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Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,

Mltwoch, den 17. Dezember 1902

53. Jahrgang

NMp!ilNiaKN°^ bie Schlüchierner Zeitung" ML-xLS-»4^»^U^»twerden noch fortwährend von allen

" 'Postanstalten und Landbriesträgern, sewie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Der Kaiser verlieh dem Staatssekretär des Inneren, Grafen Posadowsky, die Kette zum Großkreuz des Rothen Adlerordens, dem Staatssekretär des Reichs­schatzamtes, Frhrn. v. Thielmann, den Rothen Adlcr- vrden 1. Klasse und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhrn. v. Richthofen, den Kronenorden 1. Klasse.

Der Reichskanzler und Gräfin Bülow waren am 14. Dez. zum Frühstück bei den Majestäten geladen. Der Kaiser überreichte hierbei dem Grafen Bülow die Kette des Hohenzollernordens.

Reichstag vom 9., 10. und 11. Dezember. Der Antrag Gröber-Basfermann, die Ertheilung des Wortes zur Geschäftsordnung dem freien Ermessen des Präsi­denten anheimzugeben und die Daner einer Rede zur Geschäftsordnung auf fünf Minuten zu beschränken, wird vom Reichstag mit 206 gegen 92 Stimmen bei 8 Stimmenenthaltung angenommen. Die zweite Be­

rathung eines Zolltarifgesetzes wird fortgesetzt und die Debatte über § 1 Abs. 1 des Gesetzes mit den dazu vorliegenden Anträgen wieder eröffnet. Die Bericht­erstattung über den Zolltarif wird erledigt; in einigen Positionen ging es wieder recht stürmisch zu. Reichs­kanzler Graf Bülow gab in längerer Rede eine Er­klärung ab, daß die im Antrag Kardorff vorgesehene Ermäßigung der Jndustriezölle zwar nicht erwünscht sei, daß aber ein in dieser Richtung sich bewegender Reichstagsbeschluß von der Regierung in ernste Er­wägung genommen würde. Im übrigen werde die Regierung, wenn sie auch die Bindung der Viehzölle nicht konsigniren könne, das Interesse der deutschen Viehzucht bei den Handelsvertragsverhandlungen in jeder Beziehung warzunehmen wissen und sich auch keine veteri.mrpolizeiliche Konzession abbringen . lassen. Die Sozialdemokraten überraschten das Haus mit einem umfangreichen Manuskript von Abänderungsvorschlägen, welches 173 mit der Schreibmaschine eng beschriebene Seiten umfaßt. Die zwei Schriftführer mußten sich in der Verlesung dieses umfangreichen Manuskriptes theilen, dessen Drucklegung, wie der Präsident Graf Ballestrem mittheilte, in der Hausdruckerei des Reichstags 70 Stun­den in Anspruch nehmen würde. § 1 des. Zolltarif­gesetzes, wie er sich nunmehr nach Annahme des An­trags Kardorff gestaltet, wird mit 182 gegen 136 Stimmen bei 9 Enthaltungen angenommen. Damit ist

^,uuuuvu ......................,., deutsche Bundesfürst, hat sich mit der Prinzessin Karo-

die zweite Lesung der Tarifvorlage beendet. Die Be- line von Reus ä. L. verlobt. Die Braut, die am rathung der Petitionen und Resolutionen wird bis zur 13. Juli 1902 18 Jahre alt geworden, ist die Tochter dritten Lesung zurückgestellt. Die erste Lesung der des verstorbenen preußenfeindlichen Fürsten Heinrich Zolltarifvorlage hat 9 Tage gedauert, die Kommissions- XXII. und seiner trefflichen Gemahlin, Jda, geborene

Letzte Steine.

Erzählung von A. Aruefeld.

(Nachdruck verboten) (Fortsetzung)

Zwei Augen, welche Edith unausgesetzt folgten, lasen besser in ihrer Seele; Ruth beobachtete nicht minder als ihre junge Herrin das Fortrücken des Zeigers an der Uhr; jede verrinnende Stunde brächte auch ihr eine Entscheidung näher - eine Entscheidung, die sie herbeisehnte und doch fürchtete.

Bleich und zitternd trat sie zu Edith ins Zimmer und meldete ihr, Mylord sei soeben angekommen und wünsche sie sogleich in der Bibliothek zu sprechen; nur der Schreck, den die Herrin selbst über die Botschaft empfand, ließ sie die grenzenlose Verwirrung der Dienerin nicht beachten.

Ehe Edith die Bibliothek erreicht Hacke, wußte sie, daß ihr Fluchtplan entdeckt und vereitelt sei. Sie ratete sich zu einem erneuten Kampfe mit ihrem Bruder.

