Einzelbild herunterladen
 

Deutsche- Reich.

Die Weihnachtsfeier am kaiserlichen Hofe hat am Mittwoch in gewohnter Weise stattgefunden. Am ersten Feiertag besuchten Ihre Majestäten den Gottes­dienst in der Friedenskirche in Begleitung des Prinzen Adalbert und kehrten zu Fuß nach dem neuen Palais zurück. Zur Familien-Frühstückstafel waren die in Berlin und Potsdam anwesenden Mitglieder des Königlicben Hauses geladen. Nachmittags blieben die Majestäten mit der Kaiserlichen Familie vereint.

Bei der Neujahrsfeier im Berliner Schlosse wird das Kaiserpaar von allen seinen 5 Söhnen umgeben sein. Im vorigen Jahre fehlte der dritte Sohn Prinz Adalbert von Preußen, der sich auf einer Ilebungsreise im Mittelmeer befand.

Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg und Gotha wird demnächst die Kriegsschule in Metz beziehen, um dort in gesonderten Kursen Unterricht zu,genießen^

Nun kommt das Haager Schiedsgericht doch zu Ehren! Noosevelt hat daS Schiedsrichteramt im Vene­zuela-Konflikt abgelehnt und der Haager Schiedshof soll in dieser Angelegenheit zu Gericht sitzen. In­zwischen wird in Venezuela weiter gespielt, 20 Schiffe sind den Venezolanern abgenommen worden, damit ist ihre ganze Flotte vernichtet. In Venezuela selbst gährt es neuerdings wieder ganz gewaltig, es ist ein Aufstand ausgebrochen und kämpfen Regierungstruppen und Aufständische schon miteinander. Im neuen Jahre kommt nun hoffentlich eine Einigung zu stände, die den betheiligten Mächten volle Genugthuung bietet so, daß das Blutvergießen in dieser Angelegenheit nicht mehr nöthig ist und die Idee des Kaiser Nikolaus in ihrer ganzen Größe und Schönheit zu Geltungfommt.

Males^nd Provinzielles.

* Schlüchtern, 31. Dezember 1902.

* Mit heute nehmen wir Abschied von dem alten Jahr, Sylvester ist da und es muß geschieden sein. In stillen Gedanken hier, bei der dampfenden Punschbowle, bei klingenden Gläsern, mit Hellem Neujahrsrufen dort, überall aber mit Glockengeläute wird es begrüßt, sobald die zwölf dröhnenden Schläge der Mitternachtsstunde von den Türmen Hallen. Ueberall sieht man ihm mit Hoffen oder Bangen entgegen. Unaufhaltsam setzt unsere Erde ihren Kreislauf fort, in rastlosem Gange spinnt sich das ewige Werden fort. Ziehen wir beim Anbruch des neuen Jahres rückschauend die Bilanz und fragen: was ist uns das alte Jahr, was sind wir ihm schuldig geblieben ?, dann wollen wir nicht zu streng sein und dein alten Jahre seinen Abschiedsgruß gönnen, seine Sünden waren Sünden der Zeit. War au h viel­fach der Verdienst beschränkter, floß Luch das Geld nicht so flott in den Beutel, haben auch viele manches ver­loren aufNimmerwiedersehen, so lassetunsbeimletztmaligen L Nichten des Christbaums bedenken, daß es auch ideale Ziele und Wege giebt. Der Gelderwerb wird durch die Erfordernisse des Lebens bedingt, aber ein Leben, dessen Inhalt nur Geld bildet, ist ein trauriges. Ein gar zu schlimmes Jahr war auch das alte nicht; man hat schon ganz andere zu verzeichnen gehabt und deshalb: nun frisch hinein ins neue Jahr mit fröhlicher Hoffnung, daß es gut machen wird, was das verflossene zu wünschen übrig ließ. Es ist eine schöne Sitte, sich zum neuen Jahr Glück zu wünschen und arm, reich, jung und alt, groß und klein, huldigt ihr gern, auch wir thun es, wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern im neuen Jahre alles mögliche Gute, fügen aber noch zwei Wünsche an, von denen wir annehmen, daß sie sicher in Erfüllung gehen. Zuerst wünschen wir, daß das bisherige freund­liche Einvernehmen unserer Leser mit unserer Zeitung auch im neuen Jahre fortbestehen möge, daß unseres Blattes Freunde uns erhalten bleiben mögen. Der zweite Wunsch ist kurz, aber herzlich: Allen unseren Lesern ein recht fröhliches Neujahrsfest und ein recht kräftigesProsit Neujahr!"

