tiefen Kaute-Potsdam und Göbel-Fulda in einer starken Versammlung. Man hörte, daß im Etat 20 Mill. Mark für Bahnbauten im Preußen ausgeworfen seien und daß die Streck» von Hünfeld nach Schlitz aussichtslos sei. Der Kreis Hünfeld werde auch wieder die ihm genommene Kreisarztstelle erhalten.
Hcrsfcld, 1. November. Die Leitung der hiesigen Spezialkommission, als Nachfolger des Herrn Regierungsrats Köhler, wird Herr Regierungsaffesfor Scherer, z. Z. Spezialkommisfar in Wolfhagen, übernehmen und zwar zum 1. Januar 1003. Herr Regierungs- assessor Heß, der z. Z. bei der hiesigen Spezialkommission beschäftigt ist, verwaltet bis dahin die hiesige Spezialkommission und ist vom 1. Januar 1903 mit der Leitung der Spezialkommission Wolfhagen beauftragt.
Gaffel. Ueber die Betheiligung der Schule an dem Kampfe gegen die Schwindsucht hielt Dr. Ober- tüschen-Wiesbaden auf bent internationalen Tuberkulosekongreß einen beachtenswerthen Vortrag. Jedes schwindsüchtige Kind sei vom Unterricht auszuschließen und möglichst in eine Kinderheilstätte zu bringen. Jeder schwindsüchtige Lehrer müsse dem Unterricht fern bleiben und auch nach seiner Genesung — solange er noch ansteckungsfähig ist — ohne Verlust seines Gehalts solange in Anstaltsbehandlung bleiben, wie dies ärztlich für nothwendig befunden wird. In Bezug auf die Verhütung der Ansteckungsgefahr könne die Schule indirekt manchen Nutzen stiften, indem sie die freien Leibesübungen, besonders die zur Kräftigung von Lunge und Herz dienenden, mehr als bisher berücksichtigt, namentlich während der Reifezeit vom 14. bis 19. Jahre. Weiterhin foll die Schule bei der Berufswahl mitwirken, alle Bestrebungen, die zur Kräftigung der Heranwachsenden Jugend beitragen, unterstützen und ihre Zöglinge durch passende Lehrkräfte über die Natur der übertragbaren Krankheiten und die Mittel zu ihrer Verhütung belehren. Eine wirksame Mithilfe der Schule bei der Schwindsuchtsbekämpfung fei aber nur bei der überall durchzuführenden Anstellung von Schulärzten zu erzielen.
* Gaffel, 30. Oktober. (Gestohlenes Haus.) Daß schon schwere Kommoden und Kassenschränke gestohlen worden sind, ist nichts neues mehr, daß aber ein ganzes Haus, das Raum für 50 Personen hat, nebst Zubehör gestohlen ist, das sollte man kaum glauben. Casfeler Blätter berichten folgendes: Als der Besitzer eines Hauses, welches in der Gemarkung Wattenbach liegt, nach längerer Abwesenheit die Räume besichtigen wollte, fand er das Haus nicht mehr vor, es war wie vom Erdboden spurlos verschwunden. Der nicht in der Gegend wohnende Hausverwalter, der den Schlüssel des Hauses hatte, konnte dem erstaunten Hauseigentümer nur die Schlüssel übergeben. Alles andere war weggetragen. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
— Der Kronprinz von Dänemark hat in Cassel Gelegenheit genommen, beim Festmahl, welches das Offizier-Kasino für ihn veranstaltet hatte, von dem schönen Verlaufe des Besuches in Berlin zu sprechen; er könne nur betonen, daß er bei seinem Besuche beim Kaiserpaar die angenehmsten und allererfreulichsten Eindrücke gewonnen habe, der Kaiser habe ihn so zuvorkommend, so gastfreundschaftlich und herzlich empfangen, daß dies für ihn eine unvergeßliche Erinnerung bleiben werde. Im Weiteren sprach er in Worten größten Lobes und rückhaltsloser Anerkennung von dem Kaiser, auf den nicht nur die deutsche Armee, sondern ganz Deutschland stolz sein müsse, der ein Fürst des Friedens und der Fürsorge für sein Volk, sowie nicht minder der Pflege guter Beziehungen und Bestrebungen zwischen den europäischen Staaten sei.
Fritzlar, 29. Oktober. An der gestern im Oberstholz auf Gemarkung Bappel abgehaltenen großen
Rufe „Mit Gott für König und Vaterland!" Goßmann hat den Feldzug 70/71 mitgemacht.