Wieder stauben sich die Gestüwister inder Bibliothek gege (über, und der Baron begann die Unterhaltung damit, daß er Edith die Juwelen übergab. Einen Augenblick leuchtete es in ihren Augen auf. So war Johns Helfershelfer ausgefunden und jeder unwürdige Verdacht, den Sir Frederic gegen Cuthbert zu schleudern gewagt hatte, glänzend von ihm genommen. Weit mehr als die Wiedererlangung der Kleinodien erfreute sie dieser Gedanke, aber der Glücksschimmer erblich uub

berathung 112, die zweite Lesung 38, zusammen also 159 Tage. Die Lösung der Zolltarifangelegenheit, wie sie durch die Annahme des Antrags Kardorff vollzogen worden ist, hat Gegner gehabt, aber ein Gefühl des Aufatmens wird doch wohl nahezu auf allen Seiten sich geltend machen, daß endlich einmal der große Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt worden ist. Zunächst nur in zweiter Lesung, aber die dritte Lesung, die erst am Samstag beginnen kann, weil ge­mäß der Geschäftsordnung mindestens ein Tag zwischen zweiter und dritter Lesung liegen muß, wird sich ohne Zweifel schnell vollziehen. Sitzung vom 13. Dez. Dritte Berathung des Zolltarifgesetzes. Zum § 1, der den Antrag Kardorff und den ganzen Tarif ent­hält, lügt ein Kompromißantrag Herold-Baffermann- Kardorff-Graf Limburg-Stirum vor, betreffend die Minimalzölle. Nach deni Beschluß der 2. Lesung sollen die Minimalzölle betragen: für Roggen 5,50 Mk., für Weizen 6 Mk., für Gerste 5,50 Mk.,für Hafer5,50 Mk.; außerdun wurden die Minimalzölle für Pferde, Vieh und Fleisch herabgesetzt. Der Kompromißantrag will die Minimalzölle für Pferde, Vieh und Fleisch über­haupt streichen, die Getreidezölle aber auf die Sätze der Regierungsvorlage ermäßigen, d. h., für Weizen auf 5,50 Mk., für Hafer und Roggen auf 5 Mk.; der Gerstenzoll dagegen, der nach der Regierungsvor­lage 3 Mk. betragen sollte, wird für Braugerste aus 4 Mk. erhöht, auf Futtergerste fällt der Mindestzoll fort. Nach einer langen und theilweise recht aufregenden Sitzung von 10/4 Vormittags bis 4/* Uhr Nachts, also volle 18 */, Stunden, wurde bei der Sonntags früh erfolgten Abstimmung die Zolltarifvorlage in dritter Lesung nach den Beschlüssen der zweiten Lesung mit dem vorgenannten Anträge Herold mit 200 gegen 107 Stimmen und die GesammtÄarifvorlage mit 202 gegen 100 Stimmen angenommen. Nächste Sitzung am 13. Januar 1903.

Der König von Sachsen hat an den Reichskanzler Grafen Bülow das folgende Telegramm gerichtet:

Eurer Excellenz beglückwünsche ich herzlichst zur Annahme der Tarifvorlage und zu dem hierbei von

Ihnen erzielten großen Erfolg.

Georg.

Der Großherzog von Hessen trat am 10. Dezember seine Reise nach Indien über Senf und Marseille an. Alle in Darmstadt anwesenden Fürstlichkeiten, da­runter der Großfürst und die Großfürstin Sergius von Rußland, geleiteten den Großherzog zum Bahnhöfe,

Großherzog Wilhelm Ernst von Weimar, der im 27. Lebensjahre stehende und seit 5. Jan. 1901 regierende

wie düstere graue Schatten senkte es sich auf sie herab, als der Bruder sie Platz nehmen hieß und ihr schonend und doch mit unerbittlicher Klarheit die ganze furchtbare Wahrheit enthüllte.

Sie sträubte sich, sie wollte nicht daran glauben, sie klagte Lionel an, er wollte sie durch ein schlaue ersonnenes Märchen von Cuthbert trennen, aber das sollte ihm nicht gelingen.

Er nahm ihre Hand in die seine und sagte mild und ruhig, als wolle er eine im Fieberwahn sprechende Kranke beschwichtigen:

Ich verzeihe Dir diesen Argwohn, arme Schwester, die Wahrheit ist zu bitter, ich wollte ja selbst nicht daran glauben."

Du bist das Opfer eines Komplcns geworden."

>ein. "

Ich glaube doch au ihn", unterbrach sie ihn mit eigensinniger Heftigkeit,er wird sich mir gegenüber rechtfertigen."

Hoff: nicht, ihn morgen an der Station Hanston zu finden, er ist auf dein Wege nach Australien", sagte der Lord leise.

Du weißt I" schrie sie aufspringend.

Alles, Edith", entgegnete er, inbem er sie sanft niederdrückte,und zwar durch sein eigenes Bekenntnis."

