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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 76. Samstag, den 20. September 1902. 53. Jahrgang.
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(M^ pinf ITntPrhrPfll ^ ^er Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe vlUV ^Nrernrrn/NNZ so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Sept. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom l. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Deutsches Reich.
—Der Kaiser wird am 26. und 27. Okt. an den Hofjagden in Blankenburg im Harz theilnehmen.
Kronprinz Wilhelm hat nach Beendigung der Kaisermanöver in Westungarn und nach herzlicher Verabschiedung von Kaiser Franz Josef die Rückreise nach Deutschland angetreten; er traf am Mittwoch Nachmittag zur Jagd in Aken a. d. Elbe ein.
Kaiser Franz Joseph..verlieh von dem Gefolge des deutschen Kronprinzen dem Obersten von Pritzelwitz sein mit eigenhändiger Unterschrift versehenes Bild in einem Goldrahmen; dem Oberleutnant v. Stülpnagel wurde die eiserne Krone 3. Klasse verliehen. Der deutsche Kronprinz überreichte bem ihm zum Ehrendienste zugetheilten Feldmarschall-Leutnant Grafen Carl Auersberg den Rothen Adlerorden 1. Klasse und dein Oberst seines ungarischen Regiments Feigel den Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern.
Eisenbahnminister Budde befindet sich gegenwärtig auf einer Dienstreise durch Rheinland und Westfalen. Er will die Verkehrsverhältnisse in den- dortigen Bezirken kennen lernen.
Mit den Verhältnissen im deutschen Osten wird sich, wie es heißt, demnächst der preußische Kronrath beschäftigen. Im Kultusministerium zu Berlin fanden Besprechungen über die Verwirklichung der Kultur- Bestrebungen für die Provinz Posen statt.
— Als Anerkennung der besonderen Verdienste der Schifffahrtsgescllschast Norddeutscher Lloyd um die Truppentransporte der China-Expedition hat der Kaiser jetzt zahlreichen Herren der Verwaltung und aus dem Betriebe des Norddeutschen Lloyd sowie der Besatzung der an den Transporten betheiligten Dampfer die China-Denkmünze verliehen.
— In Berlin ist ein Comitee zusammengetreten, das die Errichtung eines Denkmals für Rudolf Virchow anstrebt.
— Der antisemitische Parteitag in Eisenach ist bereits geschlossen worden, nachdem es ihm gelungen ist, in zwei Sitzungstagen seine ganze Tagesordnung zu erledigen. Den wichtigsten Gegenstand des zweiten Berathungstages bildete ein Vortrag des Herrn Blobel über den deutschen Kaufmannsstand, seine Nothlage und seine Feinde. Die von dem Redner vorgelegte und ausführlich begründete Resolution forderte die mögt chste Ausschaltung des Zwischenhandels und die Beseitigung der Konsumvereine, des weiteren energische Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung und Förderung des Mittelstandes, insbesondere des Kleinhandels und im Zusammenhänge damit Neberwachung der Ringbildung, Ausbau der Börsenreform mit strengem Verbot aller Spielgeschäfte, Verschärfung der Konkursordnung, Verbesserung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb u. s. w. Nach einem Referat über die Entschuldung des Grundbesitzes wurde der Parteitag, über dessen Verlauf allseitige Befriedigung bestand, geschlossen.
Die Fürsorge der preußischen Eisenbahnverwaltung für die in ihrem Bereiche thätigen Arbeiter erstreckt sich jetzt nicht blos darauf, daß alle Arbeiter Gelegenheit erhalten, ein warmes Mittagessen zu sich zu nehmen, sondern es soll auch dem Mißbrauch geistiger Getränke auf der Arbeitsstelle entgegengewirkt werden. Die Arbeitgeber sollen, wie die „Nat.-Ztg." mittheilt, «»gehalten werden, außer alkoholischen Getränken auch genügend alkoholfreie Getränke, insbesondere frisches Trinkwasser, Kaffe und Thee für die Arbeiter zu beschaffen.
Berlin, 15. Sept. Die Ankunft der Buren-Ge- nerale Botha, Dewet und Delaray soll in der nächsten Woche erfolgen. In dem Hotel „Prinz Albrecht", w dem die Ankömmlinge absteigen werden, veran- stalten der Alldeutsche Verband und der Burenhilfs- bund ein Festdiner zu Ehren der Generale. Der Burenhilfsbund beabsichtigt außerdeni, den drei Buren- Ceneralen aus den ihm noch zur Verfügung stehenden Auteln eine Ehrengabe von 2QU 000 M. zu überreichen.