Marburg a. S. Am 10. November d. I. findet hier die Jahresversammlung des Hauptvereins Hessen- Cassel des Evangelischen Bundes statt. Dieselbe beginnt mit einer Gesammtvorstands-Sitzung im Museum um 4 Uhr nachm. Daran schließt sich ein Festgottesdienst in der reformirten Kirche, bei welchem Herr Pfarrer Fuchs aus Cassel die Festpredigt halten wird. Um 8'/, Uhr findet dann im Museum ein großer Familienabend statt, der vom Zweigverein Marburg veranstaltet, eine Ansprache des bekannten Pfarrers lic. Bräunlich bringen und außerdem reichliche musikalische und sonstige Unterhaltungen darbieten wird. Mit Rücksicht auf die wichtigen Verhandlungen in der um 4 Uhr stattfindenden Ge- sammtvorstandssitzung ist eine rege Theilnahme der Hessischen Zweigvereine des Evang. Bundes und aller sonstigen Freunde desselben zu wünschen.
Darmstadt, 28. Oktober. Eine sehr gefährliche Einbrecherbande, welche im Laufe des Monats Juni die Gegend von Offenbach, Mühlheim, Bürgel, Bieber, wie wir s. Z. berichteten, durch äußerst freche Diebstähle unsicher machte, fand durch die hiesige Strafkammer ihre ganz gehörige Strafe. Die Bande war wohl organisiert und führte ein genaues Verzeichnis von Adressen u. s. w. Jedem waren genau seine Aufgaben vorgeschrieben. Es erhalten der vorbestrafte Tagelöhner Friedrich Jaset aus Offenbach zusammen 9 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust, Polizeiaufsicht, Schlosser Heinrich Norpoth 4 Jahre 7 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust. Die wegen Hehlerei angeklagten Philippine Petry und Anna Kath. Schmidt erhielten je ein Jahr Gefängnis, auch hier wurde Zu-
Selbst zu diesem Preise können die Landleute infolge des großen Angebots die zu mancherlei Zwecken dienende Frucht nicht an den Mann bringen. Das Muskochen, das hier noch in jedem Hause üblich ist, steht infolge der reichen Zwetschenernte jetzt hoch im Schwung. „Freut Euch des Lebens, weils im Röhrchen (das Dorf Röhrig ist die Haupt-Zwetschengegend) Quitschen giebt", singt man auf dem Eichsfelde. — Nur die armen Leute in den von dem großen Hagelwetter heimgesuchten Dörfern des Obereichsfeldes können nicht mit einstimmen.
Schwerin i. Mecklenb., 31. Oktober. Die Königin von Holland mit dem Prinzen Heinrich traf mittels Sonderzugs über Hagenow hier ein. In Hagenow hatte der Großherzog, der zur Zeit in Ludwigslust residiert, die niederländischen Herrschaften begrüßt und geleitete sie bis nach Schwerin. Am Bahnhof zu Schwerin war die Großherzogin Marie mit Gefolge erschienen. Eine ungeheure Menschenmenge nahm den Bahnsteig und die benachbarten Straßen ein. Als der Zug einfuhr, ertönten brausende Hochrufe. Die Königin mit dem Prinzen Heinrich entstieg dem Salonwagen und wurde von der Großherzogin Marie herzlichst be-
Treibjagd betheiligten sich Se. Durchlaucht der Prinz'grüßt. Nach Verabschiedung vom Gcoßherzog, der mit von Hanau, Se. Erlaucht der Graf Lippe von Biester-■ dem nächsten Zug nach Ludwigslust zurückkehrte, be^ feld, der frühere Abtheilungscommandeur, Oberstleut- gaben sich die Herrschaften mit der Großherzogin
nant Klein von Wesel, das ganze hiesige Offiziercorps, sowie verschiedene höhere Persönlichkeiten aus Cassel. Erlegt wurden 44 Hasen, 2 Rehböcke und 1 Fuchs
Kloppenheim (Nassau), 29. Oktober. Hier erschoß sich der Gastwirt und Posthalter Goßmann unter dem
Marie im geschlossenen Wagen nach Rabensteinfeld, überall auf dem Wege durch die Stadt mit Hochrufen begrüßt.
Wolfenbüttel, 3. Novbr. Das Forsthaus, ein altes
berühmtes, besonders viel von Juristen und Theologen besuchtes Gasthaus, wird jetzt einem Villenbau des Konservenfabrikanten Barnewitz weichen müssen. Hier war es, wo die Königin Luise von Preußen 1806 den Herzog Karl Wilhelm Ferdinand bestimmte, den Oberbefehl über die preußischen Truppen zu übernehmen. Hier hat auch Wilhelm Busch im Gartenhäusche» manche seiner humorvollen Verse und Zeichnungen geschaffen.
