chlüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 75, Mittwoch, den 17. September 1902. 53. Jahrgang.
9$Vt PtttP HntrrlllVffnnm *n der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Sept. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom l. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Deutsches Reich.
Das Kaiserpaar ist aus dem Manövergelände wohlbehalten nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückgekehrt wo am Sonnabend Mittag König Georg von Sachsen eintraf und der 10. Geburtstag der einzigen Tochter des Kaiserpaares, Prinzessin Viktoria Luise, gefeiert wurde.
Herzliche Trinksprüche zwischen dem deutschen Kaiser und dem König Georg von Sachsen haben gezeigt, daß die enge Freundschaft der Hohenzollern und Wettiner ewig eng bleiben wird. Der Kaiser überträgt seine allerinnigste Dankbarkeit, Anhänglichkeit und Liebe, mit der er an König Albert gehangen, auf König Georg und bittet, ihm die Huld, die ihm König Albert erwies, bewahren zu wollen. Der König versichert, daß er und sein Volk stets unentwegt zu Kaiser und Reich halten werden. Sonstige Festlichkeiten fanden bei dein hohen Alter des Königs und der noch andauernden Trauer nicht statt; am Sonntag ist der hohe Gast nach herzlichster Verabschiedung vom Kaiser nach Dresden zurückgereist. Der Kaiser wohnt in den ersten Tagen dieser Woche den Schlußmanövern der deutschen Flotte in der Nordsee bei.
— Der deutsche Kronprinz in Ungarn. Bei dem Empfange des deutschen Kronprinzen, auf dem Bahnhöfe in Sasvar, sagte der Obergespan Kramolin: Wir sind tief bewegt vor Freude, den liebwerthen Gast unseres allerseits mit Begeisterung umgebenen Königs in unserer Mitte ehrfurchtsvoll begrüßen zu dürfen. Der Kronprinz erwiderte: Ich freue mich ungemein, nach Ungarn gekommen zu sein und hoffe, mich hier wohl zu fühlen.
— Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Wilhelm begaben sich Freitag früh ins Manövergelände. Das Wetter war regnerisch. — Das Befinden der Königin der Belgier soll sich neuerdings verschlechtert haben. Es traten Atembeschwerde ein. — Königin Wilhelmina von Holland trifft in diesen Tagen in Aachen ein, um ihren zur Kur dort weilenden Gemahl auf mehrere Tage zu besuchen. Prinzgemahl Heinrich leidet an einem Gichtanfall an der rechten Schulter.
— Der Großherzog von Luxemburg zog sich vor einiger Zeit einen Beinbruch zu. Dieser Tage hieß es nun, der Erbgroßherzog hätte auch einen Schlaganfall erlitten, Gerüchte, die jetzt entschieden in Abrede gestellt werden. Der Erbgroßherzog führt, wie man weiß, für seinen im 86. Lebensjahre stehenden Vater die Regierungsgeschäfte. Er selbst ist bereits 52 Jahre alt und außer ihm ist kein direkter Thronerbe vorhanden, denn seiner Ehe sind bis heute „nur" sechs Töchter
entsprossen.
— Die Annahme scheint nicht unbegründet zu sein, daß bereits zu Beginn der zweiten Lesung der Zollvorlage in der Kommission die Frage der Fleischnoth in ausgiebiger Weise zur Verhandlung kommen wird. Wenn es von der bayerischen Regierung heißt, sie habe eine Enquete über den Umfang des behaupteten Vieh- und Fleischmangels in die Wege geleitet, so darf hinzugefügt werden, duß auch in den anderen Einzelstaaten der augenblicklich weit im Vordergründe stehenden Frage eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. In Preußen sind die Ober-Präsidenten zu eingehender Berichterstattung ausgefordert worden. Ein Theu der von den Zentralstellen veranlaßten einzelstaatlichen Erhebungen wird voraussichtlich zuin Wiederbeginn der zollpolitischen Verhandlungen vorliegen.
