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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den W. November 1902.
fi^ft^lhtMAOtiauf bie -Schlüchterner Zeitung" Kf^^A^^rz^^ttwerden noch fortwährend von allen e- 1 ■ । Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 3333 K.-A. Die Herren Standesbeamten werden ersucht, die Standesamtsregister und Formulare zu Register-Auszügen rr. für das Jahr 1903 binnen 8 Tagen in meinem Bureau abholen zu lassen. Schlüchtern, den 18. November
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses Roth.
Deutsches Reich.
— Reichstag am 20. Nov. Auf der Tagesordnung steht das Zolltarifgesetz. Nach dem von der Kommission neu eingefügten § 10a soll die Erhebung von Abgaben auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und andere Mühlenfabrikate, auf Backwaaren, Vieh, Fleisch, Fleischwaaren und Fette für die Gemeinden verboten werden. Auf die Erhebung von Abgaben von dem zur Bierbereitung bestimmten Malze seitens der Ko- munen soll diese Bestimmung keine Anwendung finden. § 10a wird - mit der Fristbestimmung — 1. April 1910 — mit 145 gegen 90 Stimmen angenommen. Am 21. wird die Berathung § 11 zum Zolltarif festgesetzt, biefe bestimmt, daß Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des Gesetzes und der zu seiner Ausführung erlassenen Vorschriften, mit Ordnungsstrafen bis zu 150 Mark zu bestrafen sind. Am Sonnabend wurde die Interpellation über die polizeilichen Mißgriffe durch den Staatssekretär Niberling beantwortet. Die deutsch-konservative Fraktion beschließt, bei den wichtigsten Jndustriezöllen Herabsetzungen gegen .die Co^- missioNsfassung um 25.% zu beantragen.
— Der Besuch Kaiser Wilhelms in England ist beendigt. Am 20. ging der Kaiser in Queensferry an Bord der „Hohönzollern" nach Brunnsbüttel in See, nachdem er kürz vor seiner Abreise von Sandringham Lord Rosebery, einen Besuch gemacht hatte. Die „Hohenzollern" passirte am 21. Nachniittags mit dem Kaiser an Bord in Begleitung der „Nymple" und „Sleipner" unter Salutschüssen Helgoland und traf Abends 8'/« Uhr in Brunnsbüttel ein, von wo der Kaiser 10 Uhr 15 Minuten mittelst Hofzug nach Potsdam reiste. ,Die größt en englischen Zeitungen widmen dem Kaiser warme Abschiedsworte und betonen, der Kaiser habe mit dem Besuch seinen Wunsch, freundliche Beziehungen zu unterhalten, klar bewiesen, und das genüge England. Der Kaiser hat den König von England eingeladen, ihn im Frühling in Potsdam 31t besuchen, und der Thronfolger erhielt die Einladung, dem Kapitel des Schwarzen Adlerordens beizuwohnen.
— Kronprinz Friedrich August von Sachsen stürzte auf der Jagd am' hohen Einberge bei Unterwald (Salzburg) am Donnerstag Vormittag 9 Uhr, nachdem er bereits 2 Gemsböcke erlegt hatte, durch Ausgleiten auf einer Almwiese zu Boden und erlitt einen Bruch am linken Unterschenkel. Der Bruch ist ohne jede Komplikation, so daß der Kronprinz am Sonntag feite Reise nach Dresden mittelst Hofzuges antreten konnte. Vor einigen Jahren erlitt der Kronprinz durch einen Sturz vom Pferde bereits einen Schädelbruch.
— Der Handelsminister hat den Geheimen Ober- Regierungsrath Simon, Vortragenden Rath im Handelsministerium, nach Schlesien delegiert, um sich von dem Stande des gewerblichen Schulwesens dortselbst zu unterrichten und für eine Ausgestaltung des Fortbildungsschulwesens Verhandlungen in die Wege zu leiten.
- Eine am 21. November in der Philharmonie zu Berlin abgehaltene, von 65 Korporationen mit 2318 Stimmen beschickte Versammlung satisfaktions- fähiger Studenten der Universität Berlin und der übrigen Hochschulen Berlins nahm eine Resolution au, den Kriegsminister zu ersuchen, bei Ehrenhändeln zwischen Offizieren und Studenten grundsätzlich ven Säbel als ritterliche Waffe vor der Pistole den Vorrang verschaffen zu helfen.
