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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 80.

Samstag, den 4. Oktober 1902

53. Jahrgang.

äMhdhwrt^"^ dieSchlüchierner Zeitung" M?L^UÜ4sLV^»»werden noch fortwährend von allen --- " Postanstalten undLandbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

J.-Nr. 2782 K.-A. Amtliches.

Am heutigen Tage hat die Ueberlieferung der Kreissparkassen-Verwaltung an die neugewählte Direktion bestehend aus Kreisrentmeister Pfalzgraf als Vorsitzender, Privatier Eugen Weichel-Schlüchtern und Fabrikant W. Bratfisch zu Salmünster als Direktionsmitglieder, stattgefunden. Gleichzeitig wurde Hauptmann a. D. Meier als Rendant der Sparkasse in sein Amt eingeführt.

Die Kreissparkasse ist wie seither für das Publikum geöffnet:

Moutag, Dienstag, Donnerstag uud Freitag,

Vormittags von 8 12 unb Nachm. von 24 Uhr und werden in diesen Dienststunden der Direktions­Vorsitzende, in der Regel die beiden Kassenbeamten aber stets anwesend sein.

Die Sitzungen der Direktion finden bis auf Weiteres jeden Sonnabend Nachmittag von 1/a Uhr ab statt.

Schlüchtern, den 23. September 1902

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird wegen der bisherigen wenig günstigen Jagdresultate seinen Aufenthalt in Rominten verlängern. Er trifft erst Anfangs nächster Woche in Cadinen ein.

Wie dasB. T." sich melden läßt, soll der Kaiser ^beabsichtigen, im Februar auf seiner PachtHohen- zollern" dem König von Italien einen Gege.,.stich abzustatten.

Der Jagdaufenthalt des deutschen Kronprinzen im Dambachhause bei Thale im Harz ist vorn Glück begünstigt gewesen. Der Kronprinz, der dort seit Mitte voriger Woche in Begleitung des Oberst­leutnants von Pritzelwitz und des Forstmeisters von Bibra weilte, hat im ganzen sieben Hirsche zur Strecke gebracht. Hierunter befand sich ein Zwölfender. Der Kronprinz hat jetzt, wie aus Thale gemeldet wird, das Dambachhaus verlassen, um sich nach Bad Kreuch in Bayern zu begeben. Bei der Abreise aus Thale wurden ihm herzliche Ovationen seitens der Einwohner zutheil.

- Der Oberpräsident der Provinz Westpreußen, Staatsminister von G o ß l e r, ist in Danzig ge­storben.

Sieben preußische General begingen am verflossenen Mittwoch ihr bOjähriges Dienstjubiläum. Der be­kannteste unter ihnen ist der um die Ausbildung unserer Kavallerie hochverdiente General z. D. Gebhard von Krosigk, der Vater des in Gumbinnen erschossenen Rittmeisters. Ferner feierte der General der Kavallerie z. D. Wilhelm Freiherr von Gemmingen sein 60jähriges Militärjubiläum.

Zur Verbesserung des Rettungswesens bei Eisen­bahnunfällen werden, wie erinnerlich, nach einer An­ordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten im Bereiche der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft bei einer größeren Anzahl von Stationen Hilfszüge, bestehend aus einem Aerztewagen und einem Geräthe- Wagen, aufgestellt und zur sofortigen Benutzung bereit , gehalten; die Zugführer müssen bei Zusammenstößen, I Entgleisungen oder sonstigen größeren Unfällen sofort | eine telegraphische Meldung an eine ihnen ein- für \ allemal bezeichnete Station abschicken, die dann ihrer­seits für schleunige Entsendung des Hilfszuges oder, l»enn keine Personen ernstlich verletzt sind, des Hilfs- Mthewagens sorgt. Diese Einrichtungen sollen auch den Bahnpostdienst bei solchen Eisenbahnunfällen, bei denen Bahnposten in Mitleidenschaft gezogen sind, M der Hülfe bedürfen, nach Vereinbarung zwischen wm Reichspostamt und dem Ministerium der öffent- llchen Arbeiten nutzbar gemacht werden. Zu dem Zweck >vird in das durch den Zugführer von der Unfallstelle an die nächste Eisenbahnstation, bei der ein Hilfszug vder Hilfsgeräthewagen aufgestellt ist, abzulassende Tele- granlin der VermerkBahnpost braucht Hilfe" auf­genommen, wenn das Bahnpostpersonal eine entsprechende Meldung macht oder derart verletzt ist, daß es keine ^sprechende Meldung machen kann. Die Postanstalten

an den Aufstellungsorten der Hilfszüge erhalten sofort beim Eintreffeu einer derartigen Unfallmeldung von den Eisenbahnstationen Nachricht und haben dafür zu sorgen, daß sich die abzuordnenden Beamten mit größter Beschleunigung zur Abfahrtsstelle des Hilfszuges begeben.

