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Samstag, den 29. November 1902.
53. Jahrgang.
K^pültHt^MrEs die „Schlüchuerner Zeitung" K-k'^T'^LAI^VL-Titwcrdcn noch fortwährend von allen —■ -—~" Pofwnstalten undLairdbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
zehren, wenn das Haus mehr denn je unsere Welt wird, da es draußen so ungastlich und öde geworden, da fangen die Adventsglocken an zu klingen. Sie läuten den Lenz ein, der einst auf diese arme Erde gekommen. Sie sprechen von der Liebe, die sich niemals selbst gesucht, sie erzählen von der Treue, die niemand zurückgestoßen, sie künden das Leben, das im Tode nicht bleiben konnte, sie jubeln an bem Lichte, das durch alle Finsternis emporflammte. Und da im Reiche der Natur die Schatten sich mehren und die Nächte so lang sind, wird es immer heller um uns her, bis aus dem Adventslicht der volle Weihnachtsglanz erstrahlt!
Advent! „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn'ich dir." Hast du daran gedacht 'i Ein neues Kirchenjahr, hat es dir nichts zu sagen? Die Welt nimmt keine Notiz davon. Sie hat keine Zeit. Ueber aller Selbstbestimmung verliert sie die Selbstbesinnung. Willst du nach ihrer Pfeife tanzen und hat die Adventsbotschaft ihren Wert für dich verloren? Vielleicht stimmen deine Kinder eines der herrlichen, so zarten und sinnigen Adventslieder an und da steigt auch in deinem Herzen Erinnerung an das auf, was dein nicht war. Noch ist's nicht zu spät, daß die richtige Kindese seligkeit, die so früh fchon den weihnachtlichen Tisch gedeckt sieht, zur festen Mannes-Ueberzeugung wird, die im Advent den Stern von Bethlehem langsam auftauchen sieht. Siehe, ich mache alles neu — das Alte ist vergangen. Das ist Adventbotfchaft. Ein neuesKirchenjahr mahnt zur Erneuerung des allen Menschen. Aber versuch es nicht mit eigenen rauhen Händen. Einer ist da, der dein trotziges und verzagtes Herz besser kennt als du selbst, und der dir Kraft geben kann, daß ein neuer Lebensanfang in dir entsteht.
Zieh in mein Herz hinein Vom Stall und von der Krippen, So werden Herz und Lippen Dir ewig dankbar sein.
Amtliches.
Einladung zur Betheiligung am Bezirks-Schmiedetage der Provinz Hessen und des Großherzogthums Hessen am 29. und und 30. November zu Wiesbaden.
In Ausführung des auf dem XXVII. Deutschen Schmiedetage am 29. Mai 1902 zu Nürnberg gefaßten Beschlusses, innerhalb des Bundes' Deutscher Schmiede- Innungen ehestens mit der Bildung von Schmiede- Bezirksverbäuden Vorzugehen, haben die unterzeichneten Schmiede-Innungen sich geeinigt, für die Provinz Hessen- Nassau und das Großherzogtum Hessen einen gemeinsamen Bezirksverband zu organisiren. Es ergeht infolgedessen an die verschiedenen Innungen dieser Bezirke, bei welchen Schmiede betheiligt sind, also an die Schmiedefach-, Feuerarbeiter- und die sonstigen gemischten Innungen hiermit das dringende Ersuchen, zu dem Bezirks-Schmiedetag der Provinz Hessen-Nassau und des Großherzogthums Hessen am Sonntag, den 30. November 1902, Vormittags 10 Uhr, in dem unteren Saale der Mainzer Bierhalle, Mauergasse, nebst einer Vorversammlung am Samstag, den 29. November, Abends 7 Uhr, in demselben Lokale zu Wiesbaden echt zahlreich erscheinen zu wollen.
, Vorläufige Tagesordnung:
A. Vorversammlung.
1. Begrüßung der Herren Delegirten und Theil- nehmer. 2. Bericht über die Versammlung in Marburg. 3. Bildung des Bureaus. 4. Festsetzung der Tagesordnung für die Hauptversammlung. 5. Feststellung der Geschäftsordnung.
B. Hauptversammlung.
1. Eröffnung des Schmiedetages undBegrüßung der Erschienenen. 2. Verlesung der Präsenzliste und Protokolle über die vorangegangenen Komitee-Sitzungen. .3. die Nothwendigkeit des Zusammenschlusses der einzelnen Innungen und Einzelschmiedemeister. 4. Gründung des Schmiede-Bezirksverbandes. 5. Wahl des Vororts für den Bezirksverband. 6. Wahl des geschäftsführenden Vorstandes und der korrespondirenden Vorstandsmitglieder. 7. Beschlußfassung über Annahme der Geschäftsordnung für den Bezirksverband. 8. Beschlußfassung über den Ort des nächsten Bezirkstages.
