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Erschaut Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich l Mk. - Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 105 ___________________Mittwoch, den 31. Dezember 1902. 53. Jahrgang.

-------------AmtliLes--------------

I -Nr. 7232. Zum Zwecke der Neubemessung der Portobauschsumme für die Postsendungen in Staats- dienstangelegenheiten, welche z. Z. von der Preußischen Staatskasse an die Reichskasse gezahlt wird, soll in der Zeit vom 1. Januar 1903 bis incl. 31. Dezember 1903 eine Portozählung in der Weise stattfinden, daß die unter dem Aversionierungsvermerk abgehenden Post­sendungen, welche zu dem Zwecke in bisheriger Weise mit dem Aversionierungsstempel und dem Dienstsiegel pp. zu versehen sind, noch mit Zählmarken beklebt und diese von den Postanstalten durch den Aufgabestempel entweichet werden. Die zur Ausgabe gelangenden Zählmarken, welche zu 2, 3, 5, 10, 20, 25, 40 und 50 Pfg. Hergestellt sind, schließen sich in Form und Farbe den gewöhnlichen Postwerthzeichen an und tragen eine die Aversionierung kennzeichnende Inschrift.

In dieses, die Feststellung des Umfanges von Post­sendungen in Staatsdienstangelegenheiten bezweckende Zählverfahren, sollen auch, wie die Herren Ressort­minister angeordnet haben, die dienstlichen Sendungen der Herren Ortsschulinspektoren, welche dieselben in dieser Eigenschaft in Angelegenheiten der Schulverwal- tung abgehen lassen und mit dem Aversionierungsver- merke (Frei laut Avers 21) zu versehen haben, einbe­zogen werden. In 'dem bisherigen Frankirungssystem tritt hiernach nur insofern eine Aenderung resp. Er­weiterung ein, als die dienstlichen Sendungen der Herren Ortsschulinspektoren neben dem Aversionirungsvermerke iiod) mit einer dem Gewichte der Sendung entsprechen­den Zählmarke im zutreffenden Nennwerthe zu ver­sehen sind.

Die Herren Ortsschulinspektoren des Kreises, denen ich einen für das I. Quartal 1903 bestimmten Vorrat an Marken im Nennwerthe von 10 und 20 Pfg. in Kürze unter Couvert werde zugeheu lassen, ersuche ich, alle die Ortsschulverwaltung 'betreffenden dienstlichen Sendungen außer dem Aversionirungsvermerke während des oben bezeichneten Zeitpunktes noch mit einer Zähl- marke auf der Stelle des Briefumschlages, die nach

Line Hochzeitsreise

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Nachdruck verboten) Fortsetzung.

Sie sehen es ja, der Mann ist tot, die Frau ohn­mächtig", antwortete jener düster, mit einem Anfluge von Hohn in der Stimme.Was stehen Sie da? Holen Sie Licht, holen Sie Wasser, einen Arzt schnell fort!"

Wer sind Sie?" fragte der Oberbeamte, und der den Wagen kontrolierende Schaffner fügte hinzu:Wie kommen Sie in dieses Koupee?"

Ist jetzt Zeit ein Verhör mit mir anzustellen?" war die schroffe Entgegnung:das zu erklären ist hier nicht der Ort. Fort! sage ich, oder besser, ich gehe selbst."

Er ließ seine Bürde aus den Armen gleiten und machte Miene, das Koupee zu verlassen; aber der Oberbeamte vertrat ihm den Weg.

Halt, mein Herr", rief er,,die hier notwendigen Anordnungen zu treffen, ist meine Sache; Sie aber werden hier bleiben. Sind Sie im Koupee betroffen worden, so verlassen Sie es auch nicht, bis der hier stattgehabte Vorgang aufgeklärt ist."

Mit einer verächtlichen Bewegung trat der Reisende zurück und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Ohnmächtigen zu. Der Oberbeamte gab seinen Unter­gebenen Befehle, und einige derselben eilten fort, während

den postalischen Vorschriften für die Anbringung der sonstigen Postwerthzeichen bestimmt ist, zu versehen und mir nach Ablauf des Jahres 1903 den dann noch vor­handenen Vorrat an Marken schleunigst, spätestens aber bis zum 10. Januar 1904 einzusenden.

Etwaigen während des Zähljahres eintretenden zweiten Bedarf bitte ich mir vierteljährlich und zwar bis 20. März, 20. Juni und 20. September 1903 mitzutheilen. Sollte schon früher ein Bedarf eintreten und die Befriedigung desselben nicht bis zu diesem Ouartalstermine hinausgeschoben werden können, so bitte ich mir hiervon alsbald Nachricht geben zu wollen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden hier­mit veranlaßt, die vorstehende Bekanntmachung den Herren Ortsschulinspektoren zur Kenntnißnahme vorzu- legen.

Schlüchtern, den 22. Dezember 1902.

Der Königliche Landrath: i. D. Goerz.

Zum Neuen Jafyr MZ.

Horch, Mitternacht! und durch die tiefe Stille Jetzt feierlich der Klang der Glocken zieht.

Dem Jahre gilt es, das den Lauf beendend, Zum Meere der Vergangenheit entflieht.

Was es auf seinem Flug auch immer brächte, Db wolkenloser Sonnenschein uns lachte, (vb tief uns beugten Gram und bittres Leiden. Mit Ernst und Wehmut sehen wir dich scheiden, Du altes Jahr!

Und eingehüllt in seinen dunkeln Schleier

Ein neues Jahr sacht auf die Schwelle tritt.

