beim Deutschen Automobil-Klub in Berlin, Sommerstraße 4a, und führt über Charlottenburg, Potsdam, Bitterfeld, nach Halle a. S., woselbst im Grand Hotel das Ziel des ersten Tages ist. Am 29. d. M. geht der Weg über Weißenfels, Naumburg, Kösen, Weimar, Erfurt, Gotha nach Eisenach: Ziel am Kaiserhof. Am •30. d. M. Abfahrt von Eisenach am Nikolaithor über Vacha, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau, Ziel: Hotel Adler. Von dort Nachmittags 5 Uhr weiter nach Frankfurt a. M., Ziel: Frankfurter Hof. Unterwegs werden sich noch andere Klubs, so der Leipziger- Halle'sche-, Hannover'sche-, Mitteldeutsche Automobil- Klub rc. der Fahrt anschließen. Wie wir hören, werden für die Mitglieder der Klubs Erinnerungsmedaillen vom Deutschen Automobil-Klub ausgegeben werden, aber nur unter der Bedingung, daß der betr. Fahrer wegen Uebertretung straßenpolizeilicher Verordnungen zu keiner polizeilichen oder gerichtlichen Strafe Veranlassung gegeben hat.
Bad Orb, 26. August. Der dahier abgehaltene erste Kreis-Feuerwehrtag war stark besucht. 59 Feuerwehren waren durch 125 Delegirte vertreten. Der zweite Kreis-Feuerwehrtag wird in Gelnhausen statt- finden.
Soden, 25. August. Hier machte in vergangener Nacht der Einwohner Görke seinem Leben durch Erhängen ein Ende.
Hersfeld, 27. Aug. Der Königl. Landrath, Herr Geh. Reg.-Rath Freiherr von Schleinitz hat folgende allgemein beherzigenswerthe Bekanntmachung erlassen: „Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks um so größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt nach begonnener Ernte die Scheunen mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich, ein jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlich erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge. Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 die Abhaltung von Hauskollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt wird. Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung von Streichhölzern zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen daniit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Auch die Herren Lehrer wollen hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken."
Breitenbach a. d. Fulda, 25. August. Wie vorsichtig man selbst bei den geringfügigsten Verletzungen sein soll, beweist folgender traurige Fall. Die Wittwe Döttcher von hier, eine in den besten Jahren stehende Frau, stach sich eine Distel in den Finger. Ohne die unbedeutende Verwundung zu beachten, ging sie nach wie vor ihrer gewohnten Beschäftigung nach, bis die Wunde einen bösartigen Charakter annahm und der Arm anschwoll. Der nun herbeigeholte Arzt stellte Blutvergiftung fest und obwohl ein zweiter Arzt noch zur Behandlung hinzugezogen wurde, so war es doch nicht möglich, das Leben der bedauernswerlhen Frau zu erhalten.
Homberg, 26. August. Nur wenige Tage guten Wetters hat es bedurft, um auch die Weizenernte zu bergen. Schwer war die Arbeit, da durch den lang anhaltenden Regen es meistens lagerfeucht war und die Mähmaschinen nur wenig in Thätigkeit treten konnten. Hafer und Bohnen sind noch nicht reif, doch hofft nian, bei fortgesetzt günstigem Wetter auch hie- mit bald fertig zu werden. Die Erträge an Körnern sind überall recht günstig.
