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SchlüchternerMuW

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeign kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 27. September .902.

53. Jahrgang.

Hits UntfrfirffflllUStl ^^ Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bewrstehendcn Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe ^HmiVlLUJluty so bald wie möglich bei joem betreffenden Postamte bestelln. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Sept. unsere- Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung nun 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Oucrtals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit bem 1. Oktober 1902 beginnende neue Vic'teljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar traf am Sonntag Nachmittag um 2 Uhr aus Hubertusstock in Berlin ein, um hier der in einem Sanatorium krank liegenden Gräfin Goertz einen Besuch abzustatten, und reiste um 4 Uhr wieder nach Hubertusstock zurück. Montag Abend erfolgte die Abreise des Kaisers und der Kaiserin nach dem Jagdschloß Rominten, wo sie am 23., Vormittags 10 Uhr, anlangen. DerReichsanzeiger" meldet: Der Königliche Hof legte für die Königin der Belgier eine Trauer von drei Wochen an.

Rominten, 23. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Vormittag halb 10 Uhr hier eingetroffen und vom Landrath Jackmann empfangen worden. Der Bahnhof war prächtig geschmückt, ebenso die Ortschaften Schclvankemen und Rominten. Die Orts­bewohner und die Schulkinder bildeten Spalier.

Wichtige kriegsmäßige Uebungen finden in diessn Tagen sowohl auf dem Wasser wie auch auf dem Lande am Eingänge der Kieler Föhrde statt. Im Interesse der Landesvertheidigilug muß der Verlauf derselben geheim gehalten werden. Den Kieler ZeitungS- redaktionen theilt der stellvertretende Starionschef, Vize-Admiral Bendemann, dies unter Hinweis aus das Gesetz vom 3. Juli 1893, betreffend den Verrath militärischer Geheimnisse mit. Es handelt sich bei diesen Uebungen hauptsächlich um die Erprobung der für die Sperrung des Kieler Hafens gegen feindliche Schiffe nöthigen Maßnahmen.

Die nächsten Kaisermanöver werden, wie zwar sehr früh, aber bestimmt mitgetheilt wird, in der Gegend von Koblenz am Rhein stattfinden. Der Kaiser wird während fünf Tagen dort Standquartier haben; für einen mehrtägigen Aufenthalt der Kaiserin wird be­reits eines der Fremdenzimmer im Koblenzer kgl. Schlosse umgebaut. Die Parade des 8. Korps wird wieder auf demselben Gelände bei Uruitz abgc- halten wie im Jahre 1897.

Wegfall der Portofreiheit der Behörden. Die Kreuzztg." schreibt: Wie verlautet, soll die den einzelnen Behörden bisher gewährte Portofreiheit für Postsendungen für welche der Reichspost eine bestimmte Pauschsumme zugestanden ist, demnächst fortfallen. Es heißt, daß den Behörden besondere Marken von der Postverwaltung zum Verkauf gestellt werden sollen, da sich so eine bessere Uebersicht über die behördlichen Postsendungen barbiete. Die einleitenden Schritte zu dieser Umänderung sollen bereits geschehen sein.

Die Zolltarif-Kommission des Reichstages begann in diesen Tagen ihre Arbeit von neuem; im Sommer ist, wie erinnerlich sein wird, die erste Berathung be endet, zuletzt etwas im Galopp-Tempo, und es er­übrigt nun die zweite Lesung und die Berechnung der finanziellen Wirkungen des neuen Tarifes. Zu dieser Klarstellung muß allerdings die Vorlage erst eine bestimmte Form angenommen haben, und ob das in der Kommission erzielt werden wird, bleibt, vorder­hand wenigstens, abzuwarten. So nothwendig eine Einigung zwischen Reichsregierung und Reichscags- mehrheit erscheint, es ist heute, wie früher, zweifelhaft, ob die neue Arbeit im Parlamentshause am Berliner Königsplatz sie erbringen wird. Die Fassung, welche ter Zolltarif in erster Lesung gewonnen hat, entspricht mir im letzten Theil durchgängig den Vorschlägen der Reichsregierung; das sind eben die Paragraphen, welche im Schnell-Tempo berathen wurden, weil es unnöthig erschien, darum noch länger in dem diesen Sommer besonders staubig gewesenen Berlin zu ver­bleiben. Aber die Redner betonten damals sofort, daß ihre Zustimmung zu den erwähnten Zollsätzen nur eine vorläufige sei, welche sie für die Zukunft nicht binde. Hierüber, über die Eisen- und andere Zölle, würde indessen schon eine schließ! iche Einigung erzielt werden; der Kern der Meinungsverschiedenheiten bleibt unverändert die Höhe des von den verbündeten Regierungen mit 5 Mark für den Doppelcentner (heute

