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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 89, Mittwoch, den 5. November 1902. 53. Jahrgang.
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HMMhtttA0t1auf bic »Schlüchierner Zeitung" jjJfllvUUUyvuinerben nod) fortwährend von allen _ ""——- Postanstalten und Landbriefträgern, cwie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-N. 3103 K.-A. Die Bekleidung des westlichen Giebels des Kreisgärtnerhauses mit Wetterbrettern soll im Wege der Submission vergeben werden. Re- flectanten wollen ihre schriftlichen Offerten bis spätestens 10. November d. Js. an den Unterzeichneten einreichen.
Der Zuschlag bleibt Vorbehalten.
Schlächtern, den 31. Oktober 1902.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar wohnte am Sonntag Abend der Trauerfeier für die Gräfin Görtz-Schlitz im West- Sanatorium bei. Am Montag hörte der Kaiser im Neuen Palais den Vertrag des Stellvertreters des Chefs des Zwilkabinets, Valentini, sodann den Vortrag des Land- Wirtschaftsministers v. Podbielski im Beisein des Kriegsministers und des Oberlandstallmeisters Grafen Lehn- dorff, sowie Vorträge des Kriegsministers und der Professoren Klingenberg und Slaby. Mittags begiebt sich der Kaiser zur Hubertusjagd nach dem Döberitzer Uebungsplatze.
— Der Kaiser wird, nachdem er am Dienstag Vormittag der Rekrutenvereidigung in Berlin beige - wohnt hat, auch bei der Vereidigung der Rekruten am Mittwoch Vormittag in Potsdam im dortigen langen Stall zugegen sein und am selben Abend nach Kiel abreisen, wo am 6. d. M., vormittags, die Vereidigung der Marinemannschaften stattfindet.
— Außer dem Reichskanzler wurde auch Kultusminister Dr. Studt von der neuen Universilät Münster zum Ehrendoktor ernannt.
— Der Kultusminister wendet den an verschiedenen Universitäten eingerichteten wissenschaftlichen Fortbildungskursen für Lehrerinnen sein besonderes Interesse zu und läßt ihnen jede mögliche Förderung zutheil werden. So sind u. a., wie Berliner Blätter hören, unbemittelten Lehrerinnen, die sich auf die wissenschaftliche (Oberlehrerinnen-) Prüfung vorbereiten wollen, ansehnliche Beihilfen aus Staatsmitteln gewahrt worden.
— Reichstagsabgeordneter Heinrich Rickert ist am Montag früh 6 Uhr 45 Min. gestorben.
— Der Legationsrath der preußischen Gesandtschaft m München Graf Bernstdorff ist zum Botschaftsrath in London ernannt worden. Diese Stellung gilt aber in unterrichteten Kreisen nur als ein Provisorium Graf Bernstorff dürfte zum Gesandten in München ernannt werden, da der derzeitige preußische Gesandte in München Graf von Monts de Mazin als Nachfolger des Fürsten Eulenburg auf dem Posten eines deutschen Botschafters am Wiener Hofe anzusehen fei.
Berlin, 29. Okt. Die am vergangenen Sonnabend vor beschlußunfähigem Hause begonnene Debatte über die Vieh- und Fleischzölle fand heute ihre Beendigung in _ sechs namentlichen Abstimmungen die eine fast stetig „steigende Tendenz" auswiesen. Trotz der großen Sicherheit und .Schnelligkeit der mit dem Namensaufruf betrauten Schriftführer dauert eine . solche namentliche Abstimmung immerhin eine halbe Stunde. Nach den vorausgegangenen endlosen Debatten Äden diese drei Stunden, in denen neben den aufge- ^fenen Namen nur die (einfachen Mannesreden „Ja" ^r „Nein" erschallten, eine nervenberuhigende Erholungspause. \
Bei den heutigen sechs namentlichen Abstimmungen tvurde ein Schlußantrag in (erster) namentlicher Ab- stunmung mit 180 gegen 85 Stimmen angenommen. Äse nun folgenden Abstimmungen über die Com- Mssionsbeschlüsse der Zollsätze für Rindvieh, Schaft
Schweine (14,40 Mark Minimalzoll lebendes Gewicht für den Doppelcentner) und Fleisch (in differen- zlrten Zollsätzen) ergaben bei Annahme .dieser Com- Pwmißbeschlüsse folgendes Zahlenbild: &.,
Es stimmten:
bei
mit mit ja nein
Stimm- Zu- enthaltungen sammen
dem Rmdviehzoll 161
120
3
284
ff
„ Schafzoll 161
129
4
294
„ Schweinezoll 162
135
4
301
ff
„ Fleischzoll 162
132
4
298
Bei diesen Abstimmungen waren die
Mindestzölle
für Vieh und Fleisch nach den Compromißbeschlüssen erledigt; die entsprechenden Sätze im autonomen
Tarif wurden ebenfalls in einfacher Abstimmung an- genommen. Der Sozialdemokratische Antrag auf zollfreies eingeführtes Fleisch bis zum Gewicht von 2 Kilo für den Grenzverkehr wurde mit 190 gegen 105 Stimmen abgelehnt.