Kirchhain, 26. Aug. Der heute hier stattgefundene Viehmarkt war verhältnißmäßig für die vorgeschrittene Jahreszeit noch gut betrieben. In geringer Zahl war frischmilchendes Vieh angetrieben, da solches um diese Zeit nicht niehr so leicht käuflich ist, aber mehr war Jungvieh, Zuchtkälber und Mastvieh angetrieben. Im ganzen standen ungefähr heute Morgen 425 Stück zuni Verkauf. Alles Vieh wurde am Eingang zum Marktplatz thierärztlich untersucht. Das Geschäft im Vorverkauf, das gewöhnlich Tags vorher sich abwickelt, war infolge starker Nachfrage, ziemlich lebhaft und wurde hier schon ein Theil des zugetriebenen Viehes abgesetzt. Auf dem Markte herrschte, da die Nachfrage ziemlich stark war, viel Kauflust. Sehr begehrt und gut bezahlt war Milchvieh, daß eben wenig angetrieben war. Hohe Preise erzielte junges Mastvieh erster Qualität; letzteres wurde der Centner Lebendgewicht mit 5 M. bezahlt. Auch vollfleischige Mastkälber höchsten Schlachtwerthes waren sehr begehrt und wurden auch gut bezahlt. Zuchtkälber, die in größerer Anzahl angetrieben waren, wurden viel von Landleuten gekauft. Der Markt hinterließ keinen Ueberstand. Auf hiesiger Statiou wurden 38 Waggon Vieh veriaden. Der mit dem Rindviehmarkte verbundene Schweinemarkt war verhältnißmäßig gut befahren, ungefähr ß40 Stück. Der Handel war, da die fetten Schweine
gegenwärtig hoch im Preise stehen, gut und brächte ■ grüßungsreden legen Delegirte das Programm des Kon- auch gute Preise. Kleine Schweine kosteten das Paar^ je nach Alter und Qualität 28 bis 38 Mt. Der Markt
wurde vollständig geräumt.
Frankfurt a. M. Ueber den Besuch der Stadt, Frankfurt a. M. durch König Viktor Emanuel wird folgendes gemeldet: Der König von Italien trifft am Sonntag den 31. August, um 6 Uhr Abends, von Potsdam kommend, mit großem Gefolge in Frankfurt a. M. am Hauptbahnhof ein und steigt im Hotel Jm- perial am Opernplatz ab. Auf dem Wege vom Bahnhof nach dem Hotel wird er von einer Schwadron des Husarenregiments Nr. 13 König Humbert von Italien eskortirt. Hierauf findet auf dem Opernplatz eine Parade des Regiments statt, die der König zu Pferde abnimmt. Nach der Parade gibt das Offizierkorps des Husarenregiments ein Diner im Hotel Jmperial, an welchem 7u Personen theilnehmen werden. Gegen 9 Uhr setzt der König die Reise nach Rom fort.
Frankfurt, 28. August. Hier erschoß heute Morgen der 35 Jahre alte Ludwig Kratz aus Garsing sich selbst und seine 22 Jahre alte Geliebte Rosa Doll, welche von ihrem ersten Manne geschieden war und aus Kleeheim (Bayern) stammt. Das Paar hielt sich erst seit 14 Tagen in Frankfurt auf. — Aus dem Fenster ihrer im 2. Stock gelegenen Wohnung stürzte sich heute Morgen die Wittwe des vor einiger Zeit verstorbenen Kaufmanns Katzenstein, die durch den Tod ihres Mannes irrsinnig geworden war. Sie wurde mit zerbrochenen Gliedern ins Hospital gebracht. Ihre Verletzungen sind lebensgefährlich.
Frankfurt, 27. Aug. An der Pumpstation in der alten Mainzer Gasse wurde heute Morgen der abgetrennte Kopf einer Kindesleiche gefunden.
Rüdesheim, Rhein, 26. August. Der 60 Jahre alte Tagelöhner I. Barth versuchte seine etwa 55 Jahre alte alleinstehende Schwester zu ermorden. Als Mordwaffe benutzte der Thäter ein ziemlich dickes Brett, überfiel damit seine Schwester und brächte ihr schwere Verletzungen am Kopfe bei. Der Thäter ist verhaftet.
Aus der Rhön, 26. August. Der demnächst zur Eröffnung kommende, von alldeutschen Verehrern gestiftete „Bismarck-Aussichtsthurm" auf dem Oechsenberg, dem nördlichsten Ausläufer der Rhön, ist von Baumeister Herwegen zu Eisenach in einer Höhe von 12 Meter ausgeführt worden. Der nach oben sich schwach verjüngende Thurm ist vierkantig, aus Basalt vom „Oechsen" erbaut und hat drei Etagen, die Festräume erhalten; oben läuft ein Umgang, und die Spitze stellt eine Feuerpfanne dar. Am Sedantag erfolgt die Einweihung.