Es ist nicht zu bestreiten, daß die Industrie, welche für die Wohlfahrt Deutschlands unentbehrlich, heute in keiner günstigen Lage ist, aber daran trägt nicht eine veränderte Zollpolitik die Schuld, wir haben ja noch den alten Tarif, sondern die überall geschmälerte Kauf­kraft, die gesunkene Unternehmungslust, mit einem Wort die ungünstige Konjunktur. Und wir können nicht behaupten, daß der neue Zolltarif sofort zu einer besseren Gestaltung verhelfen muß, denn wenn kein Geld zum Kaufen vorhanden ist, muß die Produktion eben eingeschränkt werden. Dazu kommenSdie sehr unsicheren Verhältnisse in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika; da wackelts bedenklich, und Niemand weiß, ob die gewaltigen Anstrengungen, eine Kata­strophe zu verhüten, von wirklichem Erfolg begleitet sein werden. Die Landwirthschaft auf der anderen Seite gebraucht, wenn sie zu immer zeitgemäßerem Be­triebe übergehen will, was man ihr allgemein räth, mehr Kapital, und sie kann dies nur durch genügende Einnahme und ausreichenden Profit erhalten. In den Industrie-Aktien und Obligationen sind Millionen deutschen Privatkapitals angelegt, aber eine solche An­lage und Zuwendung ist für den landwirthschaftlichen Betrieb nicht zu erwarten. Dazu ist die Dividende da nicht hoch genug. Die Industrie wünscht nach Möglichkeit erleichterten Absatz, die Landwirthschaft Konsolidirung ihres Besitzes; ohne Geld ist beides nicht zu erlangen, aber angesichts der unerfreulichen wirth- schaftlichen Verhältnisse, die wir erst durchgemacht, kann nicht allem und jedem mit einem Schlage Rech­nung getragen werden, dazu reicht das Nationalver­mögen heute nicht aus; wäre der Umschwung in der industriellen Konjunktur nicht gekommen, die wirth- schaftliche Lage hätte ein anderes Gesicht und wahr­scheinlich wäre bereits eine Einigung erzielt. So haben sich die Dinge bedeutend schwieriger gestaltet, aber wir denken, kommen wir diesen Herbst und Winter nicht ans Ziel, dann muß es im Frühjahr oder Sommer sein, denn in der Luft schweben bleiben kann der Kurs unserer Politik nicht.

Berlin, 30. Sept. In der heutigen Sitzung der Zolltarifkommission theilte der Reichstagspräsident Graf Ballestrem mit, daß die erste Sitzung des Reichstags am 14. Oktober stattfinden werde. Auf der Tages­ordnung werden stehen: Petitionen.

Berlin, 1. Oktober. Nach den Blättern zugehenden Privatmeldungen steht nunmehr endgiltig fest, daß die Burengenerale am 17. Oktober nach Berlin kommen.

Ausland.

Frankreich. Zolas Leiche ist behufs Feststellung der Todesursache geöffnet worden. Die Untersuchung hat erwiesen, daß der Tod durch Kohlenoxidvergiftung ein getreten ist. Es waren bereits Gerüchte von einem Selbstmord des großen Romanciers entstanden, die durch die ärztliche Feststellung also in das Reich der Fabel verwiesen sind. Für den Fall seines Ablebens war Zola ziemlich hoch versichert. Die Auszahlung an Frau Zola wird ohne Schwierigkeiten erfolgen. Poli­zeikommissar Cornette vernahm am Dienstag Frau Zola. Dieselbe bestätigt die bisherigen Annahmen über die Ursachen des Unglücks. Das Feuer im Kamin sei Abends angezündet worden. Ihr Gatte habe gesagt: Da das Feuer angezündet ist, lassen wir es von selbst ausgehen." Sie habe keinen Einspruch erhoben und die Ehegatten seien alsdann eingeschlafen. Zola ent­stammt einer italienischen Familie. Dieser Umstand bot dein italienischen Kultusminister Anlaß, dem fran­zösischen Unterrichtsminister ein offizielles Beleidstele- gramm zu übersenden. An die Wittwe Zolas laufen unzählige Kondolenzdepeschen aus allen Kulturstaaten der Erde ein. Das Befinden der Frau Zola ist trotz der Erschütterung, die dieselbe durch das ihr zugestoßene Unglück erlitt, so befriedigend, wie man nur wünschen kann. Absonderung und absolute Ruhe sind ihr un­umgänglich nothwendig.