Herr Dr. V. Manns von hier, ist zum Sani­tätsrath ernannt worden.

* Der kürzeste Tag und die längste Nacht am 22. Dezember brächte uns zugleich Winters-Anfang, der an diesem Tage Nachniittags 2 Uhr, da die Sonne in das Zeichen des Steinbocks trat, seinen offiziellen Einzug hielt. Dieser kürzeste Tag hat nur eine Länge von 7 Stunden 48 Minuten, die Nacht dagegen von 16 Stunden 12 Min./ letztere nimmt also mehr als 7s von den 24 Stunden der Länge des astronomischen Tages ein. Schon der nächste Tag, der 23. Dezember, hat nach der astronomischen Berechnung zugenommen, freilich nur um unmerkliche Sekunden, erst am 26. Dez. betrug die Zunahme 1 Minute und am 31. Dezember wird sie 3 Minuten betragen.

* Kürzlich wurde die Linie der projectirten neuen Freigerichter Kleinbahn von Vertretern sämmt­licher betheiligten Behörden einer örtlichen Besichtigung unterzogen. Die Bereifung hatte einen informatorischen Charakter. Von zuständiger Quelle wird versichert, daß man daran festhält, daß sämmtliche Orte, für die Bahnanschluß vorgesehen war, einen solchen auch erhallen werden. Die' Bahn geht von Gelnhausen aus und mündet im Staatsbahnhof Langenselbold.

* Der Minister des Innern hat dem landwirth- schaftlichen Verein zu Frankfurt a. M. die Erlaubniß

ertheilt, bei Gelegenheit der im Frühjahr und im Herbst 1903 dort stattfindenden beiden Pferdemärkte je eine öffentliche Verloosung von Wagen, Pferden und anderen Gegenständen zu verunstalten und die Loose in der ganzen Monarchie zu vertreiben.

* In den letzten Tagen bereisten zwei Herren von der Königlichen Eisenbahndirektion zu Erfurt die Strecke, welche für den Bau einer Eisenbahn von Fulda nach Meiningen auf Meininger und Eisenacher Gebiet in Aussicht genommen ist. In Oberweid sahen sich die Herren auch die Steinbrüche an und forschten nach beut Material zur Herstellung von Kalk und Ziegelsteinen. Einer maßgebenden Persönlichkeit bestätigten die Herren, daß Preußen dem Projekte jetzt günstiger als früher gesinnt sei, bemerkten aber, daß der Bahnbau über Frankenheim, dem höchst gelegenen Dorfe der Rhön, wegen der colosalen Terrain­schwierigkeiten denn doch noch sehr zu überlegen sein dürfte.

* Ein trauriges Weihnachtsfest ist einer alleinstehenden Fran B. in Neukirchen beschert, deren Mann in weiter Ferne ist; das einzige noch gebliebene 3jährige Kind wurde, wie dieZgh. Ztg." berichtet, von einer Katze am Finger gekratzt. Es entstand Blutvergiftung, woran das arme Wesen unter entsetzlichen Schmerzen, trotzdem ärztliche Hülfe in Anspruch genommen wurde, starb.

* Bei der am Montag in den Gemarkungen Hochstadt, Wachenbuchen und Mittelbucheu verunstalteten landgräflichen Treibjagd wurden in 4 Kesseltreiben 805 Hasen, 1 Fasanenhahn, 6 Fasanenhennen und 1 Fuchs zur Strecke gebracht. Dieses Resultat ist seit langen Jahren nicht mehr erzielt worden. Sämmt­liche Herren halten ihre Munition verschossen.

* In Darmstadt hat der Leutnant im In­fanterie-Regiment Nr. 115 Prinz zu Jsenburg-Büdingen einen Selbstmordversuch begangen und liegt schwer verletzt, durch einen Schuß in den Kopf im städtischen Krankenhause danieder.___

Vermischtes

Als der größte Soldat der deutschen Armee ist zur Zeit der Unterofficier Taplick von der 3. Escadron des Regiments Gardes du Corps zu betrachten, der 2, 09 Meter groß ist. Als rechter Flügelunterofficier wird er am Neujahrstage bei der Galawache im Königlichen Schloße zum ersten Mal Dienst thun. Taplick ist 1898 als Rekrut eingetreten, aus Königsberg in Preußen gebürtig und von Berus Schlosser.