9. Die Wichtigkeit der Schmiede-Berufsgenossenschaft für die Organisation innerhalb des Schmiedegewerbes.
10. Sonstige Wünsche der Besucher des Bezirkstages,
Zu dieser Versammlung laden wir alle Innungen Vereinigungen und die einzelnen Schmiedemeister ein mit der Bitte, recht zahlreich und pünktlich erscheinen zu wollen, da es im Interesse jedes Einzelnen liegt, mit an den Arbeiten zur Hebung und Stärkung unseres
Handwerks beizutragen.
Berlin, Wiesbaden, Cassel, Darmstadt, Limburg, Herborn, Mainz, Marburg, im November 1902.
Set Borland der Mmicde-lnnung zu ÄesWen Ph. Kern, Obermeister.
Set Borland der 8dimicde-3nnung zu Ramz H. Theis, Obermeister.
3er Vorfan>l der Stdmiede-Jnnnng zu 6n|fcf
I. Schade, Obermeister.
3 er Borst and der $3miede-3nmg zu ^imönrg
I. ThoMa s, Obermeister.
3er Borland der Bereinigung zn Bann [ladt
L. Bürner I., Oberm.
3er Befand der Bereinigung zu ißertorn
I. Jüngst, Obermeister.
Schmiedemeister:
Joh. Klein-Marburg, W. Horng-Dliesbaden.
I, Bachmann-Cassel, K. Nauch-Dillenburg,
H. Pecker-Cölle, L. Becker-Homburg v. d. H.
Der Vorstand des geschäftsführenden Vorstandes vom Jnnungsverbande: „Bund Deutscher Schmiede-Innungen".
W. F. Veit, Berlin SW., Zimmerstr. 10.
Advent.
Wenn das Leben ersterben ist und wir in der Erinnerung nur zu schnell entschwundener Sommertage
eintreffen und bis zum 20. Dezember dort verweilen. Während dieser Zeit werden Jagden abgehalten werden. Von Oels aus begeben sich die Kaiserlichen Prinzen direkt nach dem neuen Palais bei Potsdam, um im Ilternhause das Weihnachts- und Neujahrsfest zu verbringen.
— Am Dienstag wurde im Residenzschloß zu Darm- tadt der Landtag vom Großherzog eröffnet. Die von ihm verlesene Thronrede führt aus, daß der noch immer auf dem wirtschaftlichen Leben lastende Druck naturgemäß auch im Staatsvoranschlag zur Geltung üunme, insbesondere durch Rückgang der Erträgnisse der Staatseisenbahnen und der Forstdomänen, während gleichzeitig das Reich von den einzelnen Bundesstaaten ungewöhnliche Leistungen beanspruche. Daher könnten die Ausgaben nur durch Heranziehung früherer Vermögensreste gedeckt werden. Die Thronrede kündigt dann eine Reihe von Gesetzesvorlagen an, darunter die Vorlage des landständischen Wahlgesetzes, das in der vorigen Session des Landtages nicht zur Verabschiedung gekommen ist.
— Der bayerische Justizminister Dr. Frhr. von Leonrod ist aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte zurückgetreten, er vollendete zugleich am 26. November sein 51. Staatsdienstjahr. An dessen Stelle ist der bisherige Reichsgerichtsrath Miltner zum Justizminister ernannt.
— Der Burengeueral Delarey ist bei seiner Ankunft in München von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge begeistert begrüßt worden. Einige Vorstandsmitglieder des Burenkomitees empfingen ihn auf dem Bahnhöfe. Der Gemahlin Delareys sowie dessen Tochter, der Frau Ferreira, wurden Blumensträuße überreicht. Vorn Balkon des Gasthofs aus, in dem er Wohnung genommen, hielt Delarey später eine Ansprache an die jubelnde Menge, in der er u. a. auch seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daßihndie Verhältnisse nötigten, nach Südafrika zurückzukehren, statt dem gesamten deutschen Volke an allen Orten die Willkommengrüße seines Volkes zu überbringen. Am Tage der Ankunft fand ein Festmahl im Künstlerhause statt. Von hier begiebt sich der General mit seiner Familie nach Zürich, von dort gehts nach Basel, am Sonnabend gedenkt er in Paris zu sein, um von dort über Belgien nach Holland zu reisen. Gemeinsam mit Botha, und nicht, wie es früher hieß, getrennt von diesem, wirb er alsdann am 7. oder 13. Dezember, je nachdem es der Gesundheitszustand Bothas zuläßt, die Fahrt nach Südafrika antreten.