Aus dem Soling, 26. Aug. Am Sonntag spielte sich in Deiderode ein blutiges Drama ab. In einer Wirthschaft saß ein Trupp junger Leute und tranken ihr Glas Bier, unter ihnen auch der 24jährige Weißbindergeselle Albert Schreiber. Mit letzterem be- kam ein gleichzeitig im Lokal anwesender ostpreußischer Dienstknecht Reibereien, die zu Thätlichkeiten führten. Der Ostpreuße entfernte sich, holte ein dolchartiges Messer herbei und brächte seinem unglücklichen Gegner mehrere Stiche bei, von denen einer die große Schlagader der Weichtheile des Unterleibs durchschnitt, sodaß der Getroffene zusammenbrach. Nach Anlegen eines Nothverbands durch Herrn Dr. Müller-Gr.-Schneen, wurde der Verletzte in die Klinik nach Göttingen über- führt, wo er bereits gestern Abend gestorben ist. Der rohe Bursche, welcher die That ausgeführt, wurde gestern verhaftet und dem Amtsgerichtsgefängniß Reinhausen zugeführt.
Vermischtes.
München, 27. Aug. Zum Einsturz der Cornelius- Brücke wird gemeldet: Der eingestürzte Bogen maß in der Länge 38 Meter und in der Breite 18'/, Meter. Kurz vorher angestellte Meffungen bei einer Besichtigung konnten nichts Verdächtiges ergeben. Die an der Brücke beschäftigten 40,Arbeiter stürzten mit in die Tiefe. 16 wurden schwer, 14 leichter verletzt. Von den ersteren sind zwei inzwischen gestorben. Die Ursache des Zusammenbruchs wird erst durch die amtliche Untersuchung festgestellt werden können. Ausreichende Hilfe war sogleich an der Unglücksstelle anwesend. Der bauleitende Ingenieur ist selbst mit ab- gestürz, hat aber keinen Schaden genommen. Der Menschenandrang zu der Unglücksstätte ist ungeheuer.
Coblenz, 27. Aug. Die Hauptversammlung des Deutschen Apothekervereins wurde heute in Gegenwart des Oberpräsidenten Nasse durch den stellvertretenden Vorsitzenden Medicinalrath Dr. Vogt eröffnet.
Der Passagierdampfer „Billwärder", mit 114 Mitgliedern eines Vereins an Bord, stieß nachts oberhalb Hamburg mit beut Passagierdampfer „Adalbert" zusammen. Es herrschte große Bestürzung. Zehn Passagiere sind verletzt worden. Der „Billwärder" traf den „Adalbert" vor dem Radkasten. Der „Adalbert" ist leicht beschädigt, jedoch nicht gesunken.
In Ostcridc wurde am Dienstag der internationale Kongreß für Handel und Industrie eröffnet. Auf demselben sind alle europäischen Regierungen sowie die Vereinigten Staaten und Mexiko durch bevollmächtigte Delegirte vertreten, Nach dem Austausch von Be-
gresses dar.
In dem Badeorte Filuy ertranken dieser Taae fünf Kinder, indem sie auf ihrem Spielplätze von der hereinbrechenden Fluth überrascht wurden. Rettungsversuche blieben erfolglos.
Bloemfontcin, 25. Aug. Gestern Abend ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück an der hiesigen Station. Eine. Rangir-Lokomotive stieß mit einem Zuge zusammen, in welchem sich Flüchtlinge befanden die nach Johannesburg zurückkehren wollten. Die an der Spitze des Zuges befindlichen Wagen wurden zertrümmert. Mehrere Frauen und Kinder kamen ums Leben, die Verletzten wurden ins Hospital gebracht
Kleine Mittheilungen.