— Einen Vergleich zwischen den deutschen und den französischen Manövern zieht der militärische Bericht erstatter des Londoner „Standard", der den Manövern auf beiden Seiten beiwohnte. Er erklärt, einen lehrreicheren Gegensatz nie gesehen zu haben. Die Franzosen verachten die Lehren des südafrikanischen Krieges während die deutsche Infanterie heute zur wundervollen Disziplin, Energie und geschickten Handhabung der Waffe jene Anpassungsfähigkeit an die gegebenen Terrainverhältnisse hinzugefügt hat, die ein Ergebniß der Taktik im südafrikanischen Krieg ist. Der Unter-
schied zwischen dem deutschen Angriff und dem franzö-1 erschienen war. Bei dem Morgens von 6 Uhr ab ' d stattfindenden Wetturnen waren die Herren Rentmeister
fischen gleiche bem zwischen der modernen Schlacht und Waterloo. Hinsichtlich unserer Artillerie ist der Herr der Ansicht, daß sie der englischen an Geschicklichkeit
und Beweglichkeit nachstehe.
— Der preußische Kriegsminister hat über die Entlassung der Reservisten verfügt, daß alle zur Entlassung kommenden Mannschaften spätestens bis zum 30. September verabschiedet sein müssen. Diejenigen Reservisten, die noch Arreststrafen zu verbüßen haben, können nicht zurückgehalten werden, sondern werden den Be- zirkskommandos ihres Entlaffungsortes zur Verbüßung der Strafe überwiesen.
Darmstadt, 12. September. Heute Nachmittag um 4 Uhr erfolgte in Anwesenheit des Großherzogs und der Prinzessin Elisabeth von Hessen, der Prinzessin Ludwig von Battenberg und Kinder, der Prinzessin Friedrich Carl von Hessen und des Prinzen und der Prinzessin Franz Joseph von Battenberg die feierliche Enthüllung des von hessischen Frauen und Jungfrauen gestifteten Denkmals für die am 14. Dezember 1878 verstorbene Großherzogin Alice von Hessen.
Berlin, 13. September. Die „Berl. Ztg." giebt unter Vorbehalt folgendes Telegramm aus Posen wieder: Als gestern die Zimmerleute daran gingen, die Tribüne vor dem ehemaligen Berliner Thor abzubrechen, vor der am Abend des 2. September die Mitglieder der Stadtbehörden das Kaiserpaar beim Einzug in die Stadt Posen empfingen, entdeckten sie im Erdboden gerade in der Mitte unter der Tribüne ein Loch in dem ein Posten Dynamit und Bleikugeln aufbewahrt waren. Auch eine Zündschnur soll neben dem Pulver gelegen haben. Polizeibeamte sperrten die Umgebung und den Fundort ab.
Düsseldorf, 12. September. Bei dem anläßlich der Provinzialthierschau abgehaltenen Frühstück hielt der Minister v. Podbielski eine Ansprache, in welcher er aussührte, daß von einer Viehnoth in Deutschland, soweit Rinder und Schase in Frage kommen, überhaupt keine Rede sein könne und das Anziehen der Schweinepreise eine vorübergehende alljährlich im Sommer eintretende Erscheinung sei. Wenn sie diesmal mit besonderer Schärfe hervorirete, so trage der Futterreichthum im Laufe des Sommers, andererseits aber auch die Klagen eines Theiles der Presse über Fleischmangel, welches manche Landwirthe zur Zurückhaltung veranlaßte, mit Schuld daran. Von einer erweiterten Oeffnung der Grenze könne aus diesen Gründen und andererseits wegen der Seuchengefahr keine Rede sein. Die Ansprache klang in ein Hoch auf die rheinische Landwirth
schaftskammer aus.
Ausland.
Petersburg. Wenn die Kaiserin Alexandra auch noch nicht vollständig wiederhergestellt ist, so giebt ihr Zustand doch zu keinerlei Besorgnissen Veranlassung. Der Zar hat daher auch beschlossen, den Marinefestlich- keiten beizuwohnen, die auf der Rhede von Sebastopol anläßlich des Stapellaufs eines großen Kreuzers und der Kiellegung eines anberen Kreuzers stattfinden sollen. Es ist dies das erste Mal, daß der Kaiser derartigen Marinesesten am Schwarzen Bteere beiwohnt, und ist als ein Beweis dafür anzusehen, daß der Zar gleich dein deutschen Kaiser die Ausgestaltung der Kriegsmarine für eine besonders wichtige Zeirforderung hält. — Nach Petersburger Hofmeldungen ist die Verlobung des russischen Thronfolgers Großfürsten Michael mit der italienischen Prinzessin nahe bevorstehend. Der Thronfolger wird aus diesem Anlässe demnächst Rom besuchen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 16. September 1902.