Ausland.
Haag, 16. Sept. Die Königin, welche von dem Prinzen Heinrich und der Königin-Mutter begleitet war, eröffnete heute die Generalstaaten mit einer Rede, in der sie zunächst auf die schwere Krankheit hin- wies, von der sie völlig wieder hergestellt sei. Die bei dieser Gelegenheit ihr von dem Volke bewiesene Liebe habe das Band, das sie mit demselben verbinde, noch inniger geknüpft. Die Beziehungen zu dem Auslande seien nach wie vor sehr freundschaftlich. Die Nachwirkung einer Krisis, die anderswo ausgebrochen sei, habe der Schifffahrt geschadet. Die Lage des Handels und der Industrie sei zufriedenstellend, die der Landwirthschaft nicht ungünstig.
Brüssel, 17. Sept. Die Blätter, welche die Thronfolgefrage in Luxemburg anläßlich der Erkrankung des Erbprinzen besprechen, machen den Vorschlag, das Großherzogthum, den Zankapfel der Großmächte, wieder an Belgien abzutreten.
London, 16. Sept. Dem „Standart" wird aus Shanghai gemeldet: Wie ein Berichterstatter aus Cheng-Tu-Fu meldet, drangen gestern bewaffnete Boxer- schaaren in die Stadt ein. Hierbei wurden einige Personen getödtet oder in den Straßen gefangen genommen. Die Läden sind geschlossen, die Lage soll ernst sein.
Kaiser Nikolaus hat dieser Tage in Kursk auf dem Bahnhof, wo er Abordnungen des Adels, der Landschaft und der Bauern empfing, Ansprachen gehalten. Zu den Vertretern des Adels sagt er u. a.: Der Schutz des Großgrundbesitzes werde seine unaufhörliche Sorge sein. Die Abordnung der Landschaft wurde vom Zaren ermähnt, dessen eingedenk zu sein, daß es die Aufgabe der Landschaft sei, die Befriedigung der örtlichen wirthschaftlichen Bedürfnisse zu regeln. An die Dorfältesten richtete der Zar folgende Ansprache: Im Frühling plünderten in einigen Gegenden der Gouvernements Poltawa und Chartow Bauern die benachbarten Wirthschaften aus. Die Schuldigen werden die verdiente Strafe erhalten, die Obrigkeit wird, dessen bin ich sicher, in Zukunft derartige Unruhen nicht zulassen. Ich erinnere auch an die Worte meines seligen Vaters, die er in den Tagen der Krönung an die Wolostältesten richtete: Hört auf Eure Adelsmarschälle, glaubt keinen thörichten Gc- rüchten. Denkt daran, fuhr der Kaiser fort, daß man nicht durch Besitzergreifung von fremdem Gut reich wird, sondern durch ehrliche Arbeit, Sparsamkeit und Leben nach den Geboten Gottes. Theilt alles, was ich Euch gesagt habe, den anderen Leuten in Eurem Dorfe mit, daß ich ihre wirklichen Bedürfnisse nicht ohne meine Fürsorge lassen werde.
New-Pork, 14. Sept. Wie eine Depesche aus Willemstadt meldet, haben die Aufständischen Rio Chico erobert und rücken jetzt gegen La Guayra vor. Sie haben Los Pequas in der Nacht des U. Sept. überrascht und 60 Mann von den Regierungstruppen getödtet und 109 verwundet. Die Regierung in Caracas hat ein Dekret erlassen, in dem allen binnen 40 Tagen sich ergebenden Aufständischen Amnestie versprochen wird. Das Dekret sagt ferner, da Matos ein Genosse der Fremden sei, weil er die Verwaltung der venezolanischen Finanzen einem Fremden versprochen habe, dürfte kein Patriot ihm weiter folgen.
— Nach einem Telegramm aus Port au Prince wurde der auf Seiten Firmins stehende General Chicoye, der beschuldigt wird, die Stadt Petit-Goave in Brand gesteckt zu haben, durch ein Militärgericht zum Tode verurtheilt und hingerichtet. — Einem Telegramm zufolge, rücken die Regierungstruppen zum Angriff auf Gonaibes vor.
Port au Prince, 13. Sept. Es liegen sichere Nachrichten darüber vor, daß der Rebellen-Admiral Killick die erste Explosion auf dem „Erbte ä Pierot" persönlich versucht hatte^und bei dem mißglückten Versuche umgekommen ist.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 19. September 1902.