— Der Mörder der Justizräthin Jsmer in Potsdam ist festgenommen und hat jetzt ein Geständnis seiner That abgelegt. — Von Bauernburschen zu Tode geprügelt wurde in der Sonntag Nacht in Ulnet ein italienischer Bahnarbeiter. -- Bei den zur Zeit in der Nähe von Metz' stattfindenden größeren Kavallerie-Uebungen kam ein Drogoner so unglücklich zu Fall, daß er sofort an den Folgen feiner Verletzungen starb. — In einem Hotel in Gebweiler hat sich ein seit 14 Tagen dort weilender junger Apotheker, Namens Albert Schönbrod, durch einen Revolverschuß getödtet. — Auf der Meffe in Mainz wurde ein Mann verhaftet, der im Gedränge mit einer langen Nadel Frauen und Mädchen stach. Eine Erklärung über seine Handlungsweise konnte der Verhaftete nicht abgeben. — Sonntag Nachmittag sind drei Mädchen und ein Knecht im Skrzypker See bei Borszymmen ertrunken. Bisher ist die Leiche eines Mädchens ge- funden.__
Letzte Steine.
Erzählung von A. Arnefeld.
(Nachdruck verboten) (Fortsetzung)
„Ist schlimm, sehr schlimm, ich kenne ihn länger als Du", unterbrach ihn der Lord mit einer Händbe- wegung, als wolle er eine ihn: sehr fatale Erscheinung von sich abwehren.
„Dennoch weißt Du nicht, wohin er jetzt gerathen ist", fuhr Sir Frederic eindringlich fort. „Er hat vor Kurzen: mit einer bedeutenden Summe sich drängende Gläubiger, die ihn wie Bluthunde gehetzt haben, vom Halse geschafft."
„Ich dachte es mir, daß es solche Angelegenheiten sein müßten, die ihn so plötzlich von hinnen trieben," nickte der Lord.
„Weißt,Du auch, woher er das Geld zur Bezahlung dieser Schulden genommen hat ^"fragte Sir Frederie.
„Durch andere Schulden, die er bei noch viel schlimmeren Wucherern gemacht hat," entgegttete Lord Darlymle.
„Ich wünschte es wäre so, ich fürchte aber —" Sir Frederic beugte sich ganz dicht an des Barons Ohr heran und flüsterte ihm etwas zu. Lord Darlymle fuhr auf.
„Nein, Frederic, nein, das geht zu weit!" rief er. „So wenig ich von ihm halte, das — das ist unmöglich. Bedenke, er heißt Herbert, in seinen Wem fließt das beste.Blut in ganz England, dasselbe Blut, dem ich entsprossen bin. Nein, und tausendmal nein, Cuthbert ist ein Gentlemen."
Der Lord wandte sich ab und ging eilig davon; Sir Frederic schüttelte den Kopf und sah ihm mit einer vielsagenden Miene nach.
VI.
Cuthbert Herbert war nach kaum vierzehntägiger Abwesenheit nach Newton Park zurückgekehrt. Sein plötzliches Erscheinen war von den Bewohnern des Schlosses mit sehr verschiedenen Empfindungenbegrüßt worden. Der Lord, dem das Eintreffen des Gastes sehr ungelegen kam, mußte sich Zwang anthun, ihm gegenüber die Pflichten der Gastfreundlichkeit, daß jeder Andere als Curhbert Herbert sich davon abgeschreckt gefühlt hätte. Er schien aber das Wesen seines Verwandten gar nicht zu bemerken, begnete ihm, wo er mit ihm zusammentraf, mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit und hielt sich zumeist zu den Damen. Lady Francis war nun einmal seine Gönnerin, die an seine schlimmen Streiche nicht glaubte und der wie immer, so auch jetzt, der Besuch des amüsanten Vetters eine angenehme Abwechselung in das Einerlei ihres Landlebens brächte. Edith war aber völlig verwandelt; ein warmer Hauch, schien sie berührt zu haben. Sie war bald schüchtern und zaghaft, bald lebhaft und mittheilsam und so weich und liebevoll, daß der Sonnenglanz ihres Wesens sich auf alles erstreckte und sie selbst Sir Frederic freundlicher als bisher begegnete.
Cuthbert war wieder da, er war gekommen, wie er ihr zuflüsterte, um die Entscheidung herbeizuführen, nun mußte sich alles wenden, sie war glücklich und hoffte es bald noch mehr zu sein._____
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 31. August 1902.
Vormittagsgottesdienst: Herr Supreintendent Orth. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl.
Wochendienst: Herr Superintendent Okth^