Essen, 26. Nov. Die Leichenfeier Krupps gestaltete sich zu eh er gewaltigen Trauerkundgebung. In aller Frühe schon brachten die Züge Zuzug. Auf beiden Seiten der Tranerstraße bildeten die Krupp'schen Arbeiter Spalier. Um 10 Uhr traf der Kaiser mit den Ministern v. Rheinbaben, Gosler, Möller, Budde und Tier- Pitz nebst Gefolge in offenem Wagen ein, und begab sich sofort zum Sarg und legte einen Kranz aus Veilchen und Orchideen an demselben nieder. Nachdem er den Angehörigen sein Beileid ausgedrückt, segnete der Geistliche den Sarg ein. Hierauf setzte sich der Trauerzug in Bewegung, welcher von einem Musikkorps eröffnet wurde. Von außerhalb waren 14 Waggons mit Kränzen gekommen. Vor dem Sarge schritten drei Geistliche, dem Sarge folgten zu Fuß der Kaiser, neben ihm ein Bruder von Frau Krupp. Den Vertretern anderer Fürstlichkeiten schloffen sich solche der Armee und Marine und der Staatsbehörden an, dann kamen das Direktorium der Krupp'schen Werke, die Vorstände und Beamten in reicher Zahl, sowie zahlreiche fremde Leidtragende. Lautlos langte der Trauerzug auf dem Krupp'schen Privatfriedhof an. Nachdem der Sarg hinabgesenkt war, sprach Superintendent Klingemann, der hervorhob, wie alle Welt empört gewesen wäre über die letzten Angriffe, welche Krupps Lebenslage so verbittert hätten. Nach Schluß der Beisetzungsfeier drückte der Kaiser dem Geistlichen die Hände, dankte i^m für seine Rede und sprach die Hoffnung aus, daß namentlich auch die großherzige Kruppsche Arbeiterfürsorge fortgesetzt werde, daß aber auch die Arbeiter eine Lehre aus den Vorfällen ziehen und schlimme Elemete fernhalten würden. Hierauf sprach noch in herzigen Worten Generaldirektor Dr. Böttcher von den Krupp'schen Werken.
Deutsches Reich
— Reichstag. Am 24. November wurde die zweite Lesung des Zolltarifgesetzes fortgesetzt. Die So- zialdemokraten beantragen als § 12b in das Tarifgesetz die Bestimmung einzufügen, daß von den Erträgen der Zölle jährlich 100 Mill. Mk. zur Förderung des Volksschulwesens überwiesen werden sollen. Am Dienstag wurde dieser Antrag mit 211 gegen 59 Stimmen abgelehnt, nachdem am Montag bei der Beschlußunfähigkeit des Hauses 162 dagegen und 9 Stimmen dafür abgegeben wurden. Die am Dienstag gestellten weiteren Anträge der Sozialdemokraten als § 11c einzuschalten, von den Zöllen alljährlich 49 Mill. Mk. zur Erleichterung der Aufhebung der Abgabe von Salz zu verwenden — mit 190 gegen 64 Stimmen — wie auch, als § lld, aus den Zollerträgen 100 Mill. Mk. zur Aufhebung der Zuckersteuer zu bestimmen — mit 158 gegen 99 Stimmen und als § lle, aus den Zollerträgen 43 Mill. Mk. zur Aufhebung der Branntweinverbrauchsabgabe zu verwenden — mit 203 gegen 43 Stimmen — wurden ebenfalls abgelehnt. — Am Mittwoch wird der neue Antrag der Sozialdemokraten als § 11s ebenfalls und zwar mit 192 gegen 41 Stimmen abgelehnt. Der Bundesrath hat die Zölle auf die nachbenannten Waarm aufzu- heben, wenn die Verkaufspreise eine bestimmte Höhe erreichen, und zwar bei Weizen 215, Roggen 165, Gerste und Hafer 155, Hülsenfrüchte 185 Lupinen 80, Malz 175 und Mais 155 Mark, pro Tonne. Es folgt § 12, dessen Hauptbestimmung nach dem Beschluß der Commission lautet: Dieses Gesetz tritt an einem durch Kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bundesraths festzusetzenden Tage, spätestens am 1. Januar 1905 in Kraft. Abg. Dr. Paasche (natl.) beantragt Wiederherstellung der Regierungsvorlage, die keinen spätesten Termin enthält. Abg. Albrecht (Sozd.) beantragt, den Zeitpunkt des Inkrafttretens durch besonderes Gesetz zu bestimmen. Der Antrag Paasche wird mit 196 gegen 76 Stimmen angenommen, der Antrag mit 23o gegen 46 Stimmen abgelehnt.
— Der Kronprinz wird noch im Laufe dieses Jahres seinem Thronlehen Oels in Schlesien einen abermaligen Besuch abstatten. In Begleitung seiner beiden Brüder der Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert wird der Kronprinz am 17. Dezember im Oelser Schlosse