Erwartungsvoll klopft ihm das Herz entgegen: Was bringt es uns, was bringt der Welt es mit? Ernst ist die Zeit, darum stehet fest im Glauben! Laßt nimmer euch die höchsten Güter rauben! Denn, was sich gegen uns auch mag verbinden, Wirb jeder Feind uns stets gerüstet finden Im neuen Jahr!

zwei andere bei ihmaufdemSchauplatzder geheimnisvolles Unthat zurückblieben.

Die Leute kehrten schon nach kurzer Zeit mit Laternen, Wasserkrügen und in Begleitung eines Herrn in bürger­licher Kleidung zurück; inzwischen aber hatte die Ohn­mächtige bereits Zeichen wiederkehrenden Lebens gegeben.' Ein leiser Seufzer machte den Oberbeamten aufmerksam, er beugte sich nieder, und es wollte ihm bedünken, als hauchten ihre Lippen den NamenBenno"; aber in demselben Augenblicke ward er von dem Reisenden, der sich in einer so ungehörigen, gebieterischen Weise ge- bärdete, bei Seite gestoßen; die junge Frau schloß die halbgeöffneten Lider wieder und sank von neuem in Bewußtlosigkeit zurück.

Der Oberbeamte wollte sich heftig gegen den Fremden wenden; seine Aufmerksamkeit ward jedoch durch seine zurückkehrenden Untergebenen, besonders aber durch den mit ihnen kommenden Herrn abgelenkt. Kaum hatte er diesen erblickt, so rief er ihm entgegen:

Sie hier, Doktor I Gott sei Dank! Sie sind der Mann, dessen wir hier bedürfen!"

Ich wußte, daß der Herr Doktor im Zuge war und habe ihn herbeigeholt", berichtete einer der Schaffner, der sich die Anerkennung seines Vorgesetzten für die von ihm bewiesene Umsicht und Geistesgegenwart nicht entgehen lassen wollte; indeß dieser hatte jetzt keinen Sinn dafür, sondern fuhr zu dem Arzte gewendet, fort:

Sehen Sie nach dem Herrn."

Heuja^r,

Welch' Grüßen und Wünschen in diesen Tagen von Mund zu Mund, von Ort zu Ort, von Land zu Land! Die Zahl der Neujahrsbriefe geht in die Millionen und troy aller Bemühungen sie einzuschränken, wächst sie von Jahr zu Jahr. Wir haben nichts dagegen wenn den einzelnen Grüßen der rechte Inhalt gegeben und gehaltlose und nichtssagende Redensarten auf immer vermieden werden. Wo aber das Herz nichts zu sagen hat, da schweige der Mund. Wenn bei einem Jahres-Anfang der Zukunft Tage dunkel und verborgen vor uns liegen, wie erquicklich und stärkend ist da ein herzlicher Segenswunsch. Ihn braucht der müde Wanderer auf steiniger Lebensstraße, der tapfer Strebende im Kampfe ums Daheim, der schmerzlich Trauernde bei schwerem Verlust, der kraft­los Verzagende gegenüber vielfacher Anfeindung, der hoffnungslos Leidende auf langjährigem Krankenlager! Aber was die Menschen so im allgemeinen wünschen, ist zerbrechliche Waare und hält in allen diesen Lebens­lagen nicht stand. Wer in des Lebens Stürmen erprobt ist und die Hinfälligkeit alles Irdischen und die Untreue alles Menschlichen bitter gefühlt und schmerzvoll ersannt hat, der lenkt seine Blicke aus dunstiger Tagesluft empor zu den Bergen, von denen uns Hilfe kommt. Mag alles scheiden und schwinden, zusammenbrechen und versagen, hier bleibt: Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit! Das ist ein Trost, der stand hält und eine Zuversicht, die nicht zu schänden werden läßt. Wer solchen Trost und solche Zuversicht sein eigen nennt, der mag die Seinen, mit denen er sich zur Jahreswende besonders verbunden fühlt, grüßen mit den herrlichen Worten, die einst Newton gesprochen hat:Gott dein Licht! dann sehen wir, was wir thun sollen. Gott Deine Kraft! dann wollen wir, was wir sollen. Gott dein Segen, dein Gedeihen! dann vollbringen wir, was wir wollen".

Nein, sehen Sie nach der Dame", unterbrach ihn befehlend der Reisende. Der Mann ist tot und bedarf keiner Hülfe mehr."

Ei, das wollen wir doch erst sehen", entgegnete der Arzt bedächtig; gleichzeitig wandte sich der Ober­beamte an den Fremden und fragte scharf:

Woher wissen Sie dies so bestimmt, mein Herr?"

Weil es der Augenschein lehrt", war die unwillig erteilte Antwort;Die Dame dagegen"

Kommt bereits wieder zu sich und befindet sich nicht in dringender Gefahr", fiel ihm der Oberbeamte ins Wort.Noch einmal, für den Augenblick bin ich hier Herr und niemand hat Befehle zu ertheilen als ich. Untersuchen Sie den Herrn, Doktor."

Leuchter!" gebot der Arzt und näherte sich bem Leblosen? Zwei Bahnbeamte mit Laternen in den Händen traten rechts und links neben ihn und ließen das Licht grell auf die erstarrten Züge des Mannes fallen, der dem äußeren Anscheine nach ein Vierziger sein mochte. Das gebrochene Auge blickte unheimlich in's Leere.

Hier scheint wirklich nicht viel mehr zu machen sein," brummte der Arzt, indem er sich niederbeugte. Das noch immer aus der Brustgegend hervorsickernde Blut ward ihm zum Wegweiser für seine Untersuchung, die im ganzen nur wenige Minuten in Anspruch nahm.

(Fortsetzung folgt.)