* Die unserer heutigen Nummer beiliegende Abonnementseinladung empfehlen wir der gest. Beachtung und Weiterverbreitung unserer Leser. D. R.
st. Wie leicht man heutzutage verunglücken kann, zeigt ein Anfangs dieser Woche hier vorgekommener Fall. Ein hier wohnendes Fräulein stand, auf einen Zug wartend, auf dem Perron des hiesigen Bahnhofes, aber so nahe an dem Rand, daß der heranbrausende Zug sie mit Leichtigkeit hätte überfahren können. Nur durch energisa-es Zurufen des dienstthuenden Beamten, auf welches das Fräulein anfangs keine Achtung gab, konnte der gräßliche Unglücksfall verhütet Werben. Es kann immer noch nicht genug gewarnt werden, wie dieser Vorfall wieder so recht zeigt.
st. Wie uns von zuverlässiger S.ite mitgetheilt wird, ereignete sich heute Früh gegen 6 Uhr auf dem Bahnhof Wächtersbach ein Eisenbahnunfall. Der um diese Zeit von Frankfurt dort eintreffende Eilgüterzug 6U91, welcher auf Station Wächtersbach den Stückgüterzug 7221 zu überholen hatte, fuhr infolge falscher Stellung des Einfahrtssignals auf denselben auf. 5 Wagen des Stückgüterzuges entgleisten und
4 verbrannten infolge Explosion. Die Lokomotive des Eilgüterzuges wurde defekt. Außer dem Lokomotivführer des auffahrenden Zuges wurde Niemand verletzt.
f Gestorben ist in Marjoß der Förster Kranz.
* Zum Militär ausgehobene Rekruten müssen vor Antritt ihrer Dienstzeit ihre Jnvalidenkarte auf den Versicherungsbureaus abgeben da die Harten nur zwei Jahre giltig sind und andernfalls werthlos werden.
* * Die Tage werden merklich kürzer, die Dämmerung, insbesondere bei trübem Wetter, tritt früher ein und cs ist wohl schon jetzt an der Zeit, an die Beleuchtung der Hausfluren und Treppen zu erinnern. Dieselbe hat vor Eintritt der Dämmerung zu erfolgen. Wenn wir die Hausbesitzer an den Anspruch auf Schadenersatz bei eintretenden Unglücksfällen erinnert, i so geschieht dies in der wohlmeinendsten Absicht.
* * (Hanaucr Strafkammer). Am 2 Pfingstfeiertag kam der Gendarm zu Sterbfritz in eine dortige Wirthschaft, in welcher Tanzmusik war, um Feierabend zu (bieten. Der Schneider St. ärgerte sich darüber und empfing den Gendarmen mit einigen unfreundlichen I Zurufen. Nachher rief er dem Gendarmen auf der Straße noch mehrere Beleidigungen zu, wofür er fiel) vor dem Schwarzenfelser Schöffengericht zu verantworten hatte und 14 Tage Gefängniß erhielt. Den: Beleidigten wurde die Publikationsbefugniß zugesprochen. Der Angeklagte sowohl wie der Amtsanwalt haben Berufung eingelegt, welche aber verworfen wird.
* — Zwei staatliche Gewerbeschulen für Mädchen [ wird es vom 1. Oktober ab in Preußen geben, die eine in Rheydt im Regierungsbezirke Düsseldorf, die andere in Posen. Diese Letztere ist von der Regierung gegründet worden. Die Schule in Rheydt übernimmt die Regierung aus privater Leitung und richtet sie nach den Grundsätzen ein, die sich in Posen bewährt haben. Mit den Schulen wird ein Pensionat verbunden. Der Unterricht umfaßt zehn Lehrkurse, nähmlich die einfachen Handarbeiten, Kunsthandarbeiten, Manschienennähen, Anfertigung von Wäsche, Schneidern, Putzmachen, Kochen, Haushaltungskunde, Waschen und Plätten, Handelsfächer.
* Vom Tode errettet wurde gestern Vormittag auf der Eisenbahnstrecke Groß-Karben-Frankfurt ein alter, schwerhöriger Mann. Mit einer Sense über die Schulter gehangen, stand dieser Mann mitten auf dem Geleise hinter Groß-Karben, als der Zug bis auf eine kleine Entfernung an den Mann herangesaust kam. Erst im letzten Augenblick bemerkte der Lokomotivführer den Mann und konnte noch rechtzeitig den Zug zum Stehen bringen. Die Passagiere des vollbesetzten Zuges waren über das plötzliche, mit einem heftigen Ruck erfolgten Halten auf offener Strecke nicht wenig erschreckt,