Er erzählte weiter und immer bleicher ward Ediths Gesicht, immer tiefer sank ihr Kopf auf die Brust, sie schien kleiner zu werden, ihre Gestalt kauerte in sich

Prinzessin zu Schaumburg-Lippe. Heute verlobt sich seine Tochter mit dem Enkel eines deutschen Bundes­fürsten, der 1866 aus dem Deutschen Bunde austrat, um sich Preußen, d. h., dem Norddeutschen Bunde, anzuschließen, und den nicht nur die Bande engster Verwandtschaft durch die verstorbene Kaiserin Augusta, sondern auch die politische Tradition seiner Familie aufs Innigste mit dem deutschen Kaiserhause ver­knüpft. Großherzog Wilhelm Ernst gilt als eine stille, in sich gekehrte Natur. Aus bescheidenen Verhältnisfen wird die Braut in weit glänzendere eintreten. Abge­sehen von der fürstlichen Rangeserhöhung wird die Prinzessin mit dem Gemahl dessen reiche Privatmittel theilen, die ihm als einzigem Erben seiner aus den Niederlanden stammenden Großmutter Sophie und seines verstorbenen jüngeren Bruders Bernhard zuge­fallen sind.

Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Eisenbahndirektionen aufgefordert, sthre Sassen anzuweisen, die Zwanzigpfennigstücke aus Nickel, deren Außerkurssetzung der Bundesrath bekanntlich beschlossen hat, bis zum 31. Dezember 1903 der Reichsbank zu- zuführen. Die bis zum Ablauf der Einlieferungsfrist bei den öffentlichen Kassen vereinnahmten Stücke, deren rechtzeitige Ablieferung an die Reichsbank Schwierig­keiten begegnet, sönnen bis zum 15. Februar 1904 in gleicher Weise, wie solche Reichsnickelmünzen, die in» folge längeren Umlaufs und Abnutzung an Gewicht oder Erkennbarkeit erheblich eingebüßt haben, dem Münzmetalldepot des Reichs zugeleitet werden. Nach dem 15. Februar 1904 werden eingelöste Stücke der bezeichneten Münzsorte von diesem Depot nicht mehr angenommen.

De^ Bundesrath stimmte den Ausschußberichten über die Vorlage, betreffend das am 4. Juni 1902 zwischen dem Reiche und Italien geschlossene Abkommen zur Abänderung des Nebereinkommens vom 18. Januar 1892 über den gegenseitigen Patent-, Muster- und Markenschutz und betreffend das am 25. Mai 1902 zwischen dem Reiche und der Schweiz geschlossene Ab- kommen zur Abänderung des Nebereinkommens vom 13. April 1892 über den gegenseitigen Patent-, Muster- und Markenschutz, zu. Der Bundesrath genehmigte auch den Entwurf des Etats für den Reichskanzler und die Reichskanzlei zum Haushaltsetat auf das Rech­nungsjahr 1903.

Durch ein Schreiben vom 5. Dezember hat Kardinal Staatssekretär Rampolla den Bischof von Straßburg benachrichtigt, daß am genannten Tage die Verhandlungen des heiligen Stuhles mit der deutschen Regierung betreffs der theologischen Fakultät an der Universität Straßburg endgiltig abgeschlossen worden sind und die theologische Fakultät vom hl. Vater be­willigt ist.

zusammen.

Halt ein! halt ein, Lionel!" schrie sie endlich auf, ich kann ich kann es nicht mehr hören."

Glaubst Du mir nun, Edith, oder verlangst Du das Zeugnis"

Noch Zeugen meiner Schmach!" unterbrach sie ihn,ich mag keine, weder redende, noch stumme, nimm jene Steine fort, Lionel, ich mag sie nicht mehr sehen, sie sind nicht echt, es ist alles, alles falsch!" Sie wies mit der Hand nach den auf dem Tische liegenden Kostbarkeiten und brach ohnmächtig zusammen.

Lord Darlyniple, der jedes Aufsehen vermeiden wollte, überließ die Ohnmächtige einige Minuten ihrem Schicksal und ging selbst, um seine Frau und Ruch zur Hilfe herbeizurufen, in dem Augenblicke aber, wo Ruth sich Edith näherte, gewann diese wieder Leben und stieß sie von sich.

Fort, fort", murmelte sie,ich will Dich nie, nie Wiedersehen."

Lord und Lady Darlymple geleiteten Edith in ihre Zimmer, Lady Francis entkleidete sie und brächte sie wie ein kleines Kind ins Bett. Tagelang wich sie nicht von ihr, da Edith, die wie in einer tiefen Be­täubung lag, sonst Niemand um sich duldete und in die größte Aufregung geriet, sobald sich eine Dienerin ihrem Lager näherte.

Fortsetzung -folgt.