- In der Wechselstube der Nationalbank in Potsdam ist Seitens des flüchtig gewordenen zweiten Vorstands­amten Albert Heyde eine Unterschlagung begangen worden. Heyde veruntreute 94 500 Mk. aus der Coupon- kassl. Heyde war seit 1889 im Dienste der Bank. Di.> strafrechtliche Verfolgung gegen den Flüchtigen, der vermuthlich im Besitze eines großen Theiles der von ihm entwendeten Beträge befindet ist eingeleitet.

In Wolfenbüttel ist eine Erkrankung an schwarzen Pocken festgestellt worden. Der Erkrankte ist ein vor drei Jahren aus Böhmen eingewanderter Spinnereiar­arbeiter Ramens Paseler, der mit seiner Frau im Kranken­hause in einem Jsolnraum untergebracht wurde. Sämmt­liche Mitarbeiter wurden sofort geimpft und seine Wohnung desinfizirt. .__________________________

Eingesandt

(Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.)

Niederzell. Die oft und viel gerühmteSchnelligkeit" unsrer Reichspost scheint nur auf größeren Entfernungen hin wirksam zu sein, auf kürzere scheint sie gänzlich zu versagen. Dafür ein Beispiel: Ein Brief nach dem Nachbardorfe Schlüchtern, Niederzell, am Samstag um 2 Uhr in Schlüchtern zur Post gegeben, gelangt erst am Montag nach 2 Uhr nachmittags in die Hände des Adressaten. Er braucht also, um in das nur eine halbe Stunde entfernte Dörfchen zu gelangen, über 2 mal 24 Stunden. Es darf angenommen werden, daß ein Brief von S. nach N. vor 300 Jahren, als die deutsche Reichspost noch in den Windeln lag, auch nicht viel mehr Zeit gebraucht haben wird. Warum soll nun gerade Niederzell von den Segnungen des Fortschritts auf dem Gebiet des Postwesens so ganz ausgeschlossen sein? Die Niederzeller verlangen keine Bestellung am Sonntage! Gott bewahre! Sie gönnen den Briefboten von Herzen die wohlverdiente Sonn­tagsruhe; aber das können sie doch verlangen, daß nicht täglich der erste Briefbote, wenn's gut geht, erst nach 2 Uhr auf dem Umtveg über Herolz und Ahlers- bach rc. zu ihnen kommt und der zweite ihm fast auf den Fersen folgt. Man kann es deshalb den Ein­wohnern von Niederzell nicht übelnehmen, wenn sie endlich die geeigneten Schritte thun, um sich eine Ab­stellung dieses Uebelstandes vom neuen Jahre schenken zu lassen.

zu 1903 meinen geehrten und werthen Mitbürgern und Miteinwohnern von SodenSalmünster nach einem nunmehrigen Zusammenleben und Wirken über 1V* Jahrzehnte unter oft sehr schwierigen Ver­hältnissen bei Kämpfen und Entbehrungen mancher- lei Art.

Dieses gemeinschaftliche Arbeiten und Kämpfen hat aber wie bei Soldaten aller Grade nach siegreich überwundenen, schweren Aufgaben in Kriegs- und Friedenszeiten die Folge des Gefühls der Zusammen­gehörigkeit und engeren Verbrüderung hervorgerufen, nicht aber des Grolles oder gar der Anfeindung und Verleumdung. Und dies ist eine Thatsache, die in Verbindung mit dem in die Augen springenden Auf­blühen unseres Ortes wohl mit Recht die Hoffnung erweckt, daß nunmehr die weitere Entwickelung auf derselben soliden Grundlage aber wohl in etwas leb­hafterem Tempo vorwärts schreiten kann und wird.