Aus Franken, In Kitzingen feierte vorige-Woche Frau Barbara Kühnert, genannt die „Sachsenbärbel",, in vollständiger körperlicher und geistiger Frische ihren 100. Geburtstag. Zahlreiche Ebrengaben wurden der Jubelarin überreicht, darunter ein Geburtstagsgeschenk von HO Mk. vom Prinzregenten Luitpold.
Vermischtes
Charlottenburg, 2. November. Die Feier der Einweihung der neuen Gebäude der Königlichen akademischen Hochschulen für die bildenden Künste und für Musik wurde durch eine große Auffahrt der Studierenden der Berliner Hochschulen eingeleitet. Das schönste Wetter begünstigte das farbenreiche Schauspiel, wohl über 100 Wagen bildeten den stattlichen Zug, kostbare Banner und gold- und filberbestickte Fahnen, darunter die Banner der Universität und der technischen und der übrigen Hochschulen, wurden von den im großen
Wichs chargierenden Ausschußmitgliedern und Vorsitzenden der Couleuren und Corporationen mitgeführt. Zahlreiches Publikum bildete Spalier auf dem Wege zur Hardenbergstraße und begrüßte dann gegen 12 fi, Uhr mit lauten Hochrufen die Majestäten, die um 12'4 Uhr in Berlin eingetroffen, sich im offenen L la Dau- mont gelenkten Vierspänner mit einer Escorte Garde- Kürassiere zur Feier begaben. Vor der neuen Hochschule erwies eine Ehren-Kompagnie mit Fahne und Musik vom Garde-Grenadier-Regiment Königin Elisabeth die Honneurs. Der Kaiser schritt die Front ab;
lässigkeit unter Polizeiaufsicht ausgesprochen. Der sehr verdächtige Tagelöhner Heilbronn wurde freigesprochen.
* Heiligenstadt, 30. Oktober. Eine so reiche Zwetschenernte wie in diesem Jahre ist noch selten in hiesiger Gegend zu verzeichnen gewesen. Die Bäume hängen! sodann empfingen das Kaiserpaar am Eingang der zum Brechen voll und mußten mit Stützen versehen Hochschule für die bildenden Künste der Curator der werden. Der Centner Zwetschen, der im vorigen Jahre Königlichen Academie der Künste, Minister Dr. Studt, 4,25 bis 4,50 Mk. kostete, wird mit 2 Mk. angeboten. ' ” ~ ~ ~ ‘ ~
der Präsident Professor Ende, die Sekretäre der Aca- demie, Professoren v. Oetlingen und Krebs, die Direc- toren der beiden Hochschulen, Professoren A. v. Werner und Joachim und der Director des Instituts für Kirchenmusik, Professor Radecke. Unter Fänfaren- klängen und unter den Hochrufen eines Spaliers von Chargierten und Studierenden schritten die Majestäten zur Aula der Hochschule für die bildenden Künste. - -
— Die ältesten Offiziere. Ueber 90 Jahre alt
sind nach einer Zusammenstellung die Generalmajore z. D. v. Kortzfleisch, geboren den 25. April 1811 und zuletzt bis Juni 1870 Brigadier der 9. Gendarmerie- brigade, Ludwig V. Blumenthal, der Bruder des FeA- marschalls, geboren am 1. August 1811 und zuletzt bis Juni 1869 Kommandeur der 26, Jnfanteriebrigade, der Generalleutnant z. D. Julius Wolf von Singen, geboren am 25. März 1812 und zuletzt von 1859 bis 1876 Inspekteur der Gewehrfabriken, und endlich der ebenfalls 1812 geborene Generalmajor z. D. Friedrich Hartmann, ein vormals großherzoglich hessischer Offizier, der zuletzt bis 1872 Vorstand des Artilleriedepots und Kommandant des Militärhospitals in Darmstadt war.
* In Elbenrod ist in einer Familie die Ruhr au<- gebrochen. Zwei Kinder sind der Krankheit erlegen.
Letzte Steine.
Erzählung von A. Ar«tseld.
(Nachdruck verboten) (Fortsetzung)
Lord Darlymple stieß einen dumpfen Schrei- aus und sank in den Stuhl. Sir Frederic, der sich in eine Fensternische zurückgezogen hatte, trat näher, ein paar Minuten herrschte ein tiefes, unheimliches Schweigen im Zimmer.