— In Berlin sinken die Fleischpreise. Verschiedene Fleischer in Moabit theilen jetzt ihren Kunden mit, daß sie fortan das Fleisch für den alten Preis verkaufen wollen und bewilligen sogar noch Zugaben. Von Einfluß mag dabei auch die starke Zufuhr von Wild und besonders von Gänsen sein, die jetzt den billigsten Braten liefern.
Worms, 28. Okt. In einer am Montag in Worms abgehaltenen nationalliberaleu Versammlung machte Abg. Freiherr v. Heyl die Mittheilung, es sei ihm aus Berlin die Nachricht zugegangen, daß keine Aussicht vorhanden sei, daß das Zolltarifgesetz unter Dach und Fach käme. Mau habe also mit der Auflösung des Reichstages zu rechnen und müsse sich für die Neuwahlen rüsten.
Ausland.
Die russische Regierung scheint mit dem Plane umzugehen, die Ausfuhr von Pferden die für die Einstellung in die Armee geeignet sind, zu verbieten oder einzuschränken. Seit einiger Zeit ist, wie der „Hart. Ztg." aus Eydtkuhnen mitgetheilt wird, in Kibarty (Wirballen) ein Kavallerierittmeister stationirt, welcher jedes auszuführende Pferd daraufhin untersucht, wie weit es für Kavallerie- u. f. w, Zwecke geeignet erscheint.
Aus Nordchina kommen Nachrichten, die entschieden beunruhigend sind. In den Dörfern in der unmittelbaren Umgebung von Peking fängt, wie der „Frkf. Ztg." aus Shanghai geschrieben wird, offenbar das alte Treiben der Boxer wieder an, genau so, wie sie es vor zwei Jahren machten, Nach einem Gewährsmann der „Nord China Daily News" versammeln sich die Boxer dort allnächtlich um 3 Uhr und machen dann ihren bekannten mystischen Hokuspokus bis zur Morgendämmerung. Ferner sind auf der von Peking nach Taiyuanfu führenden Landstraße zur Zeit wieder so zahlreiche Boxerbanden, daß die Kaufleute in der Hauptstadt es nicht wagen, auf dem (direkten Wege nach Taiyuanfu zu schicken, sondern es vorziehen, sie große Umwege machen zu lassen.
Lokales unö Provinzielles.
* Schlüchtern, 4. November 1902.
* — Versetzt sind die Postassistenten Knierim von Jossa nach Steinau und Kreinlein von Elm nach Neukirchen (Krs. Hünfeld).
* — Im Monat November dürfen nach dem Jagdpolizeigesetz geschossen werden: Männliches und weibliches Rot- und Damwild, Wildkälber, Rehböcke, Ricken, der Dachs, Hasen, Auer-, Birk- und Fasanenhähne und Hennen, Enten, Trappen, Schnepfen, Sumpf- und Wasservögel, Rebhühner, Haselwild und Wachteln. Dagegen sind mit der Jagd zu verschonen Rehkälber.
* — Die Besitzer von Tieren, namentlich Hunden, haben bisher zu wenig mit einer Bestimmung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches gerechnet, welche der § 833 auf stellt. Derselbe besagt: „Wird durch ein Tier ein Mensch getötet, oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine solche beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.
Die nächstjährigen Kaisermanöver sollen nach den bisher getroffenen Dispositionen zwischen den beiden sächsischen Korps (12. und 19.) und dem 4. preußischen Armeekorps stattfinden. Die Standorte der Generalkommandos sind Dresden, Leipzig, Magdeburg. Das 19. (2. sächsische) Korps besteht aus der 24. und 40. Division, von denen voraussichtlich die erstere (Leipzig) dem 4. Korps und die letztere (Chemnitz) beut
12. Korps während der Kaisermanöver zugetheilt werden wird. Das Manövergelände erstreckt sich,in der Hauptsache zwischen Leipzig und Magdeburg, und zur Abhaltung der Kaiserparade ist nach einer Meldung der Truppenübungsplatz Zeithain in Aussicht genommen,
* — Wenn man zur jetzigen rauhen Jahreszeit einen Ausgang macht oder zu machen hat ist öfter ein Katarrh die Folge und nichts kann einem mehr herabstimmen als Husten Heiserkeit rc., da ist ein gutes Hausmittel, das lösend und lindernd eingreift am Platze und solches sind die vielfach anerkannten wohlschmeckenden Spitzwegerich-Brust-Bonbons von W. Hahn Wertheim a. M.