Von der Disciplin die im englischen Heere herrscht, kann man sich einen Begriff machen, wenn man er­fährt, daß im vergangenen Jahre 11,414 Soldaten

mit Gefängniß bestraft werden mußten, darunter 1943 wegen Desertation, 1374 wegen Ungehorsams*und Ge­waltthätigkeit, 1112 wegen Trunksucht. Damit sollte Herr Chamberlein die bezüglichen Zahlen im deutschen Heere vergleichen, das würde dem Verblendeten die Augen öffnen.

Washington, 30. Sept. In dem Befinden Roose- velts ist eine andauernde Besserung zu verzeichnen.

Peking, 1. Okt. Prinz Tschun, der Bruder des Kaisers, vermählt sich mit der Tochter des Groß- sekretärs Punglu, des höchsten und einflußreichsten Be­amten Chinas. Es heißt, die Verbindung sei geschlossen, um dem Throne einen Erben zu sichern. Hohe Beamte stellen dies jedoch in Abrede.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 3. Oktober 1902.

Jr3f Der heutigen Nr. unseres Blattes liegt der Winterfahrplan für die Bahnen der hiesigen Gegend bei.

t Herr Amtsgerichtsrath Zimmermann ist Dienstag Nacht nach einem langen und schweren Leiden entschlafen. Sein Heimgang wird bei allen, die ihn kennen und schätzen gelernt haben, ein Gefühl aufrichtiger Trauer erwecken um den frühen Heimgang desselben. Herr Zimmermann war in Stadtlengsfeld (Sachsen Weimar) geboren, besuchte die Gymnasien zu Fulda und Hersfeld, studirte in Würzburg, Leipzig und Marburg, war 1885 Assessor in Hersfeld, bis 1890 Hilfsrichter in Meerholz und Gelnhausen und wurde in 1890 Amtsrichter dahier, 1893 wurde der Verstorbene von den Wahlmänne.n der Kreise Gelnhausen und Schlüchtern als Abgeordneter gewähH und gehörte seitdem als Mitglied der frei­konservativen Fraktion dem Abgeordnetenhause an.

R. i. p.

* Wir machen unsere verehrlichen Leser darauf aufmerksam, daß die erste Rate der Kirchensteuer in der Zeit vom 1.8. Oktober b. I. entrichtet werden muß.

* Die Lehrer, Klasseubrüder ! der ehemaligen Seminarklasse Schlüchtern 1869- 1872, werden nicht, wie anfänglich vorgesehen, sich in Bebra aus Anlaß ihres 30jähngeu Dienstjubiläums, sondern in R o t e n - bürg treffen. Montag den 6. Okt. werden die Herren sich an den Berathungen der Delegirten be- theiligen und am folgenden Dienstag eine gemeinschaft­liche Tour nach Eisenach, Schmalkalden tc. antreten.

Nach Mittheilung des Direktors der Fuldaer landwirthschaftlichen Winterschule haben im abgelaufenen Berichtsjahre 3 Zöglinge aus Schlüchtern die Anstalt besucht.

Personalnachrichten. Versetzt wurde der Lehrer Krack zu Weidenau an die kath. Schule zu Zünters- bach. Endgültig angestellt wurden die Lehrer Schäfer zu Hinkelhof und Schmidt zu Marjoß. Einstweilig angestellt wurde der Schulamtsbewerber Helmke zu Sarrod. Entlassen wurde der Lehrer Zimmer zu Züntersbach behufs Uebertritt in den Schuldienst des Reg.-Bez. Koblenz.

* Für entlassene Soldaten! Alle diejenigen bei einer Krankenkasse Versicherten, welche jetzt ihrer Mili­tärpflicht genügt haben, können sich diese militärische Dienstzeit auf der bei der Verwaltung der betr. Kranken­kasse aufbewahrten Quittungskarte bescheinigen lassen, dann wird ihnen ihre Dienstzeit bei einer späteren Festsetzung der Rente u. s. w. in Anrechnung gebracht werden. Die Eintragung auf der Ouittungskarte erfolgt auf Vorlegung des Militärpasses.

** Rudolf Falb's allgemeine Prognose für Monat Oktober lautet: Das erste und dritte Drittel verlaufen ziemlich trocken, während das zweite ausgebreitete und ergiebige Regen bringt, namentlich zur Zeit des kritischen Termins. Die Temperatur ist im ersten Drittel meist normal. Im zweiten findet ein Rückgang, im dritten dagegen eine bedeutende Steigerung über die normale statt. Die Tagesprognose lautet: 1. bis 11. Okt.: Nach dein kritischen Termin des 1. Oktobers, ber­einigen Regen bringen dürfte, wird es trocken. Die Temperatur, die Anfangs über der normalen steht, sinkt dann, namentlich in Norddeutschland. 12. bis 22. Oktober: Es beginnt eine längere Periode [mit ausgebreiteten und zum Theil red;t beträchtlichen Niederschlägen, nicht nur in Deutschland, sondern auch