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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 74.

Samstag, den 13. September 1902.

53. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf gestern um 4 Uhr 30 Minuten mit einem Schimmel-Viererzug aus dem Manöverge- lände in Sonnenburg ein. Tausende von Landleuten aus dem Warthebruch und dem Sternberger Lande, sowie die Sonnenburger Bürgerschaft brachten ihm jubelnde Ovationen dar. Der Kronprinz kam mit einem Automobil. Die Begrüßung gestaltete sich noch enthusiastischer als am 23. August 1688 bei der Ueber­nahme der Protektorwürde des Johanniterordens. Abends fand ein Diner im Jagdzelt im Schloßpark statt. Das Leibgrenadier-Regiment stellte die Ehren- kompagnie mit Musik.

Während der Kaisermanöver wird der Kaiser als Oberschiedsrichter thätig sein; an den Tagen, wo er selbst den Befehl übernimmt, geht das Amt des Oberschiedsrichters auf den Prinzen Albrecht, Regenten von Braunschweig, über, dem der Generalmajor von Goßler, Oberquartiermeister vom Großen Generalstabe, zugetheilt ist.

Die Prinzessin Luise vollendet heute Sonn­abend ihr 10. Lebensjahr, die Feier wird einen etwas offiziellen Charakter tragen, da auch König Georg von Sachsen an diesem Tage Gast des Kaiserpaares sein wird.

Das Kultusministerium hat eine Auszeichnung für Lehrerinnen geschaffen, die in ihrer Lehrthätigkeit sich besonders bewährt haben und für die daher bei ihrem Scheiden aus bem Dienst die stätische Unterrichtsver- Waltung um eine staatliche Anerkennung ersucht hat. Als eine solche Auszeichnung hat der Kultusminister das Porträt der Kaiserin bestimmt. Es ist ein im Kunstdruck hergestelltes farbenreiches Bild, das die hohe Frau im Schmuck der Herrscherin zeigt. Jedes Bild trägt die faksimilirte Unterschrift der Kaiserin, Das Porträt befindet sich in einem stark vergoldeten Rahmen.

Von der Reklamation. Die Ministers des Krieges und des Innern haben dem § 33. No. 4 der Wehrordnung durch eine jüngst erlassene Verfügung eine Auslegung gegeben, die im Gegensatz zu der früher vertretenen Praxis steht. Hiernach ist das Vor­handensein eines über 26 Jahre alten Bruders, der früher zum Zwecke der Unterstützung seiner Eltern von der aktiven Dienstpflicht befreit wordens ist, sich aber inzwischen, noch vor der Musterung des Rek- lamirten, verheirathet hat und durch seinen eigenen Hausstand außer Stand gesetzt ist, die reklamirten Eltern zu unterstützen, kein Grund, die Reklamation eines jüngeren Sohnes, der nach Lage der Verhältnisse als einzigige Stütze der Eltern zu betrachten ist, als unbegründet zurückzuweisen. Es folgt dies aus der Erwägung, daß über 26 Jahre alte, vor der Musterung des Reklamirten verheiratete Brüder, die durch ihren eigenen Hausstand außer Stand gesetzt sind, die reklamirten Eltern zu unterstützen, angesichts der Vor­schrift im § 33,3 Abs. l der Wehrordnung nicht mehr alszur Unterstützung ihrer Eltern Verpflichtete" im Sinne des § 33 Nr. 4 der Wehrordnung anzusehen sind. Den die entgegengesetzte Auffassung vertretenden Erlaß heben die Minister auf.

DasArmeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine Kabinetsordre, betr. Abänderung der Verordnung über die Ehrengerichte der Offiziere im preußischen Heere, wonach die den Ehrengerichten unterworfenen Sanitätsoffiziere der Armee und Marine, sowie der Schutztruppen in einem ehrengerichtlichen Verfahren gegen einen Offizier als Zeugen nicht zu vereidigen sind, sondern die Richtigkeit ihrer Aussage auf Ehre und Pflicht zu versichern haben.

Der frühere Oberpräsident von Pommern, Graf Behr, der im Jahre 1891 seinen Abschied nahm, ist am Dienstag im Alter von 56 Jahren gestorben. Er fieberte einst auch dem Reichstage an.

Ausland.

In Jalien hat es zwischen Ausständigen und Militär wieder einen jener blutigen Zusammenstöße gegeben, wie sie dort nicht selten sind. In Candelar traten infolge von Lohnstreitigkeiten 400 Landarbeiter in den Ausstand und besetzten die Ausgänge des Orts, um Arbeitswillige zu hindern, sich auf die Güter zu begeben. Die Gendarmerie versuchte, die Ausständigen zu überreden, die Freiheit der Arbeit zu achten; aber die Leute griffen einen Wachtmeister an und ver­

wundeten ihn schwer durch Stockschläge. Als Militär ankam, wurde es mit Steinwürfen empfangen, wodurch mehrere Soldaten verletzt wurden. Dem Gendarmerie- Wachtmeister und einem Gendarmen wurden die Ge­wehre entrissen. Das Militär sah sich genöthigt, Feuer zu geben, wobei 5 Personen getödtet und 10 ver­wundet wurden. Die Lage der italienischen Land­arbeiter ist bekanntlich eine sehr traurige.