Salmünster, 2. November. Vor einiger Zeit wurden, wie die „Fuldaer Zeitung" von hier meldete, zwei Fahrräder kurz hinter einander gestohlen. Dieser Tage gelang es dem hiesigen Gendarm Herrn Matting, den Fahrraddieb in der Person eines jungen Mannes von 20 Jahren aus Udenhein, der schon 10 Monate Gefängniß verbüßt Hat, ausfindig zu machen. Er hatte die beiden Räder, die einen Werth von 180 und 200 Mark hatten, zu 28 und 24 Mk. nach Hellstein und Udeuhain verkauft. Die gestohlenen Räder wurden von dem Gendarmen Mattiing und dem Gendarmen S. von Birstein bei den Käufern gefunden.
Gelnhanscn, 1. Nov. Herr Regierungs-Assessor v. Gröning hat mit dem heutigen Tage die commissarische Verwaltung des hiesigen Landrathsamtes übernommen.
Frankfurt, 2. November. Der 42 Jahre alte Kaufmann Levy Herzberg jun., dahier, gegen den ein Verfahren wegen Wuchers schwebte, erhängte sich. Herzberg war Millionär.
Frankfurt a. M., 1. November. Das neue Schauspielhaus wurde am Sonnabend mit einer Festvorstellung eröffnet. Die prächtigen Räume präsentierten sich im wirkungsvollen Schmuck von Topfgewächsen und Blattpflanzen. Die Ränge, bis hoch hinauf, sowie das Paterre bis auf den letzten Platz, füllte eine Festgesellschaft, die aus den Spitzen der städtischen sowie staatlichen und Militär-Behörden, sowie zum allergrößten Teile aus geladenem Publikum sich zusammensetzte und durch die kostbaren Toiletten der Damen in angenehmer Abwechslung mit dem schwarzen Gesellschaftsanznge der Herren ein farbenprächtig belebtes Bild darbot. U. a. waren anwesend der greife Dichter Wilhelm Jordan, ferner Ludwig Fulda, Paul Lindau und Oscar Blumenthal, sowie eine größere Anzahl fremder Bühnenleiter, darunter Graf Hochberg-Berlin und Frhr. v. Puttlitz- Stuttgart.
Fnlda. In einer der letzten Nächte wurde der Wirt in Liebhards bei Eckweisbach, Ludwig Schleichert, nach einem Wortwechsel im Streit erstochen. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod konstatieren. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.
* Das Projekt einer Eisenbahnverbindung zwischen Fulda und Meiningen, die die Rhön überschreiten soll, scheint nicht so aussichtslos zu sein, wie vielfach angenommen wird. Wie bekannt wird, haben kürzlich Räte des Ministeriums für öffentliche Bauten in Berlin die Strecke bereist, um sich durch Augenschein zu überzeugen, ob der Bau möglich und ausführbar ist.
* Ortonberg, 2^. Oktober. Der Kaltenmarkt nahm mit Regenwetter, das den ganzen Tag über währte, seinen Anfang. Trotz der ungünstigen Witterung waren endlose Reihen von Fohlen und Pferden aufgeführt. Die Firma Leopold-Nidda hatte 70 Pferde und Fohlen, meist Ausländer, Belgier und Dänen, zum Markt gebracht. Schöne Saugfohlen fanden zu hohen Preisen raschen Absatz, bis 300 Mk. das Stück; I'/, jährige Fohlen, je nach Qualität, bis 500 Mk. Im ganzen standen die Verkäufe gegen den vorigen Markt und dem 1900er Markt zurück. Wandernde Zigeunerpferdehändler waren diesmal gar nicht vertreten. — Rindvieh war hoch im Preis; einjährige Rinder erzielten bis 160 Mk. Schweine waren in großer Zahl aufgefahren; die Preise fielen, der vorgerückten Jahreszeit entsprechend, sichtbar. Ferkel, 6—8wöchiq, erzielten 25—30 Mk. das Paar.
Schlitz, 2. Nov. Gräfin Sofia von Goerz ist heute Nacht 4 Uhr nach langem, schweren Leiden im Alter von 44 Jahren in einem Sanatorium zu Berlin gestorben.
& * Hünfeld, 4. November. Vorige Woche sprachen int Gasthaus zum „Engel" dahier die Landtagsabgeord«