st. Am Sonntag hielt der hiesige „Turnverein" sein diesjähriges Abturnen in Verbindung mit einem Wettturnen ab. Hierzu war der Steinauer Turn verein eingeladen worden, welcher auch recht zahlreich
Aug. Kohlstädt als I. Vorsitzender, Jean Alt, Fr. Dittert, Gg. Buß, Karl Gelhaar, Jean Freund und Konrad Freund als Beisitzer des Preisrichterkollegiums anwesend. Es waren insgesammt 51 Turner zu dem friedlichen Wettkampfe in die Schranken getreten, davon entfielen 26 auf die I Riege und 25 auf die Zöglingsriege. Die Leistungen der in Konkurrenz tretenden Turner waren im Ganzen recht gut und erhielten folgende Turner Preise:
1. Preis Martin Frischkorn, Steinau
68’/< Punkte
2.
Heinrich Kreß, Schlüchtern Philipp Müller, „
64
64
3.
//
Joseph Junker,
62
ff
4.
ff
Heinrich Amend, Steinau
60
5.
rr
Adam Roth, „
593/4
ff
6.
rr
Christian Urbach, Schlüchtern
57 7i
ff
7.
rr
Rud. Diegelmann, „
567,
8.
r#
August Schilling, Steinau
557,
ff
9.
rr
Georg Simon, „
5b
ff
10.
//
Fritz Frischkorn, „
54
ff
11.
//
Julius Romeiser, Steinau
53
ff
12.
rr
Philipp Denhardt, Schlüchtern
52
ff
13.
ff
Leopold Seelig, „
51'/,
fr
14.
ff
Georg Zipf,
51
rf
15.
Nikolaus Bolcnder, „
50 7,
16.
August Müller, „
47 7a
rr
17.
Nikolaus Frischkorn, Steinau
Heinrich Müller, „
4574 457,
Bei Zöglinge
dem Zöglingswettturnen erhielten folgende Preise:
1.
Preis Heinrich Gold, Steinau
637,
Punkte
2.
ff
Theodor Fitzau, Schlüchtern
6271
fr
3.
Joh. Andres, Steinau
61
rr
4.
ff
Heinrich Lotze, Schlüchtern
60
5.
Johannes Knobeloch, Steinau
59 71
rr
6.
ff
Heinrich Freund, Schlüchtern
587,
rr
7.
ff
Heinrich Zipf,
57
rr
8.
ff
Ferd. Föller,
’567,
rr
9.
Nikolaus Alt, „
557,
10.
Andreas Kuprian, Steinau
55
rr
11.
ff
Sally Köstrich, Schlüchtern
547,
rr
12.
ff
Joh. Orth,
53 7<
rr
13.
ff
Johannes Log, Steinau
527,
rr
14.
ff
Wilh. Höbeler, „
52
,/
15.
ff
Wilhelm Rüttger, „
487t
rr
16.
ff
Fritz Keim, „
48
rr
17.
rr
August Pauli, Schlüchtern
47
rr
18.
rr
Heinr. Herd, Steinau
46 7»
rr
19.
rr
Joh. Euler, „
45 7i
rr
Nachmittags um 3 Uhr begann dann das Schauturnen, welches mit einem Stabreigen des hiesigen Vereins seinen Anfang nahm. Die Pyramiden waren kunstvoll ausgeführt, und bewiesen, daß sich Herr Turn- wart Hch. Kreß alle Mühe gegeben, um beim Abturnen mit seiner jungen Turnerschaar etwas gutes zu leisten. Bei den nachfolgenden Uebungen an Barren, Reck und Pferd könne man so recht sehen, daß die Leistungen der beiden Vereine vorzüglich sind, was auch der stürmische Applaus nach jeder Nummer deutlich zeigte. Wir können mit Recht sagen, daß der hiesige Turnverein uns alle Ehre macht. Am Abend vereinigten sich dann noch die Söhne Jahn's zu einem lustigen Tänzchen, welches die Festtheilnehmer noch bis zur frühen Slorgeuftunbe in der heitersten Stimmung zusammenhielt. Mit der Devise: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" rufen wir den Jüngern der edlen Turnsache ein dreifaches „Gut Heil" zu!
Dem Gendarmerie-Oberwachtmeister Rollmann zu Ziegenhain ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
* — Neue Frachtbriefformulare. Wie uns von zuständiger Stelle mitgetheilt wird, verlieren die nach dem internationalen Uebereinkommen vom 14. Oktober 1890 vorgeschriebenen Frachtbriefe für den internationalen Frachtverkehr mit dem 9. Okt. ihre Gültigkeit. Vorn