Die portugiesischen Streitkräfte im Norden von Benguella nahmen nach einem Gefechte, in dem mehrere Eingeborene fielen, die Unterwerfung der Sacco-Eingeborenen entgegen.

London, 9. Sept. Botha, Dewet und Delarey fuhren heute Nachmittag 4 Uhr 30 Min. in einem Omnibus von Horrex' Hotel nach den Docks, stürmisch begrüßt von einer großen Volksmenge. Wie derGlobe" erfährt, hat die Admiralität Nachricht von einem ernstlichen Gefecht erhalten, das im Persischen Golf zwischen der Besatzung des KanonenbootesLapwing" und einem Sklavenschiff stattfand. Ein Matrose wurde getödtet und mehrere verwundet.

Amerika. Präsident Roosevelt scheint von seinem Unfall vollkommen wiederhergestellt zu sein, er hat Oysterbai wieder verlassen und auch schon wieder eine Rede halten können. Der Präsident besucht gegen­wärtig die Südstaaten der nordamerikanischen Union. Auch die jüngste Rede des Präsidenten. Hat wieder den Trusts gegolten. Die vereinigten Manöver der nordamerikanischen Armee und Flotte sind soeben zu Ende gegangen. Zuletzt führte die Flotte einen An­griff auf die Forts des Hafens Newport aus. Diese wurden nach allen Regeln der Kriegskunst genommen und damit die Einfahrt in den östlichen Theil des Long-Jsland-Sundes erzwungen, womit sich diefeind­liche" Flotte den Zugang zu New-York gesichert hatte. Die Manöver haben gleichzeitig den völligen Beweis für die hohe Bedeutung der drahtlosen Telegraphie für Kriegszwecke erbracht.

Washington, 9. Sept. Im Staatsschatz befinden sich gegenwärtig 573 936194 Doll. Gold, der größte Goldbetrag, der jemals vorhanden war, und, wenn man vom Bestände des russischen Staatsschatzes vor acht Jahren absieht, der größte Goldvorrath, den jemals seit Menschengedenken ein Land im Staatsschatz hatte. Der Bestand mehrt sich täglich um 200 000 bis 300 000 Dollars, und für die nächste Zeit ist eine Abnahme nicht zu erwarten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 12. September 1902.

):( Die dieser Tage vom hiesigen Lehrerseminar abgegangenen 29 Schulamtskandidaten werden sofort Verwendung im Schuldienst finden, da zur Zeit viele Stellen in unserem Regierungsbezirk unbesetzt sind und der Mangel an Volksschullehrern immer mehr zunimmt.

st. Am Sonntag, den 14. September feiert der hiesigeTurnverein" sein diesjähriges Abturnen in Verbindung mit einem Wett turnen. Das letztere findet von Morgens 6 Uhr statt und dürfte, da recht gute hiesige und auswärtige Turner in Konkurrenz stehen, einen recht interessanten Verlauf nehmen. Mittags um 3 Uhr Schauturnen verbunden mit Konzert. Ein solennes Tänzchen, welches Abends in der Turnhalle stattfindet wird den Abschluß der Festlichkeit bilden. Mit einem dreifachenGut Heil" wünschen wir dem hiesigen Turnverein den besten Erfolg!

st. Stammbuch der Lotichier aus Schlächtern. Unter diesem Titel erscheint soeben ein interessantes Werk der Lotichiersorschung. Der Herausgeber desselben, Herr August Heimpel in Frankfurt, ein Nachkomme der Lotichier, hat es verstanden, in demselben die Geschichte seiner berühmten Familie zu einem über­sichtlichen Ganzen zusammenzustellen. Das Material hat der Verfasser zum Theil aus Kirchenbüchern, Chroniken rc. herausgezogen. Was die Ausstattung des Buches betrifft, so ist diese die denkbar beste. Der Druck ist auf feinem weisen Glanzpapier sauber herge­stellt. Der Inhalt selbst ist durch einige Porträts re. und verschiedene Familien-Stanynbäume erläutert und für Jedermanns Verständniß geschrieben. DaS Buch wird sicherlich den Freunden der Familie Lotichier willkommen sein und können wir seine Anschaffung bestens empfehlen. Ein Exemplar des Werkes kann in unserer Expedition eingesehen werden.

st. Die 55. Hauptversammlung des evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung findet, nach einer uns zugegangenen Mittheilung, vom 23.-25. Septbr. in Cassel statt.