3'/2 Mark) normirten Brotkornzolles, wie der Tirif für landwirthschaftliche Produkte überhaupt. Die Be­fürworter der landwirthschaftlichen Interessen, )ie, mit Ausnahme der freisinnigen und sozialdemokratisclen, sich unter den Abgeordneten aller Parteien finkn, bleiben heute, wie im Frühjahr dabei, daß zur wirklicken Gesundung der landwirthschaftlichen Verhältnisse zim Theil nicht unwesentlich erhöhte Zölle erforderlich feim, während die Reichsregierung meint, wie der Reicls- kanzler Graf Bülow und der Staatsekretär Gmf Posadowsky zu wiederholten Malen erklärten, daß lei höheren landmirthschaftlichen Zöllen der Abschluß bin Handelsverträgen mit dem Auslande arg gefährdet und die deutsche industrielle Warenausfuhr unterbundei werde. Das sind die Anschauungen gewesen, und ba> sind sie geblieben; die sommerliche Ferienpause ha hieran nichts geändert.

Berlin, 24. Septt. In der fortgesetzten General­diskussion des Unterabschnittes Thiere und thierische Erzeugnisse erklärt Podbielski, die Grenzöffnung. sei wegen der Seuchengefahr unmöglich. Die Fleisch­theuerung sei eine weltwirthschaftliche und nicht lediglich deutsche Erscheinung.

Berlin, 24. Sept. DieTägl. Rundsch." veröffent­licht über Unruhen in Transvaal folgendes Telegramm: Am 30. August überfielen entlassene Soldaten die Außenposten von Johannesburg und machten den Ver­such, zu plündern. Die Aufständischen wurden durch Rebellen-Truppen zurückgewiesen. Es blieben 22 tot und 67 verwundet. In Rustenburg und Lichtenberg tobt der Kaffernkrieg.

Christiania, 23. Sept. Der deutsche Kaiser hat an den Capitän Sverdrup folgende Depesche gerichtet: Aus vollem Seemannsherzen einen freundlichen Gruß und Willkommen zur Heimkehr. Ich preise Gott mit Ihnen, daß er Sie, das Schiff und die tapfere Mann­schaft zu den Ihrigen zurückgeführt hat.

Wilhelm I. E."

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 26. September 1902.

* Dem Lehrer Gg. Zipf von hier wurde die Schulstclle zu Obernhausen übertragen.

):( Ertheilt wurde dem Rechtsanwalt Dr. Sond- heimer in Gelnhausen die Genehmigung zur Annahme und Anlegung des ihm von seiner Durchlaucht dem Fürsten Heinrich XIV. Reuß jüngere Linie als Re- gierungsverweser für Seine Durchlaucht den Fürsten Heinrich XXIV. Reuß ältere Liane verliehenen Fürstlich Reußischen (ältere Linie) Ehrenkreuzes dritter Klasse.

* Am Mittwoch fand vor der Hanauer Straf- fammer die Verhandlung gegen den Stationsassistenten Erlenborn von Fulda statt, welcher angeklagt war, am 21. September v. I. auf der hiesigen Station zwei Eis-nbahnzüge fahrlässiger Weise in Gefahr gebracht zu haben dadurch, daß er die Strecke für einen von Elm kommenden Schnellzug freigab, obwohl er durch Rangirmanöver das Geleise außerhalb des Einfahrts­signals noch in Anspruch nehmen mußte. Das Ge­richt sprach den Angeklagten der Unterlassung einer ihm durch die Dienstvorschriften auferlegten Pflicht kchuldig, billigte ihm aber mildernde Umstände im nie heilen Maß zu und erkannte auf 20 Mark Geld­strafe.

Die Israeliten feiern bekanntlich im Monat Oktober ihre höchsten Feste, und zwar am 2. und 3. das Neujahrsfest (5663), am 11. das Versöhnungs- fest, am 16. das Laubhüttenfest, am 23. Oktober Laubhütten-Ende und endlich am 24. Oktober Ge- setzes-Freude.

* - Die Laudwirthe und Viehzüchter des Kreises machen wir an dieser Stelle auf das Inserat in heutiger Nummer betreffend die General-Versammlung des landwirthschaftlichen Kreisvereins am 5. Oktober er. aufmerffam.