— Eine Erklärung Krupps gegen den Vor- wärtsartikel. Assessor Korn, der Jnstitiar Gehenurath Krupps, sendet in Sachen der vom „Vorwärts" veröffentlichten Verdächtigungen Krupps der Kölnischen
Zeitung-eine Erklärung, wonach- in der Gemeinde Capri zwei Parteien bestehen, die bei den diesjährigen, Erneuerungswahlen zur Communalpertretung den heftigsten Wahlkampf führten. -Au der Spitze der Commune steht der Besitzer des Hotels Ouisisana der in diesem Jahre^mit seinen Candidaten-siegte. Durch den Hotelbesitzer wurde Krupps Person in den Wa hl- kampf hineingezvgen, insofern der Wirth die großen Wohlthaten Krupps hervorhob und ankündigte, daß beim Siege der Gegenpartei Krupp der Insel fernbleiben und dann dessen Wohlthaten anfhören würden. Nach ihrer 9lieberlage hat die Gegenpartei das Interesse, den obsiegenden Hotelbesitzer, der zugleich Vorsteher Capris ist, zu schädigen-; um das'zu erreichen, und um Krupp dauernd von Capri feruznhalten, wurden die niederträchtigsten Beschuldigungen gegen Krupp ausgestreut, indem dessen gelegentliches harmloses Zusammensein mit dortigen deutschen Bekannten in gemeinster Weise verdächtigt, sowie veranlaßt wurde, daß die dortige sozialistische Zeitung dahin gehende Artikel brächte. Geheimrath Krupp hat alsbald die geeigneten Schritte bei den dortigen Behörden unternommen. Außerdem sind einige Personen in Capri vorhanden, die durch Krupps Aufenthalt in Capri sich insofern geschädigt fühlten, als Krupp kleine Leute ihren Wucherhänden entriß. Krupp hat niemals eine Villa in Capri besessen, sondern hat stets in dem vorgenannten Hotel gewohnt. Die Erklärung schließt, der Strafprozeß werde erweisen, daß hier verleumderische Machenschaften vorliegen.
— Der Heizer des Schnellzuges Berlin-Köln verunglückte am 19. ds. Mts. indem ein Feuerhaken, den der Heizer herausstreckte, gegen eine Signallaterne stieß und den Heizer schwer verletzte. Dieser starb trotz baldiger ärztlicher Hilfe in Stendal.
— Der Schnellzug München-Berlin D 21 ist am 19. November Abends bei der Einfahrt in die Station Schwarzenfeld auf den verspätet in der Ausfahrt begriffenen Güterzug 2411 aufgestoßen. Hierdurch wurden die vier letzten Wägen des Güterzuges zertrümmert. Der auf dem letzten Wagen postirte Wagenwärtergehilfe Joh. Dobler, sowie der auf dem drittletzten Wagen postierte Bremser Xaver Hölzl, wurden getödtet. Von den Reisenden des Zuges D 21 wurde Niemand verletzt, nur der vom Bremssitze herabgeschleuderte Zugführer Karl Kleiner empfing Schmerzen. Die Lokomotive des v-Zuges wurde beschädigt und konnte den Zug nicht weiterführen. Der Lokomotivführer des Schnellzuges setzte noch die Luftbremse in Thätigkeit, trotzdem aber fuhr, der Schnellzug noch mit voller Wucht auf den Güterzug. Der Anblick der zertrümmerten Wagen des Güterzuges erregt Grauen. Dem verunglückten Wagenwärtergehilfen Dobler wurde buchstäblich der Kopf vom Körper getrennt.
Villa Hügel, 22. Nov. Excellenz Krupp ist heute Nachmittag 3 Uhr in Folge eines heute früh 6 Uhr eingetretenen Gehirnschlages gestorben
Essen, 24. Nov. Die Trauerkunde von dem Ableben Krupps erregte tiefste Bestürzung; überall sammelten sich Schaaren und erörterten die Nachricht. Am Abend zuvor wollte der Oberbürgermeister in vertraulicher Sitzung der Stadtverordneten über die Stellungnahme gegenüber den jüngsten Verdächtigungen berathen. Der Oberbürgermeister theilte dies Krupp bereits Freitag Abend mit. Der erste Anfall erfolgte Sonnabend früh um 7a6 Uhr, dem noch ein zweiter folgte, worauf Nachmittags der Tod eintrat. Die Stadverordnetenversammlung drückte einmüthig ihre Entrüstung über die ihrem um seine Vaterstadt hochverdienten Ehrenbürger so kurz vor seinem Hinschelden angethane Kränkung aus und beauftragte. den Oberbürgermeister, der Witwe Krupps das innigste Beileid immens der gesammten Bürgerschaft auszusprechen.