Vom Königlichen Meliorations-Bauamt in Fulda geht uns folgende Mittheilung zu: Mit der Beendig­ung der Grummeternte beginnt die Zeit der erfolg­reichsten Bewässerung der Wiesen, der düngenden Herbstbewässerung. Das Wasser führt im Herbst die meisten gelösten, düngenden Bestandtheile, und seine Temperatur ist zu dieser Jahreszeit die zuträglichste. Jede verfügbare Wassermenge muß im Herbst für die Bewässerung nutzbar gemacht werden. Ist die ver­fügbare Wassermenge gering, so muß eine Abtheilungs­weise Bewässerung stattfinden. Die Herbstbewässerung aber wegen Wassermangel zu unterlassen, ist ein großer Fehler. Leider wird jedoch dieser Fehler nach den hier gemachten Erfahrungen in hiesiger Gegend nur zu oft begangen und die Bewässerung meist nur bei höheren Wafferständen/ d. h. im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze gehandhabt. Zu dieser Zeit führt aber das Wasser fast gar keine düngende Bestandtheile und hat dann außerdem eine für die Bestockung der Gräser unverträglich niedrige Temperatur. Insbesondere schwerer Thon- und Lehmboden, der sich ohnehin im Frühjahr nur langsam erwärmt, muß im Frühjahr an sonnigen Tagen unbedingt dem Einfluß der warmen Außenluft ausgesetzt und darf deshalb am Tage nicht bewässert werden. Es ist nicht gesagt, daß jede Be­wässerung im Winter oder Frühjahr schädlich ist, aber sie muß mit größter Vorsicht ausgeführt werden. An warmen trüben Tagen kann auch im Winter und Frühjahr gewässer werden, insbesondere auf sonst sehr trockenen Flächen. Um aber im Herbst selbst bei niedrigen Wasserständen wässern zu können, ist es un­bedingt erforderlich, daß sofort nach der Grummet­ernte die Gräben geräumt und die Schleusen und Durch­lässe in ordnungsmäßigen Zustand gesetzt werden. Daß dieses geschieht ist bei den bestehenden Genossen­schaften Sache des Genossenschaftsvorstandes. Die hier­für gemachten Aufwendungen werden sich bei sachge­mäßer Bewässerung reichlich lohnen. Ich ersuche nach Vorstehendem um gefl. weitere Veranlassung, und theile gleichzeitig mit, daß Anfang Oktober eine Schau der Genossenschaftsanlagen stattfinden soll. Es muß erwartet werden, daß dann sämmtliche Anlagen im Stand gesetzt sind und die Herbstbewässerung bereits im Gange ist. Eine etwaige künstliche Düngung wird am besten nach Beendigung der Herbstbewässerung ausgeführt, zumal dann am besten beurtheilt werden kaun, welchen Flächen durch die Wässerung ant wenigsten Düngstoffe zugeführt sind. Auch eine etwaige vorsichtige Beweidung der jeweils nicht bewässerten Abtheilungen ist nicht ausgeschlossen.

Der Königliche Meliorations-Bauinspektor: Schüngel.

Ulmbach, 9. Sept. Der hiesige Landwirth Klug, der seinen Freund Happ vor einigen Monaten mit dem Messer mißhandelt hatte, wurde gestern von der Hanauer Strafkammer wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt.

Q Salmünster, 11. Sept. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, feierte am verflossenen Sonntag der Rad­fahrer-VereinGermania" hier, in der Gartenwirth­schaft des Herrn Jg. Wolf sein Stiftungsfest, welchem ein Vereinsstraßen-Rennen, Straße: Salmünster Steinan und zurück, vorausging. Die Betheiligung seitens des Vereins an den Rennen war eine gute. Dem noch jungen Verein, welcher sich gut entwickelt und gute Kräfte aufzuweisen hat, rufen wir auf sein ferneres Blühen und Gedeihen ein kräftigesAll Heil" zu!

Gelnhausen, 9. Sept. Im provisorischen Bade­hause für die Sprudel-Bäder wurde gestern das lOOOfte Bad verabfolgt. Gewiß ein sehr erfreuliches Resultat, wenn man berücksichtigt, daß das Badehaus mit 4 Badezellen erst am 1. August d. I. eröffnet wurde, sowie daß man bezüglich der Soole-Zuführung an­fangs unter sehr erschwerenden llmftänben zu leiden hatte. Der Besuch der Bäder steigerte sich von Woche zu Woche, besonders als sehr erfreuliche Heilerfolge zu verzeichnen waren. Neben der hohen 3'/270 Soole, ist es wohl die starke Kohlensäureentwicklung, welche die Bäder so außerordentlich angenehm, erfrischend und zugleich so sehr stärkend machen. Dem Land;