* Steigerung des Verkehrs im Herbst. Die regelmäßig im Herbst jeden Jahres wiederkehrende Seigerung des Versandtes an Kohlen und Coaks, Stein- und Braunkohlen-Briquetts, sowie der landwirthschaft­lichen Erzeugnisse und sonstiger Materialien wird auch in diesem Jahre in den Monaien September bis Dezember größere Anforderungen an den Eisnbahnbetrieb und die Zuführung offener und gedeckter Wagen stellen. Um den stärkeren Verkehr in den einzelnen Kohlen- und Jndustriebezirken, besonders im Ruhrkohlen-Revier, ohne Störungen zu bewältigen, ist es nothwendig, daß die hierauf gerichteten Bestrebungen der Eisenbahn- Ver- waltung allerseits Unterstützung finden. Es ist hierzu hinsichtlich der Benutzung der offenen Wagen in erster Linie erforderlich, daß der Hausbedarf an Kohlen rc. für den Winter schon jetzt bezogen, und nicht auf die Zeit von Anfang Oktober bis Ende November, während der Rübenernte, in welcher sich in der Regel Mangel an dieser Wagensorte einzustellen pflegt, verschoben wird. Für denj Versandt von Gütern in gedeckten Wagen ist es nach den gemachten Erfahrungen dringend nothwendig, daß die großen Versendungen in Dünge­mitteln für die Landwithschaft nicht auf allzukurze Zeit­räume beschränkt, sondern daß die Lieferungs-Bestellungen gleichmäßiger auf das ganze Jahr vertheilt werden, so daß es möglich wird, die erforderlichen Wagen dieser Gattung stets rechtzeitig wieder heranziehen zu können und Mangel zu mildern. Für alle Wagen gilt aber, daß zu den Bezügen in Wagenladungen auf die volle Ausnutzung des Ladegewichts, sowie auf die schleunige Be- und Entladung der Wagen Bedacht genommen wird, damit thunlichst lange von einer allgemeinen Verkürzung der Ladefristen abgesehen werden kann. Die betheiligien Kreise werden von der.nigl. Eisenbahndirection er­sucht, im kommenden Herbst hiernach verfahrer und die erforderlichen Einrichtungen im allseitigen Interesse früh­zeitig treffen zu wollen.

Der diesmonatige amtliche >S a a t en st a nd s - bericht für Preußen hebt hervor, daß die naßkalte Witterung im allgemeinen ohne bedeutende Unter»

Ausland.

General Botha theilte in einer in Rotterdam ge­haltenen Rede mit, daß er von einem reichen Ameri­kaner Namens White die Summe von 500,000 Fr. für die Opfer des südafrikanischen Krieges erhalten habe.

Belgien. Wie groß die allgemeine Mißstimmung in Brüssel geworden ist, wird aus der Thatsache deut­lich, daß die höchste Stelle sich gezwungen sieht, in offiziöser Sperrschrift imJournal be Bruxelles" sich gewissermaßen zu rechtfertigen. Es wird in dieser Note erklärt, die Prinzessin Stephani hätte Spa verlassen, als sie erfahren hätte, daß sie an den offiziellen Cere­monien nicht Theil nehmen könnte. Vor ihrer Wieder- vcrheicathung, die gegen den formellen Protest ihrer Eltern 'erfolgte, fei ihr kundgegeben worden, daß sie künftig weder in B.lgien noch in Oesterreich an könig­lichen Ceremonien Theilnehmen könne. Der König hätte es nicht gemißbilligt, daß die Prinzessin am Todtenbette ihrer Mutter babe beten wollen; aber ihm war es unmöglich, einer ehemaligen belgischen Prin­zessin Vorrechte zuzugestehen, deren sie sich selbst ent­kleidet hätte. Auch wegen der Einfachheit der Leichen- ceremonien glaubt der König sich rechtfertigen zu müssen, inbem er sich auf eine Abmachung zwischen ihm und seiner verstorbenen Gemahlin beruft.

Indianapolis, 23. September. In Folge des Un­falls bei Pittsfield entwickelte sich in Roosevelt? linkem Unterschenkel ein kleiner Absceß. Die Aerzte erklären den Fall für in keiner Weise ernst und völlig gefahr- frei, entschieden sich aber aus übergroßer Vorsicht für eine sofortige Operation hierselbst. Roosevelt bricht seine Rundreise ab und kehrt nach Washington zurück. Dem ausgegebenen Bulletin zufolge war die leichte Operation bei Roosevelt um 472 Uhr Nachmittags beendet. Der Präsident wurde nicht chloroformirt. Roosevelt reiste um 7 7- Uhr Abends nach Washing­ton ab,