In ihrer zornigen Erregung am verflossenen Abend hatte Ruth es sich leicht gedacht, alles, was sie von Mr. Herbert wußte, in die Welt hinauszuschreien und ihrer Rache sich selbst zu opfern; als sie John unter der Wucht einer schweren und wie sie wußte, völlig ungerechten Beschuldigung zu Boden gedrückt sah, hätt.' sie am liebsten mit einem einzigen Worte verkündet, wer dor Dieb sei und wer ihm den Weg zu seinem Berbrechen geebnet hatte, und jetzt, wo sie sich dem ernsten, vornehmen Gesicht des Barons gegenüber sah, verließ sie der Muth. Noch tiefer drückte sie das Gesicht in den Teppich und hätte gewünscht, der Boden öffnete sich, um sie und ihre Schande zu bedecken.
„Stehe auf, Ruth", gebot der Lord, sich mühsam fassend, „erzähle mir, worauf begründest Du die schwere Anklage gegen — gegen Mr. Herbert und gegen Dich selbst.
Das Mädchen erhob sich vom Boden und versuchte zu sprechen, aber sie vermochte es nicht. Konvulsivisch
zuckte ihre Lippe, schwer und keuchend ging ihr Atem, sie konnte sich kaum aufrecht halten.
„Mit Deiner Erlaubnis, Lionel", sagte Sir Frederic, schob ihr einen Stuhl hin und wollce das Zimmer verlassen, aber krampfhaft hielt sieseine Hand fest. „Bleiben Sie hier", bat sie. Die Unglückliche dachte nicht daran, daß es beschämender für sie sei, ihr Bekenntnis vor zwei Zeugen als vor einem Zeugen abzulegen, es gab für sie in diesem Augenblicke nichts Schrecklicheres als allein mit dem Lord zu bleiben, dessen Gesicht wieder den ihm eigenen kalten, undurchdringlichen Ausdruck angenommen hatte.
Sir Frederic sah fragend zu dem Baron hinüber.
„Bleibe", sagte dieser, „Du weißt genug, um alles zu erfahren. Sprich endlich, Ruth", wandte er sich kurz und befehlend zu dieser; gehorsam öffnete sie die Lippen, aber wieder kani kein Laut hervor. Sir Frederic begriff, daß die Sache anders angesaßt werden müsse, und bat:
„Laß mich einige Fragen an Ruth richten, Lionel. Sie kannten Mr. Herbert schon länger Ruth ?" wandte er sich auf ein zustimmendes Zeichen des Barons an das Mädchen.
„Ja, Ew. Gnaden schon lange, er kam ja öfter ins Haus, aber erst seit wir im letzten Frühling in London waren —"
„Hat er zu Ihnen von Liebe gesprochen", fiel Sir Frederie ein.
„Frederic!" rief der Lord unwillig, gleichzeitig schluchzte aber Ruth auf: „Wovon wissen das Ew. Gnaden?"
„Ich errate die ganze traurige Geschichte, weiter, weiter armes Mädchen", antwortete Sir Frederic mit Ton und Ausdruck eines so tiefen, echt menschlichen Mitgefühls, daß Ruth Vertrauen faßte und anfänglich zögernd und stockend, je weiter sie kam, aber immer fester und zusammenhängender erzählte.
Cuthbert Herbert war ihr nachgegangen mit süßen Reden und heißen Blicken, er hatte ihr so oft bedenert und geschworen, daß er sie, sie einzig und allein liebe, daß sie, die ihn anfänglich geflohen hatte, dann feint Reden nur kopfschüttelnd und ungläublich angeM hatte, sich bald gänzlich von ihm umgarnen ließ. IW nun trat eine völlige Verzauberung ein; sie lebte M in ihm, sah nur durch seine Augen, sein Wille M ihr Gesetz. Hatte er ihr Herzblut verlangt, sie haR es willig Tropfen für Tropfen hingegeben. Er schwur ihr, nie eine andere zu heiraten als sie, aber er l^i ihr das unverbrüchliche Stillschweigen auf; nicht um einem Worte, nicht mit einem Blick dürfe sie ihrM Geheimnis verraten, warnte er, solle ihr erhofftes nicht in Nebel zerrinnen; er umgab sich mit einer an Märchenzauber wie Lohengrin, wie Melusine, und Wi als Elsa von Braband, besser als der ritterliche ®eiw der Wasserfee bestand das arme, unwissende Madcyen die Probe. Fortsetzung folgt-