Daß wir außer dem Soolbad auch eine Naturheil­anstalt (Sanatorium) vor 7 Jahren durch sachgemäßes Entgegenkommen erhalten haben, konnte dem rascheren Aufblühen unseres Badeortes nur sehr förderlich sein; denn je mehr Fremde durch die beiden Kuranstalten angezogen werden, desto besser ist dies auch in der Weise, daß diese Fremden in entfernten Gegenden unsere so günstige Lage an der großen Verkehrsstraße, die landschaftlichen Schönheiten unseres Ortes, sowie die noch mäßigen Preise bei ihrer Rückkehr in weiteren Kreisen bekannt!geben. Es steht sonach ein immer größerer Fremdenbesuch in Aussicht, umsomehr, als nun auch die Gemeinde-Verwaltung den Gesell­schaften nach Möglichkeit immer mehr entgegenkommt und die aussichtsreichsten Punkte in schöner und praktischer Weise durch entsprechende Wegeanlagen zugänglich macht neben einem nicht unthätigen Ver- schönerungs-Verein.

Die günstige und schöne Lage hat nun' auch schon bewirkt, daß eine Anzahl Auswärtiger, hier schöne Landhäuser gebaut und sich niedergelassen hat und weitere Niederlassungen und Bauten in Aussicht stehen, da unser Ort jetzt das bietet, was bessere Familien, die das Grvßstadtlrben müde sind, verlangen können. Daß wir Alles thun müssen, um diesen neuen Ein­wohnern den Aufenthalt bei uns möglichst angenehm zu gestalten, ist selbstredend.

So haben wir denn die rührige und an sich lobens- werthe Thätigkeit unserer Nachbarorte nach meiner Ansicht nach zu fürchten, in Folge der von der Natur und den Verkehrsstraßen gebotenen Vortheile und der mit großem Eifer und auch Opfern geleiteten Kur­anstalten, die schon viel günstige Resultate aufzuweisen haben. Diese Concurrcnz wird um so weniger zu fürchten sein, wenn wir nicht müde werden, mit den zu Gebote stehenden Mitteln unseren Ort sowohl im Innern wie nach Außen stets anziehender und ein­ladender zu gestalten. Die Erhaltung der alten Ruine, die so manche geschichtliche Erinnerungen weckt, wäre eine hochanerkennenswerthe Handlung, um so mehr, als die Burgruine so sehr zum landschaftlichen Reiz unseres Ortes beiträgt. Die bessere Zugänglich- keit sowie die Anlagen des StolzeubergeS sind Fragen der Zeit.

Mit Stillschweigen dürfen wir nicht übergehen, was die unserem Orte so nahestehende Familie Adolf Krafft durch die Wiederherstellung des alten Hutten- schlosses in höchst stilvoller Weise sowohl bezüglich des Aeußeren wie des Inneren für Soden gethan. Wir wollen hier noch besonders als Sodener Bürger nichc verfehlen unseren tiefgefühlteil Dank zu sagen. Auch hier ist die weitere Anlage eines geschmackvoll ange­legten Schloßgartens und Hofes am Eingang unserer Stadt doch auch wohl nur eine Frage der Zeit.

Die neueste Anlage, für die wir der Stadtver­waltung zu wirklichem Dank verpflichtet sind, nämlich das hochgelegte Banket, als stets gut gangbarer Fuß­weg nach unserer Schivesterstadt Salmünster, verbindet die beiden sich ergänzenden Orte und wird hoffentlich durch alle Bevölkerungsschichten der beiden Orte das Gefühl der Zusammengehörigkeit und gegenseitiger nothwendiger Unterstützung, wachrufen, sowie die nur schädlichen Eifersüchteleien ' und die Erinnerung an frühere Fehden der Vergangenheit und Vergessenheit anheimgegeben. Ich hoffe auch, daß die Bezeich­nung unseres Badeortes zum Unterschied von den 3 anderen Soden mit SodenSalmünster, nachdem die Station nunmehr schon länger SalmünsterSoden heißt, keinem ernstgemeinten Widerspruch mehr be­gegnet. Lassen wir unsere Behörden nach altem Her­kommen unseren Ort ruhig Soden, Kr. Schlüchtern, bezeichnen. Wir müssen als ausblühender, rasch auf- zufindender Badeort unter Berücksichtigung der modernen Verkehrswege, der Eisenbahnen, uns mit Soden Salmünster bezw. SalmünsterSoden bezeichnen was bald beim Festhalten dieser Bezeichnung unser Bad und unsere Gegend bekannt machen wird.

So freue ich mich denn mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft und mit Händedruck ein aufrichtiges

Glück zum Neuen Jahre! zurufen zu können.

Ein alter augenblicklich in den Schweizer Bergen weilender Sodener

Fr. Aug, v. Reichenau.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Neujahrstag.

Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth.