansehnliches Honorar, Professor Dr. Lorenz, der berühmte österreichische Orthopäde, der zur Aus­führung einer unblutigen Gelenkoperation an d.r Tochter des Chicagoer Millionärs Armour nach Amerika gekommen war, trat, wie aus Newyork gemeldet wird, am 31. Dezember die Rückreise nach Europa an. Professor Lorenz erhielt nach seiner Aussage für die Operation ein Honorar von 30000 Doll. und weitere 30 000 Doll. für chirurgische Tätig­keit in anderen Fällen während seines viermonatlichen Aufenthaltes in Amerika. Auf der Rückreise wird er in Liverpool fünf Tage lang der Gast des Dr. Roberts Jones sein, den Professor Lorenz als den größten Chirurgen seines eigenen Spezialfaches in England bezeichnet.

(Ein Riesenhonorar.) Wie amerikanische Blätter berichten, hat sich der berühmte Tenor Tamagno bereit erklärt, für 64000 Mark fünf Lieder für eine ameri­kanisch'. Fabrik in einen Phonographen hineinzusingen.

Gedankenlos. A.:Das ist also Ihre Frau? Eine reizende Dame; Sie sollten stolz auf sie sein." B.:Bin ich auch, wenn sie nur nicht so zerstreut und gedankenlos wäre. Neulich schickte ich sie fort, sie soll mir ein Dutzend Hemden kaufen und was meinen Sie, bringt sie nach Hause? Eine seidene Blouse!"

Schulhumor. Dorfschullehrer :Hier sind zwei Eier; wenn ich nun noch zwei dazu lege, wieviel sind es dann, Michel?" Michel (steht auf, lacht pfiffig und sagt):Sie könne» ja doch keine Eier legen, Herr Lehrer."

Eingesandt.

(Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.)

Uttrichshansen. Bei der am 19. v Mts. in unserem Wahlkreise stattgefundenen Ersatzwahl eines Landtags- Abgeordneten haben, wie berichtet wird, die beiden hie­sigen Wahlmänner für Lücke, Bund der Landwirte, ge­stimmt. Es wird hierdurch festgestellt, daß die betr. im Jahre 1898 gewählten Vertreter diesmal nicht im Sinne des Gros der hiesigen Bevölkerung gewählt haben; die Mehrzahl der hiesigen Urwähler will von demuneigennützigen" undfriedlichen" Bund der Landwirte nichts wissen und erwartete, daß die zwei Wahlmänner am 19. Dezeniber ihre Stimmen für den hochachtbaren Herrn Landeshauptmann Riedesel-Eifeu- bach abgeben würden.

Ilmenau in Thüringen. Das hiesige Technikum, eine höhere und mittlere Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik, wurde im Schuljahr 1901/2 von 1600 Technikern besucht. Die unter Vorsitz der Herren Staatskommissare abgehaltenen Diplom- und Abgangs- Prüfungen bestanden 363 Techniker, und zwar: 6 mit Auszeichnung, 25 mit Nr. 1 (recht gut), 186 mit Nr. 2 (gut) unb 136 mit Nr. 3 (genügend). Trotz der schlechten Lage der Industrie finden die mit guten Zeugnissen abgehenden Techniker immerhin noch lohnende Anfangsstellungen. Der Direktion des Technikums stehen zur Unterstützung würdiger und unbemittelter Techniker jährlich zirka 2 500 Mk. an Stipendien zur Verfügung. An der Anstalt wirken 20 Fach- und 10 Hilfslehrer; ihre Größe bringt es mit sich, daß im Unterricht die Hauptlehrfächer durch Spezialisten als Lehrer besetzt sind. Das Sommer-Semester 1903 be­ginnt am 17. April, der Vorunterricht für das erste Semester am 24. März. Anfragen und Anmeldungen sind rechtzeitig an die Direktion zu richten, die erforder­lichen Falles weitere Auskunft erteilt.

Bielefeld. 2 Bäckermeister und 1 Koch in Berlin, welche in Gerichtsangelegenheiten als Sachverständige gewählt wurden, erhielten vom Berliner Amtsgericht Proben von Dr. Oetkers Backpulver mit dem Ersuchen, Kuchen davon zu backen und zu probieren, ob diese Kuchen nach bim Backpulver schmeckten. Die drei Herren haben Versuche gemacht und dann beschworen, daß ihrer Ansicht nach die Kuchen gut geraten seien und keine Spur eines Nachgeschmackes besäßen. Das ist jedenfalls ein hervorragendes Zeugnis für die Güte von Dr. Oetkers Backpulver.

~ Kirchlicher Anzeiger für Schlüchter».

Sonntag, den 4. Januar 1903.

Vormittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl.

Wochendienst: Herr Superintendent Orth.