Essen, 24. Nov. In den Kruppschen Werken gab die Direktion Sonnabend Nachmittag durch Anschlag folgendes bekannt: „Den Angehörigen der Fabrik theilen wir mit tiefem Schmerze mit, daß unser hochverehrter und geliebter Herr Krupp heute Nachmittag 3 Uhr infolge eines Gehirnschlages gestorben ist. Herr Krupp hatte heute Morgen 6 Uhr einen Schlaganfall erlitten. Unter ärztlicher Einwirkung erwachte Herr Krupp wieder zu ziemlich klarem Bewußtsein. Um 9 Uhr begann eine erneute Verschlimmerung des Zustandes, der am Mittag von den Merzten als schwer
53. Jahrgang.
UMmKwaBi^wsaaKas» bedenklich erklärt wurde. Es ist ein neuer Gehirnschlag eingetreten; um 3 Uhr verschied Herr Krupp, ohne daß er das Bewußtsein wieder erlangt hätte.",
Essen, 22. Nov. Der Kaiser telegraphirte an das Direktorium der Firma Krupp:
„Die Nachricht von dem so unerwartet eingetretenen Hinscheiden Ihres Chefs hat mich tief erschüttert. Die Vorsehung hatte Geheimrath Krupp au die Spitze einer Unternehmung gestellt, die weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus eine universelle Bedeutung gewonnen hat. Dies Werk, wie es von seinem genialen Vater ihin überkommen, nicht nur zu erhalten, sondern seinem Weltruf entsprechend weiter auszubilden, sah er als die Aufgabe seines Lebens an. Sein Name ist mit der Entwickelung der Eisenindustrie, des gesammten Waffenwesens, der modernen Befestigung wie des Schiffbaues auf das innigste verknüpft. In der Fürsorge für seine Angestellten war er unübertroffen und vorbildlich. So empfinde ich, dein der Verewigte in patriotischer Gesinnung auf das treuste ergeben war, mit der Beamtenschaft und den Tausenden seiner Arbeiter seinen Verlust auf das schwerste.
Wilhelm I. R."
Essen, 24. Nov. Laut einem unverbürgten Gerücht soll, entsprechend einer testamentarischen Bestimmung von Krupps Vater, die Fabrik in Form einer Art Fideikommiß weiterbestehen, als neuer Chef sei Krupps Vetter, Arthur Krupp inBerndorf, ausersehen. Man erzählt, Krupp habe heute nach Capri reisen wollen, und der Salonwagen hätte schon bereit gestanden. Krupp war seit längerem herzleidend.
Ausland.
Rußland. Das Befinden der Kaiserin von Rußland ääßt anscheinend doch zu wünschen übrig. Die hohe Frau scheint von einem Nervenleiden befallen zu sein, das von ihrer jüngsten Niederkunft herrührt. Es hieß damals, die Kaiserin sei von einem todten Prinzen entbunden worden. Sollte dies Gerücht auf Thatsachen beruhen, so würde das Leiden der Kaiserin nur allzu erklärlich sein. Die russischen Nervenärzte hoffen, die Zarin wieder völlig herzustellen und haben den Kaiser gebeten, von der Berufung eines ausländischen Spezialisten abzusehen, da eine solche die hohe Kranke nur erregen würde. Von der stillen Zurückgezogenheit in Livadia dürfe bestimmt Genesung erhofft werden. Diese Hoffnung theilt auch das deutsche Volk, das der Kaiserin von Rußland von ganzem Herzen Gesundheit und alles gute wünscht.
— Der Zustand des russischen Thronfolgers, des Großfürsten Michael, hat sich verschlimmert. Der Kranke der lungenleidend ist, ist schr schwach, so daß die physikalische Behandlungs-Methode seines amerikanischen Arztes, Dr. Phelan, aufgegeben werden mußte. Der Großfürst soll von den russischen Aerzten so gut wie aufgegeben sein. 9tur die Luft der Krimm schiebt die Katastrophe hinaus.
Nord-Amerika. Der Reichskommissar für die deutsche Abtheilung der Weltausstellung in St. Louis traf dort ein und wurde vom Empfangsausschuß offiziell begrüßl.
Washington, 24. Nov. Der erste Chemiker des Ackerbaudepartements der Vereinigten Staaten, Willey, beginnt Montag mit einer Reihe von Experimenten an Menschen, um die deutschen Einwendungen gegen die mit Borax zubereiteten amerikanischen Fleischkonserven auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Sechs angestellte des Ackerbaudepartements erhalten reine Nahrung, und zwar Fleisch ohne Boraxzusatz, sowie Gemüse; sechs anbere Beamte bekommen mit Borax zubereitetes Fleisch. Nach Verlauf von 14 Tagen werden die Ergebnisse verglichen. Die Beamten wechseln dann die Diät. Die Versuche sollen ein Jahr dauern. Die Beamten haben sich freiwillig für die Versuche zur Verfügung gestellt und sich verpflichtet, sich jeder anderen Nahrung als der ihnen vom Ackerbaudepartement gelieferten zu enthalten.
In Afhganistan herrscht vollkommene Rebellion gegen den Emir; die Engländer concentriren ihre Truppen an der indisch-afghanischen Grenze. Da wird Rußland natürlich auch in Aktion treten.